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title: BMF-Schreiben vom 6. März 2025 — Ertragsteuerliche Behandlung von Kryptowerten
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# BMF-Schreiben vom 6. März 2025 — Ertragsteuerliche Behandlung von Kryptowerten

## Kurzantwort

Das **BMF-Schreiben vom 6. März 2025** (Aktenzeichen **IV C 1 - S 2256/00042/064/043**, „Einzelfragen zur ertragsteuerrechtlichen Behandlung bestimmter Kryptowerte”) ist die **maßgebliche Verwaltungsanweisung** der Finanzverwaltung zur Einkommensbesteuerung von Bitcoin, Ether und anderen Kryptowerten in Deutschland. Es **ersetzt das erste Krypto-BMF-Schreiben vom 10. Mai 2022** und ersetzt zugleich die frühere Bezeichnung „virtuelle Währungen und sonstige Token” durch den aufsichtsrechtlich angeglichenen Begriff **„Kryptowerte”**. Neu und zentral ist ein ausführlicher Abschnitt zu **Mitwirkungs- und Aufzeichnungspflichten** (ab Randnummer 87) sowie Regelungen zu **Steuerreports** (Rn. 29b), zum **Claiming** von Kryptowerten (Rn. 13, 48a) und zum Ansatz **sekundengenauer Kurse und Tageskurse** (Rn. 43, 58, 91). Betroffen sind alle Steuerpflichtigen mit Krypto-Einkünften — private Anleger ebenso wie gewerbliche Miner, Staker und Unternehmen; das Schreiben bindet die Finanzämter und gilt für **alle offenen Veranlagungszeiträume**. **NFT und Liquidity Mining sind noch nicht Gegenstand** des Schreibens.

## Rechtsgrundlage

Ein **BMF-Schreiben ist kein Gesetz**, sondern eine **norminterpretierende Verwaltungsanweisung**: Es legt fest, wie die Finanzverwaltung das bestehende Einkommensteuerrecht auf Kryptowerte anwendet, und bindet die nachgeordneten Finanzämter (nicht dagegen unmittelbar die Gerichte). Es konkretisiert insbesondere folgende Normen des **Einkommensteuergesetzes (EStG)**:

- **§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG** — private Veräußerungsgeschäfte: Gewinne aus der Veräußerung im Privatvermögen gehaltener Kryptowerte sind steuerpflichtig, wenn zwischen Anschaffung und Veräußerung **nicht mehr als ein Jahr** liegt; nach Ablauf der Jahresfrist ist die Veräußerung steuerfrei.
- **§ 22 Nr. 3 EStG** — sonstige Einkünfte aus Leistungen: einschlägig etwa für **Lending**, für Entgelte aus **Staking** bei Nutzungsüberlassung und für bestimmte **Airdrops** mit Gegenleistung.
- **§ 15 EStG** — Einkünfte aus Gewerbebetrieb: bei nachhaltiger, gewerblicher Betätigung (z. B. professionelles **Mining/Forging**, Handel in gewerblichem Umfang).
- Verfahrensrechtlich flankiert durch die **Mitwirkungspflichten** der Abgabenordnung (u. a. § 90 AO) und die **Aufzeichnungs-/Nachweispflichten**, die das Schreiben ab Rn. 87 für Kryptowerte präzisiert.

Kern der Einordnung: Kryptowerte sind **„andere Wirtschaftsgüter”** im Sinne des § 23 EStG. Die **Blockerstellung durch Mining (Proof of Work) bzw. Forging (Proof of Stake)** behandelt das Schreiben als **Anschaffungsvorgang** (entgeltlicher Erwerb neuer Kryptowerte), sodass ein späterer Verkauf innerhalb der Jahresfrist ein privates Veräußerungsgeschäft sein kann bzw. bei Gewerblichkeit Betriebseinnahmen entstehen.

## Anwendungsbereich / Wer ist betroffen

1. **Private Anleger**, die Kryptowerte kaufen, tauschen (Krypto-zu-Krypto) oder mit ihnen bezahlen — Prüfung nach § 23 EStG (Jahresfrist, Freigrenze).
2. **Staker und Lender**, die Kryptowerte gegen Entgelt zur Verfügung stellen — laufende Erträge regelmäßig § 22 Nr. 3 EStG.
3. **Miner und Forger** — je nach Umfang und Nachhaltigkeit private sonstige Einkünfte oder gewerbliche Einkünfte (§ 15 EStG).
4. **Empfänger von Airdrops** — steuerliche Behandlung abhängig davon, ob eine Gegenleistung erbracht wurde und ob ein Marktkurs feststellbar ist.
5. **Unternehmen und bilanzierende Steuerpflichtige** mit Kryptowerten im Betriebsvermögen.
6. **Die Finanzämter selbst**, die das Schreiben als bindende Verwaltungsanweisung bei Veranlagung und Prüfung anwenden.

## Pflichten und Rechtsfolgen

Der **wichtigste Zuwachs gegenüber dem Schreiben von 2022** sind die **Mitwirkungs- und Aufzeichnungspflichten (ab Rn. 87)**. Steuerpflichtige müssen ihre Krypto-Transaktionen so dokumentieren, dass Anschaffungszeitpunkte, Anschaffungskosten, Veräußerungserlöse und Haltefristen nachvollziehbar sind. Konkretisiert werden dabei:

- **Steuerreports (Rn. 29b):** von Handelsplattformen erstellte Transaktions-/Steuerreports können als Nachweis dienen, wenn sie die erforderlichen Angaben plausibel und nachvollziehbar enthalten.
- **Claiming (Rn. 13, 48a):** das aktive Abrufen („Claiming”) von Kryptowerten wird als eigener Vorgang erfasst.
- **Kursansatz (Rn. 43, 58, 91):** zulässig sind sekundengenaue Kurse; aus Vereinfachungsgründen werden auch **Tageskurse** akzeptiert. Für **Staking-Erträge** lässt das Schreiben eine vereinfachte Bewertung **zum Zeitpunkt des Claiming** zu, sodass keine fortlaufende Kursermittlung im Moment des wirtschaftlichen Entstehens nötig ist.
- **Airdrops:** lässt sich im Zuflusszeitpunkt **kein Marktkurs** feststellen, wird ein **Ansatz von 0 Euro nicht beanstandet**.

**Rechtsfolgen bei Verstoß:** Fehlen prüffähige Aufzeichnungen, kann das Finanzamt die Besteuerungsgrundlagen nach § 162 AO **schätzen**. Unvollständige oder unrichtige Angaben können zudem steuerstrafrechtliche Folgen (Steuerhinterziehung, § 370 AO) oder eine leichtfertige Steuerverkürzung (§ 378 AO) nach sich ziehen. Das Schreiben schafft keine neuen Steuertatbestände, verschärft aber die **Dokumentationslast** spürbar.

## Fristen und Übergangsregelungen

- **Datum des Schreibens:** 6. März 2025; es **ersetzt** das BMF-Schreiben vom 10. Mai 2022.
- **Anwendung:** grundsätzlich in **allen offenen Fällen**. Für frühere Veranlagungszeiträume enthält das Schreiben eine **Anwendungs- und Nichtbeanstandungsregelung**, insbesondere hinsichtlich der neu ausformulierten Aufzeichnungspflichten.
- **Jahresfrist § 23 EStG:** unverändert **ein Jahr** (die verlängerte 10-Jahres-Frist des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 4 EStG greift nach Verwaltungsauffassung bei bloßem Staking/Lending **nicht**).
- **Freigrenze:** Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften bleiben steuerfrei, wenn der **Gesamtgewinn im Kalenderjahr weniger als 1.000 Euro** beträgt (§ 23 Abs. 3 Satz 5 EStG i. d. F. seit VZ 2024; Freigrenze, kein Freibetrag).
- **Noch nicht geregelt:** **Non-Fungible Token (NFT)** und **Liquidity Mining** sind ausdrücklich **noch nicht Gegenstand** des Schreibens; das BMF kündigt eine sukzessive Ergänzung an.

## Praxisbeispiel

Die Verwaltungsauffassung stützt sich maßgeblich auf die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs: Mit Urteil **BFH IX R 3/22 vom 14. Februar 2023** hat der BFH entschieden, dass Kryptowerte (im Streitfall Bitcoin, Ether, Monero) **„andere Wirtschaftsgüter”** im Sinne des § 23 EStG sind und Gewinne aus deren Veräußerung innerhalb der Jahresfrist steuerpflichtig sind; ein **strukturelles Vollzugsdefizit** verneinte das Gericht. Ein privater Anleger, der im Januar erworbene Bitcoin nach vier Monaten mit Gewinn verkauft, erzielt danach ein steuerpflichtiges privates Veräußerungsgeschäft — bleibt sein Gesamtgewinn aus solchen Geschäften im Kalenderjahr aber unter 1.000 Euro, ist er steuerfrei. Das BMF-Schreiben vom 6. März 2025 setzt diese Linie um und ergänzt sie um die praktischen Dokumentations- und Bewertungsvorgaben.

## Verwandte Normen

- **§ 23 EStG** — private Veräußerungsgeschäfte (Kryptowerte als „andere Wirtschaftsgüter”, Jahresfrist, Freigrenze).
- **§ 22 Nr. 3 EStG** — sonstige Einkünfte (Lending, Staking-Entgelte, Airdrops mit Gegenleistung).
- **§ 15 EStG** — gewerbliche Einkünfte (professionelles Mining/Forging, gewerblicher Handel).
- **§ 90, § 162 AO** — Mitwirkungspflichten und Schätzungsbefugnis.
- **BMF-Schreiben vom 10. Mai 2022** — Vorgängerfassung (durch das Schreiben vom 6. März 2025 ersetzt).





## Quellen

- Bundesfinanzministerium — Übersichtsseite „Einzelfragen zur ertragsteuerrechtlichen Behandlung bestimmter Kryptowerte” (06.03.2025): https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/Einkommensteuer/2025-03-06-einzelfragen-kryptowerte.html
- Bundesfinanzministerium — BMF-Schreiben vom 06.03.2025 (PDF, IV C 1 - S 2256/00042/064/043): https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/Einkommensteuer/2025-03-06-einzelfragen-kryptowerte-bmf-schreiben.pdf?__blob=publicationFile&v=3
- § 23 EStG (gesetze-im-internet.de): https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__23.html
- § 22 EStG (gesetze-im-internet.de): https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__22.html
- BFH, Urteil vom 14.02.2023 – IX R 3/22 (bundesfinanzhof.de): https://www.bundesfinanzhof.de/de/entscheidung/entscheidungen-online/detail/STRE202310057/

## Änderungsverlauf

- 2026-07-21: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
## Stand

- Stand: 2026-07-21
- Gültig ab: 2025-03-06 (BMF-Schreiben vom 06.03.2025, ersetzt das Schreiben vom 10.05.2022)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BMF-Schreiben; zusätzlich § 23/§ 22 EStG und BFH IX R 3/22)
- Lizenz: CC BY 4.0
