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title: "Befreite Vorerbschaft (§§ 2136-2138 BGB) – wovon der Vorerbe befreit werden kann und wovon nicht"
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# Befreite Vorerbschaft (§§ 2136-2138 BGB) – wovon der Vorerbe befreit werden kann und wovon nicht

## Kurzantwort

Wer im Testament oder Erbvertrag eine **Vor- und Nacherbschaft** anordnet (§ 2100 BGB), kann den Vorerben von einem Teil seiner gesetzlichen Beschränkungen **befreien** (§ 2136 BGB). Befreiungsfähig sind **abschließend** die Beschränkungen und Pflichten aus **§ 2113 Abs. 1** (Verfügungen über Grundstücke, Grundstücksrechte, eingetragene Schiffe) sowie aus den **§§ 2114, 2116 bis 2119, 2123, 2127 bis 2131, 2133 und 2134 BGB**. **Nicht** befreien kann der Erblasser insbesondere vom **Schenkungsverbot** des § 2113 Abs. 2 BGB, von der Pflicht, auf Verlangen ein **Verzeichnis der Erbschaftsgegenstände** zu erstellen (§ 2121 BGB), und vom Schutz gegen Zwangsvollstreckung durch Eigengläubiger des Vorerben (§ 2115 BGB). Setzt der Erblasser den Nacherben nur auf das ein, **„was übrig bleibt"**, gilt die Befreiung kraft Gesetzes als angeordnet (§ 2137 Abs. 1 BGB); bei der Formulierung **„zur freien Verfügung"** ist sie im Zweifel anzunehmen (§ 2137 Abs. 2 BGB). Der befreite Vorerbe muss bei Eintritt der Nacherbfolge nur das **noch Vorhandene** herausgeben, haftet aber auf **Schadensersatz** für Schenkungen und für Minderungen der Erbschaft in Benachteiligungsabsicht (§ 2138 BGB). Die Befreiung wird im **Erbschein** des Vorerben vermerkt (§ 352b Abs. 1 Satz 2 FamFG).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | §§ 2136, 2137, 2138 BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Wer befreit? | Nur der Erblasser, durch Verfügung von Todes wegen (Testament, Erbvertrag) |
| Befreiungsfähig | § 2113 Abs. 1, §§ 2114, 2116-2119, 2123, 2127-2131, 2133, 2134 BGB [§ 2136 BGB] |
| Nicht befreiungsfähig | u. a. § 2113 Abs. 2 (unentgeltliche Verfügungen), § 2115 (Zwangsvollstreckung), § 2121 (Verzeichnis), § 2122 (Zustandsfeststellung), § 2111 (Surrogation) |
| Gesetzliche Befreiung | Nacherbe nur auf den „Überrest" eingesetzt [§ 2137 Abs. 1 BGB] |
| Befreiung im Zweifel | Vorerbe „zur freien Verfügung" berechtigt [§ 2137 Abs. 2 BGB] |
| Teilbefreiung | Möglich – der Erblasser kann einzelne Beschränkungen aufheben, andere bestehen lassen |
| Herausgabe beim Nacherbfall | Nur die noch vorhandenen Erbschaftsgegenstände [§ 2138 Abs. 1 Satz 1 BGB] |
| Verwendungsersatz | Kein Ersatz für Verwendungen auf nicht herauszugebende Gegenstände [§ 2138 Abs. 1 Satz 2 BGB] |
| Schadensersatz | Bei Verfügung entgegen § 2113 Abs. 2 oder Minderung in Benachteiligungsabsicht [§ 2138 Abs. 2 BGB] |
| Schenkungsausnahme | Pflicht- und Anstandsschenkungen bleiben wirksam [§ 2113 Abs. 2 Satz 2 BGB] |
| Erbschein | Befreiung nach § 2137 ist anzugeben [§ 352b Abs. 1 Satz 2 FamFG] |

## Geltungsbereich

Die §§ 2136-2138 BGB gelten für jede durch Verfügung von Todes wegen angeordnete Vor- und Nacherbschaft nach deutschem Erbrecht (bei Erbfällen mit Auslandsbezug: wenn deutsches Recht nach Art. 21, 22 EuErbVO anwendbar ist). Eine Befreiung **ohne** Anordnung der Nacherbfolge gibt es nicht – ein Vollerbe unterliegt ohnehin keinen Beschränkungen. Umgekehrt kann der Erblasser **nicht** über den Katalog des § 2136 hinaus befreien; was dort nicht genannt ist, bleibt zwingend. Wer dem Ersterben völlige Freiheit lassen will, muss ihn als **Vollerben** einsetzen (etwa im Berliner Testament nach der Einheitslösung, § 2269 BGB) und den Zweitbedachten als Schlusserben oder über ein Vermächtnis berücksichtigen.

## Wovon befreit werden kann (§ 2136 BGB)

Der Wortlaut lautet: „Der Erblasser kann den Vorerben von den Beschränkungen und Verpflichtungen des § 2113 Abs. 1 und der §§ 2114, 2116 bis 2119, 2123, 2127 bis 2131, 2133, 2134 befreien." Inhaltlich betrifft das vor allem:

- **§ 2113 Abs. 1 BGB – Grundstücke:** Der befreite Vorerbe kann Nachlassgrundstücke **entgeltlich** verkaufen und belasten, ohne dass die Verfügung mit dem Nacherbfall unwirksam wird.
- **§ 2114 BGB – Hypotheken, Grund- und Rentenschulden:** Kündigung und Einziehung ohne Einwilligung des Nacherben bzw. Hinterlegung.
- **§§ 2116-2119 BGB – Vermögensverwaltung:** Hinterlegung von Wertpapieren, Umschreibung, Sperrvermerk im Schuldbuch, mündelsichere Anlage von Geld.
- **§ 2123 BGB – Wirtschaftsplan** bei Wald, Bergwerken u. Ä.
- **§§ 2127-2131 BGB – Kontrolle und Haftung:** Auskunftsrecht des Nacherben bei Gefährdung, Sicherheitsleistung, Entziehung der Verwaltung, Pflicht zur ordnungsgemäßen Verwaltung bis zur Herausgabe, Sorgfaltsmaßstab.
- **§§ 2133, 2134 BGB – Früchte und Eigenverbrauch:** Der befreite Vorerbe darf Nachlasssubstanz **für sich selbst verbrauchen**, ohne dem Nacherben Wertersatz zu schulden.

## Wovon nicht befreit werden kann

**§ 2113 Abs. 2 BGB – Schenkungsverbot.** „Das Gleiche gilt von der Verfügung über einen Erbschaftsgegenstand, die unentgeltlich oder zum Zwecke der Erfüllung eines von dem Vorerben erteilten Schenkungsversprechens erfolgt." Schenkungen aus dem Nachlass werden mit Eintritt der Nacherbfolge **insoweit unwirksam**, als sie das Recht des Nacherben beeinträchtigen – auch beim befreiten Vorerben. Ausgenommen sind nur Pflicht- und Anstandsschenkungen (§ 2113 Abs. 2 Satz 2 BGB). Teilentgeltliche Geschäfte (deutlich unter Wert) gelten im unentgeltlichen Teil als Schenkung. Wirksam wird eine Schenkung endgültig nur mit **Zustimmung des Nacherben** (und etwaiger Ersatznacherben).

**§ 2121 BGB – Verzeichnis.** Der Nacherbe kann vom Vorerben **jederzeit** ein Verzeichnis der Erbschaftsgegenstände verlangen; die Pflicht ist nicht abdingbar, weil der Nacherbe ohne Bestandsaufnahme seine Rechte nicht sichern kann. Auch § 2122 BGB (Feststellung des Zustands der Erbschaft) bleibt bestehen.

**§ 2115 BGB – Zwangsvollstreckung.** Pfändungen durch **Eigengläubiger** des Vorerben in Nachlassgegenstände sind im Nacherbfall insoweit unwirksam, als sie das Recht des Nacherben vereiteln oder beeinträchtigen.

**§ 2111 BGB – Surrogation.** Was der Vorerbe für Nachlassgegenstände erlöst, fällt wieder in den Nachlass. Beim befreiten Vorerben bleibt also der **Kaufpreis** eines verkauften Grundstücks Nacherbenvermögen – er darf ihn aber (§ 2134 befreit) für sich verbrauchen.

## Gesetzliche Auslegungsregeln (§ 2137 BGB)

- **Abs. 1 – „Was übrig bleibt":** Setzt der Erblasser den Nacherben auf das ein, „was von der Erbschaft bei dem Eintritt der Nacherbfolge übrig sein wird", gilt die Befreiung von **allen** in § 2136 genannten Beschränkungen als angeordnet (zwingende Folge, sog. Nacherbschaft auf den Überrest).
- **Abs. 2 – „Freie Verfügung":** Bestimmt der Erblasser, dass der Vorerbe „zur freien Verfügung über die Erbschaft berechtigt sein soll", ist die volle Befreiung **im Zweifel** anzunehmen.
- In allen anderen Fällen ist durch **Auslegung** (§ 2084 BGB) zu ermitteln, ob und wie weit befreit wurde. Eine Befreiung kann sich auch **konkludent** aus dem Testament ergeben, sollte aber ausdrücklich formuliert werden.

## Herausgabe und Haftung (§ 2138 BGB)

Mit dem Nacherbfall muss der Vorerbe (bzw. sein Erbe) die Erbschaft an den Nacherben herausgeben (§ 2130 BGB). Beim befreiten Vorerben beschränkt sich das auf die **noch vorhandenen Erbschaftsgegenstände** einschließlich der Surrogate (§ 2138 Abs. 1 Satz 1 BGB). Was er bestimmungsgemäß verbraucht hat, muss er nicht ersetzen. Schadensersatz schuldet er aber, wenn er **entgegen § 2113 Abs. 2 BGB** verschenkt hat oder die Erbschaft **in der Absicht vermindert** hat, den Nacherben zu benachteiligen (§ 2138 Abs. 2 BGB).

## Häufige Fehler

- **„Befreit heißt: Der Vorerbe darf alles."** Falsch – Schenkungen aus dem Nachlass sind auch dem befreiten Vorerben verwehrt (§ 2113 Abs. 2 BGB); die Befreiung nach § 2136 erfasst nur § 2113 **Abs. 1**.
- **„Bei Befreiung muss kein Nachlassverzeichnis erstellt werden."** Falsch – § 2121 BGB steht nicht im Katalog des § 2136 und gilt deshalb auch für den befreiten Vorerben.
- **„Der Erblasser kann den Vorerben auch vom Schenkungsverbot befreien."** Nein – der Katalog des § 2136 ist abschließend. Wer völlige Freiheit will, setzt einen **Vollerben** ein.
- **„Der Erlös aus dem Hausverkauf gehört dem Vorerben persönlich."** Nein – er fällt durch Surrogation in den Nachlass (§ 2111 BGB); der befreite Vorerbe darf ihn lediglich verbrauchen.
- **„Die Befreiung muss im Grundbuch nicht erkennbar sein."** Bei Nachlassgrundstücken wird ein Nacherbenvermerk eingetragen (§ 51 GBO); die Befreiung ergibt sich aus dem Erbschein (§ 352b Abs. 1 Satz 2 FamFG) bzw. der notariellen Verfügung von Todes wegen. Die Entgeltlichkeit einer Verfügung muss gegenüber dem Grundbuchamt dargelegt werden.

## Ausnahmen

- **Zustimmung des Nacherben:** Mit Zustimmung aller Nacherben (und Ersatznacherben) kann der Vorerbe auch unentgeltlich verfügen; die Verfügung bleibt dann über den Nacherbfall hinaus wirksam.
- **Anstands- und Pflichtschenkungen** (z. B. übliche Gelegenheitsgeschenke) bleiben wirksam (§ 2113 Abs. 2 Satz 2 BGB).
- **Gutgläubiger Erwerb:** Die Vorschriften zugunsten derjenigen, die Rechte von einem Nichtberechtigten herleiten, gelten entsprechend (§ 2113 Abs. 3 BGB) – ein eingetragener Nacherbenvermerk schließt guten Glauben beim Grundstückserwerb aus.

## Beispiel

Erblasserin E setzt ihren Ehemann M zum **befreiten Vorerben** und die gemeinsame Tochter T zur Nacherbin auf seinen Tod ein. Im Nachlass: Eigentumswohnung (300.000 €) und Depot (200.000 €).

- M verkauft die Wohnung zum Marktpreis von 300.000 €. Wegen der Befreiung von § 2113 Abs. 1 BGB braucht er die Zustimmung von T nicht; der Erlös fällt in den Nachlass (§ 2111 BGB).
- M verbraucht 80.000 € für Pflege und Lebensunterhalt – zulässig, da er von § 2134 BGB befreit ist.
- M schenkt seiner neuen Partnerin 50.000 € aus dem Depot. Diese Schenkung wird mit dem Nacherbfall gegenüber T **unwirksam** (§ 2113 Abs. 2 BGB); T kann zudem von M bzw. dessen Erben **Schadensersatz** verlangen (§ 2138 Abs. 2 BGB).
- Beim Tod des M erhält T den noch vorhandenen Rest (§ 2138 Abs. 1 BGB) und kann gegen die Partnerin vorgehen.

## Änderungsverlauf

- 2026-10-19: Erstveröffentlichung (Erbrecht-Agent). Wortlaut § 2113, § 2114 BGB und § 352b FamFG gegen gesetze-im-internet.de verbatim geprüft; §§ 2136, 2137, 2138 BGB verbatim über lxgesetze.de (Stand „zuletzt geändert 23.7.2026") geprüft, da die amtliche Einzelnorm-URL im Lauf nicht abrufbar war; § 2121 BGB über Suchergebnisse bestätigt. Einordnung §§ 2111, 2115, 2116-2134 BGB ohne Einzelabruf – daher review_needed. Keine Rechtsprechung zitiert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Erbrecht-Agent (automatisiert)"

## Stand

- Stand: 2026-10-19
- Gültig ab: 1900-01-01 (BGB)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, FamFG, GBO)
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 2136 BGB – Befreiung des Vorerben:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2136.html
- § 2137 BGB – Auslegungsregel für die Befreiung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2137.html
- § 2138 BGB – Beschränkte Herausgabepflicht:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2138.html
- § 2113 BGB – Verfügungen über Grundstücke, Schiffe und Schiffsbauwerke; Schenkungen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2113.html
- § 2114 BGB – Verfügungen über Hypothekenforderungen, Grund- und Rentenschulden:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2114.html
- § 2121 BGB – Verzeichnis der Erbschaftsgegenstände:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2121.html
- § 2111 BGB – Unmittelbare Ersetzung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2111.html
- § 2115 BGB – Zwangsvollstreckungsverfügungen gegen Vorerben:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2115.html
- § 352b FamFG – Inhalt des Erbscheins für den Vorerben:
  https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__352b.html
- § 51 GBO – Nacherbenvermerk:
  https://www.gesetze-im-internet.de/gbo/__51.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-19
- Letzte Prüfung: 2026-10-19
- In Kraft seit: 1900-01-01
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
