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title: Einspruch gegen den Vollstreckungsbescheid (§ 700 ZPO)
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topic: prozess-vollstreckungsrecht
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last_reviewed: 2026-08-06
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# Einspruch gegen den Vollstreckungsbescheid (§ 700 ZPO)

## Kurzantwort

Der **Vollstreckungsbescheid** steht einem für vorläufig vollstreckbar erklärten **Versäumnisurteil gleich** (§ 700 Abs. 1 ZPO). Der statthafte Rechtsbehelf dagegen ist deshalb der **Einspruch** – nicht mehr der Widerspruch. Der Einspruch ist **schriftlich** bei dem Gericht einzulegen, das den Vollstreckungsbescheid erlassen hat (Mahngericht), und zwar innerhalb der **Notfrist von zwei Wochen** ab Zustellung des Vollstreckungsbescheids (§ 339 Abs. 1, § 340 Abs. 1 ZPO). Eine **Begründung** ist für die Zulässigkeit nicht zwingend, sollte aber erfolgen (§ 340 Abs. 3 ZPO). Wird Einspruch eingelegt, **gibt das Gericht den Rechtsstreit von Amts wegen an das im Mahnbescheid bezeichnete Streitgericht ab** (§ 700 Abs. 3 ZPO); dort läuft das Verfahren nach Anspruchsbegründung wie ein normaler Zivilprozess (§§ 697, 700 Abs. 4 ZPO). **Wichtig:** Der Einspruch hat **keine aufschiebende Wirkung** – der Vollstreckungsbescheid ist ohne Sicherheitsleistung vorläufig vollstreckbar (§ 708 Nr. 2 ZPO), die Zwangsvollstreckung läuft also weiter. Der Schuldner kann aber die **einstweilige Einstellung** der Vollstreckung beantragen (§ 719 Abs. 1 i. V. m. § 707 ZPO). Ein **verspäteter Einspruch** wird als unzulässig verworfen (§ 341 ZPO); dann wird der Vollstreckungsbescheid **rechtskräftig**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsbehelf | **Einspruch** gegen den Vollstreckungsbescheid (§ 700 Abs. 1 ZPO i. V. m. §§ 338 ff. ZPO) |
| Grund | Der Vollstreckungsbescheid steht einem für **vorläufig vollstreckbar erklärten Versäumnisurteil gleich** (§ 700 Abs. 1 ZPO) |
| Frist | **Notfrist von zwei Wochen** ab Zustellung des Vollstreckungsbescheids (§ 339 Abs. 1 ZPO); bei Auslandszustellung mindestens ein Monat (§ 339 Abs. 2 ZPO) |
| Form | **Schriftlich** durch Einspruchsschrift bei dem Gericht, das den Vollstreckungsbescheid erlassen hat; Bezeichnung des Bescheids + Erklärung, dass Einspruch eingelegt wird (§ 340 Abs. 1, 2 ZPO) |
| Begründung | Für die **Zulässigkeit nicht erforderlich**; Angriffs- und Verteidigungsmittel *sollen* angegeben werden (§ 340 Abs. 3 ZPO) |
| Abgabe | Das Gericht gibt den Rechtsstreit **von Amts wegen** an das im Mahnbescheid bezeichnete **Streitgericht** ab (§ 700 Abs. 3 ZPO) |
| Weiteres Verfahren | Nach **Anspruchsbegründung** Fortgang wie nach Klageerhebung (§§ 697, 700 Abs. 4 ZPO) |
| Wirkung des Einspruchs | **Keine aufschiebende Wirkung** – der Vollstreckungsbescheid ist ohne Sicherheitsleistung vorläufig vollstreckbar (§ 708 Nr. 2 ZPO) |
| Vollstreckungsschutz | Einstweilige **Einstellung/Beschränkung** der Zwangsvollstreckung auf Antrag (§ 719 Abs. 1 i. V. m. § 707 ZPO), i. d. R. gegen Sicherheitsleistung |
| Verspäteter/formwidriger Einspruch | Wird als **unzulässig verworfen** (§ 341 Abs. 1 ZPO); der Vollstreckungsbescheid wird **rechtskräftig** |
| Fristversäumung ohne Verschulden | **Wiedereinsetzung in den vorigen Stand** möglich (§§ 233 ff. ZPO) |
| Anwalt | Vor dem **Amtsgericht** kein Anwaltszwang; vor dem **Landgericht** Anwaltszwang für das streitige Verfahren (§ 78 ZPO) |

## Warum Einspruch – und nicht Widerspruch (§ 700 Abs. 1 ZPO)

Im gerichtlichen Mahnverfahren gibt es zwei aufeinanderfolgende Rechtsbehelfe, die leicht verwechselt werden:

Gegen den **Mahnbescheid** ist der **Widerspruch** der richtige Rechtsbehelf (§ 694 ZPO). Erhebt der Antragsgegner nicht rechtzeitig Widerspruch, kann der Gläubiger den **Vollstreckungsbescheid** beantragen (§ 699 ZPO). Dieser ist ein **vollstreckbarer Titel**: Nach § 700 Abs. 1 ZPO steht er einem für **vorläufig vollstreckbar erklärten Versäumnisurteil gleich**. Deshalb gelten ab diesem Zeitpunkt die Regeln über das Versäumnisurteil (§§ 338 ff. ZPO) – der statthafte Rechtsbehelf ist jetzt der **Einspruch**, nicht mehr der Widerspruch.

Wer versehentlich „Widerspruch" gegen den Vollstreckungsbescheid einlegt, ist dadurch nicht rechtlos: Eine solche Erklärung wird nach ihrem erkennbaren Zweck als **Einspruch** ausgelegt und behandelt (§ 694 Abs. 2 ZPO für den verspäteten Widerspruch). Entscheidend ist der erkennbare Wille, sich gegen den Vollstreckungsbescheid zu wehren.

## Frist: die zwei Wochen als Notfrist (§ 339 ZPO)

Für den Einspruch gilt die **Notfrist von zwei Wochen** (§ 339 Abs. 1 ZPO). Sie beginnt mit der **Zustellung des Vollstreckungsbescheids** an den Schuldner. Bei einer im Ausland zu bewirkenden Zustellung beträgt die Frist **mindestens einen Monat**; das Gericht kann sie im Bescheid länger bestimmen (§ 339 Abs. 2 ZPO).

Als **Notfrist** ist die Zwei-Wochen-Frist nicht verlängerbar. Wird sie **ohne Verschulden** versäumt – etwa weil die Zustellung den Schuldner nachweislich nicht erreicht hat –, kommt eine **Wiedereinsetzung in den vorigen Stand** in Betracht (§§ 233 ff. ZPO). Der Antrag auf Wiedereinsetzung ist innerhalb von zwei Wochen nach Wegfall des Hindernisses zu stellen und die versäumte Einspruchshandlung nachzuholen. Aus Beweisgründen sollte der Einspruch **fristwahrend und nachweisbar** (z. B. per Fax mit Sendebericht oder Einwurf-Einschreiben) eingelegt werden.

## Form und Inhalt der Einspruchsschrift (§ 340 ZPO)

Der Einspruch wird durch Einreichung der **Einspruchsschrift** eingelegt (§ 340 Abs. 1 ZPO). Sie ist **schriftlich** bei dem Gericht einzureichen, das den Vollstreckungsbescheid erlassen hat (Mahngericht); dieses leitet die Sache anschließend weiter (§ 700 Abs. 3 ZPO).

Die Einspruchsschrift muss den **Vollstreckungsbescheid bezeichnen**, gegen den der Einspruch gerichtet wird, und die **Erklärung** enthalten, dass gegen diesen Bescheid Einspruch eingelegt wird (§ 340 Abs. 2 ZPO). Eine inhaltliche **Begründung ist für die Zulässigkeit nicht erforderlich**. § 340 Abs. 3 ZPO bestimmt allerdings, dass die zur Rechtfertigung dienenden **Angriffs- und Verteidigungsmittel** sowie Anträge **angegeben werden sollen** – das ist eine Soll-Vorschrift, deren Versäumung den Einspruch nicht unzulässig macht, im weiteren Verfahren aber zu einer Zurückweisung verspäteten Vorbringens führen kann.

## Nach dem Einspruch: Abgabe an das Streitgericht (§ 700 Abs. 3, 4 ZPO)

Wird Einspruch eingelegt, **gibt das Gericht, das den Vollstreckungsbescheid erlassen hat, den Rechtsstreit von Amts wegen ab** – an das im Mahnbescheid bezeichnete Gericht (§ 692 Abs. 1 Nr. 1 ZPO) oder an ein anderes Gericht, wenn die Parteien dies übereinstimmend beantragen (§ 700 Abs. 3 ZPO). Damit endet die automatisierte Phase des Mahnverfahrens.

Beim Streitgericht wird der Rechtsstreit **wie nach einer Klageerhebung** fortgeführt: Der Antragsteller (Gläubiger) muss seinen Anspruch **begründen** (Anspruchsbegründung, §§ 697, 700 Abs. 4 ZPO); solange keine Anspruchsbegründung vorliegt, kann in der Sache nicht verhandelt werden. Danach folgen Klageerwiderung, mündliche Verhandlung und Urteil.

Ist der Einspruch **zulässig**, wird der Prozess in die **Lage vor Eintritt der Säumnis zurückversetzt** (§ 342 ZPO): Über den Anspruch wird nun **streitig** verhandelt und entschieden. Das Gericht bestätigt den Vollstreckungsbescheid, hebt ihn auf oder ändert ihn ab – je nachdem, ob der Anspruch tatsächlich besteht.

## Wirkung des Einspruchs auf die Zwangsvollstreckung (§§ 708, 719 ZPO)

Der Einspruch hat **keine aufschiebende Wirkung**. Weil der Vollstreckungsbescheid einem für vorläufig vollstreckbar erklärten Versäumnisurteil gleichsteht (§ 700 Abs. 1 ZPO) und Versäumnisurteile **ohne Sicherheitsleistung vorläufig vollstreckbar** sind (§ 708 Nr. 2 ZPO), kann der Gläubiger **trotz** des Einspruchs weiter vollstrecken – etwa das Konto oder den Lohn pfänden lassen.

Um dies zu verhindern, kann der Schuldner die **einstweilige Einstellung oder Beschränkung** der Zwangsvollstreckung beantragen (§ 719 Abs. 1 i. V. m. § 707 ZPO). Das Gericht ordnet die Einstellung in der Regel **nur gegen Sicherheitsleistung** an; ohne Sicherheit kommt sie nur in Betracht, wenn der Vollstreckungsbescheid nicht in gesetzlicher Weise ergangen ist oder der Schuldner glaubhaft macht, dass ihn an der Versäumung kein Verschulden trifft (§ 719 Abs. 1 Satz 2, § 707 Abs. 1 ZPO). Der Einspruch allein stoppt die Vollstreckung also **nicht** – der Einstellungsantrag muss zusätzlich gestellt werden.

## Wenn kein (rechtzeitiger) Einspruch kommt

Wird **kein** oder ein **verspäteter** Einspruch eingelegt, prüft das Gericht die Zulässigkeit von Amts wegen und **verwirft** einen unzulässigen Einspruch durch Urteil (§ 341 Abs. 1 ZPO). Der Vollstreckungsbescheid wird dann **rechtskräftig**. Der titulierte Anspruch verjährt anschließend erst in **30 Jahren** (§ 197 Abs. 1 Nr. 3 BGB), und der Gläubiger kann bis dahin aus dem Titel vollstrecken. Deshalb ist es entscheidend, die Zwei-Wochen-Frist ernst zu nehmen und den Einspruch rechtzeitig einzulegen, wenn die Forderung ganz oder teilweise unberechtigt ist.

## Häufige Fehler

- **„Gegen den Vollstreckungsbescheid legt man Widerspruch ein."** Nein. Gegen den Mahnbescheid ist es der Widerspruch (§ 694 ZPO), gegen den Vollstreckungsbescheid der **Einspruch** (§ 700 Abs. 1 ZPO). Ein irrtümlich „Widerspruch" genannter Rechtsbehelf wird aber als Einspruch behandelt.
- **„Mit dem Einspruch stoppt die Zwangsvollstreckung automatisch."** Nein. Der Einspruch hat **keine aufschiebende Wirkung** (§ 708 Nr. 2 ZPO). Nötig ist ein zusätzlicher Antrag auf einstweilige Einstellung (§ 719 i. V. m. § 707 ZPO).
- **„Die Frist kann ich verlängern lassen."** Nein. Die Zwei-Wochen-Frist ist eine **Notfrist** (§ 339 Abs. 1 ZPO) und nicht verlängerbar. Nur bei unverschuldeter Versäumung hilft die **Wiedereinsetzung** (§§ 233 ff. ZPO).
- **„Der Einspruch muss ausführlich begründet werden, sonst ist er unwirksam."** Nein. Für die **Zulässigkeit** genügt die formgerechte, fristgemäße Erklärung (§ 340 Abs. 1, 2 ZPO); die Angabe der Angriffs- und Verteidigungsmittel ist eine **Soll**-Vorschrift (§ 340 Abs. 3 ZPO).
- **„Nach dem Einspruch ist die Sache erledigt."** Nein. Der Rechtsstreit wird an das **Streitgericht abgegeben** (§ 700 Abs. 3 ZPO) und dort nach Anspruchsbegründung **streitig** verhandelt (§§ 697, 342, 700 Abs. 4 ZPO).
- **„Ich brauche für den Einspruch immer einen Anwalt."** Vor dem **Amtsgericht** nicht; vor dem **Landgericht** besteht für das anschließende streitige Verfahren jedoch **Anwaltszwang** (§ 78 ZPO).

## Siehe auch

- [Vollstreckungsbescheid (§ 699 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/vollstreckungsbescheid-699-zpo.html)
- [Widerspruch gegen den Mahnbescheid (§ 694 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/widerspruch-mahnbescheid-694-zpo.html)
- [Gerichtliches Mahnverfahren (§§ 688 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/gerichtliches-mahnverfahren-688-zpo.html)
- [Versäumnisurteil (§§ 330 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/versaeumnisurteil-330-zpo.html)
- [Vollstreckungsabwehrklage (§ 767 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/vollstreckungsabwehrklage-767-zpo.html)
- [Verjährung von Forderungen (§§ 195, 199 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/verjaehrung-forderungen-195-199-bgb.html)

## Quellen

- § 338 ZPO – Einspruch gegen Versäumnisurteil (statthafter Rechtsbehelf): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__338.html
- § 339 ZPO – Einspruchsfrist (Notfrist von zwei Wochen; Auslandszustellung mind. ein Monat): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__339.html
- § 340 ZPO – Einspruchsschrift (Form, Bezeichnung des Bescheids, Soll-Angabe der Angriffs-/Verteidigungsmittel): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__340.html
- § 341 ZPO – Verwerfung des unzulässigen Einspruchs (Prüfung von Amts wegen): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__341.html
- § 342 ZPO – Wirkung des zulässigen Einspruchs (Zurückversetzung in die Lage vor der Säumnis): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__342.html
- § 700 ZPO – Einspruch gegen den Vollstreckungsbescheid (Abs. 1 Gleichstellung mit Versäumnisurteil, Abs. 3 Abgabe an das Streitgericht, Abs. 4 Fortgang nach Anspruchsbegründung): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__700.html
- § 708 ZPO – Vorläufige Vollstreckbarkeit ohne Sicherheitsleistung (Nr. 2: Versäumnisurteile): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__708.html
- § 719 ZPO – Einstweilige Einstellung bei Einspruch und Berufung (i. V. m. § 707 ZPO): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__719.html
- § 692 ZPO – Mahnbescheid (Abs. 1 Nr. 1: Bezeichnung des Streitgerichts für die Abgabe): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__692.html
- § 233 ZPO – Wiedereinsetzung in den vorigen Stand: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__233.html
- § 197 BGB – Dreißigjährige Verjährung rechtskräftig festgestellter/titulierter Ansprüche (Abs. 1 Nr. 3): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__197.html
- § 700 ZPO (dejure.org, Wortlaut + Rechtsprechung): https://dejure.org/gesetze/ZPO/700.html
- § 340 ZPO (dejure.org, Wortlaut + Rechtsprechung): https://dejure.org/gesetze/ZPO/340.html

## Änderungsverlauf

- 2026-08-06: Erstveröffentlichung der Faktenseite (§ 700 ZPO Einspruch gegen den Vollstreckungsbescheid), alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen (gesetze-im-internet.de) gegengeprüft, Wortlaut der §§ 339, 340, 341, 342, 700, 708 ZPO via WebSearch (allowed_domains gesetze-im-internet.de) belegt, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-08-06
- Status: aktuell (geltendes Recht; Einspruch gegen den Vollstreckungsbescheid nach § 700 ZPO)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
