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title: "Erbscheinsantrag (§ 352 FamFG, § 2353 BGB) – Pflichtangaben, Nachweise und eidesstattliche Versicherung"
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# Erbscheinsantrag (§ 352 FamFG, § 2353 BGB) – Pflichtangaben, Nachweise und eidesstattliche Versicherung

## Kurzantwort

Den **Erbschein** erteilt das Nachlassgericht **nur auf Antrag** (§ 2353 BGB). Welche Angaben der Antrag enthalten muss und wie sie nachzuweisen sind, regelt seit dem **17.08.2015** **§ 352 FamFG**; die frühere Regelung in **§ 2356 BGB** ist **weggefallen** und steht nun in **§ 352 Abs. 3 FamFG**. Wer als **gesetzlicher Erbe** beantragt, macht die acht Angaben des § 352 Abs. 1 FamFG (u. a. Todeszeitpunkt, letzter gewöhnlicher Aufenthalt und Staatsangehörigkeit des Erblassers, Grundlage des Erbrechts, Verfügungen von Todes wegen, Rechtsstreitigkeiten, Annahme der Erbschaft, Erbteil). Wer sich auf eine **Verfügung von Todes wegen** stützt, bezeichnet diese Verfügung und macht die Angaben nach Abs. 1 Nr. 1, 2 und 6 bis 8 (§ 352 Abs. 2 FamFG). Todeszeitpunkt und Erbgrundlage werden durch **öffentliche Urkunden** belegt; die Richtigkeit der übrigen Angaben versichert der Antragsteller **an Eides statt** vor Gericht oder Notar (§ 352 Abs. 3 FamFG), sofern das Gericht darauf nicht verzichtet.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Antragsgrundlage | § 2353 BGB – Erbschein nur auf Antrag [gesetze-im-internet.de] |
| Inhalt des Antrags | § 352 Abs. 1 (gesetzliche Erbfolge), Abs. 2 (Verfügung von Todes wegen) FamFG |
| Amtliche Überschrift § 352 FamFG | „Angaben im Antrag auf Erteilung eines Erbscheins; Nachweis der Richtigkeit" |
| Anzahl Pflichtangaben bei gesetzlicher Erbfolge | 8 (§ 352 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1–8 FamFG) |
| Nachweis durch öffentliche Urkunden | Angaben nach Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und 3 sowie Satz 2; bei Verfügung von Todes wegen zusätzlich Vorlage der Urkunde [§ 352 Abs. 3 Satz 1 FamFG] |
| Ersatzbeweismittel | Wenn Urkunden nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand zu beschaffen sind, genügen andere Beweismittel [§ 352 Abs. 3 Satz 2 FamFG] |
| Eidesstattliche Versicherung | Versicherung, dass nichts bekannt ist, was den Angaben entgegensteht; vor Gericht oder Notar [§ 352 Abs. 3 Satz 3 FamFG] |
| Verzicht auf die Versicherung | Nachlassgericht kann verzichten, wenn es sie für nicht erforderlich hält [§ 352 Abs. 3 Satz 4 FamFG] |
| Mehrere Erben | Gemeinschaftlicher Erbschein; jeder Erbe kann allein beantragen [§ 352a Abs. 1 FamFG] |
| Eidesstattliche Versicherung bei mehreren Erben | grundsätzlich von allen Erben; Verzicht auf einzelne möglich [§ 352a Abs. 4 FamFG] |
| Weggefallene Norm | § 2356 BGB seit 17.08.2015 (Regelung jetzt § 352 Abs. 3 FamFG) |
| Zuständigkeit | Nachlassgericht, §§ 342 ff., 343 FamFG (letzter gewöhnlicher Aufenthalt des Erblassers) |

## Geltungsbereich

§ 352 FamFG betrifft den **Erbschein** nach § 2353 BGB. Für das Testamentsvollstreckerzeugnis (§ 2368 BGB, § 354 FamFG), das Europäische Nachlasszeugnis (VO (EU) Nr. 650/2012) und für Erbscheine mit beschränktem Inhalt (§§ 352a–352e FamFG) gelten eigene Vorschriften, auf die § 352 teils verweist. Maßgeblich ist das Verfahrensrecht in der Fassung seit dem Inkrafttreten des Gesetzes zum Internationalen Erbrecht am 17.08.2015.

## Angaben im Antrag

### Gesetzliche Erbfolge (§ 352 Abs. 1 FamFG)

Der Antragsteller gibt an:

1. den **Zeitpunkt des Todes** des Erblassers,
2. dessen **letzten gewöhnlichen Aufenthalt** und seine **Staatsangehörigkeit**,
3. das **Verhältnis, auf dem sein Erbrecht beruht** (z. B. Kind, Ehegatte),
4. ob und welche Personen **vorhanden oder weggefallen** sind, durch die er von der Erbfolge ausgeschlossen oder sein Erbteil gemindert würde – bei Weggefallenen auch, **wie** sie weggefallen sind (Tod, Ausschlagung, Erbverzicht, Erbunwürdigkeit),
5. ob und welche **Verfügungen von Todes wegen** des Erblassers vorhanden sind,
6. ob ein **Rechtsstreit über das Erbrecht** anhängig ist,
7. dass die **Erbschaft angenommen** wurde,
8. die **Größe des Erbteils**.

### Verfügung von Todes wegen (§ 352 Abs. 2 FamFG)

Wer sich auf ein Testament oder einen Erbvertrag stützt, **bezeichnet die Verfügung**, auf der sein Erbrecht beruht, und gibt **sonstige Verfügungen** von Todes wegen an. Hinzu kommen die Angaben nach Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, 2 und 6 bis 8. Die Angaben zu weggefallenen Personen (Nr. 4) und zum Verhältnis (Nr. 3) entfallen, weil sich die Erbfolge aus der Verfügung ergibt.

## Nachweise (§ 352 Abs. 3 FamFG)

| Angabe | Nachweis |
|---|---|
| Todeszeitpunkt | **Sterbeurkunde** (öffentliche Urkunde) |
| Verhältnis zum Erblasser (gesetzliche Erbfolge) | **Personenstandsurkunden** (Geburts-, Heirats-, Sterbeurkunden), ggf. Familienbuchauszug |
| Weggefallene Personen | Sterbeurkunde bzw. Ausschlagungs-/Verzichtsurkunde |
| Verfügung von Todes wegen | **Urkunde im Original** (Testament, Erbvertrag); bei notarieller Verfügung genügt die Eröffnungsniederschrift mit Ausfertigung |
| Übrige Angaben (Rechtsstreit, andere Verfügungen, Annahme u. a.) | **Eidesstattliche Versicherung** |
| Güterstand | Eidesstattliche Versicherung, wenn der Erblasser zuletzt im Güterstand der **Zugewinngemeinschaft** lebte (erhöht den Ehegattenerbteil, § 1371 Abs. 1 BGB) |

Lassen sich Urkunden **nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand** beschaffen (z. B. Auslandsurkunden, verlorene Unterlagen), genügt die **Angabe anderer Beweismittel**. Das Gericht entscheidet im Rahmen der Amtsermittlung (§ 26 FamFG), welche Nachweise es für ausreichend hält.

## Eidesstattliche Versicherung

Der Antragsteller versichert, dass ihm **nichts bekannt ist, was der Richtigkeit seiner Angaben entgegensteht**. Sie wird zur Niederschrift **beim Nachlassgericht** oder **beim Notar** abgegeben. Das Nachlassgericht kann auf die Versicherung **verzichten**, wenn es sie für nicht erforderlich hält – das kommt etwa vor, wenn die Erbfolge aus einem notariellen Testament eindeutig hervorgeht. Bei einem **gemeinschaftlichen Erbschein** muss nach § 352a Abs. 4 FamFG grundsätzlich **jeder Erbe** die Versicherung abgeben; das Gericht kann sich mit der Versicherung eines oder einzelner Erben begnügen. Eine **falsche** eidesstattliche Versicherung ist nach **§ 156 StGB** strafbar; die fahrlässige Falschaussage unter Eid nach § 163 StGB.

## Verfahren – Schritt für Schritt

1. **Zuständiges Nachlassgericht** feststellen (Amtsgericht am letzten gewöhnlichen Aufenthalt des Erblassers, § 343 FamFG).
2. **Unterlagen** zusammenstellen: Sterbeurkunde, Personenstandsurkunden, Testament/Erbvertrag samt Eröffnungsniederschrift.
3. **Antrag** zu Protokoll des Nachlassgerichts oder vor einem Notar stellen; der Notar beurkundet Antrag und eidesstattliche Versicherung zugleich.
4. Das Gericht **prüft** von Amts wegen, ob die zur Begründung des Antrags erforderlichen Tatsachen festgestellt sind (§ 352e FamFG; Feststellung durch Beschluss).
5. Nach Rechtskraft bzw. Anordnung der sofortigen Wirksamkeit **erteilt** das Gericht den Erbschein als Ausfertigung.

Kosten: Die Gerichtsgebühr für das Erbscheinsverfahren und die Gebühr für die eidesstattliche Versicherung richten sich nach dem **GNotKG** und dem Nachlasswert; Beispiele enthält die Seite zu den Kosten von Testament und Erbschein.

## Wann ist der Erbscheinsantrag entbehrlich?

Der Erbschein ist nicht stets nötig. Gegenüber **Banken** reicht häufig ein **notarielles Testament** mit Eröffnungsniederschrift; im **Grundbuchverfahren** genügt nach § 35 GBO ebenfalls die öffentliche Verfügung mit Eröffnungsniederschrift. Ein Erbschein ist vor allem bei **eigenhändigem Testament** oder gesetzlicher Erbfolge erforderlich.

## Häufige Fehler

- **„Die eidesstattliche Versicherung steht im BGB (§ 2356)."** Überholt: § 2356 BGB ist seit 17.08.2015 weggefallen; maßgeblich ist § 352 Abs. 3 FamFG.
- **„Eine Kopie des Testaments genügt."** Bei Antrag auf Grundlage einer Verfügung von Todes wegen ist die **Urkunde** vorzulegen, auf der das Erbrecht beruht (§ 352 Abs. 3 Satz 1 FamFG).
- **„Alle Miterben müssen den Antrag gemeinsam stellen."** Nein – jeder Erbe kann den gemeinschaftlichen Erbschein allein beantragen (§ 352a Abs. 1 FamFG); er muss dann erklären, dass die übrigen Erben die Erbschaft angenommen haben (§ 352a Abs. 3 FamFG).
- **„Der Erbschein wird ohne Prüfung ausgestellt."** Das Gericht ermittelt von Amts wegen und kann zusätzliche Nachweise verlangen.

## Änderungsverlauf

- 2026-10-26: Neue Seite angelegt; Wortlaut § 352 Abs. 1–3 FamFG und § 352a FamFG gegen gesetze-im-internet.de und dejure.org abgeglichen. | change_type=new_page reviewed_by="Nexvyra Erbrecht-Agent"

## Stand

- Stand: 2026-10-26
- Gültig ab: 2015-08-17 (Fassung seit Gesetz zum Internationalen Erbrecht)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (FamFG, BGB, GBO, GNotKG)
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 352 FamFG – Angaben im Antrag auf Erteilung eines Erbscheins; Nachweis der Richtigkeit:
  https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__352.html
- § 352a FamFG – Gemeinschaftlicher Erbschein:
  https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__352a.html
- § 2353 BGB – Zuständigkeit des Nachlassgerichts, Antrag:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2353.html
- § 343 FamFG – Örtliche Zuständigkeit:
  https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__343.html
- § 35 GBO – Nachweis der Erbfolge:
  https://www.gesetze-im-internet.de/gbo/__35.html
- GNotKG – Gerichts- und Notarkostengesetz:
  https://www.gesetze-im-internet.de/gnotkg/
- Wortlaut § 352 FamFG (Abgleich):
  https://dejure.org/gesetze/FamFG/352.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-26
- Letzte Prüfung: 2026-10-26
- In Kraft seit: 2015-08-17
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
