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title: "Dreißigster (§ 1969 BGB) – Unterhalt und Wohnungsnutzung für Hausstandsangehörige in den ersten 30 Tagen nach dem Erbfall"
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# Dreißigster (§ 1969 BGB) – Unterhalt und Wohnungsnutzung für Hausstandsangehörige in den ersten 30 Tagen nach dem Erbfall

## Kurzantwort

Der **Dreißigster** ist ein gesetzlich angeordneter Anspruch von **Familienangehörigen des Erblassers**, die zur Zeit des Todes **zu dessen Hausstand gehörten** und **von ihm Unterhalt bezogen** haben. Der Erbe muss ihnen in den **ersten 30 Tagen nach dem Eintritt des Erbfalls** in **demselben Umfang, wie der Erblasser es getan hat, Unterhalt gewähren** und ihnen **die Benutzung der Wohnung und der Haushaltsgegenstände gestatten** (§ 1969 Abs. 1 Satz 1 BGB). Der Erblasser kann durch **letztwillige Verfügung eine abweichende Anordnung** treffen (§ 1969 Abs. 1 Satz 2 BGB). Auf den Anspruch sind die **Vorschriften über Vermächtnisse entsprechend** anzuwenden (§ 1969 Abs. 2 BGB); er ist damit ein gesetzliches „Vermächtnis" mit eigenem, **einklagbarem Anspruch** des Berechtigten gegen den Erben (§ 2174 BGB). Der Dreißigster überbrückt die erste Zeit nach dem Todesfall, bis die Erbfolge geklärt ist und der Haushalt neu geordnet werden kann.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 1969 BGB (Buch 5 Erbrecht, Abschnitt 2, Titel 2, Untertitel 1 – Nachlassverbindlichkeiten) [gesetze-im-internet.de] |
| Anspruchsberechtigte | Familienangehörige des Erblassers, die zur Zeit des Todes zu dessen Hausstand gehörten und von ihm Unterhalt bezogen haben [§ 1969 Abs. 1 Satz 1 BGB] |
| Anspruchsverpflichteter | Der Erbe (bei mehreren Erben die Erbengemeinschaft) [§ 1969 Abs. 1 Satz 1 BGB] |
| Dauer | Die ersten 30 Tage nach dem Eintritt des Erbfalls [§ 1969 Abs. 1 Satz 1 BGB] |
| Fristbeginn | Mit dem Tag nach dem Todestag; der Todestag selbst zählt nicht mit [§ 187 Abs. 1, § 188 Abs. 1 BGB] |
| Inhalt – Unterhalt | Unterhalt in demselben Umfang, wie der Erblasser es getan hat – maßgeblich ist die tatsächliche Gewährung, nicht ein gesetzlicher Unterhaltsanspruch [§ 1969 Abs. 1 Satz 1 BGB] |
| Inhalt – Wohnung | Gestattung der Benutzung der Wohnung und der Haushaltsgegenstände [§ 1969 Abs. 1 Satz 1 BGB] |
| Abweichende Anordnung | Durch letztwillige Verfügung des Erblassers möglich (Erweiterung, Beschränkung, Ausschluss) [§ 1969 Abs. 1 Satz 2 BGB] |
| Rechtsnatur | Gesetzliches Vermächtnis; Vermächtnisvorschriften gelten entsprechend [§ 1969 Abs. 2 BGB] |
| Eigener Anspruch | Der Berechtigte kann die Leistung vom Beschwerten fordern [§ 2174 BGB i. V. m. § 1969 Abs. 2 BGB] |
| Nachlassverbindlichkeit | Als Vermächtnisanspruch Erbfallschuld [§ 1967 Abs. 2 BGB] |
| Abgrenzung Voraus | Der Voraus des Ehegatten (§ 1932 BGB) betrifft Haushaltsgegenstände dauerhaft (Eigentum), der Dreißigster nur die Nutzung auf Zeit |
| Abgrenzung Bestattungskosten | Kostentragung der Bestattung folgt § 1968 BGB, nicht § 1969 BGB |
| Erbschaftsteuer – Einordnung | Vermächtnisse sind Erwerb von Todes wegen [§ 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG]; die steuerliche Behandlung des Dreißigsten ist im Einzelfall zu prüfen |

## Geltungsbereich

§ 1969 BGB gilt für **jeden Erbfall nach deutschem Erbrecht**, unabhängig davon, ob die gesetzliche Erbfolge eintritt oder ein Testament vorliegt. Die Regelung schützt Personen, die im **Haushalt des Erblassers lebten und von ihm wirtschaftlich versorgt wurden** – typischerweise den **nicht erbenden** Ehegatten oder Kinder, Enkel, Eltern oder andere Verwandte, die mit dem Erblasser zusammenwohnten. Begünstigt sind nach dem Gesetzeswortlaut nur **Familienangehörige**; der **nichteheliche Lebensgefährte** wird nicht ausdrücklich genannt. Wer ihn für die Übergangszeit absichern will, kann ihn per **Vermächtnis** oder durch eine **abweichende Anordnung** nach § 1969 Abs. 1 Satz 2 BGB bedenken (siehe auch [Erbrecht bei nichtehelicher Lebensgemeinschaft](nichteheliche-lebensgemeinschaft-erbrecht)). Ist der Berechtigte zugleich **Erbe**, wirkt der Anspruch im Ergebnis nur zu seinen Lasten und ist praktisch kaum relevant; Bedeutung hat der Dreißigster vor allem für **Hausstandsangehörige, die nicht erben**.

## Voraussetzungen im Einzelnen

**1. Familienangehöriger des Erblassers.** Der Kreis ergibt sich aus dem Begriff der Familie; Ehegatten, Abkömmlinge, Eltern und weitere Verwandte kommen in Betracht. Ein Erbrecht ist **nicht** erforderlich.

**2. Zugehörigkeit zum Hausstand zur Zeit des Todes.** Der Berechtigte muss tatsächlich **im Haushalt des Erblassers** gelebt haben. Auf die Eigentumsverhältnisse an der Wohnung kommt es nicht an.

**3. Unterhaltsbezug vom Erblasser.** Der Berechtigte muss **von dem Erblasser Unterhalt bezogen** haben, also von ihm tatsächlich versorgt worden sein (Verpflegung, Kleidung, Taschengeld usw.). Ein **gesetzlicher** Unterhaltsanspruch ist nicht erforderlich; entscheidend ist die **tatsächliche Gewährung**.

**4. Zeitraum.** Der Anspruch besteht nur für die **ersten 30 Tage** nach dem Erbfall. Danach endet er kraft Gesetzes; weitergehende Ansprüche (etwa aus einem Vermächtnis, einem Wohnungsrecht oder gesetzlichem Unterhaltsrecht) bleiben unberührt.

## Inhalt und Umfang

Der Erbe schuldet **Unterhalt „in demselben Umfang, wie der Erblasser es getan hat"** (§ 1969 Abs. 1 Satz 1 BGB). Der **Maßstab** ist damit der **bisherige Lebensstandard** im Haushalt, nicht der angemessene Unterhalt nach §§ 1601 ff. BGB. Daneben muss der Erbe **die Benutzung der Wohnung und der Haushaltsgegenstände gestatten**. Der Berechtigte erhält dadurch **kein Eigentum** und kein dauerhaftes Wohnrecht, sondern nur eine **Nutzungsbefugnis auf Zeit**. Der Erbe darf also nicht schon am Tag nach dem Todesfall die Wohnung räumen lassen oder die Schlösser wechseln, solange ein Hausstandsangehöriger mit Anspruch dort lebt.

## Durchsetzung und Haftung

Da nach § 1969 Abs. 2 BGB die **Vermächtnisvorschriften entsprechend** gelten, hat der Berechtigte einen **eigenen Anspruch gegen den Erben** (§ 2174 BGB), den er notfalls **gerichtlich** durchsetzen kann. Der Anspruch ist eine **Nachlassverbindlichkeit** in Form einer **Erbfallschuld** (§ 1967 Abs. 2 BGB); der Erbe kann seine Haftung auf den Nachlass beschränken (siehe [Erbenhaftung](erbenhaftung-1967-bgb)). Schlägt der zunächst berufene Erbe die Erbschaft aus (siehe [Erbausschlagung](erbausschlagung-1942-bgb)), richtet sich der Anspruch gegen den, der stattdessen Erbe wird.

## Abweichende Anordnung durch den Erblasser

Nach § 1969 Abs. 1 Satz 2 BGB kann der Erblasser in einem **Testament oder Erbvertrag** (siehe [Testament](testament-form-2247-bgb)) **anderes bestimmen**: den Anspruch **ausschließen**, **verkürzen**, **verlängern** (zum Beispiel auf sechs Monate) oder **auf weitere Personen erstrecken**. Eine solche Anordnung ist **formgebunden**; mündliche Wünsche genügen nicht.

## Abgrenzung zu verwandten Ansprüchen

Der **Voraus des Ehegatten** nach § 1932 BGB (siehe [Voraus des Ehegatten](voraus-ehegatte-1932-bgb)) gibt dem überlebenden Ehegatten, der gesetzlicher Erbe ist, die **Haushaltsgegenstände und Hochzeitsgeschenke dauerhaft**. Der Dreißigster gewährt dagegen nur **Nutzung und Unterhalt für 30 Tage** und hilft auch Personen, die **nicht erben**. Die **Bestattungskosten** (siehe [Bestattungskosten](bestattungskosten-1968-bgb)) regelt § 1968 BGB gesondert. Ein **Vermächtnis** (siehe [Vermächtnis](vermaechtnis-2147-bgb)) ist dagegen vom Erblasser frei gestaltbar und nicht auf 30 Tage beschränkt.

## Häufige Fehler

- **„Der Dreißigster steht nur Erben zu."** Falsch – er richtet sich gerade an **Hausstandsangehörige**, auch wenn sie **nicht Erben** sind.
- **„Der Dreißigster ist ein Monat."** Nein – das Gesetz nennt **30 Tage** (§ 1969 Abs. 1 Satz 1 BGB).
- **„Es genügt, mit dem Erblasser verwandt zu sein."** Nein – zusätzlich nötig sind **Hausstandszugehörigkeit** und **Unterhaltsbezug**.
- **„Der Berechtigte erhält die Wohnung dauerhaft."** Nein – nur die **Benutzung auf Zeit**; ein dauerhaftes Wohnrecht braucht eine eigene Verfügung (z. B. Vermächtnis).
- **„Der Erblasser kann den Dreißigsten nicht ausschließen."** Doch – § 1969 Abs. 1 Satz 2 BGB lässt **abweichende letztwillige Anordnungen** ausdrücklich zu.
- **„Der Lebensgefährte ist automatisch erfasst."** Das Gesetz nennt nur **Familienangehörige**; für den Lebensgefährten empfiehlt sich eine ausdrückliche testamentarische Regelung.

## Beispiel

Erblasser E lebte mit seiner **volljährigen, nicht erwerbstätigen Tochter T** im gemeinsamen Haushalt und kam für ihren Lebensunterhalt auf. In seinem Testament setzt E seinen **Sohn S** als Alleinerben ein; T erhält nichts. T hat nach § 1969 BGB gegen S für die **ersten 30 Tage** nach dem Tod Anspruch auf **Unterhalt im bisherigen Umfang** und darauf, **Wohnung und Haushaltsgegenstände weiter zu nutzen**. S darf sie in dieser Zeit nicht hinausdrängen. Ab dem 31. Tag endet der Anspruch. Hätte E in seinem Testament bestimmt, dass T **drei Monate** weiter im Haus wohnen darf, gälte diese **abweichende Anordnung** (§ 1969 Abs. 1 Satz 2 BGB).

## Änderungsverlauf

- 2026-10-02: Erstveröffentlichung der Faktenseite. Wortlaut von § 1969 BGB, § 2174 BGB und § 3 ErbStG am 02.10.2026 gegen gesetze-im-internet.de geprüft; § 13 ErbStG enthält keinen Verweis auf § 1969 BGB (abweichende Angabe auf der Seite bestattungskosten-1968-bgb sollte geprüft werden). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published"

## Stand

- Stand: 2026-10-02
- Gültig ab: 1900-01-01
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 1969 BGB – Dreißigster:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1969.html
- § 2174 BGB – Vermächtnisanspruch:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2174.html
- § 1967 BGB – Erbenhaftung, Nachlassverbindlichkeiten:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1967.html
- § 1968 BGB – Beerdigungskosten:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1968.html
- § 1932 BGB – Voraus des Ehegatten:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1932.html
- §§ 187, 188 BGB – Fristberechnung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__187.html
- § 3 ErbStG – Erwerb von Todes wegen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__3.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-02
- Letzte Prüfung: 2026-10-02
- In Kraft seit: 1900-01-01
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
