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title: Dokumentationspflicht der Behandlungsseite (§ 630f BGB) – Behandlungsakte, Inhalt und 10-Jahres-Frist
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# Dokumentationspflicht der Behandlungsseite (§ 630f BGB) – Behandlungsakte, Inhalt und 10-Jahres-Frist

## Kurzantwort

Wer eine medizinische Behandlung durchführt, ist gesetzlich verpflichtet, **in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit der Behandlung eine Behandlungsakte** zu führen – in Papierform oder elektronisch (§ 630f Abs. 1 Satz 1 BGB). Aufzuzeichnen sind **alle aus fachlicher Sicht für die derzeitige und künftige Behandlung wesentlichen Maßnahmen und deren Ergebnisse**, insbesondere Anamnese, Diagnosen, Untersuchungen, Untersuchungsergebnisse, Befunde, Therapien und ihre Wirkungen, Eingriffe und ihre Wirkungen, Einwilligungen und Aufklärungen; Arztbriefe gehören in die Akte (§ 630f Abs. 2 BGB). Die Behandlungsakte ist **zehn Jahre nach Abschluss der Behandlung** aufzubewahren, soweit nicht andere Vorschriften abweichende Fristen vorsehen (§ 630f Abs. 3 BGB). **Wichtig 2026:** Durch das Gesetz vom 03.02.2026 (BGBl. I Nr. 28), in Kraft seit **06.02.2026**, wurde der Begriff „Patientenakte" in §§ 630f, 630g BGB durchgängig durch „**Behandlungsakte**" ersetzt – der sachliche Pflichtenumfang bleibt unverändert. Nachträgliche **Berichtigungen und Änderungen** sind nur zulässig, wenn neben dem ursprünglichen Inhalt erkennbar bleibt, **wann** sie vorgenommen wurden (§ 630f Abs. 1 Satz 2 BGB).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 630f BGB – Dokumentation der Behandlung [gesetze-im-internet.de] |
| Verpflichteter | Der Behandelnde (Arzt, Zahnarzt, Heilpraktiker, Hebamme, Träger) [§ 630a Abs. 1 BGB] |
| Form der Akte | Papierform oder elektronisch [§ 630f Abs. 1 Satz 1 BGB] |
| Zeitpunkt | In unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit der Behandlung [§ 630f Abs. 1 Satz 1 BGB] |
| Begriff seit 06.02.2026 | „Behandlungsakte" statt bisher „Patientenakte" [BGBl. I Nr. 28 vom 03.02.2026] |
| Pflichtinhalt | Alle fachlich wesentlichen Maßnahmen und deren Ergebnisse [§ 630f Abs. 2 Satz 1 BGB] |
| Regelbeispiele | Anamnese, Diagnosen, Untersuchungen, Ergebnisse, Befunde, Therapien und Wirkungen, Eingriffe und Wirkungen, Einwilligungen, Aufklärungen [§ 630f Abs. 2 Satz 1 BGB] |
| Arztbriefe | Sind in die Behandlungsakte aufzunehmen [§ 630f Abs. 2 Satz 2 BGB] |
| Berichtigungen/Änderungen | Nur zulässig, wenn ursprünglicher Inhalt und Änderungszeitpunkt erkennbar bleiben [§ 630f Abs. 1 Satz 2 BGB] |
| Elektronische Akten | Fälschungssicherheit der Änderungshistorie sicherzustellen [§ 630f Abs. 1 Satz 3 BGB] |
| Aufbewahrungsfrist | 10 Jahre nach Abschluss der Behandlung [§ 630f Abs. 3 BGB] |
| Längere Sonderfristen | Andere Vorschriften bleiben vorbehalten [§ 630f Abs. 3 Halbsatz 2 BGB] |
| Beispiel Bluttransfusion | Patientenbezogene Transfusionsdaten mind. 30 Jahre [§ 14 Abs. 3 TFG] |
| Beispiel Strahlenanwendung | Eigene Fristen; bei Minderjährigen bis Vollendung des 28. Lebensjahres [§ 85 StrlSchG] |
| Beweisrechtliche Folge | Nicht dokumentierte wesentliche Maßnahme gilt als nicht erfolgt [§ 630h Abs. 3 BGB] |
| Einsichtsrecht des Patienten | Unverzügliche Einsicht in die vollständige Behandlungsakte [§ 630g BGB] |
| Ursprung der Norm | Patientenrechtegesetz vom 20.02.2013, in Kraft 26.02.2013 [BGBl. I S. 277] |

## Geltungsbereich

§ 630f BGB ist Teil des Behandlungsvertragsrechts (§§ 630a–630h BGB) und gilt für **jede medizinische Behandlung** im Sinne des § 630a Abs. 1 BGB. Verpflichtet ist die **Behandlungsseite** – also Ärztinnen und Ärzte, Zahnärzte, Heilpraktiker, Hebammen, Physiotherapeuten und weitere Heilberufler ebenso wie der jeweilige Vertragspartner (Praxisinhaber, Krankenhausträger, MVZ). Die Dokumentationspflicht besteht **unabhängig davon**, ob die Behandlung gesetzlich, privat oder als Selbstzahlerleistung erfolgt. Neben der zivilrechtlichen Pflicht aus § 630f BGB bestehen **berufsrechtliche Dokumentationspflichten** (§ 10 der Musterberufsordnung für Ärzte, MBO-Ä) und – für Vertragsärzte – **vertragsarztrechtliche** Pflichten (§ 57 BMV-Ä). Alle drei Ebenen fordern eine sorgfältige, zeitnahe Dokumentation; § 630f BGB ist die zentrale zivilrechtliche Grundnorm.

## Was dokumentiert werden muss

Nach § 630f Abs. 2 BGB sind **sämtliche aus fachlicher Sicht für die derzeitige und künftige Behandlung wesentlichen Maßnahmen und deren Ergebnisse** aufzuzeichnen. Das Gesetz nennt als Regelbeispiele die **Anamnese**, **Diagnosen**, **Untersuchungen** und **Untersuchungsergebnisse**, **Befunde**, **Therapien und ihre Wirkungen**, **Eingriffe und ihre Wirkungen** sowie **Einwilligungen und Aufklärungen**. Diese Aufzählung ist nicht abschließend – maßgeblich ist stets die **fachliche Wesentlichkeit** für die Weiterbehandlung. Nicht dokumentationspflichtig sind demgegenüber bloße Selbstverständlichkeiten oder rein persönliche Notizen des Behandelnden, die keine Bedeutung für die medizinische Versorgung haben. **Arztbriefe** sind nach § 630f Abs. 2 Satz 2 BGB ausdrücklich in die Behandlungsakte aufzunehmen. Die Aufzeichnung hat **in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang** mit der Behandlung zu erfolgen; eine erst Wochen später erstellte oder „geglättete" Dokumentation verliert an Beweiswert und kann den Verdacht nachträglicher Manipulation begründen.

## Änderungen und Fälschungssicherheit

§ 630f Abs. 1 Satz 2 BGB erlaubt **Berichtigungen und Änderungen** von Eintragungen nur dann, wenn **neben dem ursprünglichen Inhalt erkennbar bleibt, wann** die Änderung vorgenommen wurde. Der ursprüngliche Eintrag darf also nicht spurlos überschrieben oder gelöscht werden – er muss zusammen mit dem Änderungszeitpunkt nachvollziehbar bleiben. Für **elektronisch geführte Behandlungsakten** stellt Satz 3 klar, dass diese Nachvollziehbarkeit auch technisch sicherzustellen ist (revisionssichere Änderungshistorie, Zeitstempel). Diese Anforderung schützt den Beweiswert der Dokumentation: Eine nachträglich unbemerkt veränderte Akte könnte im Arzthaftungsprozess ihre Beweisfunktion nicht mehr erfüllen. Verstöße gegen die Fälschungssicherheit können daher zu einer für den Behandelnden nachteiligen Beweiswürdigung führen.

## Aufbewahrungsfrist und Sonderregelungen

Die Behandlungsakte ist nach § 630f Abs. 3 BGB **zehn Jahre nach Abschluss der Behandlung** aufzubewahren. Die Frist beginnt mit dem **Abschluss der Behandlung**, nicht mit dem einzelnen Eintrag. Der zweite Halbsatz stellt klar, dass **andere Vorschriften abweichende – in der Regel längere – Fristen** vorsehen können. Praktisch bedeutsame Beispiele: Für **patientenbezogene Daten zur Anwendung von Blutprodukten** gilt nach § 14 Abs. 3 des Transfusionsgesetzes (TFG) eine Aufbewahrung von **mindestens 30 Jahren** (Rückverfolgbarkeit). Für Aufzeichnungen und Bilddokumente bei der **Anwendung ionisierender Strahlung** enthält § 85 StrlSchG eigene Fristen; bei minderjährigen Personen sind die Aufzeichnungen bis zur **Vollendung des 28. Lebensjahres** aufzubewahren. Die zehnjährige Regelfrist des § 630f Abs. 3 BGB ist damit ein **Mindeststandard**, der durch spezialgesetzliche Fristen verlängert werden kann. Nach Fristablauf sind die Unterlagen datenschutzkonform zu vernichten bzw. zu löschen (Art. 17 DSGVO, § 630f BGB als Grundlage der vorherigen Aufbewahrung).

## Beweisrechtliche Bedeutung

Die Dokumentationspflicht ist zugleich eine **Beweissicherungspflicht**. § 630h Abs. 3 BGB knüpft unmittelbar an § 630f BGB an: Hat der Behandelnde eine **medizinisch gebotene wesentliche Maßnahme** oder deren Ergebnis **entgegen § 630f Abs. 1 oder 2 BGB nicht in der Behandlungsakte aufgezeichnet** oder die Akte **nicht aufbewahrt**, so wird **vermutet, dass er diese Maßnahme nicht getroffen hat**. Wer also eine erforderliche Standardmaßnahme durchführt, sie aber nicht dokumentiert, trägt im Streitfall das Risiko, dass sie als nicht erfolgt gilt. Die ordnungsgemäße Dokumentation nach § 630f BGB schützt die Behandlungsseite damit unmittelbar vor beweisrechtlichen Nachteilen. Umgekehrt eröffnet § 630g BGB dem Patienten das Recht, **unverzüglich Einsicht** in die vollständige Behandlungsakte zu nehmen und Abschriften bzw. elektronische Kopien zu verlangen – die erste Kopie ist ihm dabei unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.

## Häufige Fehler

- **„Die Akte darf nach der Behandlung sofort vernichtet werden."** Falsch – § 630f Abs. 3 BGB verlangt eine Aufbewahrung von **zehn Jahren** ab Abschluss der Behandlung; Sonderfristen können länger sein.
- **„Ein Eintrag darf korrigiert und der alte Text überschrieben werden."** Falsch – nach § 630f Abs. 1 Satz 2 BGB müssen der **ursprüngliche Inhalt** und der **Zeitpunkt der Änderung** erkennbar bleiben; das gilt auch elektronisch.
- **„Nicht dokumentierte Maßnahmen kann man später beweisen."** Riskant – § 630h Abs. 3 BGB **vermutet**, dass eine nicht dokumentierte wesentliche Maßnahme **nicht erfolgt** ist.
- **„§ 630f BGB spricht weiterhin von der Patientenakte."** Überholt – seit **06.02.2026** verwendet das Gesetz durchgängig den Begriff **Behandlungsakte** (BGBl. I Nr. 28); der Pflichtenumfang bleibt derselbe.
- **„Dokumentiert werden muss wirklich alles."** Differenziert – aufzuzeichnen sind nur die **fachlich wesentlichen** Maßnahmen und Ergebnisse (§ 630f Abs. 2 BGB), nicht jede Selbstverständlichkeit.



## Quellen

- § 630f BGB – Dokumentation der Behandlung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__630f.html
- § 630f BGB – Fassung und Änderungshistorie (dejure.org, Neufassung 06.02.2026): https://dejure.org/gesetze/BGB/630f.html
- § 630a BGB – Vertragstypische Pflichten beim Behandlungsvertrag: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__630a.html
- § 630g BGB – Einsichtnahme in die Behandlungsakte: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__630g.html
- § 630h BGB – Beweislast bei Haftung für Behandlungs- und Aufklärungsfehler (Abs. 3): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__630h.html
- Gesetz zur Änderung des Verbrauchervertrags- und des Versicherungsvertragsrechts sowie zur Änderung des Behandlungsvertragsrechts vom 03.02.2026 (BGBl. I Nr. 28): https://www.recht.bund.de/bgbl/1/2026/28/regelungstext.pdf
- § 14 TFG – Dokumentation und Aufbewahrung (Blutprodukte, 30 Jahre): https://www.gesetze-im-internet.de/tfg/__14.html
- § 85 StrlSchG – Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten bei Anwendung am Menschen: https://www.gesetze-im-internet.de/strlschg/__85.html
- Patientenrechtegesetz vom 20.02.2013 (BGBl. I S. 277) – Ursprung der §§ 630a ff. BGB: https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&jumpTo=bgbl113s0277.pdf

## Änderungsverlauf

- 2026-07-17: Erstveröffentlichung. Inhalt gegen § 630f BGB (Wortlaut Abs. 1–3, gesetze-im-internet.de / dejure.org), § 630h Abs. 3 BGB, § 630g BGB, § 14 TFG und § 85 StrlSchG verifiziert. Neufassung „Patientenakte" → „Behandlungsakte" durch BGBl. I Nr. 28 vom 03.02.2026 (in Kraft 06.02.2026) dokumentiert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Nexvyra Gesundheitsrecht-Agent"
