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title: "Einziehungsklage gegen den Drittschuldner (§§ 835, 836, 840–843 ZPO)"
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last_reviewed: "2026-10-19"
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# Einziehungsklage gegen den Drittschuldner (§§ 835, 836, 840–843 ZPO)

## Kurzantwort

Ist eine Geldforderung des Schuldners gepfändet und dem Gläubiger **zur Einziehung überwiesen** (§ 835 Abs. 1 ZPO), darf der Gläubiger die Forderung beim **Drittschuldner** einziehen und notfalls **im eigenen Namen einklagen** (Einziehungs- oder Drittschuldnerklage). Klagt er, muss er dem Schuldner **gerichtlich den Streit verkünden** (**§ 841 ZPO**). **Verzögert** er die Beitreibung, haftet er dem Schuldner für den Schaden (**§ 842 ZPO**). Der Drittschuldner haftet seinerseits, wenn er die **Drittschuldnererklärung** nach § 840 Abs. 1 ZPO nicht abgibt (**§ 840 Abs. 2 Satz 2 ZPO**). Der Gläubiger kann auf seine Rechte aus Pfändung und Überweisung **verzichten**, ohne seinen Anspruch zu verlieren (**§ 843 ZPO**).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Voraussetzung | gepfändete Geldforderung, dem Gläubiger zur Einziehung überwiesen (§ 835 Abs. 1 ZPO) |
| Alternative | Überweisung an Zahlungs statt zum Nennwert – Gläubiger gilt, soweit die Forderung besteht, als befriedigt (§ 835 Abs. 2 ZPO) |
| Wirkung der Überweisung | ersetzt die förmlichen Erklärungen des Schuldners, von denen die Einziehungsberechtigung abhängt (§ 836 Abs. 1 ZPO) |
| Schutz des Drittschuldners | Überweisungsbeschluss gilt zu seinen Gunsten als rechtsbeständig, bis er aufgehoben ist und der Drittschuldner davon Kenntnis erlangt (§ 836 Abs. 2 ZPO) |
| Pflichten des Schuldners | Auskunft zur Geltendmachung der Forderung und Herausgabe der Urkunden; notfalls Auskunft zu Protokoll mit eidesstattlicher Versicherung (§ 836 Abs. 3 ZPO) |
| Drittschuldnererklärung | auf Verlangen binnen zwei Wochen ab Zustellung des Pfändungsbeschlusses (§ 840 Abs. 1 ZPO) |
| Haftung des Drittschuldners | für den Schaden aus der Nichterfüllung der Erklärungspflicht (§ 840 Abs. 2 Satz 2 ZPO) |
| Streitverkündung | Pflicht des klagenden Gläubigers gegenüber dem Schuldner – außer bei Zustellung im Ausland oder öffentlicher Zustellung (§ 841 ZPO) |
| Verzögerte Beitreibung | Gläubiger haftet dem Schuldner für den daraus entstehenden Schaden (§ 842 ZPO) |
| Verzicht | durch dem Schuldner und dem Drittschuldner zuzustellende Erklärung; der titulierte Anspruch bleibt bestehen (§ 843 ZPO) |

## Geltungsbereich

Die Vorschriften gelten für die **Zwangsvollstreckung in Geldforderungen** nach dem Untertitel „Zwangsvollstreckung in Forderungen und andere Vermögensrechte" der ZPO (§§ 828 ff. ZPO) – praktisch also nach jedem [Pfändungs- und Überweisungsbeschluss](https://nexvyra.de/fakten/pfaendungs-ueberweisungsbeschluss-829-835-zpo.html), etwa bei **Lohn-, Konto-, Miet- oder Werklohnforderungen**. Über **§ 846 ZPO** sind die §§ 841–843 ZPO auch auf die Pfändung von **Herausgabeansprüchen** anwendbar. Beteiligt sind drei Personen: der **Gläubiger** (Vollstreckungsgläubiger), der **Schuldner** (Inhaber der gepfändeten Forderung) und der **Drittschuldner** (wer die gepfändete Forderung an den Schuldner zu zahlen hat, z. B. Arbeitgeber, Bank, Mieter).

## Überweisung zur Einziehung (§§ 835, 836 ZPO)

Nach **§ 835 Abs. 1 ZPO** wird die gepfändete Geldforderung dem Gläubiger **nach seiner Wahl** zur **Einziehung** oder **an Zahlungs statt zum Nennwert** überwiesen. In der Praxis ist die Überweisung **zur Einziehung** der Regelfall: Der Schuldner bleibt Inhaber der Forderung, der Gläubiger erhält aber die Befugnis, sie im eigenen Namen geltend zu machen. Befriedigt ist er erst, wenn tatsächlich gezahlt wird. Bei der Überweisung **an Zahlungs statt** geht die Forderung dagegen auf den Gläubiger über, und er gilt – soweit die Forderung besteht – sofort als befriedigt (**§ 835 Abs. 2 ZPO**); das Ausfallrisiko trägt dann er.

Für **Kontoguthaben** natürlicher Personen gilt eine **Wartefrist**: Der Drittschuldner darf erst **einen Monat** nach Zustellung des Überweisungsbeschlusses an den Gläubiger leisten oder hinterlegen (**§ 835 Abs. 3 Satz 2 ZPO**); entsprechendes gilt für nicht wiederkehrend zahlbare Vergütungen für persönlich geleistete Arbeiten oder Dienste (**§ 835 Abs. 4 ZPO**).

**§ 836 ZPO** regelt die Wirkung: Die Überweisung **ersetzt die förmlichen Erklärungen** des Schuldners, die nach bürgerlichem Recht für die Einziehung nötig wären (Abs. 1). Zahlt der Drittschuldner auf einen zu Unrecht erlassenen Überweisungsbeschluss, ist er geschützt, bis der Beschluss **aufgehoben** und ihm die Aufhebung **bekannt** wird (Abs. 2). Der Schuldner muss dem Gläubiger die nötige **Auskunft** erteilen und die **Urkunden** herausgeben (Abs. 3 Satz 1). Verweigert er die Auskunft, muss er sie auf Antrag **zu Protokoll** geben und **an Eides statt versichern**; geladen wird er vom nach **§ 802e ZPO** zuständigen **Gerichtsvollzieher**, und die Vorschriften über die **Erzwingungshaft** (§§ 802g–802i ZPO) gelten entsprechend (Abs. 3 Sätze 2–4). Die Herausgabe der Urkunden kann der Gläubiger **im Wege der Zwangsvollstreckung** erwirken (Abs. 3 Satz 5).

## Vor der Klage: Drittschuldnererklärung (§ 840 ZPO)

Auf Verlangen des Gläubigers muss der Drittschuldner **binnen zwei Wochen** nach Zustellung des Pfändungsbeschlusses erklären, ob und inwieweit er die Forderung **anerkennt** und **zahlungsbereit** ist, ob **andere Personen** Ansprüche erheben, ob die Forderung **bereits für andere Gläubiger gepfändet** ist und – bei Kontopfändungen – ob eine Unpfändbarkeit nach § 907 ZPO festgesetzt wurde und ob es sich um ein **P-Konto** oder ein **Gemeinschaftskonto** handelt (**§ 840 Abs. 1 Nr. 1–5 ZPO**). Die Aufforderung muss **zusammen mit dem Pfändungsbeschluss** übermittelt werden (§ 840 Abs. 2 Satz 1 ZPO).

Die Erklärung dient dem Gläubiger als **Entscheidungsgrundlage**, ob sich eine Einziehungsklage lohnt. Der Drittschuldner **haftet** dem Gläubiger für den aus der **Nichterfüllung** entstehenden Schaden (**§ 840 Abs. 2 Satz 2 ZPO**). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist die Erklärungspflicht eine **Obliegenheit**, die **nicht eingeklagt** werden kann; ihre Verletzung löst nur die Schadensersatzpflicht aus (BGH, Urteil vom 17.04.1984 – IX ZR 153/83). Wer infolge einer unterbliebenen oder falschen Erklärung eine aussichtslose Einziehungsklage erhebt, kann deshalb die dadurch entstandenen Kosten als Schaden geltend machen. Einzelheiten zur Lohnpfändung: [Lohnpfändung – Pflichten des Arbeitgebers (§ 840 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/lohnpfaendung-arbeitgeberpflichten-840-zpo.html).

## Die Einziehungsklage und die Streitverkündung (§ 841 ZPO)

Zahlt der Drittschuldner nicht, klagt der Gläubiger die gepfändete Forderung **im eigenen Namen** gegen den Drittschuldner ein. Gegenstand des Prozesses ist die **Forderung des Schuldners gegen den Drittschuldner** – der Drittschuldner kann daher grundsätzlich die Einwendungen erheben, die ihm gegenüber dem Schuldner zustehen. Welches Gericht zuständig ist, richtet sich nach der **gepfändeten Forderung**; bei gepfändetem Arbeitseinkommen sind das in der Regel die **Arbeitsgerichte**.

**§ 841 ZPO** verpflichtet den klagenden Gläubiger, **dem Schuldner gerichtlich den Streit zu verkünden** – es sei denn, dafür wäre eine **Zustellung im Ausland** oder eine **öffentliche Zustellung** erforderlich. Der Schuldner soll so Gelegenheit erhalten, den Gläubiger mit seinem Wissen über die Forderung zu unterstützen. Für die Form gelten die allgemeinen Regeln der [Streitverkündung (§§ 72–74 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/streitverkuendung-72-zpo.html).

Haben **mehrere Gläubiger** dieselbe Forderung gepfändet, gelten ergänzend die Vorschriften über die mehrfache Pfändung, insbesondere die Klage nach **§ 856 ZPO** – siehe [Mehrfache Pfändung (§§ 853–856 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/mehrfache-pfaendung-hinterlegung-853-856-zpo.html).

## Pflicht zur zügigen Beitreibung (§ 842 ZPO)

Der Gläubiger, der die Beitreibung einer ihm zur Einziehung überwiesenen Forderung **verzögert**, **haftet dem Schuldner** für den daraus entstehenden Schaden (**§ 842 ZPO**). Hintergrund: Solange der Gläubiger die Forderung nicht einzieht, bleibt der Schuldner ihm gegenüber weiter verpflichtet, kann aber selbst nicht mehr über die gepfändete Forderung verfügen. Lässt der Gläubiger die Forderung etwa **verjähren** oder wartet, bis der Drittschuldner **zahlungsunfähig** ist, kann er sich schadensersatzpflichtig machen.

## Verzicht auf die Rechte aus Pfändung und Überweisung (§ 843 ZPO)

Lohnt sich die Einziehung nicht – etwa weil die Forderung nach der Drittschuldnererklärung nicht besteht –, kann der Gläubiger auf die durch Pfändung und Überweisung erworbenen Rechte **verzichten**, und zwar **unbeschadet seines Anspruchs** (**§ 843 Satz 1 ZPO**). Der titulierte Anspruch gegen den Schuldner bleibt also bestehen. Der Verzicht erfolgt durch eine **dem Schuldner zuzustellende Erklärung**; die Erklärung ist **auch dem Drittschuldner** zuzustellen (§ 843 Sätze 2 und 3 ZPO). Ein Verzicht ist häufig sinnvoll, um eine Haftung nach § 842 ZPO zu vermeiden.

## Ausnahmen

- **Keine Streitverkündungspflicht**, wenn die Streitverkündung eine **Zustellung im Ausland** oder eine **öffentliche Zustellung** erfordern würde (§ 841 ZPO).
- **Überweisung an Zahlungs statt:** Hier geht die Forderung auf den Gläubiger über; er gilt mit der Überweisung als befriedigt, soweit die Forderung besteht (§ 835 Abs. 2 ZPO). § 842 ZPO knüpft ausdrücklich an die Überweisung **zur Einziehung** an.
- **Wartefrist bei Konten** natürlicher Personen: Leistung an den Gläubiger erst **einen Monat** nach Zustellung des Überweisungsbeschlusses (§ 835 Abs. 3 Satz 2 ZPO).
- **Gutgläubige Zahlung:** Der Drittschuldner, der auf einen später aufgehobenen Überweisungsbeschluss zahlt, ist bis zur Kenntnis von der Aufhebung geschützt (§ 836 Abs. 2 ZPO).

## Beispiel

Gläubigerin G hat gegen S einen Titel über **8.000 Euro**. Sie lässt die Werklohnforderung des S gegen den Bauherrn D über **10.000 Euro** pfänden und sich **zur Einziehung** überweisen. Mit der Zustellung fordert sie D zur Drittschuldnererklärung auf. D erklärt innerhalb von zwei Wochen, er erkenne die Forderung nicht an, weil das Werk mangelhaft sei. G erhebt **im eigenen Namen Klage** gegen D auf Zahlung von 8.000 Euro und **verkündet S den Streit** (§ 841 ZPO); S muss ihr zuvor die **Rechnungen und den Bauvertrag** herausgeben (§ 836 Abs. 3 ZPO). Stellt sich heraus, dass D mangels Erklärung oder durch eine falsche Erklärung eine unnötige Klage verursacht hat, kommt eine Haftung des D nach § 840 Abs. 2 Satz 2 ZPO in Betracht. Würde G die Forderung dagegen jahrelang liegen lassen, bis sie verjährt ist, könnte S von ihr Schadensersatz nach § 842 ZPO verlangen. *(Fiktives Beispiel.)*

## Häufige Fehler

- **„Mit der Pfändung gehört die Forderung dem Gläubiger."** Nein. Bei der üblichen Überweisung **zur Einziehung** bleibt der Schuldner Inhaber; der Gläubiger ist nur **einziehungsbefugt** (§ 835 Abs. 1 ZPO). Nur die Überweisung **an Zahlungs statt** überträgt die Forderung (§ 835 Abs. 2 ZPO).
- **„Ich kann den Drittschuldner auf Abgabe der Drittschuldnererklärung verklagen."** Nein. Die Erklärung ist nach der BGH-Rechtsprechung nicht einklagbar; es bleibt der **Schadensersatzanspruch** nach § 840 Abs. 2 Satz 2 ZPO.
- **„Die Streitverkündung ist freiwillig."** Nein. § 841 ZPO macht sie zur **Pflicht** des klagenden Gläubigers – mit Ausnahme der Fälle von Auslands- oder öffentlicher Zustellung.
- **„Der Gläubiger kann sich mit der Einziehung beliebig Zeit lassen."** Nein. Wer die Beitreibung **verzögert**, haftet dem Schuldner nach **§ 842 ZPO**.
- **„Wer verzichtet, verliert seine Forderung."** Nein. Der Verzicht nach § 843 ZPO betrifft nur die Rechte aus Pfändung und Überweisung – **unbeschadet des Anspruchs** gegen den Schuldner.

## Siehe auch

- [Pfändungs- und Überweisungsbeschluss (§§ 829, 835 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/pfaendungs-ueberweisungsbeschluss-829-835-zpo.html)
- [Lohnpfändung – Pflichten des Arbeitgebers (§ 840 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/lohnpfaendung-arbeitgeberpflichten-840-zpo.html)
- [Mehrfache Pfändung – Hinterlegung und Klage gegen den Drittschuldner (§§ 853–856 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/mehrfache-pfaendung-hinterlegung-853-856-zpo.html)
- [Streitverkündung im Zivilprozess (§§ 72–74 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/streitverkuendung-72-zpo.html)
- [Kontopfändung – Ablauf und Schutz (§§ 829, 833a ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/kontopfaendung-ablauf-zpo.html)
- [Vorpfändung – vorläufiges Zahlungsverbot (§ 845 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/vorpfaendung-845-zpo.html)
- [Pfändung von Herausgabeansprüchen (§§ 846–849 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/pfaendung-herausgabeanspruch-846-zpo.html)
- [Hemmung und Neubeginn der Verjährung (§§ 203, 204, 212 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/verjaehrung-hemmung-neubeginn-204-212-bgb.html)

## Änderungsverlauf

- 2026-10-19 | Erstveröffentlichung. Wortlaut der §§ 836, 840, 843 ZPO am 2026-10-19 über die amtlichen Einzelnormseiten auf gesetze-im-internet.de abgerufen, §§ 835, 841, 842 ZPO über die dejure.org-Permalinks; Verweisung des § 846 ZPO auf §§ 841–843 über die dejure.org-Querverweise belegt. Beispiel fiktiv.

## Stand

- Stand: 2026-10-19
- Status: aktuell (geltendes Recht)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 836 ZPO – Wirkung der Überweisung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__836.html
- § 840 ZPO – Erklärungspflicht des Drittschuldners:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__840.html
- § 843 ZPO – Verzicht des Pfandgläubigers:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__843.html
- § 846 ZPO – Zwangsvollstreckung in Herausgabeansprüche (Verweis auf §§ 841–843):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__846.html
- BGH, Urteil vom 17.04.1984 – IX ZR 153/83 (Drittschuldnererklärung als nicht einklagbare Obliegenheit):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=IX+ZR+153%2F83

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-19
- Letzte Prüfung: 2026-10-19
- In Kraft seit: 2026-10-19
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
