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title: Bestimmtheit der Erbeinsetzung und "testamentum mysticum" (§§ 2065, 2084 BGB) – Andeutungstheorie, BGH IV ZB 30/20
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# Bestimmtheit der Erbeinsetzung und "testamentum mysticum" (§§ 2065, 2084 BGB) – Andeutungstheorie, BGH IV ZB 30/20

## Kurzantwort

Ein Testament wirkt nur, wenn sich aus ihm **selbst** ergibt, **wer** was erben soll. Das folgt aus dem allgemeinen erbrechtlichen **Bestimmtheitsgebot**: Der Erblasser muss seine Verfügungen so formulieren, dass **Geltungsanordnung, Zuwendungsempfänger und Zuwendungsgegenstand mit praktisch hinreichender Sicherheit** aus den getroffenen Verfügungen entnommen werden können. **§ 2065 Abs. 2 BGB** ist eine **spezielle Ausprägung** dieses Grundsatzes: Der Erblasser kann die **Bestimmung der Person**, die eine Zuwendung erhalten soll, sowie die **Bestimmung des Gegenstands** der Zuwendung **nicht einem anderen überlassen** (Verbot der Drittbestimmung; **§ 2065 Abs. 1 BGB** verbietet ebenso, die **Geltung** der Verfügung in das Belieben eines Dritten zu stellen). Erlaubt bleibt lediglich, dass ein Dritter eine vom Erblasser hinreichend eng umschriebene Person oder Sache nur noch **bezeichnet** (identifiziert), nicht aber **auswählt**. Ist der Wortlaut mehrdeutig, gilt der Vorrang der **Auslegung**: Nach **§ 133 BGB** ist der **wirkliche Wille** zu erforschen, und nach **§ 2084 BGB** ist im Zweifel die Auslegung vorzuziehen, bei der die Verfügung **Erfolg haben** kann (*favor testamenti*). Für die Auslegung dürfen auch **außerhalb** der Urkunde liegende Umstände herangezogen werden – aber nur, wenn der so ermittelte Wille im Testament **wenigstens andeutungsweise** einen Anhalt findet (**Andeutungstheorie**). Der Erblasser kann daher zur inhaltlichen Bestimmung **nicht** auf Schriftstücke Bezug nehmen, die **die Testamentsform nicht wahren** (sog. **"testamentum mysticum"**). Der **BGH** hat dies mit Beschluss vom **10.11.2021 – IV ZB 30/20** bestätigt: Werden die konkreten Erben in einem eigenhändigen Testament **erst durch die Bezugnahme** auf eine nicht formwahrende Anlage – und nicht bereits allein durch den Wortlaut des Testaments – individualisierbar bestimmt, liegt **insgesamt keine wirksame Erbeinsetzung** vor; die Verfügung ist mangels Form nach **§ 125 Satz 1 BGB nichtig**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | §§ 2064, 2065 BGB (Höchstpersönlichkeit, Verbot der Drittbestimmung); §§ 133, 2084 BGB (Auslegung); § 125 S. 1 BGB (Formnichtigkeit) [gesetze-im-internet.de / dejure.org] |
| Bestimmtheitsgebot | Geltungsanordnung, **Zuwendungsempfänger** und **Zuwendungsgegenstand** müssen mit **praktisch hinreichender Sicherheit** aus den Verfügungen entnehmbar sein (BGH IV ZB 30/20 Rn. 15) |
| § 2065 Abs. 1 BGB | Der Erblasser kann eine letztwillige Verfügung **nicht** so treffen, dass **ein anderer** bestimmt, **ob** sie **gelten oder nicht gelten** soll (verbatim) |
| § 2065 Abs. 2 BGB | Der Erblasser kann die **Bestimmung der Person**, die eine Zuwendung erhalten soll, sowie die **Bestimmung des Gegenstands** der Zuwendung **nicht einem anderen überlassen** (verbatim) |
| Bestimmung vs. Bezeichnung | unzulässig ist die **Auswahl** (Bestimmung) durch einen Dritten; zulässig ist, dass ein Dritter eine hinreichend eng umschriebene Person/Sache nur noch **bezeichnet** (BGH, 18.11.1954 – IV ZR 152/54) |
| § 133 BGB | bei der Auslegung ist der **wirkliche Wille** zu erforschen und **nicht am buchstäblichen Sinne** des Ausdrucks zu haften (verbatim) |
| § 2084 BGB | lässt der Inhalt **verschiedene Auslegungen** zu, ist **im Zweifel** die Auslegung vorzuziehen, bei der die Verfügung **Erfolg haben** kann (*favor testamenti*, verbatim) |
| Andeutungstheorie | außerhalb der Urkunde liegende Umstände sind nur verwertbar, wenn der Wille im Testament **wenigstens andeutungsweise oder versteckt** zum Ausdruck kommt; die bloße **Bezugnahme** auf eine Anlage genügt dafür **nicht** (BGH IV ZB 30/20 Rn. 13, 18 f.) |
| testamentum mysticum | Bezugnahme auf **nicht formwahrende** Schriftstücke zur **inhaltlichen** Bestimmung ist **unzulässig**; erlaubt ist Verweisung nur zur **näheren Erläuterung** bzw. auf eine andere **formwirksame** Verfügung (BGH IV ZB 30/20 Rn. 12) |
| Leitentscheidung | **BGH, Beschluss vom 10.11.2021 – IV ZB 30/20** (BGHZ 231, 377; NJW 2022, 474): eigenhändiges Testament ("5 befreundete Familien") + maschinengeschriebene Namensliste → **keine** wirksame Erbeinsetzung |
| Prüfungsreihenfolge | (1) ist die **formwirksame** Verfügung für sich **hinreichend bestimmt**? (2) ist sie **auslegungsfähig**? (3) findet das Auslegungsergebnis im Testament wenigstens eine **Andeutung**? (BGH IV ZB 30/20 Rn. 13) |
| Rechtsfolge | fehlt die formgerechte Andeutung, ist der Wille **unbeachtlich**; die Erbeinsetzung ist **formnichtig** (§ 125 S. 1 BGB) → es gilt das frühere Testament oder die **gesetzliche Erbfolge** |
| Sonderfälle im BGB | §§ 2066–2073 BGB (Auslegungsregeln bei "Verwandten", "Kindern", "Armen", "Personengruppe", mehrdeutiger Bezeichnung); § 2151 f. BGB (**Bestimmungsvermächtnis** – begrenzte, gesetzlich zugelassene Drittbestimmung beim Vermächtnis) |
| Zweck der Formvorschriften | Sicherung der **Echtheit** der Erklärung und Vermeidung von **Streit** über den Inhalt; die Form gilt auch, wenn der Formzweck im Einzelfall anderweitig gesichert ist (BGH IV ZB 30/20 Rn. 20 f.) |

## Worum es beim Bestimmtheitsgebot geht

Ein Testament entfaltet seine Wirkung erst mit dem Tod des Erblassers – zu einem Zeitpunkt also, in dem er **nicht mehr befragt** werden kann. Deshalb muss bereits die **Urkunde selbst** zweifelsfrei erkennen lassen, was gelten soll. Aus diesem Gedanken folgt das **allgemeine erbrechtliche Bestimmtheitsgebot**: Der Erblasser muss seine Verfügungen so formulieren, dass sich **Geltungsanordnung** (ob überhaupt verfügt wird), **Zuwendungsempfänger** (wer bedacht ist) und **Zuwendungsgegenstand** (was zugewandt wird) **mit praktisch hinreichender Sicherheit** aus den getroffenen Verfügungen entnehmen lassen. Eine mathematische Eindeutigkeit ist nicht verlangt – wohl aber, dass am Ende der Auslegung eine **zweifelsfreie** Bestimmung der bedachten Personen und Gegenstände steht.

Der Bundesgerichtshof hat dieses Gebot in seinem Beschluss vom 10. November 2021 ausdrücklich formuliert und klargestellt, dass **§ 2065 Abs. 2 BGB nur eine spezielle Ausprägung** dieses umfassenderen Grundsatzes ist. Das Bestimmtheitsgebot reicht also weiter als der Wortlaut des § 2065 BGB und greift immer dann, wenn unklar bleibt, wer oder was gemeint ist.

## Höchstpersönlichkeit und Verbot der Drittbestimmung (§ 2065 BGB)

Das Testament ist ein **höchstpersönliches** Rechtsgeschäft. Nach **§ 2064 BGB** kann der Erblasser ein Testament **nur persönlich** errichten; eine Stellvertretung ist ausgeschlossen. **§ 2065 BGB** sichert diese materielle Höchstpersönlichkeit inhaltlich ab:

> **§ 2065 Abs. 1 BGB:** "Der Erblasser kann eine letztwillige Verfügung nicht in der Weise treffen, dass ein anderer zu bestimmen hat, ob sie gelten oder nicht gelten soll."
>
> **§ 2065 Abs. 2 BGB:** "Der Erblasser kann die Bestimmung der Person, die eine Zuwendung erhalten soll, sowie die Bestimmung des Gegenstands der Zuwendung nicht einem anderen überlassen."

Der Erblasser muss den **Inhalt** seiner Verfügung – das **Ob**, das **Wer** und das **Was** – **selbst** und abschließend festlegen. Unwirksam sind daher Klauseln, die einem Dritten die eigentliche **Entscheidung** überlassen, etwa "Erbe soll sein, wen mein Ehegatte später bestimmt" oder "die Verteilung meines Vermögens überlasse ich dem Ermessen meines Testamentsvollstreckers".

## Bestimmung oder nur Bezeichnung? Die entscheidende Grenze

Nicht jede Mitwirkung eines Dritten ist verboten. Die Rechtsprechung unterscheidet seit langem zwischen der **(unzulässigen) Bestimmung** und der **(zulässigen) bloßen Bezeichnung**: Der Erblasser darf einem Dritten **nicht die Auswahl** überlassen, wohl aber die **Identifizierung** einer Person oder Sache, die er selbst bereits **so eng umschrieben** hat, dass dem Dritten kein echter Entscheidungsspielraum bleibt (grundlegend BGH, Urteil vom 18. November 1954 – IV ZR 152/54).

Ein Beispiel: "Erbe soll derjenige meiner Neffen sein, der mich bis zu meinem Tod pflegt" kann wirksam sein, weil der Kreis feststeht und nur noch **festgestellt** werden muss, wer die Bedingung erfüllt hat. Dagegen ist "Erbe soll ein von meinem Bruder auszuwählender meiner Neffen sein" unwirksam, weil hier der Bruder die eigentliche **Auswahlentscheidung** trifft. Für das **Vermächtnis** lässt das Gesetz in **§§ 2151–2153 BGB** eine eng begrenzte Drittbestimmung ausdrücklich zu (Bestimmungs- und Wahlvermächtnis) – eine gesetzliche Ausnahme, die die Grundregel des § 2065 BGB gerade bestätigt.

## Vorrang der Auslegung: § 133 und § 2084 BGB

Bevor eine Verfügung als unbestimmt verworfen wird, ist sie **auszulegen**. Maßstab ist **§ 133 BGB**: "Bei der Auslegung einer Willenserklärung ist der wirkliche Wille zu erforschen und nicht an dem buchstäblichen Sinne des Ausdrucks zu haften." Für Testamente tritt **§ 2084 BGB** hinzu: "Lässt der Inhalt einer letztwilligen Verfügung verschiedene Auslegungen zu, so ist im Zweifel diejenige Auslegung vorzuziehen, bei welcher die Verfügung Erfolg haben kann." Dieser Grundsatz des **favor testamenti** (wohlwollende Auslegung) soll den letzten Willen möglichst **aufrechterhalten**, statt ihn an Formulierungsschwächen scheitern zu lassen.

Bei der Auslegung dürfen **auch außerhalb der Urkunde** liegende Umstände herangezogen werden – etwa Briefe, Aufzeichnungen, Zeugenaussagen oder eben eine formlose Anlage. Die Auslegung darf jedoch **nicht** dazu dienen, einen im Testament **überhaupt nicht** ausgedrückten Willen erstmals hineinzulegen. Hier zieht die **Andeutungstheorie** die Grenze.

## Die Andeutungstheorie

Nach der ständigen Rechtsprechung kann nur einem Willen Geltung verschafft werden, der **im Testament** – wenn auch **noch so geringfügig** – eine Grundlage findet. Für eine formwirksame Verfügung müssen **wenigstens gewisse Anhaltspunkte** in der letztwilligen Verfügung selbst enthalten sein, die **im Zusammenhang** mit den außerhalb liegenden Umständen den entsprechenden Willen des Erblassers erkennen lassen. Fehlt eine solche Andeutung, ist der (unterstellte, aber nicht formgerecht erklärte) Wille **unbeachtlich**; die Verfügung ist nach **§ 125 Satz 1 BGB nichtig**.

Wichtig ist die Klarstellung des BGH: Ein bestimmter Erblasserwille ist **nicht schon dadurch** angedeutet, dass der Wortlaut überhaupt **auslegungsbedürftig** ist und sich eine generelle Willensrichtung herleiten lässt. Und die bloße **Bezugnahme** auf eine (formlose) Anlage ist **keine** ausreichende Andeutung. Die Andeutungstheorie darf nicht dazu benutzt werden, die **Formnichtigkeit** einer Verfügung nachträglich zu überwinden.

## Das Verbot des "testamentum mysticum"

Aus dem Zusammenspiel von Form (§ 2247 BGB) und Bestimmtheitsgebot folgt das Verbot des **"testamentum mysticum"** – des "geheimen Testaments", das seinen Inhalt erst aus einem **nicht formwahrenden** Schriftstück bezieht. Der Erblasser kann hinsichtlich des **Inhalts** seiner letztwilligen Verfügung **grundsätzlich nicht** auf Schriftstücke Bezug nehmen, die die Testamentsform nicht erfüllen (z. B. einen maschinengeschriebenen, nicht eigenhändigen Anhang, einen Zettel, eine Datei). Eine solche Anlage wird **nicht** dadurch zum Bestandteil des Testaments, dass die Urkunde auf sie verweist.

Zulässig ist die Bezugnahme nur in zwei Konstellationen: erstens der Verweis auf eine **andere formwirksame** letztwillige Verfügung (etwa auf ein notarielles Testament), und zweitens die Bezugnahme allein zur **näheren Erläuterung** eines im Testament bereits formgültig und **andeutungsweise** erklärten Willens. Sobald die Anlage dagegen den Inhalt **erst herstellt** oder **ergänzt** – also bestimmt, wer Erbe wird oder was er erhält –, ist die Verfügung formunwirksam.

## Der Fall BGH IV ZB 30/20 (10.11.2021)

Ein Ehepaar errichtete ein gemeinschaftliches **eigenhändiges** Testament und setzte sich gegenseitig zu Alleinerben ein. Für den Nachlass nach dem Längstlebenden verfügten sie, ein italienisches Ferienhaus solle "an eine **Erbengemeinschaft aus 5 befreundeten Familien**" fallen; "Namen und Adressen" seien "im PC-Ausdruck angehängt". In einer **maschinengeschriebenen** Anlage ("Namensliste der Erbengemeinschaft") waren fünf Paare – darunter die späteren Antragsteller – aufgeführt; die Anlage war handschriftlich datiert und unterschrieben.

Der BGH wies den Erbscheinsantrag der zwei in der Liste genannten Personen zurück. Selbst wenn man **unterstellt**, dass die Anlage echt war und dem Willen der Eheleute entsprach, waren die Antragsteller **nicht formwirksam** als Erben eingesetzt. Denn allein aus dem **Wortlaut** des Testaments ("5 befreundete Familien") war für einen mit den Verhältnissen vertrauten Dritten **nicht erkennbar**, welche Personen gemeint waren; es fehlte ein **feststehender, abgegrenzter** Personenkreis. Die formunwirksame Anlage durfte diese Lücke nicht schließen, und die Bezugnahme auf sie war **keine** ausreichende Andeutung im Sinne der Andeutungstheorie. Ergebnis: **keine wirksame Erbeinsetzung**, Formnichtigkeit nach § 125 Satz 1 BGB.

**Amtlicher Leitsatz:** "Zur Unwirksamkeit einer Erbeinsetzung, wenn die Erben in einem eigenhändigen Testament erst durch Bezugnahme auf eine nicht die Testamentsform wahrende Anlage individualisierbar bestimmt werden." Der Beschluss ist als **BGHZ 231, 377** und in **NJW 2022, 474** veröffentlicht (ECLI:DE:BGH:2021:101121BIVZB30.20.0).

## Prüfungsreihenfolge in der Praxis

Der BGH hat auch die **Reihenfolge** der Prüfung geordnet. Zunächst ist zu klären, ob die letztwillige Verfügung, **soweit sie formwirksam** ist, für sich genommen **hinreichend bestimmt** und damit vollständig ist. Ist das nicht der Fall, kommt es darauf an, ob die Verfügung **auslegungsfähig** ist, also **mehrere** Auslegungsmöglichkeiten zulässt. Nur wenn das zu bejahen ist, ist weiter zu prüfen, ob das aus außerhalb liegenden Umständen gewonnene Auslegungsergebnis im Testament **wenigstens andeutungsweise oder versteckt** zum Ausdruck gekommen ist. Für eine solche Andeutung genügt – nochmals – **nicht** die bloße Bezugnahme auf die Anlage.

## Gestaltungshinweise

Wer verhindern will, dass eine Erbeinsetzung an der Bestimmtheit scheitert, sollte die bedachten Personen im Testament **selbst und namentlich** (mit Geburtsdatum/Adresse) benennen oder sie über einen **objektiv feststellbaren** Kreis eindeutig umschreiben (z. B. "meine ehelichen Abkömmlinge zu gleichen Teilen"). Sollen viele oder wechselnde Personen bedacht werden, empfiehlt sich ein **notarielles Testament**, auf das ausdrücklich verwiesen werden darf, oder die Aufnahme aller Namen **in die eigenhändige Urkunde selbst**. Formlose Beiblätter, Listen, Tabellen oder Dateien sollten **nicht** zur inhaltlichen Bestimmung eingesetzt werden – sie sind erbrechtlich unbeachtlich und können die gesamte Verfügung zu Fall bringen.

## Häufige Fehler

- **"Ich kann die Verteilung meinem Ehepartner überlassen."** Nein – die **Bestimmung** der bedachten Person darf nicht einem anderen überlassen werden (§ 2065 Abs. 2 BGB); zulässig ist nur die bloße **Bezeichnung** einer bereits eng umschriebenen Person.
- **"Ich schreibe die Namen einfach auf ein extra Blatt."** Gefährlich – eine **nicht formwahrende** Anlage kann den Inhalt des eigenhändigen Testaments **nicht** herstellen (Verbot des "testamentum mysticum"); die Erbeinsetzung kann insgesamt **nichtig** sein (BGH IV ZB 30/20).
- **"Der Verweis im Testament auf die Liste reicht als Andeutung."** Nein – die bloße **Bezugnahme** auf eine formlose Anlage genügt der **Andeutungstheorie** nicht (BGH IV ZB 30/20 Rn. 13, 19).
- **"Ungenaue Formulierungen rettet die wohlwollende Auslegung (§ 2084 BGB)."** Nur begrenzt – die Auslegung setzt **mehrere mögliche Deutungen** und einen **Anhalt im Text** voraus; sie kann eine **Formnichtigkeit nicht überwinden**.
- **"Beim Vermächtnis darf ein Dritter frei auswählen."** Nur im gesetzlich zugelassenen Rahmen der §§ 2151–2153 BGB (Bestimmungs-/Wahlvermächtnis) – nicht bei der **Erbeinsetzung**.
- **"Wenn keine Fälschungsgefahr besteht, ist die Form entbehrlich."** Nein – Formvorschriften gelten auch dann, wenn der Formzweck im Einzelfall anderweitig gesichert ist (BGH IV ZB 30/20 Rn. 21).




## Quellen

- § 2064 BGB – Persönliche Errichtung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2064.html
- § 2065 BGB – Bestimmung durch Dritte: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2065.html
- § 2084 BGB – Auslegung zugunsten der Wirksamkeit: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2084.html
- § 133 BGB – Auslegung einer Willenserklärung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__133.html
- § 125 BGB – Nichtigkeit wegen Formmangels: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__125.html
- § 2247 BGB – Eigenhändiges Testament: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2247.html
- §§ 2151–2153 BGB – Bestimmungs-/Wahlvermächtnis (zulässige Drittbestimmung): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2151.html
- § 2065 BGB (dejure.org, mit Rechtsprechungsnachweisen): https://dejure.org/gesetze/BGB/2065.html
- § 2084 BGB (dejure.org, mit Rechtsprechungsnachweisen): https://dejure.org/gesetze/BGB/2084.html
- BGH, Beschluss vom 10.11.2021 – IV ZB 30/20 (testamentum mysticum; Bestimmtheit der Erbeinsetzung; BGHZ 231, 377; NJW 2022, 474): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=10.11.2021&Aktenzeichen=IV%20ZB%2030/20
- BGH, Beschluss vom 19.06.2019 – IV ZB 30/18 (Andeutungstheorie; formgerechte Erklärung des Willens; NJW 2019, 2317): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=19.06.2019&Aktenzeichen=IV%20ZB%2030/18
- BGH, Urteil vom 18.11.1954 – IV ZR 152/54 (Bestimmung vs. Bezeichnung durch Dritte): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=18.11.1954&Aktenzeichen=IV%20ZR%20152/54

## Änderungsverlauf

- 2026-07-25: Erstveröffentlichung. Normtexte der §§ 2065 und 2084 BGB **verbatim** gegen dejure.org (Spiegel des amtlichen Wortlauts) geprüft; § 133, § 125, § 2064 BGB verbatim; Leitentscheidung **BGH IV ZB 30/20** (10.11.2021) samt amtlichem Leitsatz, Bestimmtheitsgebot (Rn. 15), testamentum mysticum (Rn. 12) und Andeutungstheorie (Rn. 13, 18 f.) anhand des Entscheidungstexts geprüft (BGHZ 231, 377; NJW 2022, 474). factcheck_status: review_needed (statutorischer Kern und BGH-Kernaussagen verifiziert; dogmatische Einordnung zu §§ 2151–2153 BGB und historische Bestimmung/Bezeichnung-Abgrenzung noch verbatim gegenzuprüfen). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"