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title: BaFin-Rundschreiben 08/2026 (WA) – Vermögensanlagen sind im Regelfall keine verpackten Anlageprodukte (PRIIPs-VO): VIB statt BIB nach § 13 Abs. 1 VermAnlG
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# BaFin-Rundschreiben 08/2026 (WA) – Vermögensanlagen sind im Regelfall keine verpackten Anlageprodukte (PRIIPs-VO): VIB statt BIB nach § 13 Abs. 1 VermAnlG

## Kurzantwort

Mit dem **Rundschreiben 08/2026 (WA)** vom **27.07.2026** stellt die BaFin klar, dass sie **Vermögensanlagen im Sinne des § 1 Abs. 2 VermAnlG im Regelfall nicht als verpackte Anlageprodukte (PRIP)** nach der **Verordnung (EU) Nr. 1286/2014 (PRIIPs-VO)** einordnet. Folge: Anbieter müssen für Vermögensanlagen in der Regel ein **Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB)** nach § 13 VermAnlG erstellen, von der BaFin **gestatten** lassen und bei ihr **hinterlegen** – und **kein Basisinformationsblatt (BIB)** nach der PRIIPs-VO. Tragender Grund: Bei Vermögensanlagen steht der Charakter einer **unternehmerischen Beteiligung** im Vordergrund; der Wert richtet sich nach der Entwicklung des Emittenten selbst und nicht nach einem extern zugekauften Referenzwert. Das Rundschreiben gilt **ab 27.07.2026** und richtet sich an Anbieter, die Vermögensanlagen **im Inland** anbieten. Es ist **Verwaltungspraxis der BaFin**, kein Gesetz – die Einordnung im Einzelfall bleibt Sache des Herstellers bzw. des Beraters/Verkäufers.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Dokument | BaFin-Rundschreiben 08/2026 (WA – Wertpapieraufsicht) [BaFin, RS 08/2026] |
| Veröffentlichungs-/Geltungsdatum | 27.07.2026 [BaFin, RS 08/2026, Abschn. I.3] |
| Adressaten | Anbieter, die Vermögensanlagen im Inland anbieten [BaFin, RS 08/2026, Abschn. I.2] |
| Kernaussage | Vermögensanlagen sind in der Regel **nicht** als verpackte Anlageprodukte einzuordnen [BaFin, RS 08/2026, Abschn. II.2] |
| Rechtsfolge | VIB nach § 13 Abs. 1 VermAnlG statt BIB nach PRIIPs-VO [§ 13 Abs. 1 VermAnlG] |
| Verfahren VIB | vor Beginn des öffentlichen Angebots erstellen, bei der BaFin hinterlegen; Veröffentlichung erst nach Gestattung [§ 13 Abs. 1, Abs. 2 S. 1 VermAnlG] |
| Frist bei Prospektausnahme (§§ 2a, 2b) | BaFin teilt binnen **zehn Arbeitstagen** nach Eingang mit, ob sie die Veröffentlichung gestattet [§ 13 Abs. 2 S. 3 VermAnlG] |
| Umfang des VIB | höchstens **drei DIN-A4-Seiten** [§ 13 Abs. 3 S. 1 VermAnlG] |
| Pflicht-Warnhinweis im VIB | „Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen." [§ 13 Abs. 4 S. 1 VermAnlG] |
| PRIP-Definition | Anlage, bei der der rückzuzahlende Betrag Schwankungen aufgrund der Abhängigkeit von Referenzwerten oder der Entwicklung von Vermögenswerten unterliegt, die **nicht direkt vom Kleinanleger erworben** werden [Art. 4 Nr. 1 VO (EU) Nr. 1286/2014] |
| Begründung der BaFin | eigenkapitalähnliche Funktion/unternehmerische Beteiligung ist prägend; Aktien sind nach ErwG 7 PRIIPs-VO ausgenommen [BaFin, RS 08/2026, Abschn. II.2; ErwG 6, 7 VO (EU) Nr. 1286/2014] |
| Klar erfasst (kein PRIP) | Vermögensanlagen nach § 1 Abs. 2 Nr. 1–6 VermAnlG [BaFin, RS 08/2026, Abschn. II.2] |
| Einzelfallvorbehalt | § 1 Abs. 2 Nr. 7 und 8 VermAnlG grundsätzlich ebenfalls kein PRIP, Einstufung als PRIP im Einzelfall aber nicht ausgeschlossen [BaFin, RS 08/2026, Abschn. II.2] |
| Prüfungsmaßstab | wirtschaftliche Merkmale und Geschäftsbedingungen des Anlageprodukts, Bewertung je Einzelfall [BaFin, RS 08/2026, Abschn. II.2] |
| Rechtsnatur | Verwaltungspraxis/Auslegungshinweis der BaFin, keine Rechtsnorm |

## Geltungsbereich

Betroffen sind **Anbieter, die im Inland Vermögensanlagen öffentlich anbieten**. Vermögensanlagen sind nach § 1 Abs. 2 VermAnlG nicht in Wertpapieren verbriefte und nicht als Investmentanteile ausgestaltete:

1. Anteile, die eine Beteiligung am Ergebnis eines Unternehmens gewähren
2. Anteile an einem Treuhandvermögen
3. partiarische Darlehen
4. Nachrangdarlehen
5. Genussrechte
6. Namensschuldverschreibungen
7. sonstige Anlagen mit Verzinsung und Rückzahlung oder vermögenswertem Barausgleich für die zeitweise Überlassung von Geld (Auffangtatbestand)
8. Anlagen gegen zeitweise Überlassung von Geld oder handelsüblichen Edelmetallen (Verzinsung/Rückzahlung, Herausgabe von Edelmetallen, Barausgleich)

Für die Gruppen **Nr. 1 bis 6** ordnet die BaFin die Nicht-PRIP-Eigenschaft ausdrücklich als Regelfall ein: Sie sind entweder Teil des Eigenkapitals des Emittenten (Nr. 1) oder weisen grundsätzlich eigenkapitalähnlichen Charakter auf (Nr. 2–6).

Nicht erfasst vom VermAnlG – und damit auch nicht vom Rundschreiben – sind unter anderem Angebote zugelassener **Schwarmfinanzierungsdienstleister** unterhalb der Schwelle des Art. 1 Abs. 2 Buchst. c VO (EU) 2020/1503 sowie Sachverhalte, die von der **MiCA-Verordnung (EU) 2023/1114** geregelt sind (§ 1 Abs. 1 S. 2 und 3 VermAnlG).

## Warum Vermögensanlagen keine PRIP sind

Ein **PRIP** ist nach Art. 4 Nr. 1 PRIIPs-VO eine Anlage, bei der – unabhängig von der Rechtsform – der dem Kleinanleger rückzuzahlende Betrag Schwankungen unterliegt, weil er von **Referenzwerten** oder von der Entwicklung von **Vermögenswerten abhängt, die der Kleinanleger nicht direkt erwirbt**.

Erwägungsgrund 6 der PRIIPs-VO beschreibt das Merkmal der „Verpackung": Die Produkte treten **zwischen den Kleinanleger und die Märkte**, indem Vermögenswerte verpackt oder ummantelt werden – Anlagen werden also gerade nicht durch direkten Erwerb oder direktes Halten der Vermögenswerte getätigt. Erwägungsgrund 7 nimmt direkt gehaltene Vermögenswerte wie **Aktien oder Staatsanleihen** ausdrücklich vom Anwendungsbereich aus.

Die BaFin überträgt diese Wertung: Auch bei Vermögensanlagen steht regelmäßig der Grundcharakter einer **unternehmerischen Beteiligung** im Vordergrund; der Wert bestimmt sich nach der Entwicklung des Unternehmens selbst und nicht nach einem „externen", nicht direkt erworbenen Referenzwert. Prägend ist die **eigenkapitalähnliche Funktion**.

## Ausnahmen und Einzelfallprüfung

- Die Einordnung obliegt **zunächst den Herstellern** von Anlageprodukten für Kleinanleger sowie den Personen, die Kleinanleger beraten oder die Produkte an sie verkaufen. Maßgeblich sind die **wirtschaftlichen Merkmale und Geschäftsbedingungen** des Produkts.
- Für **§ 1 Abs. 2 Nr. 7 und 8 VermAnlG** – insbesondere den Auffangtatbestand Nr. 7 – schließt die BaFin wegen der vielfältigen Ausgestaltungsmöglichkeiten nicht aus, dass eine Vermögensanlage **im Einzelfall doch ein PRIP** ist.
- Zu einzelnen Ausstattungsmerkmalen wie **Nachrang oder Festzins** verweist die BaFin auf ihr Merkblatt „Aufsichtsrechtliche Einordnung einzelner Ausstattungsmerkmale von Unternehmensanleihen auf Grundlage der PRIIPs-VO" vom 22.08.2019, geändert am 16.03.2020.
- Als Auslegungshilfe nennt das Rundschreiben die **Leitlinien der Europäischen Kommission** zur Anwendung der PRIIPs-VO (ABl. EU C 218 vom 07.07.2017, S. 11).

## Häufige Missverständnisse

- **„Das Rundschreiben schafft eine Befreiung von der PRIIPs-VO."** Nein. Es ist eine Auslegung des Anwendungsbereichs (Verwaltungspraxis). Ob ein Produkt PRIP ist, entscheidet die Definition in Art. 4 Nr. 1 PRIIPs-VO im konkreten Einzelfall.
- **„Kein BIB heißt weniger Dokumentation."** Nein. Statt des BIB tritt das **VIB** nach § 13 VermAnlG – mit Gestattungserfordernis, Hinterlegung, Höchstumfang von drei DIN-A4-Seiten und dem gesetzlichen Warnhinweis.
- **„Das VIB wird von der BaFin inhaltlich geprüft."** Nein. Das VIB muss selbst den Hinweis enthalten, dass die **inhaltliche Richtigkeit nicht der Prüfung durch die BaFin** unterliegt (§ 13 Abs. 4 S. 2 Nr. 1 VermAnlG). Die Gestattung betrifft Vollständigkeit und die vorgeschriebene Reihenfolge der Angaben (§ 13 Abs. 2 S. 2 VermAnlG).
- **„Bei den Prospektausnahmen der §§ 2a, 2b VermAnlG entfällt jedes Dokument."** Nein. Dort ist das VIB das **alleinige Transparenz- und Haftungsdokument**; sonst tritt es **neben** den Verkaufsprospekt.
















## Quellen

- BaFin, Rundschreiben 08/2026 (WA) „Vermögensanlagen im Regelfall keine verpackten Anlageprodukte gemäß PRIIPs-VO", 27.07.2026: https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Rundschreiben/2026/rs_08_26_verm%C3%B6gensanlagen.html
- BaFin, Meldung „Vermögensanlagen meist keine verpackten Anlageprodukte", 27.07.2026: https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Meldung/2026/meldung_2026_07_27_rundschreiben_vermoegensanlagen.html
- § 13 VermAnlG (Vermögensanlagen-Informationsblatt): https://www.gesetze-im-internet.de/vermanlg/__13.html
- § 1 VermAnlG (Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen): https://www.gesetze-im-internet.de/vermanlg/__1.html
- § 2a VermAnlG (Befreiungen für Schwarmfinanzierungen): https://www.gesetze-im-internet.de/vermanlg/__2a.html
- § 2b VermAnlG (Befreiungen für soziale Projekte): https://www.gesetze-im-internet.de/vermanlg/__2b.html
- Verordnung (EU) Nr. 1286/2014 (PRIIPs-VO), Art. 4 Nr. 1, Erwägungsgründe 6 und 7: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32014R1286
- Europäische Kommission, Leitlinien zur Anwendung der PRIIPs-VO, ABl. EU C 218 vom 07.07.2017, S. 11 (2017/C 218/02): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52017XC0707(02)
- BaFin-Merkblatt „Aufsichtsrechtliche Einordnung einzelner Ausstattungsmerkmale von Unternehmensanleihen auf Grundlage der PRIIPs-VO", 22.08.2019/16.03.2020: https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Merkblatt/WA/mb_210819_aufsichtrechtliche_Einordnung_einzelner_Merkmale_Unternehmensanleihen_auf_Grundlage_PRIIPs_VO.html

## Änderungsverlauf

- 2026-08-15: Erstveröffentlichung. Rundschreiben 08/2026 (WA) im Volltext ausgewertet, § 1 Abs. 2 und § 13 VermAnlG sowie Art. 4 Nr. 1 und ErwG 6/7 der VO (EU) Nr. 1286/2014 im amtlichen Wortlaut geprüft. Alle zitierten URLs auf HTTP 200 getestet. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
## Stand

- Stand: 2026-08-15
- Gültig ab: 2026-07-27 (Geltungsbeginn des Rundschreibens)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (gesetze-im-internet.de, EUR-Lex; ergänzend BaFin als Aufsichtsbehörde)
- Lizenz: CC BY 4.0
