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title: Ehegattenerbrecht (§ 1931 BGB) – Erbquote, Güterstand, Voraus (§ 1932), Ausschluss (§ 1933)
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# Ehegattenerbrecht (§ 1931 BGB) – Erbquote, Güterstand, Voraus (§ 1932), Ausschluss (§ 1933)

## Kurzantwort

Der überlebende Ehegatte erbt bei gesetzlicher Erbfolge **neben** den Verwandten des Erblassers. Die reine Erbquote nach **§ 1931 BGB** beträgt **ein Viertel neben Erben erster Ordnung** (Kinder, Enkel), **die Hälfte neben Erben zweiter Ordnung** (Eltern, Geschwister) oder neben Großeltern, und die **ganze Erbschaft**, wenn weder Verwandte der ersten oder zweiten Ordnung noch Großeltern vorhanden sind (§ 1931 Abs. 2 BGB). Der **Güterstand** entscheidet über die tatsächliche Höhe: Im gesetzlichen Güterstand der **Zugewinngemeinschaft** erhöht sich der Erbteil pauschal um **ein weiteres Viertel** (§ 1371 Abs. 1 BGB) — aus 1/4 wird **1/2** neben Kindern, aus 1/2 wird **3/4** neben der zweiten Ordnung. Bei **Gütertrennung** gilt eine Sonderregel (§ 1931 Abs. 4 BGB): Neben einem oder zwei Kindern erben Ehegatte und Kinder zu gleichen Teilen. Zusätzlich steht dem Ehegatten der **Voraus** (Haushaltsgegenstände, Hochzeitsgeschenke) zu (§ 1932 BGB). Das Ehegattenerbrecht **entfällt**, wenn im Zeitpunkt des Todes die Scheidungsvoraussetzungen vorlagen und der Erblasser die Scheidung beantragt oder ihr zugestimmt hatte (§ 1933 BGB). Eingetragene Lebenspartner sind gleichgestellt (§ 10 LPartG).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 1931 BGB (Ehegattenerbrecht), § 1371 BGB (Zugewinnausgleich), §§ 1932–1933 BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Erbteil neben 1. Ordnung (Kinder) | 1/4 [§ 1931 Abs. 1 S. 1 BGB] |
| Erbteil neben 2. Ordnung oder Großeltern | 1/2 [§ 1931 Abs. 1 S. 1 BGB] |
| Erbteil ohne Verwandte 1./2. Ordnung und ohne Großeltern | ganze Erbschaft [§ 1931 Abs. 2 BGB] |
| Zugewinngemeinschaft: pauschale Erhöhung | + 1/4 der Erbschaft, unabhängig vom tatsächlichen Zugewinn [§ 1371 Abs. 1 BGB] |
| Ehegattenerbteil Zugewinngemeinschaft neben Kindern | 1/2 (1/4 + 1/4) [§ 1931 Abs. 1 iVm § 1371 Abs. 1 BGB] |
| Ehegattenerbteil Zugewinngemeinschaft neben 2. Ordnung/Großeltern | 3/4 (1/2 + 1/4) [§ 1931 Abs. 1 iVm § 1371 Abs. 1 BGB] |
| Gütertrennung neben 1 Kind | je 1/2 (Ehegatte und Kind zu gleichen Teilen) [§ 1931 Abs. 4 BGB] |
| Gütertrennung neben 2 Kindern | je 1/3 [§ 1931 Abs. 4 BGB] |
| Gütertrennung neben 3 und mehr Kindern | Ehegatte 1/4 (Abs. 4 gilt nicht mehr) [§ 1931 Abs. 1 BGB] |
| Gütergemeinschaft neben Kindern | Ehegatte 1/4 (keine pauschale Erhöhung) [§ 1931 Abs. 1 BGB] |
| Voraus des Ehegatten | Haushaltsgegenstände und Hochzeitsgeschenke; neben 2. Ordnung/Großeltern voll, neben 1. Ordnung nur soweit für angemessenen Haushalt nötig [§ 1932 BGB] |
| Güterrechtliche Lösung bei Ausschlagung | konkreter Zugewinnausgleich (§§ 1373 ff.) plus kleiner Pflichtteil [§ 1371 Abs. 3 BGB] |
| Kleiner Pflichtteil (unerhöhter Erbteil) neben Kindern | 1/8 [§ 1371 Abs. 2 iVm § 2303 Abs. 2 BGB] |
| Großer Pflichtteil (erbrechtliche Lösung) neben Kindern | 1/4 [§ 1371 Abs. 1 iVm § 2303 Abs. 2 BGB] |
| Wegfall des Ehegattenerbrechts | bei vorliegenden Scheidungsvoraussetzungen und vom Erblasser beantragter/zugestimmter Scheidung [§ 1933 BGB] |
| Eingetragene Lebenspartner | dem Ehegatten erbrechtlich gleichgestellt [§ 10 LPartG] |
| Aktuelle Rechtsprechung | BGH 01.04.2026 – XII ZB 647/24: Betreuerbestellung für das Scheidungsverfahren ersetzt nicht die betreuungsgerichtliche Genehmigung; ohne sie kein Wegfall nach § 1933 BGB |

## Geltungsbereich

Das gesetzliche Ehegattenerbrecht greift, wenn der Erblasser **keine wirksame Verfügung von Todes wegen** (Testament, Erbvertrag) hinterlassen hat oder eine solche den Ehegatten nicht abschließend regelt, und wenn im Zeitpunkt des Erbfalls eine **wirksame Ehe** bestand. Voraussetzung ist ein zivilrechtlich gültiger Erbfall nach deutschem Erbstatut; im grenzüberschreitenden Fall bestimmt sich das anwendbare Recht seit dem 17.08.2015 nach der **EU-Erbrechtsverordnung (VO 650/2012)** grundsätzlich nach dem letzten gewöhnlichen Aufenthalt des Erblassers. Für **eingetragene Lebenspartnerschaften** gilt § 10 LPartG, der das Erbrecht spiegelbildlich zu § 1931 BGB ausgestaltet; seit dem 01.10.2017 können zwar keine neuen Lebenspartnerschaften mehr begründet werden (Öffnung der Ehe), bestehende bleiben aber wirksam.

## Die Erbquote nach § 1931 BGB

§ 1931 Abs. 1 S. 1 BGB beruft den überlebenden Ehegatten **neben Verwandten der ersten Ordnung zu einem Viertel** und **neben Verwandten der zweiten Ordnung oder neben Großeltern zur Hälfte** der Erbschaft. Erste Ordnung sind die Abkömmlinge (Kinder, Enkel), zweite Ordnung die Eltern und deren Abkömmlinge (Geschwister, Nichten/Neffen). Treffen der Ehegatte und Großeltern mit Abkömmlingen von Großeltern zusammen, erhält der Ehegatte nach § 1931 Abs. 1 S. 2 BGB zusätzlich auch den Anteil, der diesen Abkömmlingen nach § 1926 BGB zufallen würde.

Sind **weder Verwandte der ersten oder zweiten Ordnung noch Großeltern** vorhanden, erbt der Ehegatte nach § 1931 Abs. 2 BGB die **ganze Erbschaft** allein. Geschwister oder Großeltern schließen den Ehegatten also nie vollständig aus, verringern aber seine Quote.

## Der Güterstand entscheidet über die tatsächliche Höhe

Die nackten Quoten des § 1931 BGB gelten nur unverändert, wenn die Ehegatten **Gütertrennung** oder **Gütergemeinschaft** vereinbart hatten. Beim gesetzlichen Güterstand — der **Zugewinngemeinschaft** — kommt § 1371 BGB hinzu.

**Zugewinngemeinschaft (Regelfall).** Wird der Güterstand durch den Tod beendet, erhöht sich der gesetzliche Erbteil des überlebenden Ehegatten pauschal um **ein Viertel der Erbschaft** (§ 1371 Abs. 1 BGB) — und zwar **unabhängig davon, ob im Einzelfall tatsächlich ein Zugewinn erzielt wurde**. Diese sogenannte **erbrechtliche Lösung** führt zu folgenden Quoten:

- neben Kindern (1. Ordnung): 1/4 + 1/4 = **1/2**
- neben Eltern/Geschwistern (2. Ordnung) oder Großeltern: 1/2 + 1/4 = **3/4**

**Gütertrennung.** Hier entfällt die Erhöhung. § 1931 Abs. 4 BGB schützt den Ehegatten aber davor, weniger als die Kinder zu erhalten: Sind **ein oder zwei Kinder** neben dem Ehegatten berufen, erben **alle zu gleichen Teilen** — bei einem Kind je 1/2, bei zwei Kindern je 1/3. Ab **drei Kindern** greift die Sonderregel nicht mehr; dann bleibt es beim Viertel des § 1931 Abs. 1 BGB.

**Gütergemeinschaft.** Auch hier gibt es keine pauschale Erhöhung; es gelten die unerhöhten Quoten (1/4 neben Kindern, 1/2 neben zweiter Ordnung/Großeltern). Die vermögensrechtliche Auseinandersetzung des Gesamtguts erfolgt gesondert.

## Erbrechtliche und güterrechtliche Lösung – die Wahl des Ehegatten

Wird der Ehegatte durch Testament **enterbt** oder schlägt er das Erbe aus, stehen ihm zwei Wege offen:

**Erbrechtliche (große) Lösung.** Bleibt der Ehegatte Erbe, erhält er den um das pauschale Viertel erhöhten Erbteil. Ist er enterbt, kann er den **großen Pflichtteil** verlangen — die Hälfte des **erhöhten** gesetzlichen Erbteils (neben Kindern: Hälfte von 1/2 = **1/4**).

**Güterrechtliche (kleine) Lösung.** Nach § 1371 Abs. 2 BGB kann der Ehegatte, der nicht Erbe wird und auch kein Vermächtnis erhält, den **konkret berechneten Zugewinnausgleich** nach §§ 1373 bis 1383, 1390 BGB fordern; sein Pflichtteil bemisst sich dann nach dem **nicht erhöhten** Erbteil (kleiner Pflichtteil, neben Kindern Hälfte von 1/4 = **1/8**). § 1371 Abs. 3 BGB erlaubt es dem Ehegatten ausdrücklich, die Erbschaft **auszuschlagen** und daneben Zugewinnausgleich **und** den (kleinen) Pflichtteil zu verlangen — auch wenn ihm der Pflichtteil nach den erbrechtlichen Bestimmungen sonst nicht zustünde. Dies gilt nicht, wenn er durch Vertrag auf Erb- oder Pflichtteilsrecht verzichtet hat.

Welche Lösung günstiger ist, hängt vom Einzelfall ab: Die güterrechtliche Lösung lohnt sich vor allem bei einem **hohen tatsächlichen Zugewinn** des Erblassers, weil der konkrete Ausgleich dann das pauschale Viertel übersteigen kann.

## Der Voraus (§ 1932 BGB)

Neben dem Erbteil gebühren dem Ehegatten als **Voraus** die zum ehelichen Haushalt gehörenden Gegenstände (soweit nicht Grundstückszubehör) und die Hochzeitsgeschenke. Der Umfang hängt von der Erbenkonstellation ab: **Neben Verwandten der zweiten Ordnung oder Großeltern** erhält der Ehegatte den Voraus **vollständig**; **neben Verwandten der ersten Ordnung** (Kindern) nur, **soweit er die Gegenstände zur Führung eines angemessenen Haushalts benötigt** (§ 1932 Abs. 1 BGB). Auf den Voraus sind die Vorschriften über Vermächtnisse anzuwenden (§ 1932 Abs. 2 BGB).

## Wegfall des Ehegattenerbrechts (§ 1933 BGB)

Das Erbrecht und der Voraus des überlebenden Ehegatten sind **ausgeschlossen**, wenn zur Zeit des Todes des Erblassers die **Voraussetzungen für die Scheidung** vorlagen und der Erblasser die Scheidung **beantragt oder ihr zugestimmt** hatte (§ 1933 S. 1 BGB). Gleiches gilt bei einem berechtigten und gestellten Aufhebungsantrag (S. 2). Der Ehegatte ist dann nur noch nach Maßgabe der §§ 1569 bis 1586b BGB **unterhaltsberechtigt** (S. 3). Entscheidend ist der Verfahrensstand **im Todeszeitpunkt** — eine bloß zerrüttete, aber formal fortbestehende Ehe ohne anhängigen Scheidungsantrag lässt das Erbrecht dagegen bestehen.

**Aktuelle Rechtsprechung.** Der BGH stellte mit Beschluss vom **01.04.2026 (XII ZB 647/24)** klar: Die Bestellung eines Betreuers mit dem Aufgabenkreis „Vertretung in Scheidungsverfahren" umfasst **nicht automatisch** die Entscheidung über die betreuungsgerichtliche **Genehmigung** des Scheidungsantrags. Fehlt diese Genehmigung, ist der vom Betreuer gestellte Scheidungsantrag im Sinne des § 1933 S. 1 BGB **nicht wirksam** — das gesetzliche Ehegattenerbrecht bleibt in diesem Fall erhalten.

## Häufige Fehler

- **„Der Ehegatte erbt immer die Hälfte."** Nur bei Zugewinngemeinschaft **neben Kindern** ergibt sich 1/2. Neben der zweiten Ordnung/Großeltern sind es 3/4, ohne Verwandte alles — bei Gütertrennung oder Gütergemeinschaft gelten wieder andere Werte.
- **„Bei Gütertrennung erbt der Ehegatte mehr."** Falsch — die pauschale Erhöhung um 1/4 gilt **nur** bei Zugewinngemeinschaft. Bei Gütertrennung bleibt es beim unerhöhten Erbteil, abgesichert nur durch die Gleichteilungsregel des § 1931 Abs. 4 BGB bei ein oder zwei Kindern.
- **„Das pauschale Viertel setzt einen echten Zugewinn voraus."** Falsch — § 1371 Abs. 1 BGB gewährt das Viertel **unabhängig** davon, ob tatsächlich ein Zugewinn erzielt wurde.
- **„Nach der Trennung erbt der Ehepartner nichts mehr."** Falsch — bloßes Getrenntleben genügt nicht. Das Erbrecht entfällt erst, wenn die Scheidungsvoraussetzungen vorliegen **und** ein Scheidungsantrag gestellt bzw. ihm zugestimmt wurde (§ 1933 BGB).
- **„Großer und kleiner Pflichtteil sind dasselbe."** Nein — der große Pflichtteil bemisst sich nach dem um das Viertel **erhöhten** Erbteil, der kleine nach dem **unerhöhten** Erbteil zzgl. konkretem Zugewinnausgleich (§ 1371 Abs. 2, 3 BGB).
- **„Unverheiratete oder nur kirchlich getraute Partner erben gesetzlich."** Falsch — nur die **zivilrechtlich wirksame** Ehe (oder eingetragene Lebenspartnerschaft) begründet das gesetzliche Erbrecht.



## Quellen

- § 1931 BGB – Gesetzliches Erbrecht des Ehegatten: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1931.html
- § 1371 BGB – Zugewinnausgleich im Todesfall: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1371.html
- § 1932 BGB – Voraus des Ehegatten: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1932.html
- § 1933 BGB – Ausschluss des Ehegattenerbrechts: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1933.html
- § 1924 BGB – Erben erster Ordnung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1924.html
- § 1926 BGB – Erben dritter Ordnung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1926.html
- § 2303 BGB – Pflichtteilsberechtigte; Höhe des Pflichtteils: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2303.html
- § 10 LPartG – Erbrecht: https://www.gesetze-im-internet.de/lpartg/__10.html
- § 1931 BGB (Normtext, verifiziert) – dejure.org: https://dejure.org/gesetze/BGB/1931.html
- § 1371 BGB (Normtext, verifiziert) – dejure.org: https://dejure.org/gesetze/BGB/1371.html
- § 1932 BGB (Normtext, verifiziert) – dejure.org: https://dejure.org/gesetze/BGB/1932.html
- § 1933 BGB (Normtext, verifiziert) – dejure.org: https://dejure.org/gesetze/BGB/1933.html
- BGH, Beschluss vom 01.04.2026 – XII ZB 647/24 (§ 1933 BGB): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=01.04.2026&Aktenzeichen=XII%20ZB%20647%2F24
- VO (EU) 650/2012 – Europäische Erbrechtsverordnung: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32012R0650

## Änderungsverlauf

- 2026-07-27: Erstveröffentlichung. Normtexte §§ 1931, 1932, 1933, 1371 BGB verbatim gegen dejure.org geprüft (gesetze-im-internet.de ist client-side gerendert); Quoten, Güterstand-Interaktion und Pflichtteilslösungen gegen §§ 1931, 1371, 2303 BGB verifiziert; aktuelle Rechtsprechung BGH 01.04.2026 – XII ZB 647/24 zu § 1933 BGB ergänzt. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-07-27
- Gültig ab: 1958-07-01 (Gleichberechtigungsgesetz: Zugewinngemeinschaft als gesetzlicher Güterstand und § 1371 BGB); § 1931 BGB im Kern seit BGB-Inkrafttreten 1900
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, LPartG, EU-VO; BGH)
- Lizenz: CC BY 4.0
