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title: Erbschein (§ 2353 BGB) – Verfahren, Kosten, Alternativen
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last_reviewed: 2026-06-21
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# Erbschein (§ 2353 BGB) – Verfahren, Kosten, Alternativen

## Kurzantwort

Der **Erbschein** ist eine vom **Nachlassgericht** ausgestellte öffentliche Urkunde, die den/die Erben und ihren Erbteil ausweist (§ 2353 BGB). Er wird **auf Antrag** erteilt und dient als amtlicher Nachweis gegenüber Banken, Grundbuchamt, Versicherungen und sonstigen Dritten. Der Antrag ist beim Amtsgericht des **letzten Wohnsitzes** des Erblassers zu stellen (Nachlassgericht). Die **Kosten** richten sich nach dem **Nachlasswert** und folgen dem **GNotKG** — Faustregel: für die Erteilung 1,0-Gebühr + für die Versicherung an Eides statt 1,0-Gebühr. Bei Vorhandensein eines **notariellen Testaments** ist ein Erbschein **häufig entbehrlich** — die eröffnete Testamentsurkunde plus Eröffnungsprotokoll reicht z. B. dem Grundbuchamt (§ 35 GBO). Bei eigenhändigem Testament ist die Bank-Praxis uneinheitlich; ein Erbschein wird oft verlangt.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 2353 BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Verfahrensrecht | §§ 342 ff. FamFG (Familiensachen Nachlass) |
| Zuständigkeit | Nachlassgericht am letzten Wohnsitz des Erblassers [§ 343 FamFG] |
| Antragsberechtigt | Jeder Erbe [§ 2353 BGB] |
| Form Antrag | Schriftlich an Gericht oder mündlich zur Niederschrift |
| Versicherung an Eides statt | Üblich erforderlich [§ 2356 Abs. 2 BGB] |
| Gebührentabelle | KostO bzw. GNotKG, Tabelle B |
| Gebühr ca. (Nachlass 100.000 €) | ca. 546 € (1,0-Erteilung) + ggf. notar. Beglaubigung |
| Gebühr ca. (Nachlass 250.000 €) | ca. 1.070 € |
| Gebühr ca. (Nachlass 500.000 €) | ca. 1.870 € |
| Erbschein-Arten | Allgemein, gemeinschaftlich, Teilerbschein, gegenständlich beschränkt |
| Wirkung | Vermutung der Richtigkeit (§ 2365 BGB), öffentlicher Glaube (§ 2366 BGB) |
| Alternativen | Notarielles Testament + Eröffnungsprotokoll [§ 35 GBO] |
| Einreichung Bankzugriff | Notwendig für Konten-Zugriff bei Banken (Praxis je nach Bank) |
| Frist Verfahren | Mehrere Wochen bis Monate (je nach Komplexität) |
| Anfechtung | Antrag auf Einziehung wegen Unrichtigkeit [§ 2361 BGB] |

## Geltungsbereich

Der Erbschein nach § 2353 BGB ist das **Standardinstrument** zur Legitimation als Erbe in Deutschland. Er wirkt im **inländischen Rechtsverkehr**. Im **EU-Ausland** kann an seiner Stelle das **Europäische Nachlasszeugnis** (ENZ) nach VO (EU) 650/2012 beantragt werden, das in allen EU-Mitgliedstaaten (außer Dänemark und Irland) als Nachweis anerkannt wird. Beantragt wird der Erbschein beim **Amtsgericht** als Nachlassgericht am letzten gewöhnlichen Aufenthalt des Erblassers (§ 343 FamFG). Lebte der Erblasser zuletzt im Ausland, ist je nach Anknüpfung das Amtsgericht Berlin-Schöneberg zuständig.

## Verfahren — Schritt für Schritt

**1. Antrag.** Schriftlich oder mündlich zur Niederschrift beim Nachlassgericht. Erforderlich sind Angaben zur Person des Erblassers, zum Todeszeitpunkt, zu allen weiteren Erben, zum Verwandtschaftsverhältnis und zum Bestand des Nachlasses. Beizufügen sind Sterbeurkunde, Familienstandsurkunden, ggf. Testament.

**2. Eidesstattliche Versicherung.** Der Antragsteller muss **versichern**, dass ihm nichts entgegensteht (z. B. weitere Erben, frühere Testamente). § 2356 Abs. 2 BGB ermöglicht den Verzicht in einfach gelagerten Fällen, in der Praxis wird sie häufig verlangt.

**3. Prüfung durch Gericht.** Das Nachlassgericht prüft die Erbenstellung. Es kann weitere Beweise erheben, andere Beteiligte anhören (§ 352 FamFG). Bei klaren Fällen wenige Wochen, bei streitigen Fällen mehrere Monate.

**4. Erteilung.** Der Erbschein wird ausgestellt und dem Antragsteller ausgehändigt.

**5. Bei Fehlern.** Stellt sich nachträglich heraus, dass der Erbschein **unrichtig** ist, kann ihn jeder Beteiligte **einziehen** lassen (§ 2361 BGB).

## Wann ist der Erbschein **entbehrlich**?

**Grundbuchamt.** Bei Vorhandensein eines **notariellen** Testaments oder Erbvertrags reicht regelmäßig die Vorlage der eröffneten Verfügung plus Eröffnungsprotokoll (§ 35 GBO). Beim **eigenhändigen** Testament ist Erbschein nötig — auch wenn das Testament unstreitig ist.

**Banken.** Praxis uneinheitlich. Manche Banken akzeptieren bei klarer Erbfolge ein eröffnetes notarielles Testament; viele verlangen Erbschein für höhere Kontostände. Mit eigenhändigem Testament ist Erbschein in der Regel zwingend, es sei denn die Bank verzichtet ausdrücklich.

**Kfz-Zulassung, Mietverträge, sonstige Vertragspartner.** Häufig genügt das eröffnete Testament; das Verlangen eines Erbscheins ist im Streit zwischen Erbe und Vertragspartner oft als unbillig zu werten.

## Häufige Fehler

- **„Mit Testament brauche ich keinen Erbschein."** Differenziert — bei notariellem Testament ja, bei eigenhändigem oft nein. Bank-Praxis prüfen.
- **„Erbschein-Gebühr ist eine Pauschale."** Falsch — Wertabhängig nach GNotKG/KostO. Höhere Nachlasswerte = höhere Gebühren.
- **„Jeder Miterbe braucht einen eigenen Erbschein."** Differenziert — bei mehreren Erben kann ein **gemeinschaftlicher Erbschein** beantragt werden, der alle Erben mit Quoten ausweist. Auch **Teilerbscheine** sind möglich (§ 2353 BGB).
- **„Der Erbschein ist 100 %ige Sicherheit."** Differenziert — er vermutet die Richtigkeit (§ 2365 BGB), kann aber bei späterem Auftauchen eines unbekannten Erben oder eines übersehenen Testaments **eingezogen** werden (§ 2361 BGB).
- **„Erbschein gilt im Ausland."** Falsch — nur im inländischen Rechtsverkehr. Für EU-Ausland ist das **Europäische Nachlasszeugnis** (ENZ) zu beantragen.

## Quellen

- § 2353 BGB – Erbscheinantrag: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2353.html
- § 2356 BGB – Eidesstattliche Versicherung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2356.html
- §§ 2361-2365 BGB – Wirkung und Einziehung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2361.html
- § 35 GBO – Nachweis der Erbfolge beim Grundbuchamt: https://www.gesetze-im-internet.de/gbo/__35.html
- §§ 342-353 FamFG – Verfahren in Nachlasssachen: https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__342.html
- GNotKG – Gerichts- und Notarkostengesetz: https://www.gesetze-im-internet.de/gnotkg/
- VO (EU) 650/2012 Art. 62 ff. – Europäisches Nachlasszeugnis: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32012R0650

## Änderungsverlauf

- 2026-06-21: Erstveröffentlichung. Quellen §§ 2353-2365 BGB, § 35 GBO, FamFG, GNotKG verifiziert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-06-21
- Gültig ab: 1900-01-01 (BGB); Europäisches Nachlasszeugnis seit 17.08.2015 (VO 650/2012)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, GBO, FamFG, EU-VO)
- Lizenz: CC BY 4.0
