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title: DSGVO Art. 9 (VO 2016/679) – Besondere Kategorien personenbezogener Daten (Gesundheitsdaten, Biometrie & Co.)
seo_title: DSGVO Art. 9 – Besondere Kategorien personenbezogener Daten
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# DSGVO Art. 9 (VO 2016/679) – Besondere Kategorien personenbezogener Daten (Gesundheitsdaten, Biometrie & Co.)

## Kurzantwort

**Artikel 9 der Datenschutz-Grundverordnung (Verordnung (EU) 2016/679)** stellt die Verarbeitung besonders sensibler Daten unter ein **grundsätzliches Verbot mit Erlaubnisvorbehalt**. Nach **Art. 9 Abs. 1** ist die Verarbeitung von Daten, aus denen **rassische oder ethnische Herkunft, politische Meinungen, religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen** oder die **Gewerkschaftszugehörigkeit** hervorgehen, sowie die Verarbeitung von **genetischen Daten**, **biometrischen Daten zur eindeutigen Identifizierung**, **Gesundheitsdaten** und **Daten zum Sexualleben oder zur sexuellen Orientierung** **untersagt**.

Erlaubt ist die Verarbeitung nur, wenn **einer der zehn abschließend aufgezählten Ausnahmetatbestände des Art. 9 Abs. 2 (lit. a–j)** greift – etwa die **ausdrückliche Einwilligung** (lit. a), Pflichten aus dem **Arbeits- und Sozialrecht** (lit. b), der Schutz **lebenswichtiger Interessen** (lit. c), die **offensichtliche Veröffentlichung durch die betroffene Person** (lit. e), die **Geltendmachung von Rechtsansprüchen** (lit. f), ein **erhebliches öffentliches Interesse** (lit. g), Zwecke der **Gesundheitsvorsorge, Diagnostik und Behandlung** (lit. h) oder die **öffentliche Gesundheit** (lit. i).

Wichtig: Art. 9 tritt **zusätzlich** zu einer Rechtsgrundlage aus Art. 6 DSGVO. Beide Ebenen müssen **kumulativ** erfüllt sein. Als **Verordnung** gilt die DSGVO **unmittelbar** in Deutschland; über die **Öffnungsklauseln** des Art. 9 (Abs. 2 lit. b, g, h, i, j und Abs. 4) hat der deutsche Gesetzgeber ergänzende Vorschriften erlassen, insbesondere **§ 22 BDSG**. Verstöße gegen Art. 9 sind der **höchsten Bußgeldkategorie** zugeordnet: **bis zu 20 Mio. € oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes** (Art. 83 Abs. 5 lit. a).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsakt | Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), **Art. 9** [EUR-Lex, CELEX:32016R0679] |
| Rechtsnatur | **Verordnung** → unmittelbar anwendbar in Deutschland (keine Umsetzung nötig) |
| Geltungsbeginn | **25. Mai 2018** |
| Grundprinzip | **Verbot mit Erlaubnisvorbehalt** (Art. 9 Abs. 1) |
| Sensible Datenarten (Art. 9 Abs. 1) | rassische/ethnische Herkunft; politische Meinungen; religiöse/weltanschauliche Überzeugungen; Gewerkschaftszugehörigkeit; **genetische Daten**; **biometrische Daten zur eindeutigen Identifizierung**; **Gesundheitsdaten**; Sexualleben / sexuelle Orientierung |
| Ausnahmen | **abschließender** Katalog Art. 9 Abs. 2 **lit. a–j** (10 Tatbestände) |
| Ausdrückliche Einwilligung | Art. 9 Abs. 2 **lit. a** – höhere Anforderung als „normale" Einwilligung (Art. 7) |
| Beschäftigten-/Sozialrecht | Art. 9 Abs. 2 **lit. b** → national **§ 26 Abs. 3 BDSG**, **§ 22 Abs. 1 Nr. 1 lit. b BDSG** |
| Gesundheitsversorgung | Art. 9 Abs. 2 **lit. h** i. V. m. **Abs. 3** (Berufsgeheimnis) → **§ 22 Abs. 1 Nr. 1 lit. b BDSG** |
| Definition Gesundheitsdaten | Art. 4 **Nr. 15** + Erwägungsgrund 35 |
| Definition genetische Daten | Art. 4 **Nr. 13** |
| Definition biometrische Daten | Art. 4 **Nr. 14** (sensibel nur bei **eindeutiger Identifizierung**) |
| Öffnungsklauseln | Art. 9 Abs. 2 lit. b, g, h, i, j **und Abs. 4** → **§ 22 BDSG** |
| Zusätzlich erforderlich | **immer** auch eine Rechtsgrundlage nach **Art. 6 Abs. 1** (kumulativ) |
| Bußgeldrahmen | **bis 20 Mio. € oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes** [Art. 83 Abs. 5 lit. a] |
| EuGH – Gesundheitsdaten bei Arzneimittelbestellung | **C-21/23 (Lindenapotheke)**, Urteil **04.10.2024** |
| EuGH – sensible Daten & Datenminimierung (Werbung) | **C-446/21 (Schrems / Meta)**, Urteil **04.10.2024** |
| Erfasster Kreis | **alle** Verantwortlichen und Auftragsverarbeiter, die sensible Daten verarbeiten (Ärzte, Apotheken, Vereine, Arbeitgeber, Plattformen, Versicherer) |

## Geltungsbereich

Art. 9 gilt für **jede** Stelle – öffentlich wie privat –, die eine der acht besonderen Datenkategorien verarbeitet. Praktisch besonders betroffen sind **Ärzt:innen, Apotheken, Krankenhäuser, Pflegedienste, Kranken- und Lebensversicherer** (Gesundheitsdaten), **Arbeitgeber** (Krankmeldungen, Schwerbehinderung, Gewerkschaftszugehörigkeit), **Vereine und Parteien** (weltanschauliche/politische Ausrichtung, Religion), **Fitness- und Gesundheits-Apps** sowie **Online-Plattformen**, die auf sensible Merkmale schließen können.

Als **Verordnung** wirkt die DSGVO **unmittelbar** – ein nationales Umsetzungsgesetz ist nicht erforderlich. Wo Art. 9 jedoch **Öffnungsklauseln** enthält (Abs. 2 lit. b, g, h, i, j sowie Abs. 4), darf und muss der nationale Gesetzgeber konkretisieren. Deutschland hat dies vor allem in **§ 22 BDSG** getan (u. a. für Zwecke der Gesundheitsvorsorge, der medizinischen Diagnostik, der Sozialverwaltung und zur Abwehr erheblicher Gefahren) und verlangt dort **„angemessene und spezifische Maßnahmen zur Wahrung der Interessen der betroffenen Person"** (Maßnahmenkatalog in **§ 22 Abs. 2 BDSG**, z. B. Verschlüsselung, Pseudonymisierung, Zugriffsbeschränkung, Benennung von Datenschutzbeauftragten).

## Detail: Die acht sensiblen Datenkategorien

**Art. 9 Abs. 1** benennt abschließend acht Kategorien. Eine Besonderheit gilt für **biometrische Daten** (Art. 4 Nr. 14): Sie fallen **nur dann** unter Art. 9, wenn sie **zur eindeutigen Identifizierung** einer natürlichen Person verarbeitet werden (z. B. Fingerabdruck-Login, Gesichtserkennung). Ein bloßes Foto ist nicht automatisch ein biometrisches Datum im Sinne des Art. 9.

**Gesundheitsdaten** (Art. 4 Nr. 15, Erwägungsgrund 35) umfassen **alle** Informationen über den körperlichen oder geistigen Gesundheitszustand – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft –, einschließlich Diagnosen, Befunden, Medikamentenplänen, Krankschreibungen und Behandlungsinformationen. Der **EuGH** hat in **C-21/23 (Lindenapotheke)** vom **4. Oktober 2024** klargestellt, dass bereits die bei der **Online-Bestellung apothekenpflichtiger, aber rezeptfreier Arzneimittel** eingegebenen Daten (Name, Lieferadresse, bestellte Präparate) **Gesundheitsdaten** nach Art. 9 Abs. 1 sind – auch ohne ärztliche Verschreibung –, weil sich daraus per **gedanklicher Kombination** auf den Gesundheitszustand schließen lässt.

## Detail: Die zehn Ausnahmen (Art. 9 Abs. 2 lit. a–j)

Die Verarbeitung ist nur zulässig, wenn **eine** der folgenden Ausnahmen greift (Auswahl der praxisrelevanten):

- **lit. a – Ausdrückliche Einwilligung:** Sie muss sich **explizit** auf die sensible Verarbeitung beziehen und die üblichen Anforderungen des Art. 7 (freiwillig, informiert, nachweisbar, widerrufbar) erfüllen – „ausdrücklich" heißt: höhere Bestimmtheit als bei einer normalen Einwilligung.
- **lit. b – Arbeits-, Sozial- und Sozialschutzrecht:** national konkretisiert in **§ 26 Abs. 3 BDSG** (Beschäftigtenkontext) und **§ 22 Abs. 1 Nr. 1 lit. b BDSG**.
- **lit. c – Lebenswichtige Interessen** einer Person, die einwilligungsunfähig ist (z. B. Notfallmedizin).
- **lit. d – Stiftungen, Vereine, Organisationen** mit politischer, weltanschaulicher, religiöser oder gewerkschaftlicher Ausrichtung für ihre Mitglieder.
- **lit. e – Offensichtliche Veröffentlichung** der Daten durch die betroffene Person selbst.
- **lit. f – Geltendmachung, Ausübung oder Verteidigung von Rechtsansprüchen** (Gerichtsverfahren).
- **lit. g – Erhebliches öffentliches Interesse** auf Grundlage von EU- oder mitgliedstaatlichem Recht.
- **lit. h – Gesundheitsvorsorge, Arbeitsmedizin, medizinische Diagnostik, Versorgung/Behandlung** – **nur** unter der Zusatzvoraussetzung des **Art. 9 Abs. 3** (Verarbeitung durch dem **Berufsgeheimnis** unterliegendes Fachpersonal).
- **lit. i – Öffentliche Gesundheit** (z. B. Schutz vor grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren).
- **lit. j – Archiv-, Forschungs- und Statistikzwecke** (Art. 89 Abs. 1).

Der Katalog ist **abschließend**: Fehlt jede dieser Ausnahmen, bleibt es beim **Verbot** – unabhängig davon, ob eine Rechtsgrundlage nach Art. 6 vorläge.

## Detail: EuGH-Rechtsprechung 2024

Zwei am **4. Oktober 2024** verkündete EuGH-Urteile schärfen die Auslegung des Art. 9:

- **C-21/23 (Lindenapotheke):** Daten bei der Online-Arzneimittelbestellung sind **Gesundheitsdaten**; zugleich stehen der DSGVO **wettbewerbsrechtliche Klagen von Mitbewerbern** gegen Datenschutzverstöße **nicht entgegen** – ein Konkurrent kann einen Verstoß als unlautere Geschäftspraxis gerichtlich verfolgen.
- **C-446/21 (Schrems / Meta):** Ein soziales Netzwerk darf personenbezogene Daten **nicht zeitlich unbegrenzt und undifferenziert** für **personalisierte Werbung** verwenden (**Datenminimierung**, Art. 5 Abs. 1 lit. c). Der Umstand, dass Herr Schrems seine **sexuelle Orientierung** bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion offengelegt hat (Art. 9 Abs. 2 lit. e), erlaubt es **nicht**, **andere** Daten über seine sexuelle Orientierung zusammenzuführen und für Werbung auszuwerten.

## Häufige Fehler

- **Nur Art. 6 geprüft:** Für sensible Daten wird eine Rechtsgrundlage nach Art. 6 gesucht, die **zusätzlich** nötige Ausnahme des Art. 9 Abs. 2 aber vergessen. Beide Ebenen sind **kumulativ**.
- **„Einfache" statt ausdrücklicher Einwilligung:** Eine allgemeine Einwilligung genügt für Art. 9 nicht – erforderlich ist eine **ausdrückliche**, gerade auf die sensible Verarbeitung bezogene Einwilligung (lit. a).
- **Gesundheitsdaten unterschätzt:** Auch **abgeleitete** Informationen (Bestelldaten, App-Nutzung, Fehlzeiten) können Gesundheitsdaten sein (EuGH C-21/23).
- **Biometrie pauschal als sensibel eingestuft:** Art. 9 greift **nur** bei Verarbeitung zur **eindeutigen Identifizierung** – nicht bei jedem Foto.
- **Art. 9 Abs. 3 übersehen:** Die Behandlungs-Ausnahme (lit. h) setzt eine Verarbeitung durch **berufsgeheimnispflichtiges** Personal voraus.
- **§ 22 Abs. 2 BDSG ignoriert:** Bei Verarbeitung sensibler Daten fehlen die dort geforderten **spezifischen Schutzmaßnahmen** (Verschlüsselung, Pseudonymisierung, Zugriffskonzepte).











## Quellen

- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO) – Art. 9, Volltext (EUR-Lex):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32016R0679#d1e2051-1-1
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO) – Art. 4 Nr. 13–15 (Begriffsbestimmungen), Volltext (EUR-Lex):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32016R0679#d1e1489-1-1
- Europäische Kommission – Was sind sensible Daten? (Special categories of personal data):
  https://commission.europa.eu/law/law-topic/data-protection/information-business-and-organisations/legal-grounds-processing-data_en
- § 22 BDSG – Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten (gesetze-im-internet.de):
  https://www.gesetze-im-internet.de/bdsg_2018/__22.html
- § 26 BDSG – Datenverarbeitung für Zwecke des Beschäftigungsverhältnisses (gesetze-im-internet.de):
  https://www.gesetze-im-internet.de/bdsg_2018/__26.html
- EuGH, Urteil v. 4.10.2024, C-21/23 (Lindenapotheke) – Gesundheitsdaten bei Arzneimittelbestellung; wettbewerbsrechtliche Verfolgung (dejure.org):
  https://dejure.org/2024,26310
- EuGH, Urteil v. 4.10.2024, C-446/21 (Schrems / Meta Platforms) – sensible Daten, Datenminimierung, Werbung (dejure.org):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=EuGH&Datum=04.10.2024&Aktenzeichen=C-446%2F21

## Änderungsverlauf

- 2026-08-06: Erstveröffentlichung der Faktenseite. Verbot mit Erlaubnisvorbehalt (Art. 9 Abs. 1), die acht sensiblen Datenkategorien, der abschließende Ausnahmekatalog (Art. 9 Abs. 2 lit. a–j), Art. 9 Abs. 3 (Berufsgeheimnis) sowie die nationale Konkretisierung über § 22 BDSG gegen EUR-Lex und EU-Kommission gegengeprüft; EuGH-Rechtsprechung C-21/23 (Lindenapotheke) und C-446/21 (Schrems/Meta), jeweils 04.10.2024, über dejure.org-Permalinks eingebunden. | change_type=initial_publication reviewed_by="Andreas Warkentin" field="topic_lifecycle" new="published"

## Stand

- Stand: 2026-08-06
- Gültig ab: 2018-05-25 (Geltungsbeginn der DSGVO)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (EUR-Lex, EU-Kommission, EuGH, § 22/§ 26 BDSG)
- Lizenz: CC BY 4.0
