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title: Betreuungs- & Unterstützungsleistungen bei Flugverspätung (Art. 8 & 9 VO 261/2004) – Essen, Hotel, Erstattung, Ersatzbeförderung
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# Betreuungs- & Unterstützungsleistungen bei Flugverspätung (Art. 8 & 9 VO 261/2004) – Essen, Hotel, Erstattung, Ersatzbeförderung

## Kurzantwort

Neben der pauschalen **Ausgleichszahlung** (250/400/600 € nach Art. 7) gewährt die EU-Fluggastrechte-Verordnung 261/2004 zwei weitere, davon **unabhängige** Anspruchsgruppen: **Betreuungsleistungen** nach **Art. 9** und **Unterstützungsleistungen** (Erstattung oder anderweitige Beförderung) nach **Art. 8**. **Betreuung** (Art. 9) bedeutet: **Mahlzeiten und Erfrischungen** in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit, bei notwendiger Übernachtung **Hotelunterbringung** samt **Transfer** zwischen Flughafen und Hotel sowie **zwei kostenlose Kommunikationsmittel** (Telefonate, E-Mails). Diese Leistungen muss das Luftfahrtunternehmen **von sich aus** und **kostenlos** anbieten. **Unterstützung** (Art. 8) heißt: **Erstattung** des vollen Flugpreises **binnen sieben Tagen** (bei zwecklos gewordener Reise plus Rückflug zum ersten Abflugort) **oder** eine **anderweitige Beförderung** zum Endziel zum frühestmöglichen bzw. einem späteren gewünschten Zeitpunkt. Entscheidend: **Betreuungsleistungen bestehen auch bei außergewöhnlichen Umständen** (z. B. Vulkanasche, Unwetter, Streik) – anders als der Ausgleich nach Art. 7 entfallen sie **nicht** und unterliegen **keiner** zeitlichen oder betraglichen Obergrenze (EuGH C-12/11 *McDonagh ./. Ryanair*). Ab welcher Verspätung was zusteht, regelt **Art. 6**: **2/3/4 Stunden** (je nach Flugentfernung) für Verpflegung, **Übernachtung** für Hotel, **ab 5 Stunden** das Recht auf Erstattung.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Art. 8 und Art. 9 Verordnung (EG) Nr. 261/2004 [eur-lex.europa.eu] |
| In Kraft seit | 17.02.2005 |
| Betreuung: Verpflegung | Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit [Art. 9 Abs. 1a] |
| Betreuung: Hotel | Hotelunterbringung, wenn Aufenthalt über Nacht oder zusätzlicher Aufenthalt notwendig wird [Art. 9 Abs. 1b] |
| Betreuung: Transfer | Beförderung zwischen Flughafen und Unterkunft [Art. 9 Abs. 1c] |
| Betreuung: Kommunikation | Zwei unentgeltliche Telefongespräche, Telexe, Telefaxe oder E-Mails [Art. 9 Abs. 2] |
| Betreuung: eingeschränkte Mobilität | Besondere Bedürfnisse von PRM und Begleitpersonen berücksichtigen [Art. 9 Abs. 3] |
| Unterstützung: Erstattung | Voller Flugpreis binnen 7 Tagen; ggf. Rückflug zum ersten Abflugort [Art. 8 Abs. 1a] |
| Unterstützung: Ersatzbeförderung sofort | Anderweitige Beförderung zum Endziel, frühestmöglich, vergleichbare Bedingungen [Art. 8 Abs. 1b] |
| Unterstützung: Ersatzbeförderung später | Zu späterem Zeitpunkt nach Wahl des Fluggasts, vorbehaltlich freier Plätze [Art. 8 Abs. 1c] |
| Betreuung auch bei außergewöhnlichen Umständen | Ja – ohne zeitliche oder betragliche Obergrenze [EuGH C-12/11 McDonagh] |
| Betreuung unabhängig vom Ausgleich | Art. 8/9 bestehen auch, wenn Art. 7 (250/400/600 €) entfällt |
| Verpflegung ab 2 Stunden | Flüge bis 1.500 km [Art. 6 Abs. 1a i.V.m. Art. 9 Abs. 1a] |
| Verpflegung ab 3 Stunden | Innergemeinschaftlich über 1.500 km; sonstige Flüge 1.500–3.500 km [Art. 6 Abs. 1b] |
| Verpflegung ab 4 Stunden | Alle übrigen Flüge über 3.500 km [Art. 6 Abs. 1c] |
| Hotel + Transfer | Wenn Abflug mind. am Folgetag erwartet wird [Art. 6 Abs. 1 lit. ii i.V.m. Art. 9 Abs. 1b, 1c] |
| Erstattungsrecht ab 5 Stunden | Verspätung mind. 5 Std. → Wahlrecht Erstattung nach Art. 8 Abs. 1a [Art. 6 Abs. 1 lit. iii] |
| Erstattung bei zwecklos gewordener Reise | Auch bereits genutzte Flugteile + Rückflug zum ersten Abflugort [Art. 8 Abs. 1a] |
| Pauschalreise-Vorrang | Erstattungsanspruch nach Pauschalreiserecht geht vor [Art. 8 Abs. 2] |
| Mehrere Flughäfen einer Stadt | Airline trägt Transferkosten zum bestellten/nahegelegenen Flughafen [Art. 8 Abs. 3] |
| Leistungspflicht | Airline muss Betreuung aktiv und kostenlos anbieten (Bringschuld) |
| Kein Verschulden nötig | Verschuldensunabhängige Leistungspflicht |
| Nationale Durchsetzungsstelle | Luftfahrt-Bundesamt (LBA) [lba.de] |
| Schlichtung | söp – Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr |
| Verjährung zivilrechtlicher Ansprüche | 3 Jahre [§ 195 BGB] |

## Worum geht es? Drei getrennte Anspruchsgruppen

Die VO 261/2004 unterscheidet drei voneinander **unabhängige** Rechtsfolgen, die je nach Störungsart (Verspätung, Annullierung, Nichtbeförderung) nebeneinander bestehen können:

1. **Ausgleichsleistung (Art. 7)** – die pauschale Entschädigung von **250 €, 400 € oder 600 €**. Sie entfällt bei nachgewiesenen **außergewöhnlichen Umständen** (Art. 5 Abs. 3) und wird auf einer eigenen Themenseite behandelt.
2. **Unterstützungsleistungen (Art. 8)** – **Erstattung** des Flugpreises **oder** **anderweitige Beförderung**.
3. **Betreuungsleistungen (Art. 9)** – Versorgung während der Wartezeit: **Essen, Getränke, Hotel, Transfer, Kommunikation**.

Der entscheidende Unterschied: **Art. 8 und Art. 9 bestehen auch dann, wenn der Ausgleich nach Art. 7 wegen außergewöhnlicher Umstände wegfällt.** Wer wegen eines Streiks oder Unwetters stundenlang festsitzt, bekommt vielleicht keine 400 € – Essen, Hotel und Ersatzflug schuldet die Airline trotzdem.

## Betreuungsleistungen im Detail (Art. 9)

Nach **Art. 9 Abs. 1** hat das ausführende Luftfahrtunternehmen dem Fluggast **unentgeltlich** anzubieten:

- **Mahlzeiten und Erfrischungen** in einem **angemessenen Verhältnis zur Wartezeit** (Art. 9 Abs. 1 lit. a). In der Praxis werden hierfür meist Gutscheine ausgegeben; kauft der Fluggast bei Untätigkeit der Airline selbst angemessene Verpflegung, sind die Kosten erstattungsfähig (Belege aufbewahren).
- eine **Hotelunterbringung**, falls ein Aufenthalt von **einer oder mehreren Nächten** oder ein **zusätzlicher Aufenthalt** notwendig wird (Art. 9 Abs. 1 lit. b), und
- die **Beförderung zwischen Flughafen und Unterkunft** (Art. 9 Abs. 1 lit. c).

Nach **Art. 9 Abs. 2** sind dem Fluggast zusätzlich **zwei unentgeltliche Telefongespräche** oder die Übermittlung **zweier Telexe, Telefaxe oder E-Mails** zu ermöglichen.

**Art. 9 Abs. 3** verpflichtet die Airline, bei der Betreuung die **besonderen Bedürfnisse von Personen mit eingeschränkter Mobilität (PRM)** und deren Begleitpersonen zu berücksichtigen.

Wichtig: Die Betreuung ist eine **Bringschuld** – die Airline muss die Leistungen von sich aus anbieten. Reagiert sie nicht, dürfen Fluggäste **angemessene** Ersatzkäufe (Verpflegung, Hotel, Taxi) selbst tätigen und die Kosten später gegen Beleg geltend machen. „Angemessen" heißt: keine Luxus-Suite und kein Champagner-Dinner, sondern ortsüblicher, dem Anlass entsprechender Aufwand.

## Betreuung besteht auch bei außergewöhnlichen Umständen

Der Europäische Gerichtshof hat im Urteil **McDonagh ./. Ryanair (C-12/11, 31.01.2013)** – ausgelöst durch die Sperrung des Luftraums nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans **Eyjafjallajökull** 2010 – klargestellt:

- Die Betreuungspflicht nach Art. 9 gilt **auch dann**, wenn der Flug wegen **außergewöhnlicher Umstände** annulliert wird – selbst bei besonders langer Dauer.
- Es gibt **keine** implizite **zeitliche oder finanzielle Obergrenze** für die Betreuungsleistungen. Die Airline kann sich also nicht darauf berufen, die Kosten seien wegen der Dauer der Störung „unzumutbar" geworden.
- Verletzt die Airline ihre Betreuungspflicht, hat der Fluggast Anspruch auf **Erstattung der Beträge**, die sich als **notwendig, angemessen und zumutbar** erweisen, um das Versäumnis der Airline auszugleichen.

Damit sind gerade die **teuersten** Störungsfälle (mehrtägige Wartezeiten, Naturkatastrophen, großflächige Streiks) von der Betreuungspflicht erfasst – obwohl in genau diesen Fällen die Ausgleichszahlung nach Art. 7 regelmäßig entfällt.

## Unterstützungsleistungen: Erstattung oder Ersatzbeförderung (Art. 8)

Steht dem Fluggast ein Anspruch nach Art. 8 zu (bei Nichtbeförderung, Annullierung oder – bei Verspätung ab 5 Stunden – nach Art. 6), hat er die **Wahl** zwischen:

**a) Erstattung (Art. 8 Abs. 1 lit. a).** Erstattung der **vollständigen Flugscheinkosten** zu dem Preis, zu dem der Flugschein erworben wurde, **binnen sieben Tagen** – und zwar für
- die **nicht durchgeführten** Reiseteile sowie
- die **bereits durchgeführten** Teile, wenn der Flug im Hinblick auf den **ursprünglichen Reiseplan zwecklos** geworden ist;
- in diesem Fall zusätzlich ggf. ein **Rückflug zum ersten Abflugort** zum frühestmöglichen Zeitpunkt.

**b) Anderweitige Beförderung zum frühestmöglichen Zeitpunkt (Art. 8 Abs. 1 lit. b)** zum Endziel unter **vergleichbaren Reisebedingungen**.

**c) Anderweitige Beförderung zu einem späteren Zeitpunkt** nach **Wahl des Fluggasts** (Art. 8 Abs. 1 lit. c), unter vergleichbaren Bedingungen und **vorbehaltlich verfügbarer Plätze**.

Die Erstattung erfolgt in **Bargeld, elektronischer Überweisung, Bankanweisung oder Scheck** – ein **Reisegutschein** darf nur mit **schriftlichem Einverständnis** des Fluggasts an die Stelle der Geldzahlung treten.

**Art. 8 Abs. 2:** Der Erstattungsanspruch nach lit. a gilt auch für Fluggäste, deren Flug Teil einer **Pauschalreise** ist – **außer** soweit ein Erstattungsanspruch bereits aus dem **Pauschalreiserecht** (Richtlinie (EU) 2015/2302, in Deutschland §§ 651a ff. BGB) folgt. In diesem Fall richtet sich die Rückabwicklung gegen den **Reiseveranstalter**.

**Art. 8 Abs. 3:** Bietet eine Stadt mehrere **Flughäfen** an und wird der Fluggast zu einem anderen als dem gebuchten Flughafen befördert, trägt die Airline die **Kosten der Weiterbeförderung** zum gebuchten oder einem nahe gelegenen, mit dem Fluggast vereinbarten Zielort.

## Ab welcher Verspätung greift was? (Art. 6)

Bei **Verspätung** knüpft **Art. 6 Abs. 1** die Betreuungs- und Unterstützungsleistungen an feste Zeitschwellen, gestaffelt nach der Flugentfernung:

- **Verpflegung (Art. 9 Abs. 1a + Abs. 2)** ab einer Verspätung von
  - **2 Stunden** bei Flügen **bis 1.500 km**,
  - **3 Stunden** bei innergemeinschaftlichen Flügen **über 1.500 km** und allen sonstigen Flügen zwischen **1.500 und 3.500 km**,
  - **4 Stunden** bei **allen übrigen** Flügen (über 3.500 km).
- **Hotelunterbringung + Transfer (Art. 9 Abs. 1b, 1c)**, wenn der Abflug voraussichtlich **erst am Folgetag** (bzw. nach dem ursprünglich angesetzten Abflug an einem weiteren Tag) möglich ist.
- **Erstattung (Art. 8 Abs. 1a)** als Wahlrecht, wenn die Verspätung **mindestens 5 Stunden** beträgt und der Fluggast den Flug deshalb nicht mehr antreten möchte.

Bei **Annullierung** (Art. 5) und **Nichtbeförderung** (Art. 4) bestehen die Betreuungsleistungen nach Art. 9 und das Wahlrecht nach Art. 8 **unmittelbar** – ohne diese Zeitschwellen.

## Abgrenzung zur Ausgleichszahlung und zu anderen Ansprüchen

Die **Ausgleichszahlung** (250/400/600 €, Art. 7) ist ein **pauschaler Schadensausgleich** und von den hier behandelten Leistungen zu trennen. Betreuung (Art. 9) und Unterstützung (Art. 8) sind **Naturalleistungen** bzw. Kostenübernahmen zur **Bewältigung der konkreten Wartesituation**. Beide Gruppen können **nebeneinander** bestehen.

Für den **Ausgleich** und dessen Höhe siehe die Seite „Fluggastrechte (EU-VO 261/2004)"; für den Sonderfall **Überbuchung** die Seite „Nichtbeförderung & Überbuchung"; für den Wegfall des Ausgleichs die Seite „Außergewöhnliche Umstände". **Gepäckschäden** (Verspätung, Verlust, Beschädigung) sind **nicht** in VO 261/2004, sondern im **Montrealer Übereinkommen** geregelt.

## Durchsetzung

Ansprüche sind **zuerst gegenüber dem ausführenden Luftfahrtunternehmen** geltend zu machen; angemessene Ersatzkäufe (Verpflegung, Hotel, Transfer) sind **mit Belegen** zu dokumentieren. Bleibt die Airline untätig, bestehen mehrere Wege:

- **Schlichtung** über die **söp – Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr** (für Fluggäste kostenfrei); für nicht angeschlossene Airlines die behördliche Schlichtungsstelle beim **Bundesamt für Justiz**.
- **Klage** vor den Zivilgerichten; das Bundesministerium der Justiz bietet unter service.justiz.de/fluggastrechte einen Online-Dienst zur digitalen Klage an.

Das **Luftfahrt-Bundesamt (LBA)** ist die **nationale Durchsetzungs- und Beschwerdestelle**; es überwacht die Einhaltung der Verordnung, setzt aber **keine** individuellen zivilrechtlichen Ansprüche durch. Die **Verjährung** zivilrechtlicher Ansprüche richtet sich nach deutschem Recht – regelmäßig **3 Jahre** (§ 195 BGB).





## Quellen

- Verordnung (EG) Nr. 261/2004, Art. 6, Art. 8, Art. 9 – https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex:32004R0261 (Autorität A)
- EuGH, Urteil vom 31.01.2013, C-12/11 (Denise McDonagh ./. Ryanair Ltd), ECLI:EU:C:2013:43 – https://curia.europa.eu/juris/liste.jsf?num=C-12/11 (Autorität A)
- Leitlinien der Kommission zur Auslegung der VO 261/2004 (Mitteilung, ABl.) – https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:52016XC0615(01) (Autorität A)
- Luftfahrt-Bundesamt (LBA), Fluggastrechte / FAQ Betreuungs- und Unterstützungsleistungen – https://www.lba.de/DE/Fluggastrechte/Fluggastrechte_node.html (nationale Durchsetzungsstelle)
- § 195 BGB (Regelmäßige Verjährungsfrist) – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__195.html (Autorität A)

## Änderungsverlauf

- 2026-07-23: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"