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title: "Dashcam im Straßenverkehr 2026 – Datenschutz und Beweisverwertung im Unfallhaftpflichtprozess (BGH VI ZR 233/17)"
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# Dashcam im Straßenverkehr 2026 – Datenschutz und Beweisverwertung im Unfallhaftpflichtprozess (BGH VI ZR 233/17)

## Kurzantwort

Der **Bundesgerichtshof** hat am **15. Mai 2018** (Az. **VI ZR 233/17**) entschieden: Eine **dauerhafte, anlasslose Aufzeichnung** des Verkehrsgeschehens mit einer Dashcam verstößt gegen das damals geltende Datenschutzrecht (BDSG a. F.) – die Aufnahme ist im **Unfallhaftpflichtprozess** trotzdem als **Beweismittel verwertbar**. Ob ein Beweisverwertungsverbot besteht, richtet sich im Zivilprozess nicht automatisch nach dem Datenschutzverstoß, sondern nach einer **Interessen- und Güterabwägung im Einzelfall**. Im entschiedenen Fall überwogen die Interessen des Klägers an der Beweisführung. Zulässig wäre nach den Ausführungen des Senats eine **kurze, anlassbezogene Aufzeichnung** des Unfallgeschehens – etwa mit ständigem Überschreiben und dauerhafter Speicherung erst bei Kollision oder starker Verzögerung.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Frage | Antwort |
| Entscheidung | BGH, Urteil vom 15.05.2018, VI ZR 233/17 (VI. Zivilsenat); Pressemitteilung Nr. 088/2018 |
| Vorinstanzen | AG Magdeburg, Urteil vom 19.12.2016 (104 C 630/15); LG Magdeburg, Urteil vom 05.05.2017 (1 S 15/17) |
| Ergebnis | Berufungsurteil aufgehoben, Sache an das Landgericht zurückverwiesen |
| Datenschutz | Die vorgelegte Aufzeichnung war nach den damaligen Bestimmungen unzulässig (§ 4, § 6b Abs. 1, § 28 Abs. 1 BDSG a. F.) |
| Warum unzulässig? | permanente, anlasslose Aufzeichnung des gesamten Geschehens auf und entlang der Fahrstrecke ist zur Beweissicherung nicht erforderlich |
| Zulässige Gestaltung | kurze, anlassbezogene Aufzeichnung, z. B. kurzes dauerndes Überschreiben und Dauerspeicherung erst bei Kollision oder starker Verzögerung |
| Beweisverwertung | trotzdem verwertbar – Abwägung im Einzelfall, hier zugunsten des Beweisführers |
| Bezug zum Unfallrecht | Gewicht der Beweisinteressen auch durch § 142 StGB und § 34 StVO (Feststellungen am Unfallort) |
| Heutige Norm | Videoüberwachung öffentlich zugänglicher Räume: § 4 BDSG (in der geltenden Fassung) |

## Der entschiedene Fall

Zwei Fahrzeuge waren **innerorts beim Linksabbiegen** auf zwei nebeneinander verlaufenden Linksabbiegespuren **seitlich kollidiert**. Beide Beteiligten warfen sich vor, die eigene Spur verlassen zu haben. Das Sachverständigengutachten hielt aus technischer Sicht **beide Schilderungen für möglich**. Die Fahrt und die Kollision hatte eine **im Fahrzeug des Klägers angebrachte Dashcam** aufgezeichnet.

Das Amtsgericht verwertete die Aufnahme nicht und sprach dem Kläger unter dem Gesichtspunkt der Betriebsgefahr die **Hälfte** seines Gesamtschadens zu. Das Landgericht wies die Berufung zurück: Die Aufzeichnung verstoße gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen und unterliege einem **Beweisverwertungsverbot**. Der BGH hob dies auf.

## Datenschutz: warum die Aufzeichnung unzulässig war

Nach den Ausführungen des Senats verstieß die Aufzeichnung gegen **§ 4 BDSG a. F.**, weil sie **ohne Einwilligung** der Betroffenen erfolgte und nicht auf **§ 6b Abs. 1 BDSG a. F.** (Videoüberwachung öffentlich zugänglicher Räume) oder **§ 28 Abs. 1 BDSG a. F.** gestützt werden konnte. Jedenfalls die **permanente anlasslose Aufzeichnung** sei zur Wahrnehmung der Beweissicherungsinteressen **nicht erforderlich**, weil technisch eine **kurze, anlassbezogene Aufzeichnung** möglich sei.

Das Urteil ist am **15.05.2018** ergangen – also **vor** dem Geltungsbeginn der Datenschutz-Grundverordnung am 25.05.2018. Die Videoüberwachung öffentlich zugänglicher Räume regelt heute **§ 4 BDSG**: Sie ist nur zulässig, soweit sie zur Aufgabenerfüllung öffentlicher Stellen, zur Wahrnehmung des Hausrechts oder zur Wahrnehmung berechtigter Interessen für **konkret festgelegte Zwecke** erforderlich ist und **keine Anhaltspunkte** bestehen, dass schutzwürdige Interessen der betroffenen Personen überwiegen (§ 4 Abs. 1 Satz 1 BDSG). Die Daten sind **unverzüglich zu löschen**, wenn sie zur Zweckerreichung nicht mehr erforderlich sind (§ 4 Abs. 5 BDSG). Wie diese Vorgaben im Einzelfall auf eine Dashcam im fließenden Verkehr anzuwenden sind, behandelt diese Seite nicht; sie gibt die Entscheidung des BGH zur damaligen Rechtslage wieder. Zur Rechtsgrundlage des berechtigten Interesses nach der DSGVO siehe die Seite zu Art. 6 DSGVO.

Für das **BDSG** gilt zudem eine Ausnahme für die Verarbeitung durch natürliche Personen zur Ausübung **ausschließlich persönlicher oder familiärer Tätigkeiten** (§ 1 Abs. 1 Satz 2 BDSG). Ob eine bestimmte Nutzung darunter fällt, ist eine Frage des Einzelfalls und nicht Gegenstand dieser Seite.

## Beweisverwertung: Interessenabwägung statt Automatismus

Der BGH stellt klar: Die **Unzulässigkeit oder Rechtswidrigkeit einer Beweiserhebung** führt im **Zivilprozess nicht ohne Weiteres** zu einem Beweisverwertungsverbot. Über die Verwertbarkeit ist aufgrund einer **Interessen- und Güterabwägung** nach den Umständen des Einzelfalls zu entscheiden. Abgewogen werden

- auf der einen Seite das Interesse des Beweisführers an der **Durchsetzung seiner zivilrechtlichen Ansprüche**, sein **Anspruch auf rechtliches Gehör** und das Interesse an einer funktionierenden Zivilrechtspflege,
- auf der anderen Seite das **allgemeine Persönlichkeitsrecht** des Beweisgegners in der Ausprägung als **Recht auf informationelle Selbstbestimmung** und ggf. als **Recht am eigenen Bild**.

Im entschiedenen Fall überwogen die Interessen des Klägers. Der Senat nannte dafür insbesondere:

- Das Geschehen ereignete sich im **öffentlichen Straßenraum**, in den sich der Beklagte **freiwillig** begeben hat; wer am Straßenverkehr teilnimmt, setzt sich der Wahrnehmung und Beobachtung durch andere Verkehrsteilnehmer aus.
- Es wurden **nur Vorgänge auf öffentlichen Straßen** aufgezeichnet, die grundsätzlich für jedermann wahrnehmbar sind.
- Im Straßenverkehr besteht wegen der **Schnelligkeit des Geschehens** häufig eine **besondere Beweisnot**; unfallanalytische Gutachten setzen verlässliche Anknüpfungstatsachen voraus, an denen es oft fehlt.
- Der Eingriff in die Persönlichkeitsrechte mitgefilmter Verkehrsteilnehmer führt zu keiner anderen Gewichtung, weil ihrem Schutz vor allem das **Datenschutzrecht** dient, das **nicht auf ein Beweisverwertungsverbot** abzielt.
- Das Gesetz hat den Beweisinteressen des Unfallgeschädigten durch **§ 142 StGB** (Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort) ein **besonderes Gewicht** zugewiesen; nach **§ 34 StVO** sind auf Verlangen Name und Anschrift anzugeben, Führerschein und Fahrzeugschein vorzuweisen und Angaben zur Haftpflichtversicherung zu machen.

## Verwertbar heißt nicht erlaubt

Die Verwertbarkeit im Prozess ändert nichts daran, dass die Aufzeichnung **datenschutzwidrig** sein kann. Nach der Pressemitteilung des BGH können Verstöße gegen die datenschutzrechtlichen Bestimmungen **mit hohen Geldbußen** geahndet werden, **vorsätzliche Handlungen gegen Entgelt oder in Bereicherungs- oder Schädigungsabsicht** sind mit **Freiheitsstrafe** bedroht, und die **Aufsichtsbehörde** kann mit Maßnahmen zur Beseitigung von Datenschutzverstößen eingreifen.

Zwei weitere Normen sind für Dashcam-Nutzer praktisch wichtig:

- **Tonaufnahmen:** Wer unbefugt das **nichtöffentlich gesprochene Wort** eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt, macht sich nach **§ 201 Abs. 1 Nr. 1 StGB** strafbar (Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe); auch der Versuch ist strafbar (§ 201 Abs. 4 StGB).
- **Verbreiten der Videos:** **Bildnisse** dürfen nach **§ 22 Satz 1 KUG** nur mit **Einwilligung des Abgebildeten** verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden; Ausnahmen regelt **§ 23 KUG**, die Befugnis endet aber, wo ein **berechtigtes Interesse des Abgebildeten** verletzt wird (§ 23 Abs. 2 KUG). Das Hochladen von Dashcam-Videos ist deshalb ein eigenes Thema, das unabhängig von der Beweisverwertung zu beurteilen ist.

## Abgrenzung

- **Nur Unfallhaftpflichtprozess.** Die Entscheidung betrifft die Verwertung im **zivilen Haftpflichtprozess**. Die Verwertung in **Straf- und Bußgeldverfahren** ist hier nicht Gegenstand.
- **Rechtslage 2018.** Die Entscheidung stützt sich auf das BDSG a. F.; die Seite beansprucht nicht, eine spätere höchstrichterliche Entscheidung unter der DSGVO abzubilden.
- **Kein Freibrief.** Das Urteil macht die dauerhafte anlasslose Aufzeichnung nicht zulässig – es sagt nur, dass sie im Zivilprozess nach Abwägung dennoch verwertet werden darf.
- **Keine Rechtsberatung.** Ob eine konkrete Aufnahme verwertet wird, entscheidet das Gericht im Einzelfall.

## Was das praktisch bedeutet

- **Anlassbezogen speichern.** Die vom BGH beschriebene Gestaltung – kurzes, ständiges Überschreiben, Dauerspeicherung erst bei Kollision oder starker Verzögerung – ist die datenschutzfreundliche Variante.
- **Ton prüfen.** Eine Aufnahme von Gesprächen im Fahrzeug kann nach § 201 StGB strafbar sein; viele Geräte lassen sich auf reine Bildaufzeichnung stellen.
- **Nicht ungeprüft veröffentlichen.** Das Teilen von Videos im Netz richtet sich nach § 22 KUG und dem Datenschutzrecht, nicht nach der Beweisverwertung.
- **Am Unfallort bleiben.** Die Pflichten nach § 142 StGB und § 34 StVO gelten unabhängig davon, ob eine Kamera mitgelaufen ist (siehe die Seiten zu Unfallflucht und Verkehrsunfall-Pflichten).

## Siehe auch

- [Unfallflucht – Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort (§ 142 StGB)](/fakten/unfallflucht-142-stgb.html)
- [Verkehrsunfall – Pflichten am Unfallort](/fakten/verkehrsunfall-pflichten.html)
- [Verkehrsunfall – Schadenregulierung](/fakten/verkehrsunfall-schadenregulierung.html)
- [Rechtsgrundlagen der Datenverarbeitung – Art. 6 DSGVO](/fakten/dsgvo-rechtsgrundlagen-art-6.html)
- [DSGVO-Bußgelder](/fakten/dsgvo-bussgelder.html)
- [Halterhaftung und Gefährdungshaftung (§ 7 StVG)](/fakten/halterhaftung-gefaehrdungshaftung-7-stvg.html)

## Quellen

- Bundesgerichtshof, Pressemitteilung Nr. 088/2018 vom 15.05.2018 zum Urteil VI ZR 233/17 (Verwertbarkeit von Dashcam-Aufnahmen als Beweismittel im Unfallhaftpflichtprozess) – am 12.10.2026 im Volltext abgerufen: https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2018/2018088.html [A]
- BGH, Urteil vom 15.05.2018 – VI ZR 233/17 (dejure.org-Permalink, mit Verweis auf die Volltexte u. a. bei rechtsprechung-im-internet.de) – am 12.10.2026 abgerufen: https://dejure.org/2018,12056 [A]
- § 4 BDSG (Videoüberwachung öffentlich zugänglicher Räume) – am 12.10.2026 im Volltext abgerufen: https://www.gesetze-im-internet.de/bdsg_2018/__4.html [A]
- § 1 BDSG (Anwendungsbereich, Abs. 1 Satz 2: persönliche oder familiäre Tätigkeiten) – am 12.10.2026 im Volltext abgerufen: https://www.gesetze-im-internet.de/bdsg_2018/__1.html [A]
- § 201 StGB (Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes) – am 12.10.2026 im Volltext abgerufen: https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__201.html [A]
- § 22 KUG (Recht am eigenen Bilde) – am 12.10.2026 im Volltext abgerufen: https://www.gesetze-im-internet.de/kunsturhg/__22.html [A]
- § 23 KUG (Ausnahmen zu § 22) – am 12.10.2026 im Volltext abgerufen: https://www.gesetze-im-internet.de/kunsturhg/__23.html [A]
- Wikidata-Item „Dashcam“ (Videokamera auf dem Armaturenbrett von Fahrzeugen), Q5226605 – am 12.10.2026 per Wikidata-API (wbgetentities, dewiki-Sitelink „Dashcam“) verifiziert: https://www.wikidata.org/wiki/Q5226605 [D]
- Wikidata-Item „Datenschutz-Grundverordnung“, Q1172506 – am 12.10.2026 per Wikidata-API verifiziert: https://www.wikidata.org/wiki/Q1172506 [D]
- Wikidata-Item „Verkehrsunfall“ (traffic collision), Q9687 – am 12.10.2026 per Wikidata-API verifiziert (de-Label „Straßenverkehrsunfall“): https://www.wikidata.org/wiki/Q9687 [D]

## Änderungsverlauf

- 2026-10-12: Erstveröffentlichung der Faktenseite. Urteilsinhalt gegen die Pressemitteilung Nr. 088/2018 des BGH, Normtexte von § 4 und § 1 BDSG, § 201 StGB sowie §§ 22, 23 KUG gegen gesetze-im-internet.de abgeglichen. | change_type=initial_publication

## Stand

- Stand: 2026-10-12

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-12
- Letzte Prüfung: 2026-10-12
- In Kraft seit: 2018-05-15
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
