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title: Beistandspflicht des Reiseveranstalters (§ 651q BGB) – Hilfe bei Schwierigkeiten auf der Pauschalreise
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# Beistandspflicht des Reiseveranstalters (§ 651q BGB) – Hilfe bei Schwierigkeiten auf der Pauschalreise

## Kurzantwort

Gerät ein Reisender **während einer Pauschalreise in Schwierigkeiten**, muss ihm der Reiseveranstalter nach **§ 651q BGB unverzüglich und in angemessener Weise Beistand gewähren**. Das gilt sowohl im Fall des **§ 651k Abs. 4 BGB** (Rückbeförderung wegen unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände unmöglich) als auch **aus anderen Gründen** – etwa bei Krankheit, Unfall, Verlust der Reisedokumente, Naturkatastrophen oder politischen Unruhen am Urlaubsort. Der Beistand umfasst **insbesondere** drei Leistungen: **geeignete Informationen** über Gesundheitsdienste, Behörden vor Ort und konsularische Unterstützung; **Unterstützung bei der Herstellung von Fernkommunikationsverbindungen**; und **Unterstützung bei der Suche nach anderen Reisemöglichkeiten** (§ 651q Abs. 1 Nr. 1–3 BGB). Die Aufzählung ist nicht abschließend („insbesondere"). Die Beistandspflicht ist **grundsätzlich kostenlos**. Nur wenn der Reisende die Schwierigkeiten **schuldhaft selbst herbeigeführt** hat, kann der Veranstalter **Ersatz seiner Aufwendungen** verlangen – begrenzt auf einen **angemessenen und tatsächlich entstandenen** Betrag (§ 651q Abs. 2 BGB). Die Vorschrift ist nach **§ 651y BGB halbzwingend**: Zum Nachteil des Reisenden kann davon nicht abgewichen werden. Sie setzt **Art. 16 der Pauschalreiserichtlinie (EU) 2015/2302** um und gilt seit dem **1. Juli 2018**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Norm | § 651q BGB – Beistandspflicht des Reiseveranstalters [gesetze-im-internet.de] |
| Anwendungsbereich | Pauschalreisevertrag (§ 651a BGB); während der Reise |
| Auslöser | Reisender in Schwierigkeiten – Fall des § 651k Abs. 4 BGB **oder** aus anderen Gründen [§ 651q Abs. 1 BGB] |
| Art der Pflicht | Unverzüglich und in angemessener Weise Beistand gewähren [§ 651q Abs. 1 BGB] |
| Beistand Nr. 1 | Geeignete Informationen über Gesundheitsdienste, Behörden vor Ort, konsularische Unterstützung [§ 651q Abs. 1 Nr. 1 BGB] |
| Beistand Nr. 2 | Unterstützung bei der Herstellung von Fernkommunikationsverbindungen [§ 651q Abs. 1 Nr. 2 BGB] |
| Beistand Nr. 3 | Unterstützung bei der Suche nach anderen Reisemöglichkeiten [§ 651q Abs. 1 Nr. 3 BGB] |
| Aufzählung | Nicht abschließend („insbesondere") |
| Grundsatz | Beistand ist kostenlos zu leisten |
| Ausnahme Kosten | Aufwendungsersatz nur bei schuldhaft selbst herbeigeführter Lage [§ 651q Abs. 2 BGB] |
| Kostengrenze | Nur angemessene und tatsächlich entstandene Aufwendungen [§ 651q Abs. 2 BGB] |
| Verhältnis § 651k Abs. 3 | Bleibt unberührt (Ersatzleistungs-/Herabsetzungsansprüche) [§ 651q Abs. 1 a. E. BGB] |
| Halbzwingend | Keine Abweichung zum Nachteil des Reisenden [§ 651y BGB] |
| EU-Grundlage | Art. 16 Pauschalreiserichtlinie (EU) 2015/2302 |
| In Kraft seit | 1. Juli 2018 (Drittes Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften, BGBl. I S. 2394) |

## Wann greift die Beistandspflicht?

Die Beistandspflicht nach § 651q Abs. 1 BGB knüpft an **„Schwierigkeiten"** des Reisenden an. Das Gesetz nennt zwei Fallgruppen:

- **Fall des § 651k Abs. 4 BGB:** Die vertraglich geschuldete **Rückbeförderung** ist wegen **unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände nicht möglich** – der Reisende sitzt am Urlaubsort fest (z. B. gesperrter Luftraum, Naturkatastrophe, Streik der Flugsicherung). In diesem Fall tritt neben die Beistandspflicht die eigenständige **Beherbergungspflicht** des Veranstalters für höchstens drei Nächte (§ 651k Abs. 4 BGB; Ausnahmen nach Abs. 5).
- **Andere Gründe:** Der Reisende gerät **aus sonstigen Gründen** in eine Notlage – etwa **Erkrankung oder Unfall**, **Verlust von Pass, Papieren oder Zahlungsmitteln**, **Naturereignisse** oder **politische Unruhen** vor Ort. Die Ursache muss **nicht** vom Veranstalter zu vertreten sein; die Pflicht ist **verschuldensunabhängig** ausgestaltet.

Der Veranstalter muss den Beistand **unverzüglich** – also ohne schuldhaftes Zögern – und **in angemessener Weise** leisten. „Angemessen" bedeutet, dass Art und Umfang der Hilfe zur konkreten Notlage passen müssen.

## Welche Hilfe der Veranstalter leisten muss

§ 651q Abs. 1 BGB benennt drei **Regelbeispiele** („insbesondere"):

1. **Informationen (Nr. 1):** Der Veranstalter muss geeignete Auskünfte über **Gesundheitsdienste** (Ärzte, Kliniken), **örtliche Behörden** und **konsularische Unterstützung** (Botschaft, Konsulat) bereitstellen.
2. **Kommunikation (Nr. 2):** Er muss dem Reisenden helfen, **Fernkommunikationsverbindungen herzustellen** – also den Kontakt zu Angehörigen, Ärzten, Versicherungen oder Behörden zu ermöglichen.
3. **Alternative Reisemöglichkeiten (Nr. 3):** Er muss bei der **Suche nach anderen Reisemöglichkeiten** unterstützen, etwa nach Ersatzflügen oder alternativen Rückreisewegen.

Weil die Aufzählung **nicht abschließend** ist, kann je nach Lage **weiterer Beistand** geschuldet sein. Ausdrücklich klargestellt ist am Ende von Absatz 1: **§ 651k Abs. 3 BGB bleibt unberührt** – die dortigen Ansprüche auf **angemessene Ersatzleistungen** und ggf. **Herabsetzung des Reisepreises** bei Reisemängeln bestehen neben der Beistandspflicht fort.

## Kosten des Beistands (§ 651q Abs. 2 BGB)

Der Beistand ist **im Grundsatz kostenlos**. Von diesem Grundsatz macht § 651q Abs. 2 BGB **eine** Ausnahme:

> Hat der Reisende die den Beistand erfordernden Umstände **schuldhaft selbst herbeigeführt**, kann der Reiseveranstalter **Ersatz seiner Aufwendungen** verlangen, **wenn und soweit** diese **angemessen** und ihm **tatsächlich entstanden** sind.

Daraus folgt:

- Der Reisende muss die Notlage **schuldhaft** (vorsätzlich oder fahrlässig) **selbst** verursacht haben – etwa durch eine vermeidbare, riskante Unternehmung auf eigene Faust.
- Ersatzfähig sind **nur die tatsächlich entstandenen** Aufwendungen des Veranstalters, und auch nur, **soweit sie angemessen** sind. Eine pauschale oder überhöhte „Bearbeitungsgebühr" ist nicht gedeckt.
- Für den **Beistand als solchen** (Information, Kommunikationshilfe, Suche nach Alternativen) besteht **kein** allgemeiner Vergütungsanspruch, solange die Schwierigkeiten nicht schuldhaft selbst herbeigeführt wurden.

Wichtig: **Kosten der Ersatzbeförderung, Unterkunft oder ärztlichen Behandlung** richten sich nach den jeweils einschlägigen Regeln (z. B. § 651k Abs. 4 BGB für die Beherbergung, EU-Fluggastrechte, Reiseversicherung) – § 651q Abs. 2 BGB regelt nur die **Aufwendungen des Veranstalters für den Beistand**.

## Einordnung im Pauschalreiserecht

§ 651q BGB ist Teil des **Untertitels 4 (Pauschalreisevertrag)** der §§ 651a–651y BGB. Er wurde durch das **Dritte Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften vom 17.07.2017** (BGBl. I S. 2394) eingefügt und ist am **1. Juli 2018** in Kraft getreten. Damit setzt der deutsche Gesetzgeber **Art. 16 der Pauschalreiserichtlinie (EU) 2015/2302** um.

Die Norm ist nach **§ 651y BGB halbzwingend**: Von § 651q BGB darf **nicht zum Nachteil des Reisenden** abgewichen werden. Eine AGB-Klausel, die die Beistandspflicht ausschließt oder unzulässig einschränkt, ist unwirksam.

Auf § 651q BGB verweisen innerhalb des BGB die Regelungen zu **Gastschulaufenthalten (§ 651u BGB)**, zur **Reisevermittlung (§ 651v BGB)** und zur **Vermittlung verbundener Reiseleistungen (§ 651w BGB)** – dort gilt die Beistandspflicht in modifizierter Form.

## Häufige Fehler

- **„Der Veranstalter muss mir bei Problemen im Urlaub gar nicht helfen."** Falsch – bei Schwierigkeiten besteht eine gesetzliche **Beistandspflicht** (§ 651q Abs. 1 BGB), unabhängig davon, ob der Veranstalter die Lage zu vertreten hat.
- **„Beistand gibt es nur, wenn der Flug ausfällt."** Falsch – § 651q BGB gilt auch bei **anderen Gründen** wie Krankheit, Unfall oder Dokumentenverlust, nicht nur im Fall des § 651k Abs. 4 BGB.
- **„Der Veranstalter darf für jede Hilfe eine Gebühr verlangen."** Falsch – der Beistand ist grundsätzlich **kostenlos**; Aufwendungsersatz gibt es nur, wenn der Reisende die Lage **schuldhaft selbst herbeigeführt** hat, und nur in **angemessener, tatsächlich entstandener** Höhe (§ 651q Abs. 2 BGB).
- **„Beistand bedeutet, dass der Veranstalter alle Folgekosten übernimmt."** Nicht zutreffend – § 651q BGB verpflichtet zur **Hilfeleistung** (Information, Kommunikation, Suche nach Alternativen). Kostenübernahmen für Unterkunft oder Beförderung folgen aus anderen Normen (z. B. § 651k Abs. 4 BGB, EU-Fluggastrechte).
- **„Die Beistandspflicht lässt sich per AGB ausschließen."** Falsch – § 651q BGB ist nach **§ 651y BGB halbzwingend**; eine Abweichung zum Nachteil des Reisenden ist unwirksam.

## Abgrenzung

- **Beistandspflicht (§ 651q BGB) vs. Beherbergungspflicht (§ 651k Abs. 4 BGB):** § 651q BGB verpflichtet zur **Hilfeleistung**; § 651k Abs. 4 BGB verpflichtet bei unmöglicher Rückbeförderung zur **Kostentragung der Unterkunft** (höchstens drei Nächte, Ausnahmen nach Abs. 5). Beide können nebeneinander eingreifen.
- **Beistand vs. Mängelrechte (§§ 651i–651o BGB):** Die Beistandspflicht betrifft **Notlagen des Reisenden**, nicht die Gewährleistung. Minderung (§ 651m), Kündigung (§ 651l) und Schadensersatz (§ 651n) setzen einen **Reisemangel** voraus; § 651k Abs. 3 BGB bleibt ausdrücklich unberührt.
- **Pauschalreise vs. Einzelbuchung:** § 651q BGB gilt nur für **Pauschalreisen** (§ 651a BGB). Bei reiner Einzelbuchung (nur Hotel oder nur Flug) besteht keine Beistandspflicht nach dieser Norm; dort greifen ggf. EU-Fluggastrechte oder Beherbergungsvertragsrecht.
- **Verbundene Reiseleistungen (§ 651w BGB):** Bei bloß verbundenen Reiseleistungen gilt die Beistandspflicht nur eingeschränkt; entscheidend ist die Abgrenzung zur echten Pauschalreise.




## Quellen

- § 651q BGB – Beistandspflicht des Reiseveranstalters: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651q.html
- § 651k BGB – Abhilfe (u. a. Abs. 3 und Abs. 4/5): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651k.html
- § 651a BGB – Vertragstypische Pflichten beim Pauschalreisevertrag: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651a.html
- § 651u BGB – Gastschulaufenthalte (Verweis auf § 651q): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651u.html
- § 651w BGB – Vermittlung verbundener Reiseleistungen (Verweis auf § 651q): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651w.html
- § 651y BGB – Abweichende Vereinbarungen (halbzwingend): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651y.html
- Richtlinie (EU) 2015/2302 – Pauschalreiserichtlinie (Art. 16 – Verpflichtung zur Gewährung von Hilfe): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32015L2302
- Drittes Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften vom 17.07.2017, BGBl. I S. 2394: https://www.bgbl.de/

## Änderungsverlauf

- 2026-07-20: Erstveröffentlichung. Wortlaut § 651q BGB (Abs. 1 Nr. 1–3, Abs. 2) gegen gesetze-im-internet.de / dejure.org verifiziert. Verzahnung mit § 651k Abs. 3 und Abs. 4/5 BGB sowie Umsetzung Art. 16 RL (EU) 2015/2302 bestätigt. Halbzwingender Charakter nach § 651y BGB und Inkrafttreten 01.07.2018 (BGBl. I S. 2394) geprüft. Keine Rechtsprechungs-Aktenzeichen zitiert, da die Norm eindeutig ist und kein einschlägiges Leitentscheidungs-Aktenzeichen sicher verifizierbar war. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-07-20
- Gültig ab: 2018-07-01 (Umsetzung Pauschalreiserichtlinie 2015/2302)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB-Einzelnormen, EU-Richtlinie)
- Lizenz: CC BY 4.0
