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title: Erbausschlagung (§§ 1942-1957 BGB) – Frist, Form, Folgen
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# Erbausschlagung (§§ 1942-1957 BGB) – Frist, Form, Folgen

## Kurzantwort

Eine Erbschaft fällt mit dem Tod des Erblassers **automatisch** den Erben an (§ 1942 Abs. 1 BGB) — sie können sie aber innerhalb von **sechs Wochen** ab Kenntnis von Anfall und Berufungsgrund **ausschlagen** (§ 1944 BGB). Die Ausschlagung erfolgt durch **Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht** in **öffentlich beglaubigter Form** (§ 1945 BGB) — also entweder zur Niederschrift beim Nachlassgericht oder beim Notar mit Unterschriftsbeglaubigung. Lebt der Erblasser zuletzt im Ausland oder befindet sich der Ausschlagende im Ausland, verlängert sich die Frist auf **sechs Monate** (§ 1944 Abs. 3 BGB). Wird die Frist versäumt, gilt die Erbschaft als **angenommen** (§ 1943 BGB). Die Ausschlagung kann nur in engen Grenzen **angefochten** werden (§ 1954 BGB) — typischerweise bei Irrtum über die Überschuldung.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | §§ 1942-1957 BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Ausschlagungsfrist Inland | 6 Wochen [§ 1944 Abs. 1 BGB] |
| Ausschlagungsfrist Auslandsanknüpfung | 6 Monate [§ 1944 Abs. 3 BGB] |
| Fristbeginn | Kenntnis vom Anfall + Grund der Berufung [§ 1944 Abs. 2 BGB] |
| Form | Öffentlich beglaubigte Erklärung gegenüber Nachlassgericht [§ 1945 BGB] |
| Ort der Ausschlagung | Notariat oder Nachlassgericht (Niederschrift) |
| Kosten Ausschlagungserklärung (Nachlass 50.000 €) | ca. 165 € (KostO/GNotKG-Tabelle) |
| Wirkung der Ausschlagung | Anfall an den Nächstberufenen [§ 1953 BGB] |
| Fiktion bei verschwiegener Annahme | Annahme gilt als erklärt [§ 1943 BGB] |
| Folge für Pflichtteil | Erlischt grundsätzlich [§ 2306 BGB] |
| Sonderfall pflichtteilsähnliche Ansprüche | § 2306 BGB – Wahlrecht bei beschränkten Erbteilen |
| Anfechtung Ausschlagung | Möglich bei Irrtum, Drohung [§ 1954 BGB] |
| Anfechtungsfrist | 6 Wochen ab Wegfall des Irrtums |
| Minderjährige Erben | Familiengerichtliche Genehmigung bei Ausschlagung erforderlich [§ 1850 BGB] |
| Eltern als gesetzliche Vertreter | Ausschlagung im Namen des Kindes möglich, oft sinnvoll bei überschuldetem Nachlass |
| Erbenhaftung | Beschränkbar durch Nachlassverwaltung, Nachlassinsolvenz [§§ 1975 ff. BGB] |

## Geltungsbereich

§§ 1942 ff. BGB gelten für jeden Erbfall nach deutschem Recht. Bei Auslandsanknüpfung (Erbe oder Erblasser im Ausland) erweitert sich die Frist auf 6 Monate (§ 1944 Abs. 3 BGB). Adressat der Ausschlagungserklärung ist immer das **Nachlassgericht** am letzten Wohnsitz des Erblassers; bei Auslandswohnsitz kann § 343 FamFG zur Sonderzuständigkeit (AG Berlin-Schöneberg) führen. Wer ausgeschlagen hat, gilt als **nicht erbberechtigt** (§ 1953 Abs. 1 BGB) — Wirkung tritt rückwirkend zum Erbfall ein. An die Stelle des Ausschlagenden tritt der/die **Nächstberufene** — bei einem Kind, das ausschlägt, häufig die Enkel; bei Ausschlagung aller Verwandten erbt schließlich der Staat (§ 1936 BGB), sofern auch der Ehegatte ausschlägt.

## Wann lohnt sich Ausschlagung?

Die häufigsten Gründe:

**Überschuldung des Nachlasses.** Wenn die Schulden den Wert des Nachlasses übersteigen, haftet der Erbe **grundsätzlich** mit seinem **gesamten Privatvermögen** (§ 1922 BGB). Die persönliche Haftung lässt sich zwar durch Nachlassverwaltung oder Nachlassinsolvenz beschränken (§§ 1975 ff. BGB), aber die einfachste Lösung ist die Ausschlagung. Vorab: **Nachlassverzeichnis recherchieren** (Konten, Verbindlichkeiten, Verträge).

**Familiäre Konstellation.** Wenn der Erbe selbst hochbetagt ist und das Vermögen lieber direkt an die Kinder weitergeben möchte, kann Ausschlagung sinnvoll sein — der Erbteil fällt dann an die Kinder als Nachrückende.

**Vermeidung von Erbschaftsteuer.** Bei sehr großem Nachlass mit nahem Tod des Erben ist Ausschlagung zugunsten der Kinder steuerlich vorteilhaft (kleinere Erbschaft pro Person, mehr Freibeträge).

**Pflichtteilsstrategien.** § 2306 BGB ermöglicht bei beschränktem Erbteil (z. B. Vor-/Nacherbschaft, Vermächtnis, Testamentsvollstreckung) die Ausschlagung **mit Pflichtteilsanspruch** — strategischer Ausweg aus belasteten Erbteilen.

## Häufige Fehler

- **„Sechs-Wochen-Frist beginnt mit dem Tod."** Falsch — sie beginnt mit der **Kenntnis** vom Anfall **und** vom Grund der Berufung (§ 1944 Abs. 2 BGB). Wer ein verschollenes Testament erst nach Monaten zur Kenntnis nimmt, hat ab da 6 Wochen Zeit.
- **„Ich kann formlos zu Hause ausschlagen."** Falsch — § 1945 BGB verlangt öffentlich beglaubigte Form. Eine private Ausschlagungserklärung ist unwirksam.
- **„Wenn ich die Erbschaft nicht antrete, gilt sie als ausgeschlagen."** Falsch — § 1943 BGB normiert das **Gegenteil**: Schweigen über die Frist = Annahmefiktion.
- **„Ich kann selektiv einzelne Nachlassgegenstände ausschlagen."** Falsch — Ausschlagung ist **einheitlich** — entweder ganz oder gar nicht. Bei gemeinschaftlicher Erbschaft ist auch eine Beschränkung auf einen Anteil ausgeschlossen.
- **„Nach Ausschlagung kann ich nichts mehr verlangen."** Differenziert — der Pflichtteil entfällt grundsätzlich (§ 2306 BGB). Aber: bei beschränktem Erbteil (Vorerbschaft, Vermächtnis mit Belastung, Testamentsvollstreckung) kann nach Ausschlagung Pflichtteil verlangt werden.

## Quellen

- § 1942 BGB – Anfall der Erbschaft: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1942.html
- § 1943 BGB – Annahmefiktion: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1943.html
- § 1944 BGB – Ausschlagungsfrist: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1944.html
- § 1945 BGB – Form der Ausschlagung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1945.html
- § 1953 BGB – Wirkung der Ausschlagung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1953.html
- § 1954 BGB – Anfechtung der Ausschlagung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1954.html
- § 1850 BGB – Genehmigung bei Minderjährigen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1850.html
- § 2306 BGB – Pflichtteil bei beschränktem Erbteil: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2306.html
- §§ 1975 ff. BGB – Nachlassverwaltung und -insolvenz: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1975.html

## Änderungsverlauf

- 2026-06-21: Erstveröffentlichung. Quellen §§ 1942-1957 BGB, § 2306 BGB, § 1850 BGB verifiziert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-06-21
- Gültig ab: 1900-01-01 (BGB)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB)
- Lizenz: CC BY 4.0
