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title: "Erbfähigkeit (§ 1923 BGB) – wer Erbe werden kann: ungeborenes Kind, juristische Personen, gleichzeitiger Tod (§ 11 VerschG)"
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last_reviewed: "2026-09-18"
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# Erbfähigkeit (§ 1923 BGB) – wer Erbe werden kann: ungeborenes Kind, juristische Personen, gleichzeitiger Tod (§ 11 VerschG)

## Kurzantwort

**Erbe kann nur werden, wer zur Zeit des Erbfalls lebt** (§ 1923 Abs. 1 BGB). Die Erbfähigkeit ist damit die erste, vor allen Quoten- und Auslegungsfragen zu prüfende Voraussetzung – sie gilt gleichermaßen für die **gesetzliche** wie für die **gewillkürte** Erbfolge (Testament, Erbvertrag). Maßgeblich ist **eine juristische Sekunde nach dem Tod des Erblassers**: Wer den Erblasser auch nur um Augenblicke überlebt, wird Erbe – und vererbt das Erlangte sofort weiter. Wer vorher verstorben ist, fällt weg; an seine Stelle treten Ersatzerben, Abkömmlinge (§ 1924 Abs. 3 BGB) oder es kommt zur Anwachsung (§ 2094 BGB).

Zwei wichtige Erweiterungen und eine Beweisregel:

- **Ungeborenes Kind (nasciturus):** Wer zur Zeit des Erbfalls **noch nicht lebte, aber bereits gezeugt war**, gilt als **vor dem Erbfall geboren** (§ 1923 Abs. 2 BGB) – wird also rückwirkend Erbe, sobald es **lebend** geboren wird. Die Rechtsfähigkeit selbst beginnt erst mit der Vollendung der Geburt (§ 1 BGB).
- **Juristische Personen** (GmbH, AG, e. V., Stiftung, Gemeinde, Kirche) sind erbfähig, wenn sie im Zeitpunkt des Erbfalls **bereits bestehen**. Entsteht die juristische Person erst danach, ist ihre Einsetzung im Zweifel als **Nacherbeinsetzung** zu lesen (§ 2101 Abs. 2 BGB); für die vom Stifter durch Testament errichtete Stiftung gilt die **Rückwirkungsfiktion** des § 80 Abs. 2 Satz 2 BGB.
- **Gleichzeitiger Tod:** Lässt sich nicht beweisen, wer wen überlebt hat, wird **vermutet, dass alle gleichzeitig gestorben sind** (§ 11 VerschG) – dann beerbt keiner den anderen.

**Tiere können nicht Erben sein.** Versorgungswünsche für Haustiere werden über ein **Vermächtnis** (§§ 2147 ff. BGB) oder eine **Auflage** (§§ 1940, 2192 ff. BGB) zugunsten eines menschlichen oder juristischen Erben umgesetzt.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 1923 BGB – Erbfähigkeit [gesetze-im-internet.de] |
| Wortlaut Abs. 1 | „Erbe kann nur werden, wer zur Zeit des Erbfalls lebt." [§ 1923 Abs. 1 BGB] |
| Wortlaut Abs. 2 | „Wer zur Zeit des Erbfalls noch nicht lebte, aber bereits gezeugt war, gilt als vor dem Erbfall geboren." [§ 1923 Abs. 2 BGB] |
| Maßgeblicher Zeitpunkt | Erbfall = Tod des Erblassers (§ 1922 Abs. 1 BGB); es genügt ein Überleben um eine „juristische Sekunde" |
| Geltung | für gesetzliche und gewillkürte Erbfolge; zwingend, nicht abdingbar |
| Beginn der Rechtsfähigkeit | mit Vollendung der Geburt [§ 1 BGB] |
| Nasciturus | bei Erbfall bereits gezeugt → gilt als vor dem Erbfall geboren; Erbe wird er endgültig mit Lebendgeburt [§ 1923 Abs. 2 BGB] |
| Totgeburt | keine Erbfähigkeit – die Fiktion des § 1923 Abs. 2 BGB greift nur bei lebend geborenem Kind (§ 1 BGB) |
| Nach dem Erbfall gezeugtes Kind | nicht erbfähig; Einsetzung gilt im Zweifel als Nacherbeinsetzung [§ 2101 Abs. 1 BGB] |
| Juristische Personen | erbfähig, wenn zur Zeit des Erbfalls bestehend (GmbH, AG, e. V., Stiftung, Körperschaften des öffentlichen Rechts) |
| Erst später entstehende juristische Person | im Zweifel Nacherbe [§ 2101 Abs. 2 BGB] |
| Stiftung von Todes wegen | gilt für Zuwendungen des Stifters als schon vor dessen Tod entstanden, wenn sie erst nach dem Tod anerkannt wird [§ 80 Abs. 2 Satz 2 BGB] |
| Zwischenerbe bis zur Nacherbfolge | gesetzliche Erben sind Vorerben [§ 2105 Abs. 2 BGB] |
| Nacherbe | § 1923 BGB gilt entsprechend – der Nacherbe muss beim Erbfall (nicht erst beim Nacherbfall) leben oder gezeugt sein [§ 2108 Abs. 1 BGB] |
| Vermächtnisnehmer | bei Erbfall noch nicht gezeugt → Anfall mit der Geburt [§ 2178 BGB] |
| Gleichzeitiger Tod | widerlegbare Vermutung des gleichzeitigen Todes, wenn das Überleben nicht bewiesen werden kann [§ 11 VerschG] |
| Todeserklärung | begründet die Vermutung des Todes zum im Beschluss festgestellten Zeitpunkt [§ 9 Abs. 1 VerschG] |
| Regelfrist Todeserklärung | 10 Jahre nach dem Jahresende der letzten Nachricht; 5 Jahre, wenn der Verschollene 80 Jahre alt wäre; nicht vor dem Jahr, in dem er 25 würde [§ 3 VerschG] |
| Pflegschaft für das ungeborene Kind | § 1810 BGB (seit 01.01.2023; zuvor § 1912 BGB a. F.) – endet mit der Geburt |
| Pflegschaft für ungezeugten Nacherben | § 1882 BGB (seit 01.01.2023; zuvor § 1913 BGB a. F.) |
| Unterhalt der werdenden Mutter | angemessener Unterhalt aus dem Nachlass bzw. dem Erbteil des Kindes bis zur Entbindung [§ 1963 BGB] |
| Erbauseinandersetzung | ausgeschlossen, solange Erbteile wegen einer zu erwartenden Geburt unbestimmt sind [§ 2043 Abs. 1 BGB] |
| Erbschaftsteuer | Steuer entsteht bei Erwerb von Todes wegen mit dem Tod des Erblassers [§ 9 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG] |
| Tiere als Erben | nicht möglich – Lösung über Vermächtnis (§§ 2147 ff. BGB) oder Auflage (§§ 1940, 2192 ff. BGB) |

## Geltungsbereich

§ 1923 BGB steht an der Spitze des gesetzlichen Erbrechts und formuliert eine **Grundvoraussetzung jeder Erbfolge**. Die Norm beantwortet nicht die Frage, *wer* erben soll (das regeln §§ 1924 ff. BGB und die letztwillige Verfügung), sondern *wer überhaupt Erbe sein kann*. Sie ist **zwingend**: Ein Erblasser kann die Erbfähigkeit weder erweitern noch eine nicht erbfähige Person wirksam zum Erben einsetzen.

Mit dem Erbfall geht das Vermögen des Erblassers als Ganzes **im Wege der Gesamtrechtsnachfolge** auf den oder die Erben über (§ 1922 Abs. 1 BGB). Dieser Übergang setzt zwingend einen **Rechtsträger** voraus, der im Moment des Erbfalls existiert – sonst gäbe es für eine juristische Sekunde einen Nachlass ohne Inhaber. Genau das verhindert § 1923 BGB, ergänzt durch das Auffangerbrecht des Staates (§ 1936 BGB).

Der Text ist seit dem **Inkrafttreten des BGB am 01.01.1900 unverändert**. Praktisch bedeutsam geworden sind vor allem die Randbereiche: die Reproduktionsmedizin (Stichwort post-mortale Zeugung), die Nachlassabwicklung bei Unglücksfällen mit mehreren Todesopfern und die Frage, wie weit eine noch nicht existente Organisation bedacht werden kann.

## „Wer zur Zeit des Erbfalls lebt" – die juristische Sekunde

Die Erbfähigkeit wird auf den **Moment des Erbfalls** bezogen, also auf den Tod des Erblassers. Es genügt, dass der Erbe den Erblasser **um eine „juristische Sekunde" überlebt**. Wer wenige Minuten nach dem Erblasser stirbt, wird trotzdem Erbe – der Nachlass fällt ihm an und geht sogleich auf seine eigenen Erben über (**Erbeserben**). Für Angehörige hat das erhebliche Folgen: Die Erbschaft wandert in einen zweiten Nachlass, eine zweite Erbengemeinschaft entsteht, zwei Erbscheinsverfahren können nötig werden, und erbschaftsteuerlich liegen zwei Erwerbe vor.

**Todeszeitpunkt.** Wann der Tod eingetreten ist, ist eine medizinisch zu klärende Tatsachenfrage; im Zweifel maßgeblich ist der **irreversible Ausfall der Gesamtfunktion von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm** (Hirntod). Die Eintragung im **Sterberegister** (Personenstandsrecht) hat Beweisbedeutung, ist aber widerlegbar – siehe ausdrücklich § 9 Abs. 1 Satz 2 VerschG für den Fall der Todeserklärung.

**Wegfall vor dem Erbfall.** Ist der Bedachte vorverstorben, greifen der Reihe nach: ausdrücklich bestimmter **Ersatzerbe** (§ 2096 BGB), Auslegungsregel zugunsten der **Abkömmlinge** des Weggefallenen (§ 2069 BGB), im Übrigen **Anwachsung** bei den übrigen Erben (§§ 2094, 2095 BGB). In der gesetzlichen Erbfolge treten an die Stelle eines vorverstorbenen Kindes dessen Abkömmlinge (Repräsentation, § 1924 Abs. 3 BGB).

## Das ungeborene Kind (nasciturus) – § 1923 Abs. 2 BGB

Die **Rechtsfähigkeit** eines Menschen beginnt erst mit der **Vollendung der Geburt** (§ 1 BGB). Ohne Sonderregel könnte ein Kind, das beim Tod des Vaters noch im Mutterleib ist, nicht erben. § 1923 Abs. 2 BGB durchbricht das: Wer zur Zeit des Erbfalls **bereits gezeugt** war, **gilt als vor dem Erbfall geboren**.

**Voraussetzungen.** Erstens muss die Zeugung (Befruchtung) **vor** dem Erbfall erfolgt sein. Zweitens muss das Kind **lebend geboren** werden – erst dann tritt die Fiktion endgültig ein. Bei einer **Totgeburt** bleibt es bei § 1 BGB: Das Kind ist nie rechtsfähig geworden und war nie Erbe; die Erbteile der übrigen Erben werden entsprechend berechnet. Die Lebensdauer nach der Geburt spielt keine Rolle – auch ein Kind, das nur wenige Minuten lebt, wird Erbe und vererbt seinerseits.

**Rechtsfolge im Schwebezustand.** Zwischen Erbfall und Geburt ist die Erbfolge **vorläufig ungewiss**. Das Gesetz reagiert darauf an mehreren Stellen:

- **Pflegschaft für das ungeborene Kind** – zur Wahrung seiner künftigen Rechte kann ein Pfleger bestellt werden, wenn die Eltern an der Ausübung der elterlichen Sorge verhindert wären, wäre das Kind bereits geboren; die Pflegschaft **endet mit der Geburt** (§ 1810 BGB; bis 31.12.2022 § 1912 BGB a. F.).
- **Unterhalt der werdenden Mutter** – kann sie sich nicht selbst unterhalten, verlangt sie bis zur Entbindung angemessenen Unterhalt aus dem Nachlass oder aus dem Erbteil des Kindes; bei der Bemessung ist anzunehmen, dass **nur ein Kind** geboren wird (§ 1963 BGB).
- **Sperre der Auseinandersetzung** – soweit die Erbteile wegen der zu erwartenden Geburt eines Miterben noch unbestimmt sind, ist die Erbauseinandersetzung **ausgeschlossen** (§ 2043 Abs. 1 BGB).

**Pflichtteil.** Über § 1923 Abs. 2 BGB ist der nasciturus auch **pflichtteilsberechtigt** (§ 2303 Abs. 1 BGB), wenn er durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen wurde. Wird ein Pflichtteilsberechtigter erst nach Errichtung des Testaments geboren und war er dem Erblasser unbekannt, kommt zudem die **Anfechtung wegen Übergehung eines Pflichtteilsberechtigten** in Betracht (§ 2079 BGB).

## Post-mortal gezeugte Kinder

**Entscheidend ist die Zeugung, nicht die Elternschaft.** Ein Kind, das erst **nach** dem Erbfall gezeugt wird – etwa durch künstliche Befruchtung mit kryokonserviertem Samen des Verstorbenen –, erfüllt § 1923 BGB **nicht**: Es lebte beim Erbfall nicht und war auch nicht gezeugt. Es wird daher weder gesetzlicher Erbe noch pflichtteilsberechtigt.

Der Erblasser kann ein solches Kind aber **testamentarisch bedenken**: Die Einsetzung einer zur Zeit des Erbfalls **noch nicht gezeugten Person** ist im Zweifel als **Nacherbeinsetzung** zu verstehen (§ 2101 Abs. 1 Satz 1 BGB). Entspricht eine Nacherbenstellung nicht dem Willen des Erblassers, ist die Einsetzung **unwirksam** (§ 2101 Abs. 1 Satz 2 BGB). Bis zum Eintritt der Nacherbfolge sind die **gesetzlichen Erben Vorerben** (§ 2105 Abs. 2 BGB); für den noch nicht gezeugten Nacherben kann ein **Pfleger** bestellt werden (§ 1882 BGB, bis 31.12.2022 § 1913 BGB a. F.).

Als **Vermächtnisnehmer** kann eine beim Erbfall noch nicht gezeugte Person unmittelbar bedacht werden; das Vermächtnis **fällt dann mit der Geburt an** (§ 2178 BGB). Das ist der praktisch einfachere Weg, wenn es nur um einen bestimmten Gegenstand oder Geldbetrag geht.

Zu beachten ist, dass die **post-mortale Verwendung von Keimzellen** nach § 4 Abs. 1 Nr. 3 Embryonenschutzgesetz strafbewehrt ist; erbrechtlich ändert das an der Stellung eines gleichwohl geborenen Kindes nichts – § 1923 BGB stellt allein auf den Zeitpunkt der Zeugung ab.

## Juristische Personen und andere Organisationen als Erben

**Bestehende juristische Personen sind erbfähig.** GmbH, AG, eingetragener Verein, rechtsfähige Stiftung, Gemeinde, Land, Kirche, Universität, Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts können Erbe sein, sofern sie **im Zeitpunkt des Erbfalls rechtlich existieren**. Gleiches gilt für die rechtsfähige **Personengesellschaft** (OHG, KG, eingetragene GbR).

**Noch nicht entstandene Organisationen.** Wird eine juristische Person eingesetzt, die **erst nach dem Erbfall** zur Entstehung gelangt, ist im Zweifel eine **Nacherbeinsetzung** anzunehmen (§ 2101 Abs. 2 BGB). Die Ausnahme ist die **Stiftung von Todes wegen**: Wird die vom Stifter durch Testament errichtete Stiftung erst nach seinem Tod anerkannt, **gilt sie für Zuwendungen des Stifters als schon vor dessen Tod entstanden** (§ 80 Abs. 2 Satz 2 BGB, ausdrücklich vorbehalten in § 2101 Abs. 2 Halbsatz 2 BGB). Sie wird damit **Vollerbin**, nicht Nacherbin. Solange die Anerkennungsentscheidung aussteht, ist die Erbauseinandersetzung nach § 2043 Abs. 2 BGB gesperrt.

**Nicht erbfähig** sind demgegenüber bloße **Sachgesamtheiten und Zwecke ohne Rechtsträger** („mein Vermögen soll der Krebsforschung zugutekommen") sowie **Tiere**. In beiden Fällen wird die Zuwendung durch Auslegung in ein **Vermächtnis** oder eine **Auflage** zugunsten eines erbfähigen Trägers umgedeutet – etwa eine Zuwendung an einen bestehenden Tierschutzverein mit der Auflage, das Haustier zu versorgen (§§ 1940, 2192 ff. BGB).

## Gleichzeitiger Tod und Verschollenheit

**Kommorientenvermutung (§ 11 VerschG).** Sterben mehrere Menschen bei demselben Ereignis – Verkehrsunfall, Brand, Flugzeugabsturz – und **kann nicht bewiesen werden, dass der eine den anderen überlebt hat**, so wird **vermutet, dass sie gleichzeitig gestorben sind**. Folge: **Keiner beerbt den anderen.** Jeder Nachlass wird getrennt nach den jeweils eigenen Erben abgewickelt. Die Vermutung ist **widerlegbar** – wer ein Überleben behauptet, trägt dafür die **volle Beweislast**.

Für Ehegatten mit **Berliner Testament** ist das der Grund für die übliche **Katastrophen- oder Simultanklausel**: Sie bestimmt ausdrücklich, wer erben soll, wenn beide Partner gleichzeitig oder kurz nacheinander versterben. Ohne eine solche Klausel kann die Einheitslösung des § 2269 BGB bei gleichzeitigem Tod ins Leere laufen.

**Verschollenheit und Todeserklärung.** **Verschollen** ist, wessen Aufenthalt während längerer Zeit unbekannt ist, ohne dass Nachrichten über sein Fortleben vorliegen, sofern dadurch ernstliche Zweifel am Fortleben begründet werden (§ 1 Abs. 1 VerschG). Ein Verschollener kann im **Aufgebotsverfahren für tot erklärt** werden (§ 2 VerschG). Die Regelfrist beträgt **zehn Jahre** nach dem Ende des Jahres, in dem er nach den vorhandenen Nachrichten noch gelebt hat, bzw. **fünf Jahre**, wenn er zur Zeit der Todeserklärung 80 Jahre alt wäre; vor dem Ende des Jahres, in dem er 25 geworden wäre, ist die Todeserklärung ausgeschlossen (§ 3 VerschG). Kürzere Sonderfristen gelten u. a. für Kriegs-, Schiffs-, Luftfahrt- und Gefahrverschollenheit (§§ 4–7 VerschG).

Die **Todeserklärung begründet die Vermutung**, dass der Verschollene im festgestellten Zeitpunkt gestorben ist (§ 9 Abs. 1 VerschG). Festzustellen ist der **wahrscheinlichste** Zeitpunkt; lässt er sich nicht angeben, greifen die gestaffelten Ersatzzeitpunkte des § 9 Abs. 3 VerschG. Ist die Todeszeit nur dem Tag nach festgestellt, gilt das **Ende des Tages** (§ 9 Abs. 4 VerschG) – ein für die Reihenfolge mehrerer Todesfälle oft entscheidendes Detail.

## Auswirkungen auf Erbschein, Nachlassverfahren und Steuer

**Erbschein.** Steht die Erbfähigkeit noch nicht fest – etwa weil die Geburt eines Miterben erwartet wird –, kann ein Erbschein die endgültigen Quoten noch nicht ausweisen. In der Praxis wird der Antrag bis zur Geburt zurückgestellt oder der Nachlass zunächst durch **Nachlasspflegschaft** (§ 1960 BGB) gesichert.

**Erbauseinandersetzung.** § 2043 BGB sperrt die Teilung, solange die Erbteile wegen einer erwarteten Geburt, eines laufenden Adoptionsverfahrens oder einer ausstehenden Stiftungsanerkennung unbestimmt sind.

**Erbschaftsteuer.** Die Steuer entsteht bei Erwerben von Todes wegen **mit dem Tod des Erblassers** (§ 9 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG) – auch beim nasciturus, dessen Erwerb über die Fiktion des § 1923 Abs. 2 BGB auf den Erbfall zurückbezogen wird. Beim **Nacherben** entsteht die Steuer dagegen erst mit dem Eintritt der Nacherbfolge (§ 9 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. h ErbStG). Beim Tod kurz nacheinander verstorbener Personen liegen **zwei steuerpflichtige Erwerbe** vor; Erleichterungen kann § 27 ErbStG (Steuerermäßigung bei mehrfachem Erwerb desselben Vermögens innerhalb von zehn Jahren) bringen.

## Häufige Fehler

- **„Mein ungeborenes Kind erbt noch nicht."** Doch – ein beim Erbfall **bereits gezeugtes** Kind gilt als vor dem Erbfall geboren (§ 1923 Abs. 2 BGB) und wird mit der Lebendgeburt rückwirkend Erbe und Pflichtteilsberechtigter.
- **„Bei einem gemeinsamen Unfall erbt der Ehepartner, der später gestorben ist."** Nur, wenn sich das **beweisen** lässt. Gelingt der Beweis nicht, wird gleichzeitiger Tod vermutet (§ 11 VerschG) – dann beerbt keiner den anderen.
- **„Ein Kind, das nur eine Stunde gelebt hat, kann nicht erben."** Falsch – entscheidend ist allein die **Lebendgeburt**. Das Kind wird Erbe und vererbt das Erlangte sofort an seine eigenen Erben weiter.
- **„Ich setze mein Haustier als Erben ein."** Nicht möglich. Tiere sind nicht erbfähig; der Wunsch wird über ein **Vermächtnis** oder eine **Auflage** zugunsten einer erbfähigen Person oder Organisation umgesetzt (§§ 1940, 2147 ff., 2192 ff. BGB).
- **„Meine künftigen Enkel setze ich einfach als Erben ein."** Bei Erbfall noch nicht gezeugte Personen sind nicht erbfähig; die Einsetzung gilt im Zweifel als **Nacherbeinsetzung** (§ 2101 Abs. 1 BGB) – mit den gesetzlichen Erben als Vorerben (§ 2105 Abs. 2 BGB). Als **Vermächtnisnehmer** ist der Weg einfacher (§ 2178 BGB).
- **„Die Stiftung, die ich im Testament gründe, existiert beim Erbfall noch nicht – also kann sie nicht erben."** Sie kann: Wird sie erst nach dem Tod anerkannt, gilt sie für Zuwendungen des Stifters als **schon vor dessen Tod entstanden** (§ 80 Abs. 2 Satz 2 BGB).
- **„Ein Kind, das nach meinem Tod mit eingefrorenen Samenzellen gezeugt wird, ist mein gesetzlicher Erbe."** Nein – § 1923 BGB stellt auf die Zeugung **vor** dem Erbfall ab. Nur eine testamentarische Nacherbeinsetzung (§ 2101 BGB) oder ein Vermächtnis (§ 2178 BGB) kommen in Betracht.
- **„Pflegschaft für das Ungeborene steht in § 1912 BGB."** Diese Vorschrift ist seit dem 01.01.2023 aufgehoben; die Pflegschaft für ein ungeborenes Kind regelt nun **§ 1810 BGB**, die für unbekannte Beteiligte und ungezeugte Nacherben **§ 1882 BGB**.

## Änderungsverlauf

- 2026-09-18: Erstveröffentlichung der Faktenseite. Wortlaut von § 1923 BGB, § 1 BGB, §§ 2101, 2105, 2108, 2178, 2043, 1963, 1810, 1882, 80 Abs. 2 BGB sowie §§ 1–4, 9, 11 VerschG und § 9 ErbStG unmittelbar gegen gesetze-im-internet.de verifiziert. Hinweis aufgenommen, dass §§ 1912, 1913 BGB a. F. seit 01.01.2023 durch §§ 1810, 1882 BGB ersetzt sind. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Quellen

- § 1923 BGB – Erbfähigkeit:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1923.html
- § 1 BGB – Beginn der Rechtsfähigkeit:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1.html
- § 1922 BGB – Gesamtrechtsnachfolge:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1922.html
- § 1810 BGB – Pflegschaft für ein ungeborenes Kind (seit 01.01.2023; zuvor § 1912 BGB a. F.):
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1810.html
- § 1882 BGB – Pflegschaft für unbekannte Beteiligte und ungezeugte Nacherben (seit 01.01.2023; zuvor § 1913 BGB a. F.):
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1882.html
- § 1963 BGB – Unterhalt der werdenden Mutter eines Erben:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1963.html
- § 2043 BGB – Aufschub der Auseinandersetzung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2043.html
- § 2101 BGB – Noch nicht gezeugter Nacherbe; noch nicht entstandene juristische Person:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2101.html
- § 2105 BGB – Gesetzliche Erben als Vorerben:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2105.html
- § 2108 BGB – Erbfähigkeit des Nacherben; Vererblichkeit des Nacherbrechts:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2108.html
- § 2178 BGB – Anfall bei einem noch nicht erzeugten oder bestimmten Bedachten:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2178.html
- § 80 BGB – Ausgestaltung und Entstehung der Stiftung (Abs. 2 Satz 2: Rückwirkungsfiktion):
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__80.html
- § 1 VerschG – Begriff der Verschollenheit:
  https://www.gesetze-im-internet.de/verschg/__1.html
- § 2 VerschG – Todeserklärung im Aufgebotsverfahren:
  https://www.gesetze-im-internet.de/verschg/__2.html
- § 3 VerschG – Allgemeine Verschollenheit, Fristen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/verschg/__3.html
- § 9 VerschG – Wirkung der Todeserklärung, Feststellung des Todeszeitpunkts:
  https://www.gesetze-im-internet.de/verschg/__9.html
- § 11 VerschG – Kommorientenvermutung (gleichzeitiger Tod):
  https://www.gesetze-im-internet.de/verschg/__11.html
- § 9 ErbStG – Entstehung der Steuer:
  https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__9.html
- § 4 ESchG – Eigenmächtige Befruchtung und Übertragung (post-mortale Verwendung von Samenzellen):
  https://www.gesetze-im-internet.de/eschg/__4.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-09-18
- Letzte Prüfung: 2026-09-18
- In Kraft seit: 1900-01-01
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
