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title: Bahn-Fahrgastrechte (EU-VO 2021/782) – Verspätung, Entschädigung, Mobilität
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# Bahn-Fahrgastrechte (EU-VO 2021/782) – Verspätung, Entschädigung, Mobilität

## Kurzantwort

Seit dem **07.06.2023** gilt die neue **EU-Bahn-Fahrgastrechte-Verordnung 2021/782**, die die alte Verordnung 1371/2007 ersetzt. Bei **Verspätung von mindestens 60 Minuten** haben Fahrgäste Anspruch auf **25 %** des Fahrpreises zurück (Art. 19 Abs. 2 lit a); bei **120 Minuten Verspätung 50 %** (Art. 19 Abs. 2 lit b). Bei voraussichtlich erheblicher Verspätung besteht **Wahlrecht** zwischen Erstattung und Weiterreise (Art. 18). Eisenbahnunternehmen können sich auf **höhere Gewalt** berufen (Art. 19 Abs. 10 — Naturkatastrophen, terroristische Anschläge etc.); **technische Probleme**, **Personalengpässe** und **Streik des eigenen Personals** gelten **nicht** als höhere Gewalt. Im **deutschen Schienennetz** gelten zusätzlich die Bestimmungen der **Eisenbahn-Verkehrsordnung (EVO)**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | VO (EU) 2021/782 [eur-lex.europa.eu] |
| Vorgänger-VO | VO (EG) 1371/2007 (ersetzt seit 07.06.2023) |
| Ergänzendes deutsches Recht | Eisenbahn-Verkehrsordnung (EVO) |
| Entschädigung ab 60 Min Verspätung | 25 % des Fahrpreises [Art. 19 Abs. 2a] |
| Entschädigung ab 120 Min Verspätung | 50 % des Fahrpreises [Art. 19 Abs. 2b] |
| Mindestentschädigung | 4 €, sonst nicht ausgezahlt [Art. 19 Abs. 9] |
| Form Entschädigung | Auf Wunsch in bar, sonst Gutschein [Art. 19 Abs. 5] |
| Wahlrecht bei voraussichtl. großer Verspätung | Weiterfahrt oder Erstattung [Art. 18 Abs. 1] |
| Höhere-Gewalt-Ausschluss | Naturkatastrophen, Terror, Krankheit Eisenbahn-Unternehmen ausgeschlossen [Art. 19 Abs. 10] |
| Kein höhere Gewalt | Streik eigener Mitarbeiter, technische Defekte, Personalengpässe |
| Betreuungspflicht | Mahlzeiten, Getränke ab 60 Min Verspätung [Art. 20] |
| Hotelübernachtung | Bei Bedarf, Bahn organisiert [Art. 20 Abs. 2] |
| Beförderung Fahrräder | Pflicht Plätze in neuen Zügen [Art. 6 Abs. 3] |
| Mobilitätshilfe | Anmeldung 24h vorab, Art. 23 ff. |
| Schadensersatz Tod/Verletzung | Art. 11 + Anhang I (CIV-Übereinkommen) |
| Schadensersatz Gepäck | Verlust/Beschädigung nach CIV-Regeln |
| Verjährung Ausgleichsansprüche | 3 Jahre [§ 195 BGB] |

## Geltungsbereich

VO 2021/782 gilt für **alle Eisenbahnreisen** in der EU mit folgenden Eingrenzungen:
- **Personenfernverkehr** (Art. 2 Abs. 1) — alle Strecken
- **Personenstadtnah- und Regionalverkehr** (Art. 2 Abs. 2) — nur **bestimmte Vorschriften** (Diskriminierungsverbot, Beförderungspflicht, Personen mit eingeschränkter Mobilität), Ausgleichsansprüche meist nicht
- **Nationale Ausschlüsse** möglich für rein innerstaatliche Verbindungen

In Deutschland gelten für die meisten Verbindungen die Bahn-Fahrgastrechte aus VO 2021/782 + Eisenbahn-Verkehrsordnung (EVO). Anbieter wie Deutsche Bahn, FlixTrain, ÖBB und andere müssen sie anwenden. Der **Schienenverkehr** ist davon ausgenommen, **Busverkehr** unterliegt VO 181/2011, **Fährverkehr** VO 1177/2010.

## Verfahren — wie kommt man an die Entschädigung?

**Antragsformular.** Die Deutsche Bahn stellt das **Fahrgastrechte-Formular** zur Verfügung — online unter bahn.de oder in jeder Verkaufsstelle. Eingang muss von Verbindung und Verspätung quittiert werden.

**Belege.** Fahrkarte (Ausdruck oder Foto), idealerweise schriftliche Bestätigung der Verspätung am Bahnhof.

**Frist Antrag bei der Bahn.** Praxis: **innerhalb von 12 Monaten** nach Reise. Die Bahn antwortet innerhalb von 30 Tagen (Art. 30 VO 2021/782).

**Bei Streit:** Schlichtung beim **söp – Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr** (kostenlos für Verbraucher, www.soep-online.de). Wenn auch das nicht hilft: zivilrechtliche Klage (Verjährung 3 Jahre).

## Häufige Fehler

- **„Bei 30 Minuten Verspätung gibt es Geld."** Falsch — erst ab **60 Minuten** Verspätung am Zielbahnhof.
- **„Bei Streik bekomme ich nichts."** Differenziert — Streik des **eigenen Personals** der Bahn ist **nicht** höhere Gewalt. Anspruch besteht. Streik **externer** (z. B. Lotsen, Stellwerk-Streiks gewerkschaftlich) wird im Einzelfall geprüft.
- **„Entschädigung wird automatisch ausgezahlt."** Falsch — der Anspruch muss **aktiv geltend gemacht** werden, mit Formular und Belegen.
- **„Bei Sparpreis-Tickets gibt es weniger."** Falsch — Entschädigungsquote (25/50 %) bezieht sich auf den **tatsächlich gezahlten** Fahrpreis, unabhängig vom Tariftyp.
- **„Anschlussverlust ist kein Verspätungsfall."** Falsch — wenn der Anschluss aufgrund der Verspätung des ersten Zuges nicht erreicht wird, ist die **Gesamtverspätung am Zielort** maßgeblich.

## Quellen

- VO (EU) 2021/782 – Rechte und Pflichten Fahrgäste im Eisenbahnverkehr: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32021R0782
- Eisenbahn-Verkehrsordnung (EVO): https://www.gesetze-im-internet.de/evo_2016/
- söp – Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr: https://soep-online.de/
- BMDV – Fahrgastrechte im Bahnverkehr: https://www.bmdv.bund.de/SharedDocs/DE/Artikel/E/fahrgastrechte-bahnverkehr.html
- EBA – Eisenbahn-Bundesamt: https://www.eba.bund.de/DE/Themen/Fahrgastrechte/fahrgastrechte_node.html

## Änderungsverlauf

- 2026-06-21: Erstveröffentlichung. Quellen VO (EU) 2021/782 (eur-lex), EVO (gesetze-im-internet.de) verifiziert. Umstellung von VO 1371/2007 auf 2021/782 zum 07.06.2023 dokumentiert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-06-21
- Gültig ab: 2023-06-07 (Anwendung VO 2021/782)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (EU-VO, EVO, BMDV, EBA)
- Lizenz: CC BY 4.0
