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title: Bus-Fahrgastrechte (EU-VO 181/2011) – Verspätung, Annullierung, Entschädigung, Betreuung
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# Bus-Fahrgastrechte (EU-VO 181/2011) – Verspätung, Annullierung, Entschädigung, Betreuung

## Kurzantwort

Seit dem **1. März 2013** gilt die **EU-Verordnung (EU) Nr. 181/2011** über die Fahrgastrechte im **Kraftomnibusverkehr** (Busverkehr). Sie gilt unmittelbar in jedem EU-Mitgliedstaat, ohne dass es einer besonderen Umsetzung bedarf. Die weitreichenden Rechte – insbesondere Entschädigung und Betreuungsleistungen – greifen in erster Linie im **Linienfernverkehr ab 250 km** planmäßiger Strecke. Bei **Annullierung, Überbuchung oder Verspätung von mehr als 120 Minuten** muss der Beförderer entweder die **Fahrpreiserstattung** oder die **Fortsetzung der Fahrt** (ggf. mit geänderter Streckenführung) anbieten; unterlässt er dieses Angebot, hat der Fahrgast zusätzlich zur Erstattung Anspruch auf eine **Entschädigung in Höhe von 50 % des Fahrpreises**. Bei längeren Störungen ab einem Busbahnhof bestehen **Betreuungsleistungen** (Mahlzeiten, ggf. Hotel bis zu 2 Nächte, max. 80 € je Nacht). Durchsetzungsstelle in Deutschland ist das **Eisenbahn-Bundesamt (EBA)**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | VO (EU) Nr. 181/2011 [eur-lex.europa.eu] |
| Anwendbar seit | 1. März 2013 |
| Deutsches Durchführungsrecht | EU-Fahrgastrechte-Kraftomnibus-Gesetz (EU-FahrgRBusG) + -Verordnung (EU-FahrgRBusV) |
| Volle Rechte (Entschädigung/Betreuung) ab | Linienfernverkehr **250 km** planmäßige Strecke |
| Entschädigung bei Annullierung/Überbuchung/Verspätung > 120 Min | **50 % des Fahrpreises**, wenn Beförderer weder Erstattung noch Weiterbeförderung anbietet [Art. 19] |
| Wahlrecht des Fahrgasts | Fahrpreiserstattung **oder** Fortsetzung/geänderte Streckenführung [Art. 19] |
| Frist Fahrpreiserstattung | binnen 14 Tagen [Art. 19] |
| Betreuung ab Busbahnhof bei Annullierung/Verspätung > 90 Min | Imbisse, Mahlzeiten, Erfrischungen [Art. 21] |
| Hotelunterbringung | erforderlichenfalls bis zu **2 Nächte**, max. **80 € je Nacht** [Art. 21] |
| Ausnahme Hotelkosten | keine Erstattung bei widrigen Wetterbedingungen oder schweren Naturkatastrophen [Art. 21 Abs. 2] |
| Keine Betreuungspflicht | bei Fahrten mit planmäßiger Dauer bis zu **3 Stunden** |
| Informationspflicht bei Störung | spätestens **30 Minuten** nach fahrplanmäßiger Abfahrt [Art. 20] |
| Rechte behinderter/mobilitätseingeschränkter Personen | Beförderung ohne Aufpreis, kostenlose Begleitperson, kostenlose Hilfeleistung [Art. 9 ff.] |
| Voranmeldung Hilfeleistung | **36 Stunden** vor der Fahrt |
| Personen-/Gepäckschäden bei Unfall | Entschädigung bei Tod, Körperverletzung, Verlust/Beschädigung von Gepäck [Art. 7] |
| Durchsetzungsstelle Deutschland | Eisenbahn-Bundesamt (EBA) |
| Schlichtungsstellen | söp, SNUB, snv (Voraussetzung: Unternehmen ist Mitglied) |

## Geltungsbereich

Die VO 181/2011 unterscheidet nach der Streckenlänge:

**Linienfernverkehr ab 250 km.** Für Linienverkehre mit einer planmäßigen Wegstrecke von **250 km oder mehr** gilt der **volle Rechtekatalog** – einschließlich Entschädigung bei Annullierung/Verspätung, Betreuungsleistungen und Fahrpreiserstattung. Betroffen sind vor allem **Fernbusse** (z. B. Flixbus) sowie grenzüberschreitende Linien.

**Kürzere Strecken (unter 250 km).** Für den **Stadt-, Vorort- und Regionalverkehr** sowie kürzere Linien gelten nur bestimmte **Basisrechte**: das **Diskriminierungsverbot** hinsichtlich der Beförderungsbedingungen, **Grundrechte für Menschen mit Behinderung** und eingeschränkter Mobilität sowie **Mindestanforderungen an Reiseinformationen**. Einen Anspruch auf die 50-%-Entschädigung oder Betreuungsleistungen gibt es hier grundsätzlich nicht.

**Abgrenzung zu anderen Verkehrsträgern.** Der **Bahnverkehr** unterliegt der VO (EU) 2021/782, der **Flugverkehr** der VO (EG) 261/2004, der **Schiffs- und Fährverkehr** der VO (EU) 1177/2010. Für **Pauschalreisen** mit Busbeförderung gelten zusätzlich die §§ 651a ff. BGB; die fahrgastrechtlichen Ausgleichszahlungen werden nach § 651p Abs. 3 BGB auf reisevertragliche Ansprüche angerechnet.

## Verfahren — wie kommt man an Entschädigung und Betreuung?

**Beschwerde zuerst beim Beförderer.** Der Fahrgast muss seine Ansprüche **zunächst beim Busunternehmen** geltend machen. Fahrschein und Belege (Buchungsbestätigung, Nachweis der Verspätung/Annullierung) aufbewahren.

**Beschwerde beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA).** Bleibt die Beschwerde beim Beförderer erfolglos, wacht das **EBA** als nationale Durchsetzungsstelle über die Einhaltung der Fahrgastrechte im Busverkehr und nimmt Beschwerden entgegen.

**Schlichtung.** Unabhängig davon steht der Weg zu einer anerkannten **Schlichtungsstelle** offen – etwa der **söp – Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr**, der **Nahverkehr-Schlichtungsstelle (SNUB)** oder der **Schlichtungsstelle Nahverkehr (snv)**. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen Mitglied der jeweiligen Stelle ist.

**Klage.** Als letztes Mittel bleibt die zivilrechtliche Durchsetzung vor dem zuständigen Gericht.

## Häufige Fehler

- **„Bei jeder Busfahrt gibt es Entschädigung."** Falsch — die **50-%-Entschädigung** und die Betreuungsleistungen gelten grundsätzlich nur im **Linienfernverkehr ab 250 km**. Im Nahverkehr bestehen nur Basisrechte.
- **„Ab 120 Minuten Verspätung bekomme ich automatisch 50 %."** Differenziert — die 50 % sind eine **zusätzliche** Entschädigung nur dann, wenn der Beförderer weder Erstattung noch Weiterbeförderung anbietet. Bietet er eine der beiden Alternativen an, entfällt der 50-%-Anspruch.
- **„Hotelkosten werden immer erstattet."** Falsch — bei **widrigen Wetterbedingungen oder schweren Naturkatastrophen** entfällt die Pflicht zur Erstattung der Hotelkosten.
- **„Betreuung gibt es bei jeder langen Verspätung."** Differenziert — die Betreuungspflicht (Mahlzeiten, Hotel) gilt **nicht** bei Fahrten mit planmäßiger Dauer **bis zu 3 Stunden**.
- **„Assistenz für Rollstuhlfahrer muss man nicht anmelden."** Falsch — kostenlose Hilfeleistung sollte **36 Stunden** vor der Fahrt angemeldet werden.
- **„Zuständig ist der Flug-/Bahnschlichter."** Ungenau — Durchsetzungsstelle für den Busverkehr in Deutschland ist das **Eisenbahn-Bundesamt (EBA)**.



## Quellen

- VO (EU) Nr. 181/2011 – Fahrgastrechte im Kraftomnibusverkehr: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32011R0181
- EUR-Lex – Übersicht VO 181/2011 (Fahrgastrechte im Kraftomnibusverkehr): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=celex:32011R0181
- BMV – Fahrgastrechte im Kraftomnibusverkehr (Stand 02.04.2026): https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/StV/Strassenverkehr/fahrgastrechte-bus.html
- EU-Fahrgastrechte-Kraftomnibus-Gesetz (EU-FahrgRBusG): https://www.gesetze-im-internet.de/eu-fahrgrbusg/
- EU-Fahrgastrechte-Kraftomnibus-Verordnung (EU-FahrgRBusV): https://www.gesetze-im-internet.de/eu-fahrgrbusv/
- Eisenbahn-Bundesamt (EBA) – Fahrgastrechte Bus: https://www.eba.bund.de/DE/Themen/Fahrgastrechte/Bus/bus_node.html
- söp – Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr: https://soep-online.de/

## Änderungsverlauf

- 2026-07-16: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"