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title: "Erbrecht von Eltern und Geschwistern (§ 1925 BGB) – Erben zweiter Ordnung, Halbgeschwister, Ehegatte, Pflichtteil und Steuer"
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# Erbrecht von Eltern und Geschwistern (§ 1925 BGB) – Erben zweiter Ordnung, Halbgeschwister, Ehegatte, Pflichtteil und Steuer

## Kurzantwort

Hinterlässt der Erblasser **keine Abkömmlinge** (Kinder, Enkel, Urenkel) und **kein Testament**, erben die **Erben zweiter Ordnung**: die **Eltern** des Erblassers und deren Abkömmlinge, also **Geschwister, Nichten und Neffen** (§ 1925 Abs. 1 BGB). Leben beide Eltern, erben sie **allein und zu gleichen Teilen** (§ 1925 Abs. 2 BGB) – Geschwister gehen dann leer aus. Ist ein Elternteil vorverstorben, treten **seine** Abkömmlinge an seine Stelle; gibt es keine, erbt der überlebende Elternteil allein (§ 1925 Abs. 3 BGB). **Halbgeschwister** erben deshalb nur über den gemeinsamen Elternteil. Ein überlebender **Ehegatte** erhält neben Erben zweiter Ordnung die **Hälfte** (§ 1931 Abs. 1 BGB), im gesetzlichen Güterstand zuzüglich eines Viertels, also **drei Viertel** (§ 1371 Abs. 1 BGB), sowie den vollen **Voraus** (§ 1932 BGB). **Geschwister haben keinen Pflichtteil**; Eltern nur, wenn keine Abkömmlinge vorhanden sind (§§ 2303 Abs. 2, 2309 BGB). Erbschaftsteuerlich gehören Eltern beim Erbfall zur **Steuerklasse I** (Freibetrag 100.000 €), Geschwister, Nichten und Neffen zur **Steuerklasse II** (Freibetrag 20.000 €).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 1925 BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Erben zweiter Ordnung | Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge [§ 1925 Abs. 1 BGB] |
| Voraussetzung | Kein Verwandter der ersten Ordnung (Abkömmling) vorhanden [§ 1930 BGB] |
| Beide Eltern leben | Eltern erben allein, je zur Hälfte [§ 1925 Abs. 2 BGB] |
| Ein Elternteil vorverstorben | Dessen Abkömmlinge treten nach den Regeln der ersten Ordnung an seine Stelle [§ 1925 Abs. 3 S. 1 BGB] |
| Keine Abkömmlinge des Vorverstorbenen | Überlebender Elternteil erbt allein [§ 1925 Abs. 3 S. 2 BGB] |
| Halbgeschwister | Erben nur aus der Hälfte des gemeinsamen Elternteils [§ 1925 Abs. 3 i. V. m. § 1924 Abs. 3, 4 BGB] |
| Verwandtenadoption | Angenommenes Kind und Abkömmlinge der leiblichen Eltern im Fall des § 1756 BGB untereinander keine Erben zweiter Ordnung [§ 1925 Abs. 4 BGB] |
| Ehegatte neben 2. Ordnung | 1/2 [§ 1931 Abs. 1 BGB] |
| Ehegatte bei Zugewinngemeinschaft | 1/2 + 1/4 = 3/4 [§ 1931 Abs. 3 i. V. m. § 1371 Abs. 1 BGB] |
| Voraus des Ehegatten | Haushaltsgegenstände und Hochzeitsgeschenke ohne Bedarfsprüfung [§ 1932 Abs. 1 S. 1 BGB] |
| Eingetragene Lebenspartner | Gleiche Quoten wie Ehegatten [§ 10 LPartG] |
| Pflichtteil Geschwister | Keiner (nicht in § 2303 BGB genannt) |
| Pflichtteil Eltern | Ja, wenn durch Verfügung von Todes wegen ausgeschlossen und kein näherer Abkömmling pflichtteilsberechtigt [§ 2303 Abs. 2, § 2309 BGB] |
| Erbschaftsteuer Eltern (Erbfall) | Steuerklasse I, Freibetrag 100.000 € [§ 15 Abs. 1, § 16 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG] |
| Erbschaftsteuer Geschwister, Nichten, Neffen | Steuerklasse II, Freibetrag 20.000 € [§ 15 Abs. 1, § 16 Abs. 1 Nr. 5 ErbStG] |
| Steuersätze Steuerklasse II | 15 % (bis 75.000 €) bis 43 % (über 26 Mio. €) [§ 19 Abs. 1 ErbStG] |

## Geltungsbereich

§ 1925 BGB greift nur bei **gesetzlicher Erbfolge**, also wenn kein wirksames Testament und kein Erbvertrag vorliegt oder diese den Nachlass nicht vollständig regeln. Er setzt außerdem voraus, dass **kein Abkömmling** des Erblassers Erbe wird: Verwandte einer vorhergehenden Ordnung schließen die nachfolgende vollständig aus (§ 1930 BGB). Ein einziges Kind oder Enkelkind verdrängt also Eltern und Geschwister. Schlagen alle Abkömmlinge aus, gelten sie als vor dem Erbfall verstorben (§ 1953 Abs. 2 BGB) – dann kann die Erbschaft an die zweite Ordnung fallen. Die Norm gilt, wenn nach der EU-Erbrechtsverordnung (VO 650/2012) **deutsches Erbrecht** anzuwenden ist, in der Regel also bei letztem gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland.

## Wie die zweite Ordnung verteilt wird

Das Gesetz denkt in **zwei Stämmen** – dem Stamm des Vaters und dem Stamm der Mutter. Jeder Stamm erhält zunächst die Hälfte.

**Beide Eltern leben:** Vater und Mutter erben je **1/2** (§ 1925 Abs. 2 BGB). Geschwister erben nichts, auch wenn sie dem Erblasser näherstanden.

**Ein Elternteil ist vorverstorben:** Seine Hälfte geht an **seine** Abkömmlinge – also die Geschwister des Erblassers – nach den Regeln der ersten Ordnung (§ 1925 Abs. 3 S. 1 BGB): zu gleichen Teilen; ein vorverstorbenes Geschwister wird durch seine Kinder (Nichten/Neffen) vertreten (Eintrittsrecht nach § 1924 Abs. 3, 4 BGB). Beispiel: Mutter lebt, Vater ist verstorben, zwei Geschwister. Mutter erhält 1/2, jedes Geschwister 1/4.

**Keine Abkömmlinge des Vorverstorbenen:** Der überlebende Elternteil erbt allein (§ 1925 Abs. 3 S. 2 BGB).

**Beide Eltern vorverstorben:** Beide Hälften gehen an die jeweiligen Abkömmlinge. Bei ausschließlich vollbürtigen Geschwistern ergibt das gleiche Teile.

## Halbgeschwister

Halbgeschwister stammen nur von **einem** Elternteil ab und nehmen deshalb nur an **dessen** Hälfte teil. Beispiel: Beide Eltern sind verstorben. Der Erblasser hat eine vollbürtige Schwester S und einen Halbbruder H, der nur vom Vater abstammt.

- Hälfte der Mutter (1/2): geht allein an S.
- Hälfte des Vaters (1/2): geht an S und H zu gleichen Teilen, je 1/4.
- Ergebnis: **S erhält 3/4, H erhält 1/4.**

Lebt die Mutter noch, erhält sie ihre Hälfte selbst; die Hälfte des Vaters teilen sich S und H (je 1/4).

## Neben einem Ehegatten oder Lebenspartner

Der überlebende Ehegatte erhält neben Verwandten der zweiten Ordnung **1/2** (§ 1931 Abs. 1 BGB). Im gesetzlichen Güterstand der **Zugewinngemeinschaft** erhöht sich der Anteil pauschal um **1/4** auf **3/4** (§ 1371 Abs. 1 BGB). Für Eltern und Geschwister bleibt dann nur **1/4**, das nach § 1925 BGB verteilt wird – leben beide Eltern, erhält jeder **1/8**. Die Sonderregel für **Gütertrennung** (Teilung zu gleichen Teilen nach § 1931 Abs. 4 BGB) gilt nur neben ein oder zwei **Kindern**, nicht neben der zweiten Ordnung; bei Gütertrennung bleibt es neben Eltern und Geschwistern bei 1/2.

Zusätzlich steht dem Ehegatten neben der zweiten Ordnung der **Voraus** zu – die zum ehelichen Haushalt gehörenden Gegenstände und die Hochzeitsgeschenke, und zwar ohne die Bedarfsprüfung, die neben Kindern gilt (§ 1932 Abs. 1 BGB). Eingetragene Lebenspartner sind gleichgestellt (§ 10 LPartG). Das Ehegattenerbrecht entfällt, wenn der Erblasser die Scheidung begründet beantragt oder ihr zugestimmt hatte (§ 1933 BGB).

## Pflichtteil

**Geschwister, Nichten und Neffen** sind **nicht pflichtteilsberechtigt** – § 2303 BGB nennt nur Abkömmlinge, Eltern und den Ehegatten. Wer seine Geschwister nicht bedenken will, kann sie also durch Testament vollständig ausschließen.

**Eltern** sind pflichtteilsberechtigt, wenn sie durch Testament oder Erbvertrag von der Erbfolge ausgeschlossen werden (§ 2303 Abs. 2 BGB) – praktisch aber nur, wenn **keine Abkömmlinge** vorhanden sind, denn diese würden die Eltern bei gesetzlicher Erbfolge ausschließen (§ 2309 BGB). Der Pflichtteil beträgt die **Hälfte des gesetzlichen Erbteils**. Beispiel: Kinderloser Erblasser, verheiratet in Zugewinngemeinschaft, setzt den Ehegatten zum Alleinerben ein, beide Eltern leben. Gesetzlicher Erbteil je Elternteil 1/8, Pflichtteil je **1/16** des Nachlasswerts.

## Erbschaftsteuer

| Erwerber | Steuerklasse | Persönlicher Freibetrag |
|---|---|---|
| Eltern, Großeltern (Erwerb von Todes wegen) | I | 100.000 € |
| Eltern, Großeltern (Schenkung zu Lebzeiten) | II | 20.000 € |
| Geschwister | II | 20.000 € |
| Nichten, Neffen (Abkömmlinge 1. Grades von Geschwistern) | II | 20.000 € |

Rechtsgrundlagen: § 15 Abs. 1 und § 16 Abs. 1 Nr. 4, 5 ErbStG. In Steuerklasse II steigen die Sätze von **15 %** (steuerpflichtiger Erwerb bis 75.000 €) über 20 % (bis 300.000 €), 25 % (bis 600.000 €), 30 % (bis 6 Mio. €), 35 % (bis 13 Mio. €), 40 % (bis 26 Mio. €) bis **43 %** (§ 19 Abs. 1 ErbStG). Zum Vergleich: Ehegatten 500.000 €, Kinder 400.000 €, Enkel 200.000 € Freibetrag. Die Freibeträge gelten bei unbeschränkter Steuerpflicht; bei beschränkter Steuerpflicht werden sie anteilig gekürzt (§ 16 Abs. 2 ErbStG).

## Häufige Fehler

- **„Ohne Kinder erben automatisch die Geschwister."** Falsch – leben beide Eltern, erben **nur** sie (§ 1925 Abs. 2 BGB). Geschwister rücken erst für einen vorverstorbenen Elternteil nach.
- **„Ohne Kinder erbt der Ehegatte alles."** Falsch – neben Eltern oder Geschwistern erhält er 1/2, im gesetzlichen Güterstand 3/4 (§§ 1931, 1371 BGB). Alles erbt er erst, wenn weder Verwandte der ersten oder zweiten Ordnung noch Großeltern vorhanden sind (§ 1931 Abs. 2 BGB). Wer den Ehegatten absichern will, braucht ein Testament.
- **„Halbgeschwister erben genauso viel wie vollbürtige."** Falsch – sie erben nur aus der Hälfte des gemeinsamen Elternteils.
- **„Geschwister können einen Pflichtteil verlangen."** Falsch – Geschwister sind nicht pflichtteilsberechtigt (§ 2303 BGB).
- **„Eltern zahlen als Erben die hohe Steuerklasse II."** Nur bei Schenkungen. Beim Erwerb von Todes wegen gehören Eltern zur Steuerklasse I (§ 15 Abs. 1 ErbStG).
- **„Für den Erbschein genügt § 2356 BGB."** Die Norm ist seit dem 17.08.2015 weggefallen; Nachweise und eidesstattliche Versicherung regelt § 352 Abs. 3 FamFG. Gerade Geschwister müssen dort darlegen, dass keine vorrangigen Abkömmlinge existieren.

## Verwandte Themen

- [Gesetzliche Erbfolge (§§ 1924 ff. BGB)](/fakten/gesetzliche-erbfolge-1924-bgb.html)
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## Änderungsverlauf

- 2026-10-15: Erstveröffentlichung. Inhalte der §§ 1925, 1931, 1932, 1933, 2303, 2309 BGB, § 10 LPartG sowie §§ 15, 16, 19 ErbStG am 15.10.2026 über die Einzelnorm-Seiten von gesetze-im-internet.de abgeglichen (Wortlaut aus Suchindex-Auszügen der amtlichen Seiten; direkter Seitenabruf lieferte leeren Inhalt). Halbgeschwister- und Pflichtteilsbeispiele sind eigene Berechnungen aus dem Normtext; Rechtsprechung (dejure.org) nicht ausgewertet. Deshalb factcheck_status review_needed. | change_type=new_page reviewed_by="Nexvyra Erbrecht-Agent"

## Stand

- Stand: 2026-10-15
- Gültig ab: 1900-01-01 (Inkrafttreten BGB; Fassung geprüft am 15.10.2026)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, LPartG, FamFG, ErbStG)
- factcheck_status: review_needed (Normtexte nur über Suchindex-Auszüge der amtlichen Seiten geprüft; Rechenbeispiele nicht extern gegengeprüft)
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 1924 BGB – Gesetzliche Erben erster Ordnung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1924.html
- § 1925 BGB – Gesetzliche Erben zweiter Ordnung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1925.html
- § 1930 BGB – Rangfolge der Ordnungen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1930.html
- § 1931 BGB – Gesetzliches Erbrecht des Ehegatten:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1931.html
- § 1932 BGB – Voraus des Ehegatten:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1932.html
- § 1933 BGB – Ausschluss des Ehegattenerbrechts:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1933.html
- § 1371 BGB – Zugewinnausgleich im Todesfall:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1371.html
- § 1953 BGB – Wirkung der Ausschlagung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1953.html
- § 2303 BGB – Pflichtteilsberechtigte; Höhe des Pflichtteils:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2303.html
- § 2309 BGB – Pflichtteilsrecht der Eltern und entfernteren Abkömmlinge:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2309.html
- § 10 LPartG – Erbrecht:
  https://www.gesetze-im-internet.de/lpartg/__10.html
- § 352 FamFG – Angaben im Antrag auf Erteilung eines Erbscheins:
  https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__352.html
- § 15 ErbStG – Steuerklassen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__15.html
- § 16 ErbStG – Freibeträge:
  https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__16.html
- § 19 ErbStG – Steuersätze:
  https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__19.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-15
- Letzte Prüfung: 2026-10-15
- In Kraft seit: 1900-01-01
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
