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title: Arzneimittel auf Rezept (§ 31 SGB V) – Anspruch, Festbetrag, Rabattvertrag, aut idem und Zuzahlung 2026
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# Arzneimittel auf Rezept (§ 31 SGB V) – Anspruch, Festbetrag, Rabattvertrag, aut idem und Zuzahlung 2026

## Kurzantwort

Gesetzlich Krankenversicherte haben nach **§ 31 Abs. 1 Satz 1 SGB V** Anspruch auf Versorgung mit **apothekenpflichtigen Arzneimitteln** sowie mit **Verbandmitteln, Harn- und Blutteststreifen**. Ausgenommen sind **homöopathische und anthroposophische Arzneimittel** und alles, was nach **§ 34 SGB V** oder durch die Arzneimittel-Richtlinie des G-BA (§ 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 SGB V) ausgeschlossen ist. Der wichtigste Ausschluss: **nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel (OTC) sind nach § 34 Abs. 1 Satz 1 SGB V grundsätzlich nicht zu Lasten der GKV verordnungsfähig** – Ausnahmen gelten für **Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr**, für **Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr mit Entwicklungsstörungen** und für die vom G-BA in der **OTC-Übersicht (Anlage I der Arzneimittel-Richtlinie)** gelisteten Standardtherapeutika bei schwerwiegenden Erkrankungen. Ist ein **Festbetrag nach § 35 SGB V** festgesetzt, zahlt die Kasse nur bis zu dieser Höhe (§ 31 Abs. 2 Satz 1) – der Rest ist **Mehrkosten** des Versicherten. Die **Zuzahlung** richtet sich nach § 31 Abs. 3 Satz 1 i. V. m. **§ 61 Satz 1 SGB V**: 10 Prozent des Abgabepreises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, nie mehr als die Kosten des Mittels; **Harn- und Blutteststreifen sind zuzahlungsfrei** (§ 31 Abs. 3 Satz 2), ebenso die erneute Verordnung nach einem **Arzneimittelrückruf** (Satz 7). In der Apotheke greift die **Substitutionspflicht („aut idem")** nach **§ 129 Abs. 1 SGB V**: Hat der Arzt nur den Wirkstoff verordnet oder das Aut-idem-Feld nicht angekreuzt, muss die Apotheke ein **rabattiertes wirkstoffgleiches Arzneimittel** abgeben. Bei **Nichtverfügbarkeit** darf die Apotheke nach **§ 129 Abs. 2a SGB V** ohne Rücksprache mit dem Arzt austauschen und von Packungsgröße, Packungsanzahl, Teilmenge und Wirkstärke abweichen. Maßgeblich ist § 31 SGB V in der Fassung des **GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes vom 24.07.2026 (BGBl. I Nr. 228), in Kraft seit 30.07.2026**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 31 SGB V (Arznei- und Verbandmittel, Verordnungsermächtigung) [gesetze-im-internet.de, dejure.org] |
| Fassung | GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 24.07.2026 (BGBl. I Nr. 228), in Kraft seit 30.07.2026 |
| Vorfassung 2026 | Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz vom 26.06.2026 (BGBl. I Nr. 195), in Kraft seit 02.07.2026 |
| Anspruchsinhalt (§ 31 Abs. 1 Satz 1) | apothekenpflichtige Arzneimittel, Verbandmittel, Harn- und Blutteststreifen |
| Gesetzlich ausgenommen (§ 31 Abs. 1 Satz 1) | homöopathische und anthroposophische Arzneimittel; Ausschlüsse nach § 34 SGB V und AM-RL |
| OTC-Grundregel (§ 34 Abs. 1 Satz 1) | nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel von der Versorgung ausgeschlossen |
| OTC-Ausnahme Kinder (§ 34 Abs. 1 Satz 5 Nr. 1) | versicherte Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr |
| OTC-Ausnahme Jugendliche (§ 34 Abs. 1 Satz 5 Nr. 2) | bis zum vollendeten 18. Lebensjahr **mit Entwicklungsstörungen** |
| OTC-Ausnahmeliste | Anlage I der Arzneimittel-Richtlinie („OTC-Übersicht"), § 34 Abs. 1 Satz 2 und 4 SGB V |
| Negativliste Erwachsene (§ 34 Abs. 1 Satz 6) | Erkältung/grippale Infekte inkl. Schnupfen-, Schmerz-, Husten-Mittel; Mund- und Rachentherapeutika (außer Pilzinfektionen); Abführmittel; Mittel gegen Reisekrankheit |
| Lifestyle-Ausschluss (§ 34 Abs. 1 Satz 7, 8) | erektile Dysfunktion, Potenzsteigerung, Raucherentwöhnung, Abmagerung/Appetitzügelung, Körpergewichtsregulierung, Haarwuchs |
| Tabakentwöhnung (§ 34 Abs. 2) | **einmalige** Versorgung bei schwerer Tabakabhängigkeit im evidenzbasierten Programm; erneut frühestens **3 Jahre** nach Abschluss |
| Festbetrag (§ 31 Abs. 2 Satz 1, § 35) | Kasse trägt Kosten nur bis zur Höhe des Festbetrags; darüber Mehrkosten des Versicherten |
| Zuzahlung (§ 31 Abs. 3 Satz 1, § 61 Satz 1) | 10 % des Abgabepreises, mind. 5 €, höchstens 10 €, nie mehr als die Kosten |
| Zuzahlungsfrei kraft Gesetzes | Harn- und Blutteststreifen (§ 31 Abs. 3 Satz 2); erneute Verordnung nach Rückruf (Satz 7) |
| Zuzahlungsbefreiung 20-%-Regel (§ 31 Abs. 3 Satz 4) | GKV-Spitzenverband kann Arzneimittel freistellen, deren Herstellerabgabepreis ohne MwSt. mind. **20 %** unter dem Festbetrag liegt |
| Unter 18 Jahren | zuzahlungsfrei (§ 31 Abs. 3 Satz 1 gilt erst ab vollendetem 18. Lebensjahr) |
| Wiederholungsverordnung (§ 31 Abs. 1b) | bis zu **dreimal** sich wiederholende Abgabe, Belieferung bis **ein Jahr** nach Ausstellungsdatum |
| Apothekenwahl (§ 31 Abs. 1 Satz 5–7) | freie Apothekenwahl; Zuweisungs- und Beeinflussungsverbot; gilt auch für **E-Rezept** |
| aut idem (§ 129 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Satz 3) | Apotheke muss rabattiertes wirkstoffgleiches Arzneimittel abgeben, wenn Arzt Wirkstoff verordnet oder Ersetzung nicht ausgeschlossen hat |
| Austauschkriterien (§ 129 Abs. 1 Satz 2) | identisch in **Wirkstärke und Packungsgröße**, gleiches Anwendungsgebiet, gleiche oder austauschbare Darreichungsform |
| Substitutionsausschlussliste (§ 129 Abs. 1a Satz 2) | G-BA bestimmt Arzneimittel, bei denen die Ersetzung ausgeschlossen ist (v. a. geringe therapeutische Breite) |
| Nichtverfügbarkeit (§ 129 Abs. 2a) | zwei erfolglose Verfügbarkeitsanfragen bei vollversorgenden Großhandlungen (§ 52b Abs. 2 AMG); bei nur einem Großhändler genügt eine Anfrage |
| Abweichungen ohne Arzt-Rücksprache (§ 129 Abs. 2a Satz 4) | Packungsgröße, Packungsanzahl, Teilmengen-Abgabe, Wirkstärke (keine pharmazeutischen Bedenken) – Gesamtwirkstoffmenge darf nicht überschritten werden |
| Kinderarzneimittel-Liste (§ 129 Abs. 2b) | BfArM-Liste essentieller Pädiatrie-Arzneimittel; erweiterte Austauschbefugnis inkl. anderer Darreichungsform |
| Cannabis (§ 31 Abs. 6) | Anspruch bei schwerwiegender Erkrankung; Genehmigung binnen **2 Wochen**, mit MD-Gutachten **4 Wochen**, bei SAPV/Anschlussversorgung **3 Tage** |
| Übergangsfrist Wundprodukte (§ 31 Abs. 1a Satz 5) | sonstige Produkte zur Wundbehandlung noch bis **31. Dezember 2026** zu Lasten der Kassen |

## Was die Kasse zahlt – und was nicht

**§ 31 Abs. 1 Satz 1 SGB V** definiert den Leistungsanspruch positiv und negativ zugleich: Versicherte haben Anspruch auf **apothekenpflichtige Arzneimittel**, auf **Verbandmittel** sowie auf **Harn- und Blutteststreifen** – „soweit es sich nicht um homöopathische oder anthroposophische Arzneimittel handelt oder die Arzneimittel nicht nach § 34 oder durch Richtlinien nach § 92 Absatz 1 Satz 2 Nummer 6 von der Versorgung ausgeschlossen sind". Nicht apothekenpflichtige Präparate – etwa freiverkäufliche Nahrungsergänzungsmittel aus dem Drogeriemarkt – sind damit von vornherein außerhalb des Anspruchs.

Der praktisch bedeutsamste Ausschluss steht in **§ 34 Abs. 1 Satz 1 SGB V**: **Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel** (OTC) sind von der Versorgung nach § 31 ausgeschlossen. Davon gibt es drei Durchbrechungen:

1. **Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr** (§ 34 Abs. 1 Satz 5 Nr. 1) – für sie sind OTC-Arzneimittel weiterhin verordnungsfähig.
2. **Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr mit Entwicklungsstörungen** (§ 34 Abs. 1 Satz 5 Nr. 2).
3. Die **OTC-Übersicht** (Anlage I der Arzneimittel-Richtlinie): Der G-BA legt dort fest, welche nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel „bei der Behandlung schwerwiegender Erkrankungen als Therapiestandard gelten" und deshalb **ausnahmsweise mit Begründung** vom Vertragsarzt verordnet werden können (§ 34 Abs. 1 Satz 2 SGB V). Der G-BA muss dazu eine laufend aktualisierte, im Internet abrufbare Zusammenstellung der verordnungsfähigen Fertigarzneimittel vorhalten (Satz 4).

Umgekehrt schließt **§ 34 Abs. 1 Satz 6 SGB V** für Erwachsene auch bestimmte **verschreibungspflichtige** Arzneimittel aus, wenn sie in den genannten Anwendungsgebieten verordnet werden: Mittel gegen **Erkältungskrankheiten und grippale Infekte** (einschließlich Schnupfen-, Schmerz-, hustendämpfender und hustenlösender Mittel), **Mund- und Rachentherapeutika** (ausgenommen bei Pilzinfektionen), **Abführmittel** und **Mittel gegen Reisekrankheit**. Hinzu kommt der **Lifestyle-Ausschluss** nach § 34 Abs. 1 Satz 7 und 8: Ausgeschlossen sind Arzneimittel, bei deren Anwendung „eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht" – insbesondere Mittel gegen erektile Dysfunktion, zur Potenzsteigerung, zur **Raucherentwöhnung**, zur **Abmagerung oder Appetitzügelung**, zur **Regulierung des Körpergewichts** oder zur Verbesserung des Haarwuchses. An diesem Maßstab hat das **LSG Niedersachsen-Bremen mit Urteil vom 28.04.2026 (L 16 KR 161/26)** eine sogenannte „Abnehmspritze" gemessen und als Lifestyle-Arzneimittel eingeordnet; auch das **LSG Baden-Württemberg** hatte zuvor (Beschluss vom 26.11.2024, L 11 KR 3317/24) einen Anspruch auf Tirzepatid zur Gewichtsreduktion abgelehnt.

Eine bemerkenswerte **Rückausnahme** vom Lifestyle-Ausschluss enthält **§ 34 Abs. 2 SGB V**: Versicherte mit festgestellter **schwerer Tabakabhängigkeit** haben Anspruch auf eine **einmalige** Versorgung mit Arzneimitteln zur Tabakentwöhnung im Rahmen eines evidenzbasierten Programms; eine erneute Versorgung ist **frühestens drei Jahre** nach Abschluss der Behandlung möglich.

## Festbetrag, Mehrkosten und Zuzahlung

Ist für ein Arznei- oder Verbandmittel ein **Festbetrag nach § 35 SGB V** festgesetzt, trägt die Krankenkasse nach **§ 31 Abs. 2 Satz 1 SGB V** die Kosten **nur bis zur Höhe dieses Betrages**; für Mittel ohne Festbetrag die vollen Kosten – jeweils abzüglich der Zuzahlung und der Herstellerabschläge nach §§ 130, 130a SGB V. Liegt der Apothekenverkaufspreis über dem Festbetrag, zahlt der Versicherte die **Differenz als Mehrkosten** zusätzlich zur Zuzahlung; diese Mehrkosten zählen **nicht** zur Belastungsgrenze nach § 62 SGB V. Hat die Kasse mit dem Hersteller eine Vereinbarung nach § 130a Abs. 8 SGB V geschlossen, die die Festbetragsüberschreitung ausgleicht, entfallen die Mehrkosten (§ 31 Abs. 2 Sätze 2 und 3). Entspricht eine solche Vereinbarung nicht den gesetzlichen Anforderungen, sind Versicherte und Apotheken **nicht verpflichtet, Mehrkosten zurückzuzahlen** (Satz 5).

Die **Zuzahlung** ergibt sich aus **§ 31 Abs. 3 Satz 1 SGB V** in Verbindung mit **§ 61 Satz 1 SGB V**: **10 Prozent des Abgabepreises, mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro**, jedoch **nie mehr als die Kosten des Mittels**. Sie fällt erst ab dem **vollendeten 18. Lebensjahr** an; Kinder und Jugendliche sind zuzahlungsfrei. Drei gesetzliche Entlastungen kommen hinzu:

- **Harn- und Blutteststreifen** sind ausdrücklich zuzahlungsfrei (§ 31 Abs. 3 Satz 2).
- Der **GKV-Spitzenverband** kann Arzneimittel von der Zuzahlung freistellen, deren Herstellerabgabepreis ohne Mehrwertsteuer **mindestens 20 Prozent unter dem maßgeblichen Festbetrag** liegt (§ 31 Abs. 3 Satz 4) – das ist die Grundlage der bekannten **Zuzahlungsbefreiungsliste**. Für rabattierte Arzneimittel kann die einzelne Kasse die Zuzahlung **halbieren oder ganz erlassen** (Satz 5).
- Muss ein Arzneimittel wegen eines **Rückrufs** oder einer behördlich bekannt gemachten Verwendbarkeitseinschränkung erneut verordnet werden, ist die **erneute Verordnung zuzahlungsfrei**; bereits geleistete Zuzahlungen sind auf Antrag zu erstatten (§ 31 Abs. 3 Sätze 7 und 8).

Ergänzend begrenzt **§ 31 Abs. 4 SGB V** die Versorgung auf therapiegerechte Packungsgrößen: Ein Fertigarzneimittel, dessen Packungsgröße die größte nach der **Packungsgrößenverordnung** bestimmte Größe übersteigt, ist **nicht Gegenstand der Versorgung** und darf nicht zu Lasten der GKV abgegeben werden.

## aut idem: Was in der Apotheke wirklich passiert

Ob der Versicherte das im Rezept genannte Präparat erhält, entscheidet nicht allein der Arzt. **§ 129 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB V** verpflichtet die Apotheke zur **Abgabe eines preisgünstigen Arzneimittels**, wenn der Arzt entweder nur den **Wirkstoff** verordnet oder die Ersetzung durch ein wirkstoffgleiches Arzneimittel **nicht ausgeschlossen** hat – letzteres geschieht durch Ankreuzen des **Aut-idem-Feldes** auf dem Rezept.

Der Austausch ist an feste Kriterien gebunden (**§ 129 Abs. 1 Satz 2**): Das abgegebene Arzneimittel muss mit dem verordneten in **Wirkstärke und Packungsgröße identisch** sein, für ein **gleiches Anwendungsgebiet zugelassen** sein und die **gleiche oder eine austauschbare Darreichungsform** besitzen. Vorrang hat dabei das Arzneimittel, für das ein **Rabattvertrag nach § 130a Abs. 8 SGB V** mit Wirkung für die Krankenkasse besteht (Satz 3); besteht kein Rabattvertrag, ist nach Maßgabe des Rahmenvertrags durch ein **preisgünstigeres** Arzneimittel zu ersetzen (Satz 5). Wer trotzdem ein bestimmtes anderes Präparat will, kann es nach **Satz 6 gegen Kostenerstattung** erhalten, wenn die Austauschkriterien des Satzes 2 erfüllt sind. Die Regeln gelten sinngemäß auch für **Biosimilars**, soweit der G-BA die Austauschbarkeit gegenüber dem biologischen Referenzarzneimittel festgestellt hat (Satz 12).

Grenzen setzt **§ 129 Abs. 1a SGB V**: Der G-BA gibt Hinweise zur Austauschbarkeit von Darreichungsformen (Satz 1) und bestimmt die Arzneimittel, bei denen die Ersetzung **ausgeschlossen** ist – die sogenannte **Substitutionsausschlussliste**, bei der insbesondere Wirkstoffe mit **geringer therapeutischer Breite** zu berücksichtigen sind (Satz 2).

Die Einzelheiten regelt der **Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung nach § 129 Abs. 2 SGB V** zwischen GKV-Spitzenverband und Deutschem Apothekerverband; die aktuelle Fassung hat den **Stand 1. April 2026**, die erste Änderungsvereinbarung wirkt seit **1. Juli 2026**.

## Lieferengpass: Sonderrechte der Apotheke

Seit dem **Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG)** vom 19.07.2023 enthält § 129 SGB V eigene Engpassregeln. Nach **§ 129 Abs. 2a Satz 1 SGB V** darf die Apotheke bei **Nichtverfügbarkeit** des eigentlich abzugebenden Arzneimittels dieses gegen ein **verfügbares wirkstoffgleiches** Arzneimittel austauschen – abweichend von der Rabattvertrags- und Preisgünstigkeitskaskade.

**Nichtverfügbarkeit** ist gesetzlich definiert (Sätze 2 und 3): Sie liegt vor, wenn das Arzneimittel innerhalb einer angemessenen Zeit durch **zwei unterschiedliche Verfügbarkeitsanfragen** bei vollversorgenden Arzneimittelgroßhandlungen im Sinne des § 52b Abs. 2 AMG nicht beschafft werden kann; wird die Apotheke nur von **einem** vollversorgenden Großhändler beliefert, genügt **eine** Anfrage.

Zusätzlich darf die Apotheke nach **§ 129 Abs. 2a Satz 4 SGB V** ohne Rücksprache mit dem verordnenden Arzt von der Verordnung abweichen – solange die **verordnete Gesamtmenge des Wirkstoffs nicht überschritten** wird – hinsichtlich

1. der **Packungsgröße**, auch mit Überschreitung der Messzahl nach der Packungsgrößenverordnung,
2. der **Packungsanzahl**,
3. der **Abgabe von Teilmengen** aus der Packung eines Fertigarzneimittels, soweit die verordnete Packungsgröße nicht lieferbar ist, und
4. der **Wirkstärke**, sofern keine pharmazeutischen Bedenken bestehen.

Für **Kinderarzneimittel** geht **§ 129 Abs. 2b SGB V** noch weiter: Das **BfArM** kann eine Liste essentieller Arzneimittel für die Pädiatrie veröffentlichen, die einer angespannten Versorgungssituation unterliegen können. Steht ein Arzneimittel auf dieser Liste und ist nicht verfügbar, darf die Apotheke es **ohne Rücksprache mit dem Arzt** gegen ein wirkstoffgleiches, **in der Apotheke hergestelltes** Arzneimittel – auch in anderer Darreichungsform – oder gegen ein wirkstoffgleiches Fertigarzneimittel **in einer anderen Darreichungsform** austauschen.

Kostenseitig flankiert **§ 129 Abs. 4 SGB V** diese Befugnisse: Wurde entgegen der Substitutionspflicht nicht ersetzt oder wurden die Verfügbarkeitsanfragen nicht vorgenommen, ist eine **Retaxation** des abgegebenen Arzneimittels **ausgeschlossen**.

## Apothekenwahl, E-Rezept und Wiederholungsverordnung

**§ 31 Abs. 1 Satz 5 SGB V** garantiert die **freie Apothekenwahl** unter allen Apotheken, für die der Rahmenvertrag nach § 129 Abs. 2 gilt. **Satz 6** verbietet Vertragsärzten und Krankenkassen, Versicherte dahin zu beeinflussen, Verordnungen bei einer bestimmten Apotheke einzulösen, oder Verordnungen bestimmten Leistungserbringern zuzuweisen – zulässig ist eine Empfehlung nur, soweit gesetzlich vorgesehen oder „aus medizinischen Gründen im Einzelfall geboten". **Satz 7** stellt ausdrücklich klar, dass Sätze 5 und 6 **auch bei der Einlösung von elektronischen Verordnungen** gelten; das Zuweisungsverbot ist damit auf das **E-Rezept** erstreckt.

Für Dauertherapien erlaubt **§ 31 Abs. 1b SGB V** die **Wiederholungsverordnung**: Vertragsärzte können für Versicherte, die eine kontinuierliche Versorgung mit einem bestimmten Arzneimittel benötigen, Verordnungen ausstellen, nach denen nach der Erstabgabe eine **bis zu dreimal sich wiederholende Abgabe** erlaubt ist. Die Verordnungen sind besonders zu kennzeichnen und dürfen **bis zu einem Jahr nach Ausstellungsdatum** zu Lasten der GKV beliefert werden.

## Sonderfälle: Cannabis, enterale Ernährung, Verbandmittel

**Medizinalcannabis (§ 31 Abs. 6 SGB V):** Versicherte mit einer **schwerwiegenden Erkrankung** haben Anspruch auf Cannabis in Form von Extrakten in standardisierter Qualität sowie auf Dronabinol oder Nabilon, wenn eine dem medizinischen Standard entsprechende Leistung **nicht zur Verfügung steht** oder im Einzelfall nach begründeter ärztlicher Einschätzung **nicht zur Anwendung kommen kann**, und eine „nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome" besteht. Die Versorgung hat zunächst mit einem **zugelassenen cannabishaltigen Fertigarzneimittel im Rahmen eines sechsmonatigen Therapieversuchs** zu erfolgen (Satz 2). Die **erste** Verordnung bedarf der nur in begründeten Ausnahmefällen abzulehnenden **Genehmigung der Krankenkasse** – es sei denn, sie stammt von einer vom G-BA bestimmten Facharztgruppe (Satz 3). Fristen: **zwei Wochen** ab Antragseingang, bei Einholung eines Gutachtens des Medizinischen Dienstes **vier Wochen** (der MD nimmt binnen zwei Wochen Stellung), und **drei Tage** bei Verordnung im Rahmen der SAPV nach § 37b oder im unmittelbaren Anschluss an eine stationäre Behandlung. Reine **Dosisanpassungen** oder der Wechsel zu anderen standardisierten Extrakten bedürfen **keiner erneuten Genehmigung** (Satz 8).

**Bilanzierte Diäten (§ 31 Abs. 5 SGB V):** Anspruch auf bilanzierte Diäten zur enteralen Ernährung besteht nach Maßgabe der Arzneimittel-Richtlinie; die Zuzahlung richtet sich nach Absatz 3 Satz 1.

**Verbandmittel (§ 31 Abs. 1a SGB V):** Verbandmittel sind Gegenstände einschließlich Fixiermaterial, deren Hauptwirkung darin besteht, oberflächengeschädigte Körperteile zu **bedecken**, Körperflüssigkeiten **aufzusaugen** oder beides. Die Eigenschaft entfällt nicht, wenn ergänzend Wirkungen ohne pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkweise hinzutreten (Wunde feucht halten, reinigen, geruchsbindend, antimikrobiell, metallbeschichtet). Für **sonstige Produkte zur Wundbehandlung** gilt eine Übergangsregelung: Sie sind **bis zum 31. Dezember 2026** weiterhin zu Lasten der Krankenkassen zu erbringen, soweit sie vor Wirksamwerden der G-BA-Regelungen erbracht wurden (§ 31 Abs. 1a Satz 5).

## Häufige Fehler

- **„Alles, was der Arzt aufschreibt, zahlt die Kasse."** Falsch – § 31 Abs. 1 Satz 1 SGB V schließt homöopathische und anthroposophische Arzneimittel aus, § 34 SGB V schließt OTC-Präparate, bestimmte Anwendungsgebiete und Lifestyle-Arzneimittel aus.
- **„Rezeptfreie Medikamente bekommt man auf Kassenrezept, wenn der Arzt sie für nötig hält."** Falsch – § 34 Abs. 1 Satz 1 SGB V schließt sie aus. Verordnungsfähig sind sie nur für Kinder **bis zum vollendeten 12. Lebensjahr**, für Jugendliche **bis 18 mit Entwicklungsstörungen** oder wenn sie in der **OTC-Übersicht** des G-BA stehen.
- **„OTC-Ausnahme gilt für alle Jugendlichen bis 18."** Falsch – die Ausnahme in § 34 Abs. 1 Satz 5 Nr. 2 SGB V setzt eine **Entwicklungsstörung** voraus; ohne sie endet die Ausnahme mit dem vollendeten 12. Lebensjahr.
- **„Zum Festbetrag zahle ich nur die Zuzahlung."** Falsch – liegt der Preis über dem Festbetrag, kommen **Mehrkosten** hinzu (§ 31 Abs. 2 Satz 1 SGB V). Diese zählen **nicht** zur Belastungsgrenze des § 62 SGB V.
- **„Die Apotheke darf mein Präparat nicht einfach austauschen."** Falsch – § 129 Abs. 1 SGB V verpflichtet zum Austausch, wenn der Arzt das **Aut-idem-Feld nicht angekreuzt** hat. Wer den Austausch verhindern will, muss den Arzt um das Aut-idem-Kreuz bitten – oder das Wunschpräparat nach § 129 Abs. 1 Satz 6 SGB V **gegen Kostenerstattung** beziehen.
- **„Bei Lieferengpass muss die Apotheke beim Arzt anrufen."** Nicht zwingend – bei belegter Nichtverfügbarkeit darf sie nach § 129 Abs. 2a SGB V **ohne Rücksprache** austauschen und Packungsgröße, Packungsanzahl, Teilmenge und Wirkstärke anpassen.
- **„Beim E-Rezept darf die Praxis mir eine Apotheke zuweisen."** Falsch – das Zuweisungs- und Beeinflussungsverbot des § 31 Abs. 1 Satz 6 SGB V gilt nach **Satz 7 ausdrücklich auch für elektronische Verordnungen**.
- **„Abnehmmedikamente zahlt die Kasse, wenn Adipositas ärztlich diagnostiziert ist."** So nicht – § 34 Abs. 1 Satz 8 SGB V schließt Arzneimittel zur Abmagerung, Appetitzügelung und Körpergewichtsregulierung aus; das LSG Niedersachsen-Bremen hat dies mit Urteil vom 28.04.2026 (L 16 KR 161/26) bestätigt.
- **„Cannabis auf Rezept muss die Kasse immer genehmigen."** Nur bei der **ersten** Verordnung ist eine Genehmigung nötig – und sie ist nur in **begründeten Ausnahmefällen** abzulehnen (§ 31 Abs. 6 Satz 3 SGB V); bei Verordnung durch eine vom G-BA bestimmte Facharztgruppe entfällt sie ganz.
- **„Ein Rezept gilt nur einen Monat."** Für die **Wiederholungsverordnung** nach § 31 Abs. 1b SGB V gilt eine Belieferungsfrist von **bis zu einem Jahr** ab Ausstellungsdatum bei bis zu drei Wiederholungen.

## Quellen

- § 31 SGB V – Arznei- und Verbandmittel, Verordnungsermächtigung (gesetze-im-internet.de): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__31.html
- § 31 SGB V (dejure.org, Fassung ab 30.07.2026): https://dejure.org/gesetze/SGB_V/31.html
- § 34 SGB V – Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel (gesetze-im-internet.de): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__34.html
- § 34 SGB V (dejure.org): https://dejure.org/gesetze/SGB_V/34.html
- § 35 SGB V – Festbeträge für Arznei- und Verbandmittel: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__35.html
- § 61 SGB V – Zuzahlungen: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__61.html
- § 62 SGB V – Belastungsgrenze: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__62.html
- § 129 SGB V – Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung (gesetze-im-internet.de): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__129.html
- § 129 SGB V (dejure.org, Fassung ab 02.07.2026): https://dejure.org/gesetze/SGB_V/129.html
- § 130a SGB V – Rabatte der pharmazeutischen Unternehmer: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__130a.html
- § 52b AMG – Bereitstellung von Arzneimitteln: https://www.gesetze-im-internet.de/amg_1976/__52b.html
- G-BA – OTC-Übersicht der verordnungsfähigen, nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel (Anlage I AM-RL): https://www.g-ba.de/themen/arzneimittel/arzneimittel-richtlinie-anlagen/otc-uebersicht/
- G-BA – Arzneimittel-Richtlinie und Anlagen: https://www.g-ba.de/themen/arzneimittel/arzneimittel-richtlinie-anlagen/
- GKV-Spitzenverband – Rahmenverträge zur Arzneimittelversorgung: https://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/arzneimittel/rahmenvertraege/rahmenvertraege.jsp
- GKV-Spitzenverband – Rahmenvertrag nach § 129 Abs. 2 SGB V, Stand 1. April 2026 (PDF): https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/krankenversicherung_1/arzneimittel/rahmenvertraege/apotheken/2026-03-25_RV_129_Abs._2_SGB_V_Stand_1._April_2026_barrierefrei.pdf
- BfArM – Lieferengpässe (Themendossier): https://www.bfarm.de/DE/Aktuelles/Themendossiers/Lieferengpaesse/_node.html
- BfArM – Liste versorgungskritischer Wirkstoffe nach § 52b Abs. 3c AMG: https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Zulassung/amInformationen/Lieferengpaesse/Liste_versorgungskritischer_wirkstoffe.html
- LSG Niedersachsen-Bremen, Urteil vom 28.04.2026 – L 16 KR 161/26 (Abnehmspritze als Lifestyle-Arzneimittel), dejure.org: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=LSG%20Niedersachsen-Bremen&Datum=28.04.2026&Aktenzeichen=L%2016%20KR%20161%2F26
- LSG Baden-Württemberg, Beschluss vom 26.11.2024 – L 11 KR 3317/24 (Tirzepatid/Mounjaro), dejure.org: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=LSG%20Baden-W%FCrttemberg&Datum=26.11.2024&Aktenzeichen=L%2011%20KR%203317%2F24

## Änderungsverlauf

- 2026-08-11: Erstveröffentlichung. §§ 31, 34 SGB V und § 129 Abs. 1, 1a, 2a, 2b SGB V verbatim gegen dejure.org geprüft (§ 31 in der Fassung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes vom 24.07.2026, BGBl. I Nr. 228, in Kraft seit 30.07.2026; § 129 in der Fassung des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes vom 26.06.2026, BGBl. I Nr. 195, in Kraft seit 02.07.2026). OTC-Ausschluss und Altersgrenzen (12 / 18 Jahre mit Entwicklungsstörungen), Negativliste des § 34 Abs. 1 Satz 6, Lifestyle-Ausschluss Satz 7/8 und Tabakentwöhnung nach § 34 Abs. 2 (einmalig, Wiederholung frühestens nach drei Jahren) gegen den Gesetzeswortlaut belegt. Zuzahlung über § 31 Abs. 3 Satz 1 i. V. m. § 61 Satz 1 SGB V, 20-%-Freistellung nach § 31 Abs. 3 Satz 4. Aut-idem-Substitution, Austauschkriterien und Substitutionsausschlussliste aus § 129 Abs. 1 Satz 2, 3, 6 und Abs. 1a Satz 2. Lieferengpass-Regeln (zwei Verfügbarkeitsanfragen, Abweichungskatalog, BfArM-Kinderarzneimittelliste) aus § 129 Abs. 2a und 2b. Cannabis-Fristen (2 / 4 Wochen, 3 Tage) aus § 31 Abs. 6 Sätze 5 bis 7. Abgrenzung zu den bestehenden Themenseiten Zuzahlungen (§ 61), Belastungsgrenze (§ 62), Heilmittel (§ 32), Hilfsmittel (§ 33) und DiGA (§ 33a) vermerkt. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

Rechtsstand: 11. August 2026. § 31 SGB V gilt in der Fassung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes vom 24.07.2026 (BGBl. I Nr. 228), in Kraft seit 30. Juli 2026; § 129 SGB V in der Fassung des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes vom 26.06.2026 (BGBl. I Nr. 195), in Kraft seit 2. Juli 2026; § 34 SGB V in der Fassung des Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetzes vom 11.07.2021 (BGBl. I S. 2754), in Kraft seit 20. Juli 2021. Die Übergangsregelung für sonstige Produkte zur Wundbehandlung nach § 31 Abs. 1a Satz 5 SGB V läuft am 31. Dezember 2026 aus. Höhe und Befreiung der Zuzahlung (§ 61 SGB V) sowie die Belastungsgrenze (§ 62 SGB V) werden auf eigenen Themenseiten behandelt. Der Rahmenvertrag nach § 129 Abs. 2 SGB V wird von den Vertragspartnern laufend fortgeschrieben; maßgeblich ist die jeweils beim GKV-Spitzenverband veröffentlichte Fassung.
