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title: DSGVO Art. 77–79 (VO 2016/679) – Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde und gerichtlicher Rechtsbehelf: 3-Monats-Frist, Rechtsweg, EuGH C-414/24
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# DSGVO Art. 77–79 (VO 2016/679) – Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde und gerichtlicher Rechtsbehelf: 3-Monats-Frist, Rechtsweg, EuGH C-414/24

## Kurzantwort

Nach **Artikel 77 Abs. 1 der Datenschutz-Grundverordnung (Verordnung (EU) 2016/679)** hat jede betroffene Person das Recht, sich bei **einer Aufsichtsbehörde** zu beschweren, wenn sie der Ansicht ist, dass die Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten gegen die DSGVO verstößt. Zuständig ist **wahlweise** die Aufsichtsbehörde des **gewöhnlichen Aufenthaltsorts**, des **Arbeitsplatzes** oder des **Orts des mutmaßlichen Verstoßes**. Die Beschwerde ist für die betroffene Person **unentgeltlich** (Art. 57 Abs. 3 DSGVO), an **keine Frist** der DSGVO gebunden und setzt keinen Anwalt voraus.

Die Aufsichtsbehörde muss den Beschwerdeführer nach **Art. 77 Abs. 2 DSGVO** über **Stand und Ergebnis** der Beschwerde unterrichten. Befasst sich die zuständige Behörde **nicht** mit der Beschwerde oder informiert sie **nicht innerhalb von drei Monaten** über Stand oder Ergebnis, eröffnet **Art. 78 Abs. 2 DSGVO** den **gerichtlichen Rechtsbehelf** gegen die Aufsichtsbehörde; in Deutschland ist dafür nach **§ 20 BDSG** grundsätzlich der **Verwaltungsrechtsweg** eröffnet.

Unabhängig davon kann die betroffene Person nach **Art. 79 Abs. 1 DSGVO** **direkt gegen den Verantwortlichen oder den Auftragsverarbeiter** klagen. Der EuGH hat mit Urteil vom **18. Juni 2026, C-414/24 (Datenschutzbehörde)**, klargestellt, dass beide Wege **parallel und unabhängig voneinander** offenstehen: Eine Aufsichtsbehörde darf eine Beschwerde **nicht allein deshalb zurückweisen**, weil in derselben Sache bereits ein Gericht angerufen wurde und dessen Entscheidung noch nicht rechtskräftig ist. Sie darf das Beschwerdeverfahren allenfalls **aussetzen**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage Beschwerde | Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Artikel 77 |
| Rechtsgrundlage Klage gegen Behörde | Artikel 78 DSGVO |
| Rechtsgrundlage Klage gegen Verantwortlichen | Artikel 79 DSGVO |
| Beschwerdeberechtigt | jede betroffene Person i. S. d. Art. 4 Nr. 1 DSGVO |
| Wahlrecht der Behörde (Art. 77 Abs. 1) | gewöhnlicher Aufenthaltsort **oder** Arbeitsplatz **oder** Ort des mutmaßlichen Verstoßes |
| Kosten der Beschwerde | unentgeltlich (Art. 57 Abs. 3 DSGVO) |
| Ausnahme Unentgeltlichkeit | bei offenkundig unbegründeten oder exzessiven Anträgen: angemessenes Entgelt oder Weigerung (Art. 57 Abs. 4 DSGVO) |
| Frist für die Beschwerde selbst | keine Frist in der DSGVO geregelt |
| Unterrichtungspflicht der Behörde | Stand **und** Ergebnis, einschließlich Hinweis auf Art. 78 (Art. 77 Abs. 2) |
| Untätigkeitsfrist (Art. 78 Abs. 2) | **3 Monate** ohne Befassung oder ohne Unterrichtung über Stand/Ergebnis |
| Rechtsweg gegen Aufsichtsbehörde (DE) | Verwaltungsrechtsweg, § 20 Abs. 1 S. 1 BDSG (nicht bei Bußgeldverfahren) |
| Örtliche Zuständigkeit (DE) | Verwaltungsgericht am **Sitz der Aufsichtsbehörde**, § 20 Abs. 3 BDSG |
| Sonderrechtswege | Finanzgericht bei Finanzbehörden (§ 32i AO); Sozialgericht im Sozialdatenschutz (§ 81a SGB X) |
| Gerichtsstand Klage gegen Verantwortlichen | Niederlassung des Verantwortlichen **oder** gewöhnlicher Aufenthaltsort der betroffenen Person (Art. 79 Abs. 2 DSGVO, § 44 BDSG) |
| Ausnahme Wahlgerichtsstand | nicht gegen Behörden in Ausübung hoheitlicher Befugnisse (Art. 79 Abs. 2 S. 2) |
| Verhältnis Art. 77 zu Art. 79 | **parallel und unabhängig**, kein Vorrang (EuGH C-132/21; C-414/24) |
| Zurückweisung wegen paralleler Klage | **unzulässig** (EuGH C-414/24, Urteil vom 18.06.2026) |
| Anspruch auf Bußgeld gegen den Verantwortlichen | **nein** – Auswahlermessen der Behörde (EuGH C-768/21, Urteil vom 26.09.2024) |
| Vertretung durch Verbände | Art. 80 DSGVO (in Deutschland u. a. über das VDuG umgesetzt) |
| Schadenersatz | eigenständig nach Art. 82 DSGVO |

## Geltungsbereich

Die Artikel 77 bis 79 DSGVO gelten **unmittelbar** in allen EU-/EWR-Mitgliedstaaten; als Verordnung bedarf die DSGVO **keiner nationalen Umsetzung**. Der deutsche Gesetzgeber hat lediglich das **Verfahrensrecht** ausgestaltet: **§ 20 BDSG** (Rechtsweg und Verfahren gegen Aufsichtsbehörden), **§ 44 BDSG** (Gerichtsstand für Klagen gegen Verantwortliche), ergänzt durch **§ 32i AO** für Finanzbehörden und **§ 81a SGB X** für den Sozialdatenschutz.

Beschwerdeberechtigt ist jede **betroffene Person**, deren personenbezogene Daten verarbeitet werden – unabhängig von Staatsangehörigkeit, Wohnsitz oder wirtschaftlichem Interesse. In Deutschland ist die Aufsichtslandschaft **föderal** organisiert: Der **Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI)** ist für Bundesbehörden, Finanzbehörden sowie Telekommunikations- und Postdienste zuständig; für den **allgemeinen nicht-öffentlichen Bereich** (Unternehmen, Vereine, Freiberufler) sind die **Aufsichtsbehörden der 16 Länder** zuständig, in Bayern getrennt für den öffentlichen und den nicht-öffentlichen Bereich. Für Rundfunk, Presse sowie Kirchen und Religionsgemeinschaften bestehen **eigene Aufsichtsstellen**.

## Die Beschwerde nach Art. 77 DSGVO

**Art. 77 Abs. 1 DSGVO** gewährt das Beschwerderecht ausdrücklich „**unbeschadet eines anderweitigen verwaltungsrechtlichen oder gerichtlichen Rechtsbehelfs**". Die betroffene Person muss also nicht wählen: Sie kann sich beschweren **und** klagen.

Die DSGVO stellt für die Beschwerde selbst **keine Formvorgaben** und **keine Frist** auf. Praktisch verlangen die Aufsichtsbehörden regelmäßig eine Darstellung des Sachverhalts, die Benennung des Verantwortlichen sowie den Nachweis, dass die betroffene Person ihre Rechte zuvor **beim Verantwortlichen** geltend gemacht hat (etwa ein erfolgloser Auskunfts- oder Löschantrag). Die meisten Behörden stellen **Online-Beschwerdeformulare** bereit.

Nach **Art. 57 Abs. 1 lit. f DSGVO** ist die Aufsichtsbehörde **verpflichtet**, sich mit der Beschwerde zu befassen, den Gegenstand **in angemessenem Umfang zu untersuchen** und die betroffene Person zu unterrichten. Nach **Art. 57 Abs. 3 DSGVO** ist die Aufgabenerfüllung für die betroffene Person **unentgeltlich**; nur bei **offenkundig unbegründeten oder exzessiven** – insbesondere häufig wiederholten – Anträgen darf die Behörde nach **Art. 57 Abs. 4 DSGVO** ein angemessenes Entgelt verlangen oder das Tätigwerden verweigern (Nachweislast für den exzessiven Charakter liegt bei der Behörde).

## Was die Aufsichtsbehörde tun muss – und was nicht

Stellt die Aufsichtsbehörde einen Verstoß fest, stehen ihr die **Abhilfebefugnisse des Art. 58 Abs. 2 DSGVO** zu: Warnung, Verwarnung, Anweisung, Beschränkung oder Verbot der Verarbeitung, Anordnung der Löschung – und die **Geldbuße nach Art. 83 DSGVO**.

- **EuGH C-768/21 (Land Hessen), Urteil vom 26.09.2024:** Die Aufsichtsbehörde ist bei Feststellung eines Verstoßes **nicht verpflichtet**, in jedem Fall eine Abhilfemaßnahme – insbesondere **kein Bußgeld** – zu verhängen. Sie muss zwar tätig werden und geeignete Maßnahmen ergreifen, wenn dies zur Beseitigung des Verstoßes erforderlich ist; sie hat dabei aber ein **Auswahlermessen**. Ein **subjektives Recht der beschwerdeführenden Person auf Verhängung eines Bußgeldes** besteht nicht. Ausgangsfall war die Beschwerde eines Betroffenen gegen eine Sparkasse; der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit hatte eine Sanktion für nicht erforderlich gehalten.

Daraus folgt für die Praxis: Wer sich beschwert, erzwingt **kein bestimmtes Ergebnis**. Er hat aber Anspruch auf eine **ordnungsgemäße Befassung**, eine **ermessensfehlerfreie Entscheidung** und die **Unterrichtung** nach Art. 77 Abs. 2 DSGVO.

## Die 3-Monats-Frist und die Klage gegen die Aufsichtsbehörde (Art. 78)

**Art. 78 Abs. 1 DSGVO** eröffnet den gerichtlichen Rechtsbehelf gegen jeden **rechtsverbindlichen Beschluss** einer Aufsichtsbehörde. **Art. 78 Abs. 2 DSGVO** ergänzt einen **Untätigkeitsrechtsbehelf**: Die betroffene Person kann klagen, wenn die nach Art. 55, 56 DSGVO zuständige Aufsichtsbehörde

- sich **nicht mit der Beschwerde befasst** oder
- die betroffene Person **nicht innerhalb von drei Monaten** über den **Stand oder das Ergebnis** der Beschwerde in Kenntnis gesetzt hat.

Die Frist von **drei Monaten** beginnt mit Eingang der Beschwerde. Eine **Zwischennachricht über den Stand** genügt dem Wortlaut nach, um die Untätigkeitsklage zu vermeiden – eine abschließende Sachentscheidung ist innerhalb der drei Monate nicht verlangt.

Nach **Art. 78 Abs. 3 DSGVO** sind die Gerichte des Mitgliedstaats zuständig, in dem die Aufsichtsbehörde ihren **Sitz** hat. In Deutschland konkretisiert **§ 20 BDSG**:

- **§ 20 Abs. 1 S. 1 BDSG:** Für Streitigkeiten zwischen einer natürlichen oder juristischen Person und einer Aufsichtsbehörde des Bundes oder eines Landes über Rechte nach Art. 78 Abs. 1 und 2 DSGVO ist der **Verwaltungsrechtsweg** gegeben – **nicht** jedoch für **Bußgeldverfahren**.
- **§ 20 Abs. 3 BDSG:** Örtlich zuständig ist das **Verwaltungsgericht am Sitz der Aufsichtsbehörde**.
- Die Aufsichtsbehörde ist **beteiligtenfähig**; Beteiligte sind die klagende Person und die Aufsichtsbehörde als Beklagte.

**Sonderrechtswege:** Geht es um die Datenverarbeitung durch **Finanzbehörden**, verweist **§ 32i AO** auf den **Finanzrechtsweg**; im **Sozialdatenschutz** eröffnet **§ 81a SGB X** den **Sozialrechtsweg**. Der BFH hat mit Urteil vom **12.12.2023 – IX R 33/21** zum gerichtlichen Prüfungsmaßstab nach Art. 78 Abs. 1 DSGVO und zur Mitteilung nach Art. 77 DSGVO entschieden.

## Die Klage gegen den Verantwortlichen (Art. 79)

**Art. 79 Abs. 1 DSGVO** gibt der betroffenen Person das Recht auf einen wirksamen gerichtlichen Rechtsbehelf **gegen den Verantwortlichen oder Auftragsverarbeiter** – ausdrücklich „unbeschadet eines verfügbaren verwaltungsrechtlichen oder außergerichtlichen Rechtsbehelfs **einschließlich des Rechts auf Beschwerde bei einer Aufsichtsbehörde gemäß Artikel 77**".

Nach **Art. 79 Abs. 2 DSGVO** kann geklagt werden

- am Gericht des Mitgliedstaats, in dem der Verantwortliche oder Auftragsverarbeiter eine **Niederlassung** hat, **oder**
- **wahlweise** am Gericht des Mitgliedstaats des **gewöhnlichen Aufenthaltsorts der betroffenen Person**,

es sei denn, der Verantwortliche ist eine **Behörde in Ausübung hoheitlicher Befugnisse**. **§ 44 BDSG** übernimmt diese Zuständigkeitsregel für das deutsche Recht.

Typische Klageziele sind **Auskunft** (Art. 15), **Berichtigung** (Art. 16), **Löschung** (Art. 17), **Unterlassung** und **Schadenersatz** nach **Art. 82 DSGVO**.

## EuGH C-414/24 – parallele Rechtsbehelfe (Urteil vom 18.06.2026)

Im Ausgangsverfahren hatte eine österreichische Ärztin gegen die Betreiberin einer Ärztebewertungsplattform die **Löschung** ihrer Daten verlangt. Sie erhob zunächst im **November 2017** eine **Zivilklage nach Art. 79 DSGVO** und legte im **Juli 2018** zusätzlich **Beschwerde nach Art. 77 DSGVO** bei der österreichischen Datenschutzbehörde ein – in derselben Sache. Die Datenschutzbehörde wies die Beschwerde zurück, weil eine parallele Verfahrensführung dem Rechtsschutzsystem der DSGVO widerspreche. Der österreichische Verwaltungsgerichtshof legte die Frage dem EuGH vor.

Der EuGH entschied:

1. **Art. 77 Abs. 1 und Art. 79 Abs. 1 DSGVO** eröffnen **parallele und voneinander unabhängige** Rechtsbehelfe. Die DSGVO kennt **weder einen Vorrang** des einen vor dem anderen **noch eine ausschließliche Zuständigkeit** von Behörden oder Gerichten. Damit setzt der Gerichtshof seine Linie aus **C-132/21 (Nemzeti Adatvédelmi és Információszabadság Hatóság, Urteil vom 12.01.2023)** fort.
2. Eine Aufsichtsbehörde darf eine Beschwerde **nicht allein deshalb zurückweisen**, weil in derselben Sache bereits ein Gericht angerufen wurde und dessen Entscheidung **noch nicht rechtskräftig** ist. Andernfalls droht die betroffene Person **jeden wirksamen Schutz zu verlieren**, wenn die Klage aus Verfahrensgründen ohne Sachentscheidung scheitert und nationale Beschwerdefristen inzwischen abgelaufen sind – ein Verstoß gegen den **Effektivitätsgrundsatz** und gegen **Art. 47 GRC**.
3. Die Pflicht der Aufsichtsbehörde, sich nach **Art. 57 Abs. 1 lit. f DSGVO** mit der Beschwerde zu befassen und bei festgestelltem Verstoß mit geeigneten Mitteln nach Art. 58 Abs. 2 DSGVO einzuschreiten, würde unterlaufen, wenn ein anhängiges Gerichtsverfahren das Tätigwerden sperren würde.
4. Als unionsrechtskonformen Koordinationsweg nennt der EuGH die **Aussetzung** des Beschwerdeverfahrens bis zum rechtskräftigen Abschluss des Gerichtsverfahrens mit anschließender gebührender Berücksichtigung der gerichtlichen Entscheidung – **nicht** aber die Zurückweisung.

**Praktische Folge:** Betroffene können Behörden- und Gerichtsweg **strategisch parallel** nutzen. Verantwortliche können sich **nicht** darauf berufen, ein laufender Zivilprozess blockiere die Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde.

## Häufige Fehler

- **„Ich muss mich zwischen Beschwerde und Klage entscheiden."** Falsch – Art. 77 Abs. 1 und Art. 79 Abs. 1 DSGVO eröffnen beide Wege ausdrücklich „unbeschadet" des jeweils anderen (EuGH C-132/21, C-414/24).
- **„Ein laufender Zivilprozess erledigt die Beschwerde."** Falsch – die Aufsichtsbehörde darf die Beschwerde deshalb nicht zurückweisen, allenfalls aussetzen (EuGH C-414/24).
- **„Ich habe Anspruch darauf, dass die Behörde ein Bußgeld verhängt."** Falsch – die Behörde hat Auswahlermessen; ein Anspruch auf eine bestimmte Maßnahme besteht nicht (EuGH C-768/21).
- **„Die Beschwerde muss bei der Behörde am Sitz des Unternehmens eingelegt werden."** Falsch – Art. 77 Abs. 1 DSGVO gibt der betroffenen Person die **Wahl** zwischen Aufenthaltsort, Arbeitsplatz und Ort des mutmaßlichen Verstoßes.
- **„Nach drei Monaten Schweigen ist die Beschwerde automatisch erfolgreich."** Falsch – nach Art. 78 Abs. 2 DSGVO entsteht lediglich die Möglichkeit eines **gerichtlichen Rechtsbehelfs** gegen die Aufsichtsbehörde; eine Fiktion zugunsten des Beschwerdeführers gibt es nicht.
- **„Eine kurze Zwischennachricht reicht nicht aus."** Doch – Art. 78 Abs. 2 DSGVO stellt auf die Unterrichtung über **Stand oder Ergebnis** ab; eine Sachentscheidung innerhalb von drei Monaten ist nicht verlangt.
- **„Gegen die Aufsichtsbehörde klagt man vor dem Zivilgericht."** Falsch – in Deutschland ist nach § 20 BDSG grundsätzlich der **Verwaltungsrechtsweg** eröffnet (Sonderrechtswege: § 32i AO, § 81a SGB X).
- **„Die Beschwerde kostet Gebühren."** Falsch – sie ist nach Art. 57 Abs. 3 DSGVO unentgeltlich; ein Entgelt kommt nur bei offenkundig unbegründeten oder exzessiven Anträgen in Betracht (Art. 57 Abs. 4).
- **„Für die Beschwerde gilt eine Ausschlussfrist."** Die DSGVO sieht **keine** Frist für die Beschwerde vor; nationale Verfahrensfristen können aber im Einzelfall eine Rolle spielen – genau diese Konstellation hat der EuGH in C-414/24 als Schutzlücke benannt.

## Quellen

- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Artikel 77, 78, 79, 80, 57, 58 – Volltext (EUR-Lex):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32016R0679
- Art. 77 DSGVO (Recht auf Beschwerde bei einer Aufsichtsbehörde) – dejure-Permalink:
  https://dejure.org/gesetze/DSGVO/77.html
- Art. 78 DSGVO (Rechtsbehelf gegen eine Aufsichtsbehörde, 3-Monats-Frist) – dejure-Permalink:
  https://dejure.org/gesetze/DSGVO/78.html
- Art. 79 DSGVO (Rechtsbehelf gegen Verantwortliche oder Auftragsverarbeiter) – dejure-Permalink:
  https://dejure.org/gesetze/DSGVO/79.html
- EuGH, Urteil vom 18.06.2026, C-414/24 (Datenschutzbehörde) – EUR-Lex:
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:62024CJ0414
  – dejure-Permalink: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=C-414/24
- EuGH, Urteil vom 26.09.2024, C-768/21 (Land Hessen) – dejure-Permalink:
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=C-768/21
- EuGH, Urteil vom 12.01.2023, C-132/21 (Nemzeti Adatvédelmi és Információszabadság Hatóság) – dejure-Permalink:
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=C-132/21
- BFH, Urteil vom 12.12.2023 – IX R 33/21 (Prüfungsmaßstab Art. 78 Abs. 1 DSGVO) – dejure-Permalink:
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=IX%20R%2033/21
- § 20 BDSG (Gerichtlicher Rechtsschutz) – Gesetze im Internet:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bdsg_2018/__20.html
- § 44 BDSG (Klagen gegen den Verantwortlichen oder Auftragsverarbeiter) – Gesetze im Internet:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bdsg_2018/__44.html
- Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) – Zuständigkeit und Anschriften der Landesbehörden:
  https://www.bfdi.bund.de/DE/Service/Anschriften/Laender/Laender-node.html

## Änderungsverlauf

- 2026-08-29: Erstveröffentlichung der Faktenseite. Wortlaut von Art. 77, 78 und 79 DSGVO gegen dejure-Permalinks abgeglichen; 3-Monats-Frist des Art. 78 Abs. 2 DSGVO verifiziert; deutsche Verfahrensregeln (§ 20, § 44 BDSG, § 32i AO, § 81a SGB X) ergänzt; EuGH C-414/24 (18.06.2026), C-768/21 (26.09.2024) und C-132/21 (12.01.2023) eingearbeitet. factcheck_status auf review_needed gesetzt, weil der Urteilstenor von C-414/24 bislang nur mittelbar über den EUR-Lex-CELEX-Nachweis und Fachkommentierungen abgeglichen wurde und noch gegen den Volltext (CELEX:62024CJ0414) zu verifizieren ist. | change_type=initial_publication reviewed_by="Andreas Warkentin" field="topic_lifecycle" new="published"

## Stand

- Stand: 2026-08-29
- Gültig ab: 2018-05-25 (Geltungsbeginn der DSGVO)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (EUR-Lex, EuGH/curia, dejure-Permalinks, gesetze-im-internet.de, BfDI)
- Lizenz: CC BY 4.0
