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title: Drittwiderspruchsklage (§ 771 ZPO)
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# Drittwiderspruchsklage (§ 771 ZPO)

## Kurzantwort

Die **Drittwiderspruchsklage** (auch **Interventionsklage**) ist der Rechtsbehelf eines **Dritten** – also einer Person, die **weder Gläubiger noch Schuldner** ist –, der behauptet, an einem gepfändeten oder sonst der Zwangsvollstreckung unterworfenen Gegenstand ein **die Veräußerung hinderndes Recht** zu haben (§ 771 Abs. 1 ZPO). Klassischer Fall: Der Gerichtsvollzieher pfändet beim Schuldner eine Sache, die in Wahrheit **einem Dritten gehört** (Eigentum, Sicherungseigentum, Anwartschaftsrecht aus Eigentumsvorbehalt). Ziel der Klage ist ein Urteil, das die **Zwangsvollstreckung in diesen konkreten Gegenstand für unzulässig** erklärt. Zuständig ist – anders als bei der Vollstreckungsabwehrklage – das **Gericht, in dessen Bezirk die Zwangsvollstreckung erfolgt** (§ 771 Abs. 1 ZPO), nicht das Prozessgericht des Titels. Die Klage richtet sich gegen den **Gläubiger**; wird auch der Schuldner verklagt, sind beide **Streitgenossen** (§ 771 Abs. 2 ZPO). Für den vorläufigen Schutz gelten die §§ 769, 770 ZPO **entsprechend**: Das Gericht kann die **Zwangsvollstreckung einstweilen einstellen** und bereits getroffene Vollstreckungsmaßregeln aufheben – Letzteres **auch ohne Sicherheitsleistung** (§ 771 Abs. 3 ZPO). Wer dagegen nur ein **Pfand- oder sonstiges Vorzugsrecht** geltend macht, kann die Vollstreckung **nicht** stoppen, sondern nur **vorzugsweise Befriedigung** aus dem Erlös verlangen (§ 805 ZPO).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | **§ 771 ZPO** (Drittwiderspruchsklage / Interventionsklage) |
| Klageberechtigt | **Dritter** – weder Gläubiger noch Schuldner |
| Voraussetzung | **ein die Veräußerung hinderndes Recht** am Gegenstand der Zwangsvollstreckung |
| Typische Rechte | **Eigentum**, Sicherungseigentum, **Anwartschaftsrecht** (Eigentumsvorbehalt), Miteigentum |
| Zweck | Zwangsvollstreckung **in den konkreten Gegenstand** für **unzulässig** erklären lassen |
| Zuständiges Gericht | **Gericht, in dessen Bezirk die Zwangsvollstreckung erfolgt** (§ 771 Abs. 1 ZPO) |
| Klagegegner | **Gläubiger**; bei Klage auch gegen den Schuldner → **Streitgenossen** (§ 771 Abs. 2 ZPO) |
| Klageart | prozessuale **Gestaltungsklage** (Widerspruch im Wege der Klage) |
| Einstweiliger Schutz | **§§ 769, 770 entsprechend**: einstweilige Einstellung; Aufhebung von Maßregeln **auch ohne Sicherheit** (§ 771 Abs. 3 ZPO) |
| Kein Stopp bei Pfandrecht | **Pfand-/Vorzugsrecht** → **Klage auf vorzugsweise Befriedigung** (§ 805 ZPO), nicht § 771 |
| Sondervarianten | Veräußerungsverbot (**§ 772**), Nacherbe (**§ 773**), Ehegatte/Lebenspartner (**§ 774**) |
| Abgrenzung | Einwendungen des **Schuldners** gegen den Anspruch → **Vollstreckungsabwehrklage** (§ 767); Verfahrensfehler → **Erinnerung** (§ 766) |

## Wozu dient die Drittwiderspruchsklage? (§ 771 Abs. 1 ZPO)

Die Zwangsvollstreckung knüpft nicht an die materielle Eigentumslage an, sondern an den **Gewahrsam** des Schuldners: Der Gerichtsvollzieher darf bewegliche Sachen pfänden, die er **im Besitz des Schuldners** vorfindet (§ 808 ZPO), ohne zu prüfen, wem sie **wirklich gehören**. Dadurch kann die Vollstreckung auch Gegenstände erfassen, die **nicht dem Schuldner**, sondern einem **Dritten** zustehen. Für diesen Dritten stellt § 771 ZPO die **Drittwiderspruchsklage** bereit: Behauptet ein Dritter, dass ihm **ein die Veräußerung hinderndes Recht** am Gegenstand der Zwangsvollstreckung zusteht, so ist der Widerspruch gegen die Vollstreckung **im Wege der Klage** geltend zu machen (§ 771 Abs. 1 ZPO).

Ziel ist ein Urteil, das die **Zwangsvollstreckung in den betroffenen Gegenstand für unzulässig** erklärt. Der Titel gegen den Schuldner bleibt bestehen; nur der **Zugriff auf diese konkrete Sache** wird beseitigt. Die Klage schützt also das Recht des Dritten daran, nicht die Rechtsstellung des Schuldners.

## „Ein die Veräußerung hinderndes Recht" – wer kann klagen?

Klagebefugt ist nur, wer ein **Recht** hat, das der **Verwertung des Gegenstands durch den Gläubiger entgegensteht**. In Betracht kommen insbesondere:

- **Eigentum** des Dritten an der gepfändeten Sache – der praktisch häufigste Fall (z. B. geleaste, vermietete, unter Eigentumsvorbehalt gelieferte oder dem Ehe-/Lebenspartner gehörende Gegenstände).
- **Sicherungseigentum** – der Sicherungsnehmer (z. B. eine Bank) ist Eigentümer und kann der Pfändung beim Sicherungsgeber widersprechen.
- **Anwartschaftsrecht** des Vorbehaltskäufers, der die Sache noch abzahlt.
- **Miteigentum** – der Miteigentümer kann sich gegen die Pfändung des ganzen Gegenstands wehren.

Ein **bloßer Besitz ohne Recht** genügt nicht; ebenso wenig genügen rein **schuldrechtliche** Ansprüche gegen den Schuldner, die die Verwertung nicht hindern. Wer nur ein **Pfand- oder Vorzugsrecht** an der Sache hat, ist auf § 805 ZPO verwiesen (siehe unten).

## Zuständiges Gericht und Klagegegner (§ 771 Abs. 1, 2 ZPO)

Anders als die Vollstreckungsabwehrklage des Schuldners (§ 767 ZPO, Prozessgericht des ersten Rechtszuges) ist die Drittwiderspruchsklage bei dem **Gericht zu erheben, in dessen Bezirk die Zwangsvollstreckung erfolgt** (§ 771 Abs. 1 ZPO). Maßgeblich ist also der **Ort der Vollstreckung**, nicht der Sitz des Titelgerichts. Sachlich richtet sich die Zuständigkeit (Amts- oder Landgericht) nach dem **Streitwert** – regelmäßig dem Wert des betroffenen Gegenstands.

Klagegegner ist der **Gläubiger**, der die Vollstreckung betreibt. Erhebt der Dritte die Klage **auch gegen den Schuldner** (etwa weil dieser sein Recht bestreitet), so sind Gläubiger und Schuldner **Streitgenossen** (§ 771 Abs. 2 ZPO).

## Einstweiliger Rechtsschutz: Einstellung der Vollstreckung (§ 771 Abs. 3 ZPO)

Die Klage allein hält die Vollstreckung **nicht** auf – die Verwertung des Gegenstands (z. B. die Versteigerung) droht also fortzuschreiten. Deshalb erklärt § 771 Abs. 3 ZPO die **§§ 769 und 770 ZPO für entsprechend anwendbar**: Das Gericht kann auf Antrag anordnen, dass die **Zwangsvollstreckung** – ggf. gegen oder ohne Sicherheitsleistung – **einstweilen eingestellt** wird, und bereits getroffene **Vollstreckungsmaßregeln aufheben**. Die **Aufhebung einer Vollstreckungsmaßregel** ist dabei ausdrücklich **auch ohne Sicherheitsleistung** zulässig (§ 771 Abs. 3 Satz 2 ZPO). In dringenden Fällen kann – über den Verweis auf § 769 Abs. 2 ZPO – auch das **Vollstreckungsgericht** eine solche Anordnung treffen. Die den Antrag begründenden Tatsachen sind **glaubhaft zu machen**.

## Abgrenzung: Pfandrecht → Klage auf vorzugsweise Befriedigung (§ 805 ZPO)

Nicht jedes Recht an der gepfändeten Sache berechtigt zur Drittwiderspruchsklage. Wer nur ein **Pfandrecht** oder ein sonstiges **Recht auf vorzugsweise Befriedigung** hat, kann der Pfändung **nicht widersprechen** – sein Recht hindert die Veräußerung nämlich nicht. Ein solcher Berechtigter kann aber nach **§ 805 ZPO** im Wege der **Klage auf vorzugsweise Befriedigung** verlangen, dass er **aus dem Erlös** der Verwertung **vor dem Gläubiger** befriedigt wird – unabhängig davon, ob seine Forderung schon fällig ist. Auch diese Klage ist bei dem Gericht der Zwangsvollstreckung bzw. dem Prozessgericht zu erheben (§ 805 Abs. 2 ZPO). Die Sache wird also **verwertet**; gestritten wird nur um die **Verteilung des Erlöses**.

## Sonderfälle: §§ 772–774 ZPO

Die ZPO regelt neben dem Grundfall des § 771 einige **besondere Konstellationen**, in denen ebenfalls die Drittwiderspruchsklage statthaft ist:

- **§ 772 ZPO – Veräußerungsverbot:** Steht dem Dritten ein **gesetzliches Veräußerungsverbot** zum Schutz bestimmter Personen entgegen, kann er der Zwangsvollstreckung nach den Grundsätzen des § 771 widersprechen.
- **§ 773 ZPO – Nacherbe:** Der **Nacherbe** kann der Zwangsvollstreckung in Nachlassgegenstände widersprechen, soweit die Verfügung des Vorerben im Fall des Eintritts der Nacherbfolge unwirksam wäre.
- **§ 774 ZPO – Ehegatte oder Lebenspartner:** Bei der **Gütergemeinschaft** kann der Ehegatte/Lebenspartner der Zwangsvollstreckung in Gesamtgut widersprechen, wenn er für die zugrunde liegende Schuld nicht haftet.

## Abgrenzung zu anderen Rechtsbehelfen

Die Drittwiderspruchsklage ist von den übrigen Rechtsbehelfen der Zwangsvollstreckung nach dem **Angriffsziel** und dem **Betroffenen** zu unterscheiden:

- **Vollstreckungsabwehrklage (§ 767 ZPO):** Rechtsbehelf des **Schuldners** gegen den **titulierten Anspruch selbst** (Erfüllung, Aufrechnung, Verjährung usw.) – nicht des Dritten.
- **Vollstreckungserinnerung (§ 766 ZPO):** richtet sich gegen **Verfahrensfehler** bei der Art und Weise der Zwangsvollstreckung (formelle Fehler), nicht gegen ein Recht am Gegenstand.
- **Klage auf vorzugsweise Befriedigung (§ 805 ZPO):** für **Pfand- und Vorzugsrechte** – hindert die Verwertung nicht, sichert aber den **Erlösanteil**.

## Häufige Fehler

- **„Ich besitze die Sache, also kann ich der Pfändung widersprechen."** Nicht der Besitz zählt, sondern ein **die Veräußerung hinderndes Recht** – vor allem **Eigentum** (§ 771 Abs. 1 ZPO).
- **„Die Drittwiderspruchsklage reiche ich beim Gericht ein, das den Titel erlassen hat."** Nein. Zuständig ist das **Gericht am Ort der Zwangsvollstreckung** (§ 771 Abs. 1 ZPO), nicht das Prozessgericht des Titels.
- **„Mit einem Pfandrecht kann ich die Verwertung stoppen."** Nein. Pfand- und Vorzugsrechte berechtigen nur zur **Klage auf vorzugsweise Befriedigung** aus dem Erlös (§ 805 ZPO), nicht zur Drittwiderspruchsklage.
- **„Sobald ich Klage erhebe, wird die Versteigerung automatisch gestoppt."** Nein. Die Vollstreckung läuft weiter, bis das Gericht sie nach **§ 771 Abs. 3 i. V. m. § 769 ZPO einstweilen einstellt** – auf Antrag und bei Glaubhaftmachung.
- **„Als Dritter muss ich meine Einwendung gegen den Anspruch des Schuldners richten."** Nein. Die Klage richtet sich gegen den **Gläubiger** (ggf. zusätzlich gegen den Schuldner als Streitgenossen, § 771 Abs. 2 ZPO).

## Siehe auch

- [Vollstreckungsabwehrklage (§ 767 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/vollstreckungsabwehrklage-767-zpo.html)
- [Sachpfändung durch den Gerichtsvollzieher (§§ 808 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/sachpfaendung-gerichtsvollzieher-808-zpo.html)
- [Kontopfändung – Ablauf und Schutz (§§ 829, 833a ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/kontopfaendung-ablauf-zpo.html)
- [Vermögensauskunft / eidesstattliche Versicherung (§ 802c ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/vermoegensauskunft-802c-zpo.html)
- [Gerichtliches Mahnverfahren (§§ 688 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/gerichtliches-mahnverfahren-688-zpo.html)




## Quellen

- § 771 ZPO – Drittwiderspruchsklage (die Veräußerung hinderndes Recht, Gericht des Vollstreckungsbezirks Abs. 1, Streitgenossenschaft Abs. 2, entsprechende Anwendung §§ 769, 770 Abs. 3): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__771.html
- § 772 ZPO – Drittwiderspruchsklage bei Veräußerungsverbot: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__772.html
- § 773 ZPO – Drittwiderspruchsklage des Nacherben: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__773.html
- § 774 ZPO – Drittwiderspruchsklage des Ehegatten oder Lebenspartners: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__774.html
- § 769 ZPO – Einstweilige Anordnungen (einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__769.html
- § 770 ZPO – Einstweilige Anordnungen im Urteil: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__770.html
- § 805 ZPO – Klage auf vorzugsweise Befriedigung (Pfand-/Vorzugsrechte): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__805.html
- § 804 ZPO – Pfändungspfandrecht / Vorzugsrecht: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__804.html
- BMJ – Zwangsvollstreckung und Pfändungsschutz (amtliche Übersicht): https://www.bmj.de/DE/Themen/FinanzenUndAnlegerschutz/ZwangsvollstreckungPfaendungsschutz/ZwangsvollstreckungPfaendungsschutz_node.html

## Änderungsverlauf

- 2026-07-27: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
## Stand

- Stand: 2026-07-27
- Status: aktuell (geltendes Recht)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
