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title: "Elektronischer Rechtsverkehr mit den Gerichten (§§ 130a, 130d ZPO)"
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# Elektronischer Rechtsverkehr mit den Gerichten (§§ 130a, 130d ZPO)

## Kurzantwort

Schriftsätze gehen heute nicht mehr per Fax oder Briefpost zu Gericht, sondern als **elektronisches Dokument**. **§ 130a ZPO** erlaubt das, **§ 130d ZPO** schreibt es vor: Wer als **Rechtsanwalt**, als **Behörde** oder als **juristische Person des öffentlichen Rechts** einen vorbereitenden Schriftsatz oder einen schriftlich einzureichenden Antrag einreicht, **muss** ihn als elektronisches Dokument übermitteln. Für die **Form** gibt es genau zwei zulässige Wege (**§ 130a Abs. 3 Satz 1 ZPO**): entweder eine **qualifizierte elektronische Signatur** der verantwortenden Person – oder die **einfache Signatur** der verantwortenden Person kombiniert mit der Einreichung auf einem **sicheren Übermittlungsweg**, etwa dem **besonderen elektronischen Anwaltspostfach (beA)** nach **§ 31a BRAO**. Eingegangen ist das Dokument, **sobald es auf der für den Empfang bestimmten Einrichtung des Gerichts gespeichert ist** (**§ 130a Abs. 5 ZPO**); der Absender erhält darüber eine **automatisierte Eingangsbestätigung**. Geht die elektronische Übermittlung **aus technischen Gründen vorübergehend** nicht, bleibt die Papiereinreichung zulässig – die vorübergehende Unmöglichkeit ist aber **bei der Ersatzeinreichung oder unverzüglich danach glaubhaft zu machen** (**§ 130d Sätze 2 und 3 ZPO**). Auf der Gerichtsseite ist die Digitalisierung ebenfalls angekommen: **§ 298a Abs. 1 ZPO** ordnet an, dass die **Prozessakten elektronisch geführt** werden; nach **§ 43 Abs. 2 EGZPO** dürfen Bund und Länder durch Rechtsverordnung nur noch **bis einschließlich 31. Dezember 2026** Papierakten anlegen lassen.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage Einreichung | § 130a ZPO (elektronisches Dokument; Verordnungsermächtigung) |
| Rechtsgrundlage Pflicht | § 130d ZPO (Nutzungspflicht für Rechtsanwälte und Behörden) |
| Wer ist verpflichtet | Rechtsanwälte, Behörden, juristische Personen des öffentlichen Rechts einschließlich ihrer Zusammenschlüsse (§ 130d Satz 1 ZPO) |
| Wer ist nicht verpflichtet | Privatpersonen und Unternehmen ohne anwaltliche Vertretung – sie dürfen, müssen aber nicht elektronisch einreichen (§ 130a Abs. 1 ZPO) |
| Formvariante 1 | qualifizierte elektronische Signatur der verantwortenden Person (§ 130a Abs. 3 Satz 1 Alt. 1 ZPO) |
| Formvariante 2 | einfache Signatur der verantwortenden Person plus Einreichung auf einem sicheren Übermittlungsweg (§ 130a Abs. 3 Satz 1 Alt. 2 ZPO) |
| Ausnahme von der Signaturpflicht | Anlagen, die vorbereitenden Schriftsätzen beigefügt sind (§ 130a Abs. 3 Satz 2 ZPO) |
| Sichere Übermittlungswege | beA nach §§ 31a, 31b BRAO und entsprechende gesetzlich errichtete Postfächer; Behördenpostfach; Postfach natürlicher/juristischer Personen nach Identifizierung (eBO); Postfach- und Versanddienst eines Nutzerkontos nach § 2 Abs. 5 OZG; weitere durch Rechtsverordnung festgelegte bundeseinheitliche Wege (§ 130a Abs. 4 Satz 1 Nr. 1–5 ZPO) |
| Eingangszeitpunkt | sobald das Dokument auf der für den Empfang bestimmten Einrichtung des Gerichts gespeichert ist (§ 130a Abs. 5 Satz 1 ZPO) |
| Eingangsbestätigung | automatisierte Bestätigung über den Zeitpunkt des Eingangs an den Absender (§ 130a Abs. 5 Satz 2 ZPO) |
| Dateiformat | PDF; zusätzlich TIFF, wenn bildliche Darstellungen in PDF nicht verlustfrei wiedergegeben werden können (§ 2 Abs. 1 ERVV) |
| Strukturdatensatz | XML-Datensatz soll beigefügt werden – mit Gericht, Aktenzeichen, Parteien, Verfahrensgegenstand (§ 2 Abs. 3 ERVV) |
| Nicht bearbeitbares Dokument | Gericht muss unverzüglich unter Hinweis auf die Unwirksamkeit mitteilen; Heilung rückwirkend, wenn unverzüglich in geeigneter Form nachgereicht und inhaltliche Übereinstimmung glaubhaft gemacht wird (§ 130a Abs. 6 ZPO) |
| Ersatzeinreichung | bei vorübergehender technischer Unmöglichkeit Papier zulässig; Glaubhaftmachung bei der Ersatzeinreichung oder unverzüglich danach; auf Anforderung elektronisches Dokument nachreichen (§ 130d Sätze 2, 3 ZPO) |
| Elektronische Zustellung | nur auf einem sicheren Übermittlungsweg (§ 173 Abs. 1 ZPO); Nachweis durch elektronisches Empfangsbekenntnis (§ 173 Abs. 3 ZPO) |
| Zustellfiktion für Nicht-Professionelle | Dokument gilt am vierten Tag nach dem in der automatisierten Eingangsbestätigung ausgewiesenen Tag als zugestellt (§ 173 Abs. 4 Satz 4 ZPO) |
| Elektronische Gerichtsakte | § 298a Abs. 1 ZPO – die Prozessakten werden elektronisch geführt |
| Übergangsrecht Papierakte | Rechtsverordnung von Bund/Ländern nur bis einschließlich 31. Dezember 2026 (§ 43 Abs. 2 Satz 1 EGZPO) |
| Übergangsrecht Verschlusssachen | Papierform bis 31. Dezember 2035 zulässig (§ 43 Abs. 1 EGZPO) |
| beA-Zugang | nur über ein sicheres Verfahren mit zwei voneinander unabhängigen Sicherungsmitteln (§ 31a Abs. 3 Satz 1 BRAO) |

## Wer muss elektronisch einreichen – und wer darf nur

**§ 130a Abs. 1 ZPO** öffnet den elektronischen Weg für alle: Vorbereitende Schriftsätze und deren Anlagen, schriftlich einzureichende Anträge und Erklärungen der Parteien sowie schriftlich einzureichende Auskünfte, Aussagen, Gutachten, Übersetzungen, Anträge und Erklärungen Dritter **können** als elektronische Dokumente bei Gericht eingereicht werden. Für Privatpersonen ist das ein **Angebot**, keine Pflicht – wer ohne Anwalt klagt, darf weiterhin Papier einreichen.

**§ 130d Satz 1 ZPO** macht daraus für drei Gruppen eine **Pflicht**. Vorbereitende Schriftsätze und deren Anlagen sowie schriftlich einzureichende Anträge und Erklärungen, die

- durch einen **Rechtsanwalt**,
- durch eine **Behörde** oder
- durch eine **juristische Person des öffentlichen Rechts** einschließlich der von ihr zur Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgaben gebildeten Zusammenschlüsse

eingereicht werden, **sind als elektronisches Dokument zu übermitteln**. Die Folge einer Missachtung ist hart: Ein per Fax oder Post eingereichter Anwaltsschriftsatz wahrt die Form **nicht** und damit auch keine Frist – das trifft in der Praxis vor allem Berufungs- und Berufungsbegründungsfristen.

## Die beiden zulässigen Formen

**§ 130a Abs. 3 Satz 1 ZPO** lässt genau zwei Wege zu. Das Dokument muss

1. **mit einer qualifizierten elektronischen Signatur der verantwortenden Person versehen sein** – dann ist der Übermittlungsweg gleichgültig; oder
2. **von der verantwortenden Person signiert und auf einem sicheren Übermittlungsweg eingereicht** werden.

Der zweite Weg ist der Regelfall der anwaltlichen Praxis: **einfache Signatur** plus **beA**. Die einfache Signatur ist die maschinenschriftliche Namenswiedergabe am Ende des Schriftsatzes. Der **BGH** hat dazu entschieden, dass diese Namenswiedergabe so entzifferbar sein muss, dass sie ohne Sonderwissen einer bestimmten verantwortlichen Person zugeordnet werden kann; die bloße Angabe „Rechtsanwalt" oder „Rechtsanwältin" ohne Namen genügt **nicht** (**BGH, Beschluss vom 07.09.2022 – XII ZB 215/22**).

Wichtig ist außerdem, **wer** absendet: Die einfache Signatur soll sicherstellen, dass die vom Übermittlungsweg ausgewiesene Person mit derjenigen identisch ist, die inhaltlich verantwortet. Versendet eine Kanzleikraft den Schriftsatz aus dem beA eines anderen Anwalts, passt das nicht zusammen.

**§ 130a Abs. 3 Satz 2 ZPO** nimmt **Anlagen** von der Signaturpflicht aus, wenn sie vorbereitenden Schriftsätzen beigefügt sind. Und **Satz 3** erlaubt es, einen **unterschriebenen** Antrag oder eine unterschriebene Erklärung einer Partei oder eines Dritten in ein elektronisches Dokument zu übertragen und durch den **Bevollmächtigten, den Vertreter oder den Beistand** zu übermitteln.

## Die sicheren Übermittlungswege im Einzelnen

**§ 130a Abs. 4 Satz 1 ZPO** zählt sie abschließend auf:

- **Nr. 1 – beA und gleichgestellte Postfächer:** der Weg zwischen den **besonderen elektronischen Anwaltspostfächern** nach **§§ 31a, 31b BRAO** oder einem entsprechenden, **auf gesetzlicher Grundlage errichteten** elektronischen Postfach und der elektronischen Poststelle des Gerichts. Darunter fallen etwa das Notar- und das Steuerberaterpostfach.
- **Nr. 2 – Behördenpostfach (beBPo):** der Weg zwischen einem nach Durchführung eines **Identifizierungsverfahrens** eingerichteten Postfach einer **Behörde** oder einer **juristischen Person des öffentlichen Rechts** und der elektronischen Poststelle des Gerichts.
- **Nr. 3 – eBO:** der Weg zwischen einem nach Identifizierung eingerichteten elektronischen Postfach einer **natürlichen oder juristischen Person** oder einer **sonstigen Vereinigung** und der elektronischen Poststelle des Gerichts. Das ist das **elektronische Bürger- und Organisationenpostfach**, über das auch Nicht-Anwälte rechtssicher einreichen können.
- **Nr. 4 – Nutzerkonto nach OZG:** der Weg über den nach Identifizierung genutzten **Postfach- und Versanddienst eines Nutzerkontos** im Sinne des **§ 2 Abs. 5 des Onlinezugangsgesetzes**.
- **Nr. 5 – weitere bundeseinheitliche Wege**, die durch Rechtsverordnung der Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrates festgelegt werden und bei denen **Authentizität, Integrität und Barrierefreiheit** gewährleistet sind.

Das Nähere zu den Wegen nach Nr. 2 bis 4 regelt die Rechtsverordnung nach **§ 130a Abs. 2 Satz 2 ZPO** – die **ERVV**.

Zum beA selbst bestimmt **§ 31a BRAO**: Die **Bundesrechtsanwaltskammer** richtet für jede im Gesamtverzeichnis eingetragene natürliche Person ein beA **empfangsbereit** ein (Abs. 1). Der Zugang ist nur über ein **sicheres Verfahren mit zwei voneinander unabhängigen Sicherungsmitteln** möglich (Abs. 3 Satz 1). Und der Postfachinhaber ist **verpflichtet**, die erforderlichen technischen Einrichtungen vorzuhalten sowie **Zustellungen und den Zugang von Mitteilungen zur Kenntnis zu nehmen** (Abs. 6).

## Technische Anforderungen: PDF, TIFF und der XML-Datensatz

**§ 130a Abs. 2 Satz 1 ZPO** verlangt, dass das elektronische Dokument **für die Bearbeitung durch das Gericht geeignet** sein muss. Was das konkret heißt, steht in der **Elektronischer-Rechtsverkehr-Verordnung (ERVV)**:

- **§ 2 Abs. 1 ERVV:** Das elektronische Dokument ist **im Dateiformat PDF** zu übermitteln. Können bildliche Darstellungen in PDF nicht **verlustfrei** wiedergegeben werden, darf zusätzlich **TIFF** übermittelt werden. Die Versionen sollen den nach § 5 Abs. 1 Nr. 1 ERVV bekanntgemachten entsprechen.
- **§ 2 Abs. 3 ERVV:** Dem Dokument **soll** ein strukturierter maschinenlesbarer Datensatz im Format **XML** beigefügt werden, der mindestens enthält: die **Bezeichnung des Gerichts**, sofern bekannt das **Aktenzeichen**, die **Bezeichnung der Parteien oder Verfahrensbeteiligten**, die **Angabe des Verfahrensgegenstandes** sowie, sofern bekannt, das Aktenzeichen eines denselben Gegenstand betreffenden Verfahrens und die aktenführende Stelle.
- **§ 5 Abs. 1 ERVV:** Die Bundesregierung macht die technischen Standards im **Bundesanzeiger** und auf **www.justiz.de** bekannt – darunter die zulässigen **PDF- und TIFF-Versionen**, die **XML-Schemadateien**, die **Höchstgrenzen für Anzahl und Volumen** elektronischer Dokumente, die zulässigen **physischen Datenträger** und die Einzelheiten der **Signaturanbringung**.

Praktische Konsequenz: Die konkreten Größen- und Seitenbegrenzungen stehen **nicht im Gesetz**, sondern in der jeweils geltenden **Bekanntmachung** – wer sie überschreitet, riskiert ein „nicht bearbeitbares" Dokument.

## Wenn das Dokument nicht bearbeitbar ist: § 130a Abs. 6 ZPO

**§ 130a Abs. 6 ZPO** enthält eine **Heilungsvorschrift**, die viele Fristsachen rettet. Ist ein elektronisches Dokument für das Gericht zur Bearbeitung **nicht geeignet**, ist dies dem Absender **unter Hinweis auf die Unwirksamkeit des Eingangs unverzüglich mitzuteilen**.

Das Dokument gilt dann **als zum Zeitpunkt der früheren Einreichung eingegangen**, wenn der Absender

- es **unverzüglich** in einer für das Gericht bearbeitbaren Form **nachreicht** und
- **glaubhaft macht**, dass es mit dem zuerst eingereichten Dokument **inhaltlich übereinstimmt**.

Beide Voraussetzungen müssen erfüllt sein. Die Rückwirkung tritt nicht automatisch ein – sie ist an das eigene unverzügliche Handeln des Absenders geknüpft.

## Ersatzeinreichung nach § 130d Sätze 2 und 3 ZPO

Ist die elektronische Übermittlung **aus technischen Gründen vorübergehend nicht möglich**, bleibt die Übermittlung **nach den allgemeinen Vorschriften** – also per Fax, Post oder Einwurf – zulässig (**§ 130d Satz 2 ZPO**). Drei Punkte entscheiden über den Erfolg:

1. **Technische Gründe.** Erfasst sind Störungen der Technik, nicht das Vergessen der beA-Karte oder eine fehlende Einrichtung des Postfachs.
2. **Vorübergehend.** Ein dauerhaftes Nichtvorhalten der Technik genügt nicht; § 31a Abs. 6 BRAO verpflichtet gerade dazu, die Einrichtungen vorzuhalten.
3. **Glaubhaftmachung bei der Ersatzeinreichung oder unverzüglich danach** (**§ 130d Satz 3 ZPO**). Der Nachweis gehört in denselben Schriftsatz oder unmittelbar hinterher – typischerweise als anwaltliche Versicherung mit Screenshots und Zeitangaben. Auf **Anforderung** des Gerichts ist zusätzlich ein **elektronisches Dokument nachzureichen**.

Wird die Glaubhaftmachung versäumt, bleibt die Papiereinreichung formunwirksam. Ist dadurch eine Frist verstrichen, führt der Weg nur noch über die **Wiedereinsetzung in den vorigen Stand**.

## Die Gegenrichtung: elektronische Zustellung nach § 173 ZPO

**§ 173 Abs. 1 ZPO** stellt klar: Ein elektronisches Dokument kann elektronisch **nur auf einem sicheren Übermittlungsweg** zugestellt werden.

**§ 173 Abs. 2 ZPO** verpflichtet zwei Gruppen, einen solchen Weg **zu eröffnen**:

- **Nr. 1:** Rechtsanwälte, **Notare**, **Gerichtsvollzieher**, **Steuerberater** sowie sonstige in **professioneller Eigenschaft** am Prozess beteiligte Personen, Vereinigungen und Organisationen, bei denen von einer **erhöhten Zuverlässigkeit** ausgegangen werden kann;
- **Nr. 2:** **Behörden, Körperschaften oder Anstalten des öffentlichen Rechts**.

Der Nachweis erfolgt durch ein **elektronisches Empfangsbekenntnis (eEB)**, das an das Gericht zu übermitteln ist; dafür ist der vom Gericht bereitgestellte **strukturierte Datensatz** zu verwenden (**§ 173 Abs. 3 ZPO**).

An **alle anderen** kann elektronisch nur zugestellt werden, wenn sie **zugestimmt** haben (**§ 173 Abs. 4 Satz 1 ZPO**). Die Zustimmung **gilt als erteilt**, sobald im jeweiligen Verfahren ein elektronisches Dokument auf einem sicheren Übermittlungsweg eingereicht wird (Satz 2). Dann greift eine **Zustellfiktion**: Das Dokument gilt am **vierten Tag** nach dem in der automatisierten Eingangsbestätigung ausgewiesenen Tag des Eingangs im eröffneten Postfach als zugestellt – es sei denn, der Empfänger weist nach, dass es **nicht** oder **später** zugegangen ist (Sätze 4 und 5).

## Die elektronische Gerichtsakte (§ 298a ZPO)

**§ 298a Abs. 1 Satz 1 ZPO** enthält heute keinen Vorbehalt mehr: **Die Prozessakten werden elektronisch geführt.** Bundesregierung und Landesregierungen bestimmen für ihren Bereich durch Rechtsverordnung die organisatorischen und technischen Rahmenbedingungen einschließlich der **Barrierefreiheit**.

Für Papier, das trotzdem eingeht, gilt **§ 298a Abs. 2 ZPO**: Es ist **nach dem Stand der Technik zur Ersetzung der Urschrift** in ein elektronisches Dokument zu übertragen (**ersetzendes Scannen**). Sicherzustellen ist die **bildliche und inhaltliche Übereinstimmung**; das Ergebnis erhält einen **Übertragungsnachweis**. Bei handschriftlich unterzeichneten **gerichtlichen** Schriftstücken ist dieser Nachweis mit einer **qualifizierten elektronischen Signatur des Urkundsbeamten der Geschäftsstelle** zu versehen. Die Papieroriginale dürfen **sechs Monate** nach der Übertragung vernichtet werden, soweit sie nicht rückgabepflichtig sind.

**§ 298a Abs. 3 ZPO** lässt Altakten unangetastet: In Papierform angelegte Akten **können** in Papierform weitergeführt werden; der Beginn einer elektronischen Weiterführung ist **aktenkundig** zu machen.

Das **Übergangsrecht** steht in **§ 43 EGZPO**:

- **Abs. 2 Satz 1:** Bund und Länder können durch Rechtsverordnung bestimmen, dass Akten **abweichend von § 298a Abs. 1 ZPO bis einschließlich 31. Dezember 2026** in Papierform angelegt sowie von anderer Stelle bis dahin übermittelte elektronische Akten in Papierform geführt oder weitergeführt werden. Die Bestimmung kann auf **einzelne Gerichte oder Verfahren** beschränkt werden.
- **Abs. 1:** Dokumente und Aktenteile, die als **Verschlusssache** eingestuft sind, dürfen abweichend von den §§ 130a bis 130d und 298a ZPO **bis zum 31. Dezember 2035** in Papierform erstellt, geführt und übermittelt werden.

## Gerichtliche Dokumente und elektronische Formulare

**§ 130b ZPO** regelt die Gegenrichtung der Signatur: Soweit das Gesetz dem **Richter**, dem **Rechtspfleger**, dem **Urkundsbeamten der Geschäftsstelle** oder dem **Gerichtsvollzieher** die handschriftliche Unterzeichnung vorschreibt, genügt die Aufzeichnung als elektronisches Dokument, wenn die verantwortenden Personen **am Ende des Dokuments ihren Namen hinzufügen** und das Dokument mit einer **qualifizierten elektronischen Signatur** versehen. Auch ein nach § 298a Abs. 2 ZPO übertragenes handschriftlich unterzeichnetes Schriftstück genügt dieser Form.

**§ 130c ZPO** erlaubt dem **Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz**, durch Rechtsverordnung **elektronische Formulare** einzuführen, deren Angaben ganz oder teilweise **strukturiert maschinenlesbar** zu übermitteln sind. Die Verordnung kann bestimmen, dass die Identifikation des Formularverwenders abweichend von § 130a Abs. 3 ZPO auch durch den **elektronischen Identitätsnachweis** nach § 18 PAuswG, § 12 eID-Karte-Gesetz oder § 78 Abs. 5 AufenthG erfolgen kann.

## Häufige Fehler

- **„Fax an das Gericht reicht weiterhin."** Für Anwälte und Behörden nein. **§ 130d Satz 1 ZPO** verlangt die elektronische Übermittlung; das Fax ist nur die **Ersatzeinreichung** bei vorübergehender technischer Unmöglichkeit – und nur mit Glaubhaftmachung nach Satz 3.
- **„Am Ende steht ja ‚Rechtsanwalt'."** Das genügt als einfache Signatur nicht. Die Namenswiedergabe muss die verantwortende Person **bestimmbar** machen (BGH, 07.09.2022 – XII ZB 215/22).
- **„Die qualifizierte Signatur brauche ich immer."** Nein. **§ 130a Abs. 3 Satz 1 ZPO** stellt beide Wege **gleichwertig** nebeneinander: qualifizierte Signatur **oder** einfache Signatur plus sicherer Übermittlungsweg.
- **„Der Eingang zählt erst, wenn das Gericht die Nachricht öffnet."** Nein. Nach **§ 130a Abs. 5 Satz 1 ZPO** ist das Dokument eingegangen, **sobald es auf der Empfangseinrichtung des Gerichts gespeichert** ist. Maßgeblich ist die automatisierte Eingangsbestätigung nach Satz 2 – nicht die Bearbeitung.
- **„Ein nicht lesbares PDF ist endgültig verloren."** Nicht zwingend. **§ 130a Abs. 6 ZPO** lässt die **Rückwirkung** zu, wenn unverzüglich in bearbeitbarer Form nachgereicht und die inhaltliche Übereinstimmung glaubhaft gemacht wird.
- **„Die Glaubhaftmachung kann ich später nachschieben."** Nein. **§ 130d Satz 3 ZPO** verlangt sie **bei der Ersatzeinreichung oder unverzüglich danach**.
- **„Als Privatperson muss ich jetzt auch elektronisch klagen."** Nein. **§ 130d ZPO** verpflichtet nur Rechtsanwälte, Behörden und juristische Personen des öffentlichen Rechts. Privatpersonen **können** über ein **eBO** oder ein **OZG-Nutzerkonto** einreichen (§ 130a Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 und 4 ZPO).
- **„Papierakten bei Gericht gibt es nicht mehr."** Differenzierter: **§ 298a Abs. 1 ZPO** ordnet die elektronische Aktenführung an, doch **§ 43 Abs. 2 EGZPO** lässt eine Verordnungslösung **bis einschließlich 31. Dezember 2026** zu, und **Altakten** dürfen nach **§ 298a Abs. 3 ZPO** in Papierform weitergeführt werden.

## Siehe auch

- [Zustellung im Zivilprozess (§§ 166 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/zustellung-zivilprozess-166-zpo.html)
- [Klageerhebung im Zivilprozess (§§ 253 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/klageerhebung-zivilprozess-253-zpo.html)
- [Gerichtliches Mahnverfahren (§§ 688 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/gerichtliches-mahnverfahren-688-zpo.html)
- [Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (§§ 233 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/wiedereinsetzung-vorigen-stand-233-zpo.html)
- [Prozessvollmacht (§§ 80–89 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/prozessvollmacht-80-89-zpo.html)
- [Anwaltszwang im Zivilprozess (§ 78 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/anwaltszwang-78-zpo.html)
- [Urkundenbeweis im Zivilprozess (§§ 415 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/urkundenbeweis-zivilprozess-415-zpo.html)
- [Videoverhandlung im Zivilprozess (§ 128a ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/videoverhandlung-128a-zpo.html)
- [Schriftliches Vorverfahren und Klageerwiderung (§§ 276, 277 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/schriftliches-vorverfahren-klageerwiderung-276-zpo.html)
- [Sofortige Beschwerde im Zivilprozess (§§ 567 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/sofortige-beschwerde-567-zpo.html)

## Änderungsverlauf

- 2026-09-19: Erstveröffentlichung der Faktenseite. Normtexte zu §§ 130a, 130b, 130c, 130d, 173 und 298a ZPO, § 43 EGZPO, §§ 2 und 5 ERVV sowie § 31a BRAO wortgetreu von den amtlichen Einzelnormseiten auf gesetze-im-internet.de über den In-App-Browser abgerufen (web_fetch liefert dort einen leeren JS-Body). Rechtsprechung über dejure.org-Permalink: BGH, 07.09.2022 – XII ZB 215/22. Wikidata-Q-IDs Q1327297 (Electronic Legal Transactions (Germany), dewiki-Sitelink „Elektronischer Rechtsverkehr (Deutschland)"), Q21043609 (Besonderes elektronisches Anwaltspostfach, dewiki-Sitelink, Kurzname „beA", Betreiber Bundesrechtsanwaltskammer) und Q206893 (Civil procedure code of Germany) auf wikidata.org verifiziert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-09-19
- Status: aktuell (geltendes Recht)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 130a ZPO – Elektronisches Dokument; Verordnungsermächtigung (Abs. 1 Einreichungsmöglichkeit, Abs. 2 Bearbeitungseignung, Abs. 3 qualifizierte bzw. einfache Signatur, Abs. 4 sichere Übermittlungswege, Abs. 5 Eingangszeitpunkt und automatisierte Bestätigung, Abs. 6 Heilung):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__130a.html
- § 130b ZPO – Gerichtliches elektronisches Dokument (Namenszusatz und qualifizierte elektronische Signatur):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__130b.html
- § 130c ZPO – Formulare; Verordnungsermächtigung (elektronische Formulare, strukturierte maschinenlesbare Übermittlung, eID-Identifikation):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__130c.html
- § 130d ZPO – Nutzungspflicht für Rechtsanwälte und Behörden (Satz 1 Pflicht, Satz 2 Ersatzeinreichung bei vorübergehender technischer Unmöglichkeit, Satz 3 Glaubhaftmachung und Nachreichung):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__130d.html
- § 173 ZPO – Zustellung von elektronischen Dokumenten (Abs. 1 sicherer Übermittlungsweg, Abs. 2 Eröffnungspflicht, Abs. 3 elektronisches Empfangsbekenntnis, Abs. 4 Zustimmung und Vier-Tages-Fiktion):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__173.html
- § 298a ZPO – Elektronische Akte; Verordnungsermächtigung (Abs. 1 elektronische Aktenführung, Abs. 2 ersetzendes Scannen und Sechs-Monats-Frist, Abs. 3 Altakten, Abs. 4 Standards):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__298a.html
- § 43 EGZPO – Übergangsregelung zum Gesetz zur Einführung der elektronischen Akte in der Justiz (Abs. 1 Verschlusssachen bis 31.12.2035, Abs. 2 Papierakte durch Rechtsverordnung bis einschließlich 31.12.2026):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpoeg/BJNR002440877.html
- § 2 ERVV – Anforderungen an elektronische Dokumente (Abs. 1 PDF, ergänzend TIFF; Abs. 3 XML-Strukturdatensatz mit Gericht, Aktenzeichen, Parteien und Verfahrensgegenstand):
  https://www.gesetze-im-internet.de/ervv/__2.html
- § 5 ERVV – Bekanntmachung technischer Standards (Dateiformatversionen, Schemadateien, Höchstgrenzen für Anzahl und Volumen, Datenträger, Signaturanbringung; Bundesanzeiger und www.justiz.de):
  https://www.gesetze-im-internet.de/ervv/__5.html
- § 31a BRAO – Besonderes elektronisches Anwaltspostfach (Abs. 1 empfangsbereite Einrichtung durch die BRAK, Abs. 3 Satz 1 zwei voneinander unabhängige Sicherungsmittel, Abs. 6 Pflicht zur Kenntnisnahme von Zustellungen):
  https://www.gesetze-im-internet.de/brao/__31a.html
- BGH, Beschluss vom 07.09.2022 – XII ZB 215/22 (einfache Signatur nach § 130a Abs. 3 Satz 1 Alt. 2 ZPO: maschinenschriftliche Namenswiedergabe am Ende des Schriftsatzes; „Rechtsanwalt" ohne Namen genügt nicht):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=XII+ZB+215%2F22

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-09-19
- Letzte Prüfung: 2026-09-19
- In Kraft seit: 2026-09-19
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
