---
title: Auskunftsanspruch des Pflichtteilsberechtigten (§ 2314 BGB) – Nachlassverzeichnis, notarielle Aufnahme, Wertermittlung
slug: auskunftsanspruch-pflichtteil-2314-bgb
topic: erbrecht
legal_status: in_force
authority_level: A
valid_from: 1900-01-01
valid_to: null
last_reviewed: 2026-07-25
status: aktuell
license: CC-BY-4.0
url: https://nexvyra.de/fakten/auskunftsanspruch-pflichtteil-2314-bgb.md
wikidata_subjects: [Q1518437]
factcheck_status: ok
---

# Auskunftsanspruch des Pflichtteilsberechtigten (§ 2314 BGB) – Nachlassverzeichnis, notarielle Aufnahme, Wertermittlung

## Kurzantwort

Wer pflichtteilsberechtigt, aber **nicht Erbe** ist, kennt den Nachlass in der Regel nicht — deshalb gibt § 2314 BGB ihm einen **Auskunftsanspruch gegen den Erben**. Der Erbe muss auf Verlangen **über den Bestand des Nachlasses Auskunft** erteilen, also ein **Nachlassverzeichnis** vorlegen (§ 2314 Abs. 1 Satz 1 BGB). Der Berechtigte kann darüber hinaus verlangen, bei der Aufnahme des Verzeichnisses **zugezogen** zu werden und dass der **Wert der Nachlassgegenstände ermittelt** wird (Wertermittlungsanspruch, § 2314 Abs. 1 Satz 2 BGB). Er kann außerdem verlangen, dass das Verzeichnis **durch die zuständige Behörde, einen zuständigen Beamten oder einen Notar** aufgenommen wird — das **notarielle Nachlassverzeichnis** (§ 2314 Abs. 1 Satz 3 BGB). Die **Kosten fallen dem Nachlass zur Last** (§ 2314 Abs. 2 BGB). Der Anspruch dient dazu, den Pflichtteilsanspruch der Höhe nach berechnen zu können, und wird typischerweise im Wege der **Stufenklage** (§ 254 ZPO) mit dem Zahlungsanspruch verbunden.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 2314 BGB – Auskunftspflicht des Erben [gesetze-im-internet.de] |
| Anspruchsinhaber | Pflichtteilsberechtigter, der nicht Erbe ist [§ 2314 Abs. 1 Satz 1 BGB] |
| Anspruchsgegner | Der/die Erbe(n) |
| Grundanspruch | Auskunft über den Bestand des Nachlasses (Nachlassverzeichnis) [§ 2314 Abs. 1 Satz 1 BGB] |
| Zuziehungsrecht | Anwesenheit bei Aufnahme des Verzeichnisses [§ 2314 Abs. 1 Satz 2 BGB] |
| Wertermittlungsanspruch | Ermittlung des Wertes der Nachlassgegenstände, ggf. Sachverständigengutachten [§ 2314 Abs. 1 Satz 2 BGB] |
| Notarielles Nachlassverzeichnis | Aufnahme durch Behörde, Beamten oder Notar auf Verlangen [§ 2314 Abs. 1 Satz 3 BGB] |
| Eigenständige Ermittlung durch Notar | Notar muss Bestand selbst ermitteln und verantworten [BGH I ZB 40/23] |
| Grenze der Ermittlungspflicht | Kein Ermitteln „ins Blaue hinein" ohne konkrete Anhaltspunkte [BGH, 07.03.2024 – I ZB 40/23] |
| Kostentragung | Kosten fallen dem Nachlass zur Last [§ 2314 Abs. 2 BGB] |
| Eidesstattliche Versicherung | Bei Grund zur Annahme mangelnder Sorgfalt [§ 260 Abs. 2, § 259 Abs. 2 BGB] |
| Verweis auf Verzeichnis | Verzeichnis nach § 260 BGB [§ 2314 Abs. 1 Satz 2 BGB] |
| Durchsetzung | Stufenklage (Auskunft, ggf. eidesstattl. Versicherung, Zahlung) [§ 254 ZPO] |
| Vollstreckung notarielles Verzeichnis | Nach § 888 ZPO (unvertretbare Handlung) [BGH I ZB 40/23] |
| Anspruch nach Ausschlagung | Pflichtteilsberechtigter Nicht-mehr-Erbe kann Auskunft verlangen [BGH IV ZR 60/22] |
| Verjährung | 3 Jahre ab Kenntnis (§ 195, § 199 BGB); Auskunft folgt Hauptanspruch |

## Geltungsbereich

§ 2314 BGB steht im **Abschnitt Pflichtteil** (§§ 2303–2338 BGB) des Erbrechts. Der Anspruch besteht **nur**, wenn der Pflichtteilsberechtigte **nicht Erbe** geworden ist — also enterbt wurde oder seinen Erbteil ausgeschlagen und dadurch den Pflichtteil erlangt hat. Wer selbst Miterbe ist, hat innerhalb der Erbengemeinschaft andere Auskunftsrechte (§§ 2027, 2028 BGB) und benötigt § 2314 BGB nicht. Der Anspruch ist **akzessorisch** zum Pflichtteilsanspruch: Er soll dem Berechtigten die **Informationsgrundlage** verschaffen, um seinen reinen Geldanspruch (§ 2303 BGB) und einen etwaigen **Pflichtteilsergänzungsanspruch** (§ 2325 BGB) beziffern zu können. Deshalb erstreckt sich die Auskunft nicht nur auf den realen Bestand zum Todeszeitpunkt, sondern auch auf **ergänzungsrelevante Schenkungen** des Erblassers und auf **ausgleichungspflichtige Zuwendungen**.

## Die drei Stufen des § 2314 BGB

**1. Auskunft über den Nachlassbestand (Abs. 1 Satz 1).** Der Erbe muss ein **Bestandsverzeichnis** vorlegen, das alle Aktiva (Grundstücke, Konten, Wertpapiere, Hausrat, Forderungen) und Passiva (Nachlassverbindlichkeiten, Beerdigungskosten) zum Todeszeitpunkt enthält. Ergänzend gehören dazu Angaben zu **pflichtteilsergänzungsrelevanten Schenkungen** der letzten zehn Jahre und zu **ausgleichungspflichtigen Vorempfängen**.

**2. Wertermittlung (Abs. 1 Satz 2).** Der Berechtigte kann verlangen, dass der **Wert** einzelner Nachlassgegenstände ermittelt wird — etwa durch ein **Sachverständigengutachten** bei Immobilien, Unternehmensbeteiligungen oder Sammlungen. Der Wertermittlungsanspruch ist **eigenständig** neben dem Auskunftsanspruch; die Vorlage einer amtlichen oder ortsgerichtlichen Schätzung kann ihn erfüllen (vgl. OLG Frankfurt, 12 U 110/21).

**3. Notarielles Nachlassverzeichnis (Abs. 1 Satz 3).** Statt eines privaten Verzeichnisses des Erben kann der Berechtigte ein **öffentliches Verzeichnis** verlangen, aufgenommen durch Behörde, Beamten oder Notar. Das notarielle Verzeichnis bietet **größere Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit**, weil der Notar den Bestand **selbst und eigenständig ermitteln** und durch seine Bestätigung **verantworten** muss (BGH, 07.03.2024 – I ZB 40/23). Der Notar entscheidet dabei nach **pflichtgemäßem Ermessen**, welche Ermittlungen er anstellt; er ist **nicht** verpflichtet, ohne konkrete Anhaltspunkte „in alle Richtungen" nach verborgenem Vermögen zu forschen.

## Kosten, Durchsetzung und Vollstreckung

Die **Kosten** der Verzeichniserstellung — einschließlich Notar- und Sachverständigenkosten — **trägt der Nachlass** (§ 2314 Abs. 2 BGB), mindern also die Berechnungsgrundlage für alle Beteiligten. In der Praxis wird der Anspruch als **Stufenklage** (§ 254 ZPO) geltend gemacht: erste Stufe Auskunft, ggf. zweite Stufe **eidesstattliche Versicherung** der Richtigkeit (§ 260 Abs. 2 BGB), dritte Stufe **Zahlung** des bezifferten Pflichtteils. Die Vollstreckung der Verpflichtung zur Vorlage eines **notariellen** Nachlassverzeichnisses richtet sich nach **§ 888 ZPO** (nicht vertretbare Handlung), weil der Erbe nur die Beauftragung des Notars und dessen Mitwirkung bewirken kann (BGH, 07.03.2024 – I ZB 40/23). Auch der Pflichtteilsberechtigte, der seinen Erbteil **ausgeschlagen** hat und dadurch pflichtteilsberechtigter „Nicht-mehr-Erbe" ist, kann Auskunft nach § 2314 BGB verlangen (BGH, 30.11.2022 – IV ZR 60/22).

## Häufige Fehler

- **„Ein privates Verzeichnis des Erben genügt immer."** Nicht zwingend — der Berechtigte kann nach § 2314 Abs. 1 Satz 3 BGB ein **notarielles** Verzeichnis verlangen; dieses erfordert **eigene Ermittlungen** des Notars und ist nicht bloß eine Beurkundung der Angaben des Erben.
- **„Der Notar muss jedes verborgene Konto aufspüren."** Falsch — der Notar entscheidet nach pflichtgemäßem Ermessen; **ohne konkrete Anhaltspunkte** besteht keine Pflicht, in alle denkbaren Richtungen zu ermitteln (BGH I ZB 40/23).
- **„Die Kosten trägt der Erbe persönlich."** Falsch — die Kosten fallen dem **Nachlass** zur Last (§ 2314 Abs. 2 BGB) und mindern die Berechnungsmasse.
- **„Auskunfts- und Wertermittlungsanspruch sind dasselbe."** Nein — es sind **zwei eigenständige Ansprüche**; die Wertermittlung (Satz 2) kann getrennt verlangt und vollstreckt werden.
- **„Auch Miterben haben den Anspruch aus § 2314 BGB."** Nein — § 2314 BGB setzt voraus, dass der Berechtigte **nicht Erbe** ist. Miterben nutzen §§ 2027, 2028 BGB.
- **„Der Auskunftsanspruch verjährt nie."** Falsch — er unterliegt der regelmäßigen Verjährung (3 Jahre, § 195, § 199 BGB) und folgt grundsätzlich dem Pflichtteils-Hauptanspruch.



## Quellen

- § 2314 BGB – Auskunftspflicht des Erben: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2314.html
- § 2303 BGB – Pflichtteilsberechtigte: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2303.html
- § 2325 BGB – Pflichtteilsergänzungsanspruch: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2325.html
- § 260 BGB – Verzeichnis, eidesstattliche Versicherung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__260.html
- § 259 BGB – Rechenschaftspflicht: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__259.html
- § 195 BGB – Regelmäßige Verjährungsfrist: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__195.html
- § 199 BGB – Beginn der Verjährung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__199.html
- § 254 ZPO – Stufenklage: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__254.html
- § 888 ZPO – Vollstreckung nicht vertretbarer Handlungen: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__888.html
- BGH, Beschluss vom 07.03.2024 – I ZB 40/23 (Ermittlungspflicht des Notars, Vollstreckung § 888 ZPO): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=07.03.2024&Aktenzeichen=I+ZB+40/23
- BGH, Beschluss vom 02.10.2024 – IV ZB 29/23 (Inhalt des Auskunftsanspruchs gegen den Erben): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=02.10.2024&Aktenzeichen=IV+ZB+29/23
- BGH, Urteil vom 30.11.2022 – IV ZR 60/22 (Auskunftsanspruch nach Ausschlagung): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=30.11.2022&Aktenzeichen=IV+ZR+60/22

## Änderungsverlauf

- 2026-07-25: Erstveröffentlichung. Normtext § 2314 BGB verbatim gegen dejure.org (Spiegel des amtlichen Wortlauts) geprüft; Rechtsprechung (BGH I ZB 40/23, IV ZR 60/22) referenziert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-07-25
- Gültig ab: 1900-01-01 (BGB)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, ZPO) / A (BGH)
- Lizenz: CC BY 4.0
