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title: Ausgleichung unter Abkömmlingen (§§ 2050–2056 BGB) – Ausstattung, übermäßige Zuschüsse, Anrechnung bei der Erbauseinandersetzung
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# Ausgleichung unter Abkömmlingen (§§ 2050–2056 BGB) – Ausstattung, übermäßige Zuschüsse, Anrechnung bei der Erbauseinandersetzung

## Kurzantwort

Hat ein Erblasser einem seiner Kinder zu Lebzeiten größere Zuwendungen gemacht – etwa eine **Ausstattung** zur Gründung eines Hausstands oder einer selbständigen Existenz –, so muss dieses Kind sich den Wert bei der **Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft** unter Umständen **anrechnen** lassen. Diese **Ausgleichung** nach **§§ 2050–2056 BGB** stellt die **Gleichbehandlung der Abkömmlinge** her, die als **gesetzliche Erben** zur Erbfolge gelangen. Ausgeglichen wird nur **unter Abkömmlingen** (Kinder, Enkel), **nicht** gegenüber dem Ehegatten und **nicht** unter anderen Verwandten. Nach **§ 2050 Abs. 1 BGB** ist eine **Ausstattung** stets auszugleichen, sofern der Erblasser bei der Zuwendung **nichts anderes angeordnet** hat. **Zuschüsse zum Einkommen** und **Aufwendungen für die Berufsausbildung** sind nach **§ 2050 Abs. 2 BGB** nur **insoweit** auszugleichen, als sie das den Vermögensverhältnissen des Erblassers **entsprechende Maß überstiegen** haben. **Andere Zuwendungen** (z. B. gewöhnliche Geschenke) sind nach **§ 2050 Abs. 3 BGB** nur auszugleichen, wenn der Erblasser dies **bei der Zuwendung ausdrücklich angeordnet** hat. Rechnerisch wird der Wert der ausgleichungspflichtigen Zuwendung dem Nachlass **hinzugerechnet** und dem empfangenden Miterben auf seinen Erbteil **angerechnet** (§ 2055 BGB); maßgeblich ist der **Wert zur Zeit der Zuwendung**. Wer **mehr** empfangen hat als sein rechnerischer Erbteil, muss den Mehrbetrag **nicht zurückzahlen** (§ 2056 BGB). Die Ausgleichung wirkt über **§ 2316 BGB** auch auf die **Pflichtteilsberechnung**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | §§ 2050–2056 BGB (Ausgleichung), § 2316 BGB (Pflichtteil) |
| Betroffener Personenkreis | nur **Abkömmlinge** (Kinder, Enkel) – nicht der Ehegatte, nicht Seitenverwandte |
| Grundvoraussetzung | Abkömmlinge gelangen als **gesetzliche Erben** zur Erbfolge [§ 2050 Abs. 1 BGB] |
| Ausstattung | **stets** ausgleichungspflichtig, außer Erblasser ordnet anderes an [§ 2050 Abs. 1 BGB] |
| Einkommenszuschüsse & Berufsausbildungskosten | ausgleichungspflichtig **nur, soweit sie das angemessene Maß übersteigen** [§ 2050 Abs. 2 BGB] |
| Andere Zuwendungen unter Lebenden | ausgleichungspflichtig **nur bei Anordnung** des Erblassers bei der Zuwendung [§ 2050 Abs. 3 BGB] |
| Begriff der Ausstattung | Zuwendung zur Heirat oder zur Erlangung einer selbständigen Lebensstellung [§ 1624 Abs. 1 BGB] |
| Wegfall eines Abkömmlings | der **eintretende** Abkömmling gleicht die dem Weggefallenen gemachte Zuwendung aus [§ 2051 Abs. 1 BGB] |
| Gewillkürte Erben | Ausgleichung **im Zweifel**, wenn Abkömmlinge auf gesetzliche Quote eingesetzt sind [§ 2052 BGB] |
| Durchführung | Anrechnung auf Erbteil + Hinzurechnung zum Nachlass [§ 2055 Abs. 1 BGB] |
| Bewertungszeitpunkt | **Zeit der Zuwendung** (Rspr.: Kaufkraftbereinigung/Indexierung) [§ 2055 Abs. 2 BGB] |
| Mehrempfang | **keine Rückzahlungspflicht**; Verteilung des Rests ohne diesen Miterben [§ 2056 BGB] |
| Auskunftspflicht | jeder Miterbe muss über ausgleichungspflichtige Zuwendungen Auskunft geben [§ 2057 BGB] |
| Ausschluss durch Erblasser | für Ausstattung möglich (§ 2050 I) – aber **nicht** zum Nachteil des Pflichtteils [§ 2316 Abs. 3 BGB] |
| Wirkung auf Pflichtteil | Ausgleichungspflichten fließen in die Pflichtteilsberechnung ein [§ 2316 Abs. 1 BGB] |
| Verhältnis zu § 2057a BGB | eigenständige Ausgleichung für **Pflegeleistungen/Mitarbeit** – separate Norm |

## Geltungsbereich

Die Ausgleichung nach §§ 2050 ff. BGB greift bei der **Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft**, wenn **mehrere Abkömmlinge** des Erblassers als **gesetzliche Erben** erben. Die Vorschriften betreffen ausschließlich das **Innenverhältnis der Miterben untereinander** – sie verändern nicht die Erbquote als solche, sondern nur die **rechnerische Verteilung** des Nachlasses bei der Teilung. Sie gelten **nicht**, wenn nur **ein** Abkömmling erbt, und **nicht** im Verhältnis zum **überlebenden Ehegatten**: Der Ehegatte ist weder ausgleichungsberechtigt noch ausgleichungsverpflichtet. Bei **gewillkürter Erbfolge** (Testament, Erbvertrag) gilt die Ausgleichung nur, wenn der Erblasser die Abkömmlinge auf das eingesetzt hat, was sie als gesetzliche Erben erhielten, oder ihre Erbteile im Verhältnis der gesetzlichen Quoten bestimmt hat (§ 2052 BGB) – dann besteht im Zweifel Ausgleichungspflicht. Über **§ 2316 BGB** strahlt die Ausgleichung zusätzlich auf die **Höhe des Pflichtteils** aus.

## Was ist eine „Ausstattung"? (§ 1624 BGB)

Zentraler Begriff des § 2050 Abs. 1 BGB ist die **Ausstattung**. Nach **§ 1624 Abs. 1 BGB** ist das, was einem Kind **mit Rücksicht auf seine Verheiratung** oder **auf die Erlangung einer selbständigen Lebensstellung** zur Begründung oder Erhaltung der Wirtschaft oder der Lebensstellung zugewendet wird. Typische Beispiele sind der **Zuschuss zum Erwerb oder Bau eines Eigenheims**, die **Übertragung eines Betriebs** oder größere Startkapitalien zur **Existenzgründung**. Die Ausstattung ist nach § 2050 Abs. 1 BGB **immer** ausgleichungspflichtig – der Gesetzgeber unterstellt, dass der Erblasser seine Kinder gleich behandeln wollte. Will der Erblasser dies **nicht**, muss er die Ausgleichung **bei der Zuwendung** ausdrücklich **ausschließen** (Anordnung „ohne Anrechnung auf den Erbteil"). Eine spätere, isolierte Anordnung genügt nach herrschender Auffassung nicht.

## Die drei Fallgruppen des § 2050 BGB

**1. Ausstattung (§ 2050 Abs. 1 BGB).** Auszugleichen ist das, „was sie von dem Erblasser bei dessen Lebzeiten als Ausstattung erhalten haben, … soweit nicht der Erblasser bei der Zuwendung ein anderes angeordnet hat." → **Ausgleichung ist die Regel**, der Ausschluss die Ausnahme.

**2. Übermäßige Zuschüsse und Ausbildungskosten (§ 2050 Abs. 2 BGB).** Zuschüsse, die „**als Einkünfte verwendet zu werden**" bestimmt waren, sowie **Aufwendungen für die Vorbildung zu einem Beruf**, sind nur auszugleichen, „**als sie das den Vermögensverhältnissen des Erblassers entsprechende Maß überstiegen haben**." → Ein bei wohlhabenden Eltern übliches Studium ist **nicht** ausgleichungspflichtig; nur der **übermäßige** Teil zählt.

**3. Sonstige Zuwendungen (§ 2050 Abs. 3 BGB).** Andere Zuwendungen unter Lebenden sind **nur** auszugleichen, wenn der Erblasser die Ausgleichung **bei der Zuwendung angeordnet** hat. → Hier ist die Ausgleichung die Ausnahme, sie muss aktiv **angeordnet** werden.

## So wird gerechnet (§ 2055 BGB)

Die Ausgleichung folgt einem festen Schema (§ 2055 Abs. 1 BGB):

1. **Hinzurechnung:** Der Wert aller ausgleichungspflichtigen Zuwendungen wird dem **teilungsreifen Nachlass hinzugerechnet** (rechnerischer „Ausgleichungsnachlass").
2. **Verteilung** dieses erhöhten Betrags nach den **Erbquoten** der ausgleichungspflichtigen Abkömmlinge.
3. **Anrechnung:** Jedem Empfänger wird der Wert **seiner** Zuwendung von seinem Anteil wieder **abgezogen**.

**Bewertungszeitpunkt:** Nach § 2055 Abs. 2 BGB bestimmt sich der Wert **nach der Zeit, zu der die Zuwendung erfolgt ist** – nicht nach dem Wert im Erbfall. Die Rechtsprechung korrigiert diesen historischen Wert allerdings um den **Kaufkraftschwund** (Indexierung anhand des Verbraucherpreisindex), um Inflationseffekte auszugleichen (st. Rspr., etwa BGH IVa ZR 26/84; FG Niedersachsen 3 K 388/14).

**Rechenbeispiel:** Erblasser hinterlässt 60.000 € und zwei Kinder A und B (je 1/2). A hat vor Jahren eine ausgleichungspflichtige Ausstattung von 30.000 € (indexiert) erhalten.
- Ausgleichungsnachlass: 60.000 € + 30.000 € = 90.000 €.
- Rechnerischer Anteil je Kind: 45.000 €.
- A: 45.000 € − 30.000 € (Vorempfang) = **15.000 €** aus dem realen Nachlass.
- B: **45.000 €** aus dem realen Nachlass.
- Summe 15.000 € + 45.000 € = 60.000 € = realer Nachlass. ✓

## Mehrempfang – keine Rückzahlungspflicht (§ 2056 BGB)

Hat ein Miterbe durch die Zuwendung **mehr** erhalten, als ihm bei der Auseinandersetzung zukäme, ist er zur **Herauszahlung des Mehrbetrags nicht verpflichtet** (§ 2056 Satz 1 BGB). Der Nachlass wird dann so geteilt, dass der Wert der Zuwendung und der Erbteil dieses Miterben **außer Ansatz** bleiben (§ 2056 Satz 2 BGB): Der „übererfüllte" Abkömmling scheidet rechnerisch aus, der reale Nachlass wird nur unter den übrigen verteilt. Das kann dazu führen, dass ein bereits reich beschenktes Kind vom verbleibenden Nachlass **nichts** mehr erhält – aber eben auch nichts zurückzahlen muss.

## Wegfall eines Abkömmlings und gewillkürte Erben (§§ 2051, 2052 BGB)

**§ 2051 BGB:** Fällt ein ausgleichungspflichtiger Abkömmling vor oder nach dem Erbfall weg (z. B. vorverstorben, ausgeschlagen), tritt der an seine Stelle tretende Abkömmling (typisch: das Enkelkind) ein und muss die dem Weggefallenen gemachte Zuwendung ausgleichen (§ 2051 Abs. 1 BGB). Hat der Erblasser einen **Ersatzerben** eingesetzt, soll dieser im Zweifel **nicht mehr** erhalten, als der ursprüngliche Abkömmling unter Berücksichtigung der Ausgleichung erhielte (§ 2051 Abs. 2 BGB).

**§ 2052 BGB:** Bei **gewillkürter Erbfolge** gilt die Ausgleichung, wenn der Erblasser die Abkömmlinge auf das eingesetzt hat, was sie als gesetzliche Erben erhielten, oder ihre Erbteile im Verhältnis der gesetzlichen Quoten bestimmt hat – dann ist **im Zweifel** anzunehmen, dass sie nach §§ 2050, 2051 BGB zur Ausgleichung verpflichtet sein sollen.

## Bedeutung für den Pflichtteil (§ 2316 BGB)

Über **§ 2316 Abs. 1 BGB** wirkt die Ausgleichung auch auf die **Pflichtteilsberechnung**: Der Pflichtteil eines Abkömmlings bestimmt sich nach dem, was auf den gesetzlichen Erbteil **unter Berücksichtigung der Ausgleichungspflichten** entfiele. Wichtig: Eine **Ausstattung** im Sinne des § 2050 Abs. 1 BGB kann der Erblasser nach **§ 2316 Abs. 3 BGB** **nicht zum Nachteil eines Pflichtteilsberechtigten** von der Berücksichtigung ausschließen. Fällt eine Zuwendung zugleich unter die **Anrechnung** nach § 2315 BGB, wird sie auf den Pflichtteil nur mit der **Hälfte des Wertes** angerechnet (§ 2316 Abs. 4 BGB).

## Abgrenzung zu § 2057a BGB (Pflegeleistungen)

Die Ausgleichung nach §§ 2050 ff. BGB betrifft **Vorempfänge** – also was der Abkömmling **erhalten** hat. Davon zu unterscheiden ist die **Ausgleichung für besondere Leistungen** nach **§ 2057a BGB**: Sie belohnt einen Abkömmling, der durch **Mitarbeit im Haushalt, Beruf oder Geschäft** oder durch **Pflege** des Erblassers zur Erhaltung oder Vermehrung des Vermögens **beigetragen** hat. Beide Mechanismen können im selben Erbfall nebeneinander bestehen und werden bei der Teilung saldiert; die Auskunftspflicht des § 2057 BGB erfasst beide.

## Häufige Fehler

- **„Jedes Geschenk an ein Kind muss ausgeglichen werden."** Nein – gewöhnliche Zuwendungen (§ 2050 Abs. 3 BGB) sind **nur bei ausdrücklicher Anordnung** ausgleichungspflichtig; nur die **Ausstattung** ist es kraft Gesetzes.
- **„Auch der Ehegatte muss ausgleichen."** Nein – die Ausgleichung findet **ausschließlich unter Abkömmlingen** statt.
- **„Der Wert im Todeszeitpunkt zählt."** Grundsätzlich zählt der **Wert zur Zeit der Zuwendung** (§ 2055 Abs. 2 BGB), lediglich **inflationsbereinigt** – nicht der heutige Verkehrswert.
- **„Wer zu viel bekommen hat, muss zurückzahlen."** Nein – bei Mehrempfang besteht **keine Rückzahlungspflicht** (§ 2056 BGB).
- **„Studienkosten sind immer auszugleichen."** Nur der **das angemessene Maß übersteigende** Teil (§ 2050 Abs. 2 BGB).
- **„Der Erblasser kann die Ausstattung beliebig aus der Pflichtteilsberechnung nehmen."** Nicht zum Nachteil des Pflichtteilsberechtigten (§ 2316 Abs. 3 BGB).



## Quellen

- § 2050 BGB – Ausgleichungspflicht für Abkömmlinge als gesetzliche Erben: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2050.html
- § 2051 BGB – Ausgleichungspflicht bei Wegfall eines Abkömmlings: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2051.html
- § 2052 BGB – Ausgleichungspflicht für Abkömmlinge als gewillkürte Erben: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2052.html
- § 2053 BGB – Zuwendung an entfernteren oder angenommenen Abkömmling: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2053.html
- § 2054 BGB – Zuwendung aus dem Gesamtgut: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2054.html
- § 2055 BGB – Durchführung der Ausgleichung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2055.html
- § 2056 BGB – Mehrempfang: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2056.html
- § 2057 BGB – Auskunftspflicht: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2057.html
- § 2057a BGB – Ausgleichungspflicht bei besonderen Leistungen eines Abkömmlings: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2057a.html
- § 1624 BGB – Ausstattung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1624.html
- § 2316 BGB – Ausgleichungspflicht (Pflichtteil): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2316.html
- § 2315 BGB – Anrechnung von Zuwendungen auf den Pflichtteil: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2315.html
- § 2050 BGB (dejure.org, amtlicher Wortlaut, verifiziert): https://dejure.org/gesetze/BGB/2050.html
- § 2055 BGB (dejure.org, amtlicher Wortlaut, verifiziert): https://dejure.org/gesetze/BGB/2055.html
- § 2056 BGB (dejure.org, amtlicher Wortlaut, verifiziert): https://dejure.org/gesetze/BGB/2056.html
- § 2316 BGB (dejure.org, amtlicher Wortlaut, verifiziert): https://dejure.org/gesetze/BGB/2316.html
- BGH, Urteil vom 30.10.1985 – IVa ZR 26/84 (Bewertung/Teilungsquote): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=30.10.1985&Aktenzeichen=IVa%20ZR%2026/84

## Änderungsverlauf

- 2026-07-23: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"