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title: Außergewöhnliche Belastungen § 33 EStG – Zumutbare Eigenbelastung 2026
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# Außergewöhnliche Belastungen § 33 EStG – Zumutbare Eigenbelastung 2026

## Kurzantwort

Außergewöhnliche Belastungen sind nach § 33 EStG zwangsläufig entstandene, höhere Aufwendungen als bei der überwiegenden Mehrzahl vergleichbarer Steuerpflichtiger – typische Fälle sind Krankheits-, Pflege-, Bestattungs- oder Kurkosten. Auf Antrag mindern sie das Einkommen, allerdings nur insoweit, als sie die **zumutbare Belastung** (Eigenanteil) nach § 33 Abs. 3 EStG überschreiten. Dieser Eigenanteil beträgt **1 bis 7 % des Gesamtbetrags der Einkünfte**, gestaffelt nach Einkommen (drei Stufen: bis 15.340 €, bis 51.130 €, darüber), Familienstand (Grund- oder Splittingtarif) und Kinderzahl. Seit dem BFH-Urteil **VI R 75/14 vom 19.01.2017** wird die zumutbare Belastung **stufenweise** berechnet: nur der Teil des Gesamtbetrags der Einkünfte, der die jeweilige Stufe übersteigt, wird mit dem höheren Prozentsatz belegt – das führt regelmäßig zu einer **niedrigeren Eigenbelastung** und damit zu einem höheren abziehbaren Betrag als nach der älteren Verwaltungspraxis.

## Kernfakten

| Punkt | Wert / Regelung 2026 |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 33 EStG (Außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art) |
| Bemessungsgrundlage | Gesamtbetrag der Einkünfte (§ 2 Abs. 3 EStG) [§ 33 Abs. 3 EStG] |
| Stufe 1 – bis 15.340 € Gesamtbetrag der Einkünfte | 1 % – 5 % (je nach Familienstand und Kinderzahl) |
| Stufe 2 – über 15.340 € bis 51.130 € | 1 % – 6 % |
| Stufe 3 – über 51.130 € | 2 % – 7 % |
| Ohne Kinder, Grundtarif (§ 32a Abs. 1) | 5 / 6 / 7 % |
| Ohne Kinder, Splitting (§ 32a Abs. 5/6) | 4 / 5 / 6 % |
| Mit 1 oder 2 Kindern | 2 / 3 / 4 % |
| Mit 3 oder mehr Kindern | 1 / 1 / 2 % |
| Berechnungsmodus | stufenweise (BFH-Urteil VI R 75/14 vom 19.01.2017) |
| Behinderungsbedingte Fahrtkostenpauschale (GdB ≥ 80 oder GdB ≥ 70 mit „G") | 900 € (§ 33 Abs. 2a EStG) |
| Behinderungsbedingte Fahrtkostenpauschale („aG", „Bl", „TBl", „H") | 4.500 € (§ 33 Abs. 2a EStG) |
| Prozesskosten | grundsätzlich nicht abziehbar; Ausnahme: Existenzgefährdung (§ 33 Abs. 2 Satz 4 EStG) |
| Diätverpflegung | ausdrücklich nicht abziehbar (§ 33 Abs. 2 Satz 3 EStG) |

## Geltungsbereich

§ 33 EStG gilt für **alle unbeschränkt und beschränkt einkommensteuerpflichtigen** natürlichen Personen. Erfasst werden Aufwendungen, die

- der **eigenen** Lebensführung des Steuerpflichtigen dienen oder
- für eine Person aufgewendet werden, der gegenüber eine **rechtliche, tatsächliche oder sittliche** Verpflichtung besteht (typischerweise Ehegatte, Kinder, nahe Angehörige).

Die Belastung muss **zwangsläufig** sein (§ 33 Abs. 2 Satz 1 EStG): Der Steuerpflichtige darf sich ihr aus rechtlichen, tatsächlichen oder sittlichen Gründen nicht entziehen können, und die Aufwendungen müssen den Umständen nach **notwendig** sein und einen **angemessenen Betrag** nicht übersteigen.

Typische anerkannte Fälle laut amtlichem Einkommensteuer-Handbuch (EStH/LStH H 33.1–H 33.4):

- **Krankheitskosten** (Arzt-, Zahnarzt-, Klinikkosten, ärztlich verordnete Medikamente, Hilfsmittel)
- **Pflegekosten** (eigene Pflege oder Pflege naher Angehöriger, soweit nicht durch Pflegekasse / § 33b EStG abgedeckt)
- **Kurkosten** bei medizinischer Indikation
- **Bestattungskosten** für nahe Angehörige, soweit der Nachlass nicht ausreicht
- **Wiederbeschaffungskosten** des notwendigen Hausrats nach Schadensereignissen (Brand, Hochwasser), wenn keine zumutbare Versicherung möglich war
- **Scheidungskosten** sind **seit 2013 nicht mehr** als außergewöhnliche Belastung abziehbar (§ 33 Abs. 2 Satz 4 EStG; bestätigt durch BFH-Urteil vom 18.05.2017, VI R 9/16)

## Berechnung der zumutbaren Belastung (§ 33 Abs. 3 EStG)

Die zumutbare Belastung wird seit BFH **VI R 75/14 vom 19.01.2017** **stufenweise** ermittelt – die Finanzverwaltung wendet diese Berechnung mit BMF-Schreiben vom 01.06.2018 (IV C 4 – S 2284/17/10003) in allen offenen Fällen an. Konkret:

1. Auf den Teil des Gesamtbetrags der Einkünfte **bis 15.340 €** wird der niedrigste Prozentsatz angewendet.
2. Auf den Teil **zwischen 15.340 € und 51.130 €** der mittlere Prozentsatz.
3. Auf den Teil **über 51.130 €** der höchste Prozentsatz.

Die Summe der drei Teilbeträge ergibt die zumutbare Belastung. **Nur** Aufwendungen oberhalb dieses Eigenanteils mindern das Einkommen.

| Familienstand / Kinder | bis 15.340 € | 15.341 – 51.130 € | über 51.130 € |
|---|---|---|---|
| Ohne Kinder, Grundtarif (§ 32a Abs. 1 EStG) | 5 % | 6 % | 7 % |
| Ohne Kinder, Splittingtarif (§ 32a Abs. 5/6 EStG) | 4 % | 5 % | 6 % |
| 1 oder 2 Kinder | 2 % | 3 % | 4 % |
| 3 oder mehr Kinder | 1 % | 1 % | 2 % |

Als Kinder zählen nach § 33 Abs. 3 Satz 2 EStG nur diejenigen, für die der Steuerpflichtige Anspruch auf einen Freibetrag nach § 32 Abs. 6 EStG oder auf **Kindergeld** hat.

## Abgrenzung: § 33 vs. § 33a vs. § 33b EStG

§ 33 EStG (allgemeine außergewöhnliche Belastungen) ist abzugrenzen von den **typisierten Pauschalregelungen**:

- **§ 33a EStG** – Unterhaltsaufwendungen an gesetzlich unterhaltsberechtigte Personen sowie Ausbildungsfreibetrag, jeweils mit eigenen Höchstbeträgen **ohne** Anrechnung einer zumutbaren Belastung.
- **§ 33b EStG** – **Behinderten-Pauschbetrag** (je nach Grad der Behinderung gestaffelt) und **Pflege-Pauschbetrag**. Wird der Pauschbetrag in Anspruch genommen, sind die laufenden behinderungs- bzw. pflegebedingten Aufwendungen damit abgegolten – ein zusätzlicher Abzug nach § 33 EStG ist insoweit ausgeschlossen.
- **§ 33 Abs. 2a EStG** – behinderungsbedingte **Fahrtkostenpauschale** (900 € bzw. 4.500 €); sie wird in die Berechnung der zumutbaren Belastung **einbezogen**, d. h. der Eigenanteil wird auch von der Pauschale abgezogen.

Ob der Pauschbetrag oder der Einzelnachweis (mit Anrechnung zumutbarer Belastung) günstiger ist, muss im Einzelfall geprüft werden.

## Häufige Fehler und Missverständnisse

- **„Die zumutbare Belastung wird einheitlich vom gesamten Einkommen berechnet."** Falsch – seit BFH VI R 75/14 (19.01.2017) erfolgt die Berechnung **stufenweise**; jede Einkommensstufe trägt nur ihren eigenen Prozentsatz.
- **„Krankenkassen-Zuzahlungen fallen automatisch raus."** Nicht ganz – Zuzahlungen sind grundsätzlich als außergewöhnliche Belastung anerkannt, werden aber wegen der zumutbaren Belastung oft erst ab einem höheren Einkommen wirksam.
- **„Brillen, Kontaktlinsen und Zahnersatz sind keine Krankheitskosten."** Falsch – sie sind anerkannte Krankheitskosten, allerdings nur **mit ärztlicher Verordnung** (Brille/Kontaktlinsen) bzw. zahnmedizinischer Notwendigkeit.
- **„Diätkosten sind als Krankheitskosten absetzbar."** Falsch – § 33 Abs. 2 Satz 3 EStG schließt Aufwendungen für **Diätverpflegung** ausdrücklich aus, auch wenn die Diät ärztlich verordnet ist (z. B. Zöliakie).
- **„Scheidungskosten kann ich als außergewöhnliche Belastung absetzen."** Seit 2013 falsch – § 33 Abs. 2 Satz 4 EStG schließt **Prozesskosten** vom Abzug aus; das gilt nach BFH-Rechtsprechung auch für Scheidungs- und Scheidungsfolgesachen, sofern keine Existenzgefährdung vorliegt.
- **„Der Pauschbetrag nach § 33b EStG und die zusätzlichen Krankheitskosten kann ich beide voll geltend machen."** Teilweise falsch – mit dem Behinderten-Pauschbetrag sind die **typischen, laufenden** behinderungsbedingten Aufwendungen abgegolten; nur **außergewöhnliche, einmalige** Krankheits- oder Heilbehandlungskosten können daneben nach § 33 EStG abgezogen werden.

## Beispiel

Ein verheirateter Steuerpflichtiger (Splittingtarif, 2 Kinder) hat im Jahr 2026 einen Gesamtbetrag der Einkünfte von **60.000 €** und Krankheitskosten von **4.000 €**.

Stufenweise Berechnung der zumutbaren Belastung (Spalte „1 oder 2 Kinder"):

- Stufe 1: 15.340 € × 2 % = **306,80 €**
- Stufe 2: (51.130 € − 15.340 €) × 3 % = 35.790 € × 3 % = **1.073,70 €**
- Stufe 3: (60.000 € − 51.130 €) × 4 % = 8.870 € × 4 % = **354,80 €**
- **Summe zumutbare Belastung: 1.735,30 €**

Abziehbare außergewöhnliche Belastung: 4.000 € − 1.735,30 € = **2.264,70 €**.

Dieser Betrag wird vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen; die tatsächliche Steuerersparnis hängt vom persönlichen Grenzsteuersatz ab.

## Quellen

- Gesetzestext § 33 EStG – Außergewöhnliche Belastungen: https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__33.html
- Gesetzestext § 33b EStG – Pauschbeträge bei Behinderung und Pflege: https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__33b.html
- BFH-Urteil VI R 75/14 vom 19.01.2017 – stufenweise Berechnung der zumutbaren Belastung: https://www.bundesfinanzhof.de/de/entscheidung/entscheidungen-online/detail/STRE201710072/
- BMF – Amtliches Lohnsteuer-Handbuch 2026, § 33 EStG (Hinweise H 33.1 ff.): https://esth.bundesfinanzministerium.de/lsth/2026/A-Einkommensteuergesetz/IV-Tarif-31-34b/Paragraf-33/inhalt.html

## Änderungsverlauf

- 2026-05-29: Erstveröffentlichung. Gesetzestext und Prozentsätze direkt aus § 33 EStG (gesetze-im-internet.de, Stand der Bekanntmachung) übernommen. Stufenweise Berechnung nach BFH-Urteil VI R 75/14 (19.01.2017) erläutert. URLs gegen amtliche Stellen (gesetze-im-internet.de, BFH, BMF) geprüft.

## Stand

- Stand: 2026-05-29
- Gültig ab: 2026-01-01 (Prozentsätze und Stufengrenzen seit Inkrafttreten unverändert)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (§ 33 EStG als Primärquelle, BFH-Rechtsprechung, BMF-Handbuch flankierend)
- Lizenz: CC BY 4.0
