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title: "Bestpreisklauseln der Hotelportale (BGH KVR 54/20, EuGH C-264/23, Art. 5 Abs. 3 DMA) – Warum Hotels auf der eigenen Website günstiger sein dürfen"
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# Bestpreisklauseln der Hotelportale (BGH KVR 54/20, EuGH C-264/23, Art. 5 Abs. 3 DMA) – Warum Hotels auf der eigenen Website günstiger sein dürfen

## Kurzantwort

Hotelportale wie Booking.com dürfen Hotels **nicht** vertraglich daran hindern, auf der **eigenen Website** oder über **andere Kanäle** niedrigere Preise anzubieten. Solche **Bestpreis- oder Paritätsklauseln** sind nach der Rechtsprechung **kartellrechtswidrig**: Der **Bundesgerichtshof** hat am **18.05.2021 (KVR 54/20)** die „enge" Bestpreisklausel von Booking.com untersagt, der **EuGH** hat am **19.09.2024 (C-264/23)** Paritätsklauseln nicht als zulässige Nebenabrede anerkannt, und für als **Gatekeeper** benannte Plattformen verbietet **Art. 5 Abs. 3 DMA (VO (EU) 2022/1925)** Preisparitätsklauseln ausdrücklich. Für Gäste heißt das: Ein **Direktpreis des Hotels** kann niedriger sein als der Portalpreis; einen **gesetzlichen Anspruch** auf den günstigsten Preis haben Gäste dadurch aber **nicht**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Streitgegenstand | Bestpreis- bzw. Paritätsklauseln in Verträgen zwischen Hotelportalen und Hotels |
| Enge Bestpreisklausel | Hotel darf auf der eigenen Website nicht günstiger anbieten als auf dem Portal |
| Weite Bestpreisklausel | Hotel darf auch auf anderen Portalen und offline nicht günstiger anbieten (Paritätsklausel) |
| BGH-Entscheidung | BGH, Beschluss vom 18.05.2021 – KVR 54/20 (enge Klausel von Booking.com unzulässig) |
| Rechtsgrundlage BGH | § 1 GWB, Art. 101 Abs. 1 AEUV |
| Vorinstanz | OLG Düsseldorf (2019): enge Klausel zulässig – vom BGH aufgehoben |
| Bundeskartellamt | Beschluss vom 22.12.2015 (Entfernung der engen Klausel bis 31.01.2016) – vom BGH bestätigt |
| EuGH-Entscheidung | EuGH, Urteil vom 19.09.2024 – C-264/23 (Booking.com; Vorlage des Bezirksgerichts Amsterdam) |
| EuGH-Kernaussage | Weite und enge Paritätsklauseln sind grundsätzlich keine „Nebenabrede“: weder objektiv notwendig noch verhältnismäßig [EuGH-Pressemitteilung Nr. 145/24] |
| Schadensersatz Hotels (DE) | LG Berlin II, Urteil vom 16.12.2025 – 61 O 60/24 Kart: Booking.com dem Grunde nach schadensersatzpflichtig gegenüber 1.099 Unterkunftsbetreibern (Feststellung; Schadenshöhe offen; nicht rechtskräftig) |
| DMA-Verbot | Art. 5 Abs. 3 VO (EU) 2022/1925 – Gatekeeper dürfen günstigere Preise auf anderen Kanälen nicht beschränken |
| Booking.com als Gatekeeper | Benennung 13.05.2024 (Compliance-Frist sechs Monate) |
| DMA-Bußgeld | bis 10 % des weltweiten Jahresumsatzes (Art. 30 DMA) |
| Anspruch des Gastes auf Bestpreis | kein gesetzlicher Anspruch |

## Was Bestpreisklauseln sind

Hotelportale vermitteln Zimmer gegen eine **Provision**. Viele Portale haben von Hotels verlangt, dort **den besten Preis** anzubieten. Man unterscheidet:

- **Weite Bestpreisklausel:** Das Hotel darf **nirgends** – weder auf eigener Website noch auf Konkurrenzportalen oder an der Rezeption – einen niedrigeren Preis anbieten als auf dem Portal.
- **Enge Bestpreisklausel:** Das Hotel darf nur **auf der eigenen Website** (und anderen eigenen Online-Kanälen) nicht günstiger sein, bei anderen Portalen dagegen schon.

Wettbewerbsrechtlich entsteht das Problem, weil Preisunterschiede zwischen Portalen kaum noch möglich sind, die Provision nicht über den Preis „ausgespielt" werden kann und der Wettbewerb zwischen Portalen sowie zwischen Portal und Hotel eingeschränkt wird.

## BGH vom 18.05.2021 – KVR 54/20

Der **Bundesgerichtshof** hat die vom **Bundeskartellamt** mit Beschluss vom **22.12.2015** verfügte Untersagung der **engen Bestpreisklausel** von Booking.com wiederhergestellt und damit die gegenteilige Entscheidung des **OLG Düsseldorf (2019)** aufgehoben. Die Klausel verstößt gegen **§ 1 GWB** und **Art. 101 Abs. 1 AEUV**. Nach der Begründung ist sie **zur Durchführung des Plattformvertrags objektiv nicht notwendig**; dass Booking.com seinen Marktanteil nach Aufgabe der Klauseln in Deutschland steigern konnte, spricht nach Auffassung des Gerichts gegen die Notwendigkeit.

## EuGH vom 19.09.2024 – C-264/23

Auf Vorlage des **Bezirksgerichts Amsterdam** hat der EuGH entschieden, dass Paritätsklauseln von Booking.com **nicht** als **Nebenabrede** („ancillary restraint") dem Kartellverbot entzogen sind, weil sie **nicht objektiv unerlässlich** für die Durchführung des Vermittlungsvertrags sind. Das gilt nach dem Gerichtshof für **weite wie enge** Klauseln: Es sei nicht nachgewiesen, dass sie objektiv notwendig und verhältnismäßig sind; auch enge Klauseln erscheinen zur Sicherung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Plattform nicht objektiv notwendig. Hotels machen auf dieser Grundlage **Schadensersatz** vor nationalen Gerichten geltend: Das **Landgericht Berlin II** hat mit Urteil vom **16.12.2025 (61 O 60/24 Kart)** festgestellt, dass Booking.com 1.099 Unterkunftsbetreibern den durch die Bestpreisklauseln seit 01.01.2013 entstandenen Schaden dem Grunde nach zu ersetzen hat; ob und in welcher Höhe tatsächlich ein Schaden entstanden ist, blieb offen, die Klage auf Erstattung von Provisionen war unzulässig. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Weitere Verfahren sind nach Branchenangaben u. a. in Amsterdam anhängig.

## Art. 5 Abs. 3 DMA – Verbot für Gatekeeper

Seit der Benennung von **Booking.com** als **Gatekeeper** am **13.05.2024** gilt für den Online-Vermittlungsdienst **Art. 5 Abs. 3 VO (EU) 2022/1925**: Torwächter dürfen die Möglichkeiten gewerblicher Nutzer **nicht beschränken**, Endnutzern über andere Online-Vermittlungsdienste oder über direkte Online-Vertriebskanäle Produkte oder Dienstleistungen **zu günstigeren Bedingungen, einschließlich günstigerer Preise**, anzubieten. Die Kommission überwacht die Einhaltung; Verstöße können mit Bußgeldern bis **10 %** des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden (**Art. 30**). Booking.com hat die Paritätsklauseln in EU-Verträgen daraufhin abgeschafft.

## Was das für Gäste bedeutet

- Ein Hotel darf auf der **eigenen Website** niedrigere Preise oder zusätzliche Leistungen (z. B. Frühstück, flexible Storno) anbieten als auf dem Portal.
- Ein **Preisvergleich** zwischen Portal und Hotel-Direktbuchung kann sich lohnen; einen **Anspruch** auf den niedrigeren Preis nach Buchung gibt es nicht.
- Ob **kostenlos storniert** werden kann, richtet sich nach den **Hotelbedingungen**, nicht nach dem Portal; ein **Widerrufsrecht** besteht bei datumsgebundener Beherbergung nicht (**§ 312g Abs. 2 Nr. 9 BGB**, siehe [Kein Widerrufsrecht bei Hotel](https://nexvyra.de/fakten/widerrufsrecht-reise-freizeit-312g-bgb.html)); zu Stornopauschalen siehe [Hotelstornierung](https://nexvyra.de/fakten/hotelstornierung-651h-bgb.html).
- Die Entscheidungen betreffen das **Verhältnis Portal–Hotel** (Kartellrecht), nicht den **Vertrag zwischen Gast und Hotel**.

## Häufige Fehler

- **„Das Hotel muss mir den Portalpreis garantieren."** Falsch – Kartellrecht schützt die Preisfreiheit der Hotels, nicht einen Bestpreisanspruch der Gäste.
- **„Bestpreisklauseln sind in der EU überall verboten."** Zu pauschal – verboten sind sie für **Gatekeeper nach dem DMA** und nach der Rechtsprechung für die behandelten Klauseln; für andere Portale entscheidet das Kartellrecht im Einzelfall.
- **„Der BGH hat Booking.com verboten."** Ungenau – untersagt wurde die **enge Bestpreisklausel**, nicht die Vermittlung.

## Änderungsverlauf

- 2026-10-08: Faktencheck abgeschlossen und **freigegeben** (Status war `review_needed`). EuGH C-264/23 am Primärtext geprüft (Pressemitteilung des Gerichtshofs Nr. 145/24 vom 19.09.2024, curia.europa.eu): Datum, Vorlage des Bezirksgerichts Amsterdam und Kernaussage (weite und enge Paritätsklauseln keine Nebenabrede) bestätigt; Kernfakten präzisiert. BGH KVR 54/20 vom 18.05.2021 (BGHZ 230, 88) und BKartA-Beschluss vom 22.12.2015 über die amtliche Pressemitteilung 41/2025 des LG Berlin II bestätigt (Primärtext bundesgerichtshof.de nicht abgerufen). Korrigiert/aktualisiert: Schadensersatzverfahren in Berlin nicht mehr nur „anhängig“, sondern LG Berlin II, Urteil vom 16.12.2025 – 61 O 60/24 Kart (Feststellung dem Grunde nach für 1.099 Betreiber, nicht rechtskräftig); Datum des BKartA-Beschlusses ergänzt. | change_type=factcheck field="legal_content" old="Schadensersatzverfahren in Amsterdam und Berlin anhängig; BKartA 2015" new="LG Berlin II 16.12.2025 – 61 O 60/24 Kart (nicht rechtskräftig); BKartA 22.12.2015" reviewed_by="Nexvyra-Freigabe-Aufholer (automatisiert)"
- 2026-10-08: Freigabe nach Prüfung. | change_type=factcheck field="factcheck_status" old="review_needed" new="ok" reviewed_by="Nexvyra-Freigabe-Aufholer (automatisiert)"
- 2026-10-07: Erstellt. DMA-Wortlaut Art. 5 Abs. 3 gegen EUR-Lex geprüft. BGH- und EuGH-Entscheidung (Az., Datum, Kernaussage) nur über Sekundärquellen belegt, Primärtexte (bundesgerichtshof.de, curia.europa.eu) nicht abgerufen – daher factcheck_status=review_needed. | change_type=other reviewed_by="Nexvyra Reiserecht-Agent"

## Quellen

- BGH, Beschluss vom 18.05.2021 – KVR 54/20 (Booking.com, enge Bestpreisklausel):
  https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/bgh-kvr5420-booking-bestpreisklauseln-hotelbuchungsportale-kartell-wettbewerb
- EuGH, Urteil vom 19.09.2024 – C-264/23 (Booking.com, Paritätsklauseln):
  https://www.hotellerie.de/news/newsdetail/european-court-of-justice-backs-german-hotels-in-their-dispute-with-bookingcom
- EuGH, Pressemitteilung Nr. 145/24 vom 19.09.2024 (C-264/23):
  https://curia.europa.eu/jcms/upload/docs/application/pdf/2024-09/cp240145en.pdf
- LG Berlin II, Urteil vom 16.12.2025 – 61 O 60/24 Kart, Pressemitteilung 41/2025 (mit Bestätigung BKartA 22.12.2015 und BGH KVR 54/20, BGHZ 230, 88):
  https://www.berlin.de/gerichte/presse/pressemitteilungen-der-ordentlichen-gerichtsbarkeit/2025/pressemitteilung.1626886.php
- VO (EU) 2022/1925 (Digital Markets Act), Art. 5 Abs. 3, Art. 30:
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32022R1925
- Booking.com als Gatekeeper (Benennung 13.05.2024), Umsetzung Art. 5 Abs. 3 DMA:
  https://www.tageskarte.io/hotellerie/detail/bookingcom-muss-verbot-von-bestpreisklauseln-europaweit-umsetzen.html
- § 1 GWB – Verbot wettbewerbsbeschränkender Vereinbarungen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/gwb/__1.html
- Nexvyra: DMA – Gatekeeper:
  https://nexvyra.de/fakten/dma-gatekeeper-2026.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-08
- Letzte Prüfung: 2026-10-08
- In Kraft seit: 2021-05-18
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: B
- Lizenz: CC BY 4.0
