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title: "Erhebliche Vertragsänderung vor Reisebeginn (§ 651g BGB) – Hotelwechsel, Flugzeitänderung, kostenfreier Rücktritt"
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# Erhebliche Vertragsänderung vor Reisebeginn (§ 651g BGB) – Hotelwechsel, Flugzeitänderung, kostenfreier Rücktritt

## Kurzantwort

Ändert der Reiseveranstalter eine gebuchte Pauschalreise vor Reisebeginn, kommt es darauf an, **wie schwer die Änderung wiegt**. **Unerhebliche** Änderungen darf der Veranstalter **einseitig** vornehmen – aber nur, wenn der Vertrag das vorsieht, er den Reisenden **auf einem dauerhaften Datenträger klar, verständlich und in hervorgehobener Weise** unterrichtet und die Änderung **vor Reisebeginn** erklärt (§ 651f Abs. 2 BGB). Muss der Veranstalter dagegen **eine der wesentlichen Eigenschaften der Reiseleistungen erheblich ändern** – etwa Unterkunft, Bestimmungsort, Transportmittel oder Reisezeitraum – oder von **besonderen Vorgaben des Reisenden** abweichen, die Vertragsinhalt geworden sind, kann er das **nicht einseitig** durchsetzen. Er kann die Änderung dem Reisenden nur **anbieten** und ihm eine **angemessene Frist** setzen, in der dieser entweder **annimmt** oder **vom Vertrag zurücktritt** (§ 651g Abs. 1 S. 2, 3 BGB). Dasselbe gilt für eine vorbehaltene **Preiserhöhung über 8 % des Reisepreises** (§ 651g Abs. 1 S. 1 BGB). **Wichtig:** Reagiert der Reisende nicht, gilt das Angebot nach Fristablauf als **angenommen** (§ 651g Abs. 2 S. 3 BGB). Tritt der Reisende zurück, verliert der Veranstalter den Anspruch auf den Reisepreis und muss **spätestens innerhalb von 14 Tagen** zurückzahlen – **ohne Entschädigung** (§ 651g Abs. 3 S. 1 i. V. m. § 651h Abs. 1 S. 2, Abs. 5 BGB).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 651g BGB – Erhebliche Vertragsänderungen [gesetze-im-internet.de] |
| Gegenstück (unerhebliche Änderung) | § 651f Abs. 2 BGB – einseitige Änderung anderer Vertragsbedingungen [gesetze-im-internet.de] |
| In Kraft seit | 01.07.2018 (Drittes Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften vom 17.07.2017, BGBl. I S. 2394) |
| Umsetzung | Richtlinie (EU) 2015/2302 (Pauschalreiserichtlinie) |
| Anwendungsbereich | Pauschalreisen i. S. d. § 651a BGB |
| Einseitige Änderung zulässig, wenn | Im Vertrag vorgesehen und Änderung unerheblich [§ 651f Abs. 2 S. 1 BGB] |
| Form der einseitigen Änderung | Dauerhafter Datenträger, klar, verständlich, in hervorgehobener Weise [§ 651f Abs. 2 S. 2 BGB] |
| Wirksamkeit der einseitigen Änderung | Nur wenn vor Reisebeginn erklärt [§ 651f Abs. 2 S. 3 BGB] |
| Erhebliche Änderung – Auslöser | Nach Vertragsschluss eingetretener Umstand [§ 651g Abs. 1 S. 3 BGB] |
| Erhebliche Änderung – Gegenstand | Eine der wesentlichen Eigenschaften der Reiseleistungen (Art. 250 § 3 Nr. 1 EGBGB) oder Abweichung von besonderen Vorgaben des Reisenden [§ 651g Abs. 1 S. 3 BGB] |
| Rechtsfolge erhebliche Änderung | Nur Angebot; keine einseitige Durchsetzung [§ 651g Abs. 1 S. 2, 3 BGB] |
| Wahlrecht des Reisenden | Angebot annehmen oder Rücktritt erklären [§ 651g Abs. 1 S. 2 Nr. 1, 2 BGB] |
| Frist zur Erklärung | Vom Veranstalter bestimmt, muss angemessen sein [§ 651g Abs. 1 S. 2 BGB] |
| Grenze einseitige Preiserhöhung | 8 % des Reisepreises [§ 651g Abs. 1 S. 1 BGB] |
| Frist Angebot Preiserhöhung | Nicht später als 20 Tage vor Reisebeginn [§ 651g Abs. 1 S. 4 BGB] |
| Frist Angebot sonstige Änderung | Nicht nach Reisebeginn [§ 651g Abs. 1 S. 4 BGB] |
| Ersatzreise | Veranstalter kann wahlweise Teilnahme an anderer Pauschalreise anbieten [§ 651g Abs. 2 S. 1 BGB] |
| Informationspflicht | Nach Maßgabe des Art. 250 § 10 EGBGB [§ 651g Abs. 2 S. 2 BGB] |
| Schweigen des Reisenden | Angebot gilt nach Fristablauf als angenommen [§ 651g Abs. 2 S. 3 BGB] |
| Folge des Rücktritts | Veranstalter verliert Anspruch auf Reisepreis [§ 651h Abs. 1 S. 2 BGB] |
| Rückzahlungsfrist | Unverzüglich, auf jeden Fall binnen 14 Tagen nach dem Rücktritt [§ 651h Abs. 5 BGB] |
| Keine Entschädigung | § 651h Abs. 1 S. 3 wird gerade nicht in Bezug genommen [§ 651g Abs. 3 S. 1 BGB] |
| Schadensersatz bleibt unberührt | Ansprüche nach § 651i Abs. 3 Nr. 7 BGB (§ 651n, § 284) [§ 651g Abs. 3 S. 1 BGB] |
| Annahme minderwertigerer Reise | § 651m BGB (Minderung) gilt entsprechend [§ 651g Abs. 3 S. 2 BGB] |
| Annahme gleichwertiger, aber billigerer Reise | § 651m Abs. 2 BGB auf den Unterschiedsbetrag entsprechend [§ 651g Abs. 3 S. 2 BGB] |
| Halbzwingend | Keine Abweichung zum Nachteil des Reisenden [§ 651y BGB] |

## Geltungsbereich

§ 651g BGB gilt für **Pauschalreisen** im Sinne des § 651a BGB, also die Zusammenstellung von mindestens zwei verschiedenen Arten von Reiseleistungen zu einem Gesamtpreis. Für **reine Einzelleistungen** (nur Flug, nur Hotel, nur Mietwagen) gilt die Vorschrift **nicht**; dort richtet sich eine Leistungsänderung nach dem jeweiligen Einzelvertrag, dessen AGB (§§ 305 ff. BGB) und – bei Flügen – nach der Fluggastrechte-Verordnung (VO (EG) Nr. 261/2004).

Die Norm setzt die **EU-Pauschalreiserichtlinie 2015/2302** um und gilt in ihrer heutigen Fassung seit dem **1. Juli 2018** (Drittes Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften vom 17.07.2017, BGBl. I S. 2394). Sie ist nach **§ 651y BGB halbzwingend**: Von ihr kann nicht zum Nachteil des Reisenden abgewichen werden. Eine AGB-Klausel, die dem Veranstalter erlaubt, auch **erhebliche** Änderungen einseitig durchzusetzen, ist damit unwirksam.

## Unerheblich oder erheblich? Die entscheidende Weichenstellung

Das Gesetz unterscheidet zwei Fälle mit sehr unterschiedlichen Rechtsfolgen:

**Unerhebliche Änderung – § 651f Abs. 2 BGB.** Andere Vertragsbedingungen als den Reisepreis kann der Veranstalter **einseitig ändern**, wenn dies **im Vertrag vorgesehen** und die Änderung **unerheblich** ist (S. 1). Er muss den Reisenden **auf einem dauerhaften Datenträger klar, verständlich und in hervorgehobener Weise** über die Änderung unterrichten (S. 2). Die Änderung ist **nur wirksam**, wenn sie diesen Anforderungen entspricht und **vor Reisebeginn erklärt** wird (S. 3). Fehlt der Änderungsvorbehalt im Vertrag oder wird nicht hervorgehoben informiert, greift die einseitige Änderung nicht.

**Erhebliche Änderung – § 651g Abs. 1 S. 3 BGB.** Kann der Veranstalter die Pauschalreise **aus einem nach Vertragsschluss eingetretenen Umstand** nur unter **erheblicher Änderung einer der wesentlichen Eigenschaften der Reiseleistungen** oder nur **unter Abweichung von besonderen Vorgaben des Reisenden**, die Inhalt des Vertrags geworden sind, verschaffen, gilt das Angebotsverfahren des § 651g Abs. 1 S. 2 BGB entsprechend. Eine einseitige Durchsetzung ist ausgeschlossen.

Ein praktisch wichtiger Punkt: Der Änderungsgrund muss **nach Vertragsschluss** eingetreten sein. Umstände, die dem Veranstalter bei Buchung schon bekannt waren oder bekannt sein mussten, tragen das Verfahren des § 651g BGB nicht – dort liegt regelmäßig ein Reisemangel nach § 651i BGB nahe.

## Was sind „wesentliche Eigenschaften der Reiseleistungen"?

§ 651g Abs. 1 S. 3 BGB verweist ausdrücklich auf **Art. 250 § 3 Nr. 1 EGBGB**. Dort ist abschließend aufgezählt, was zu den wesentlichen Eigenschaften zählt – und damit, woran sich die Erheblichkeitsprüfung ausrichtet:

- **Bestimmungsort(e)** sowie die einzelnen Zeiträume (Datumsangaben und Anzahl der Übernachtungen) [Buchst. a]
- **Reiseroute** [Buchst. b]
- **Transportmittel** – Merkmale **und Klasse** [Buchst. c]
- **Ort, Tag und Zeit der Ab- und Rückreise**, ferner Orte und Dauer von Zwischenstationen sowie die dort zu erreichenden Anschlussverbindungen [Buchst. d]
- **Unterkunft** – Lage, Hauptmerkmale und ggf. touristische Einstufung nach den Regeln des Bestimmungslandes [Buchst. e]
- **Mahlzeiten** [Buchst. f]
- **Besichtigungen, Ausflüge oder sonstige im Reisepreis inbegriffene Leistungen** [Buchst. g]
- Angabe, ob eine Reiseleistung **als Teil einer Gruppe** erbracht wird, ggf. mit ungefährer Gruppengröße [Buchst. h]
- **Sprache**, in der touristische Leistungen erbracht werden, sofern deren Nutzung von wirksamer mündlicher Kommunikation abhängt [Buchst. i]
- Angabe zur **Eignung für Personen mit eingeschränkter Mobilität** [Buchst. j]

Damit sind typische Streitfälle klar zugeordnet: Ein **Hotelwechsel** betrifft Buchst. e, eine **Verschiebung von Abflug- oder Rückflugzeiten** Buchst. d, ein **Downgrade der Beförderungsklasse** Buchst. c, eine **Änderung des Verpflegungsumfangs** (z. B. All-inclusive auf Halbpension) Buchst. f.

Ob die Änderung **erheblich** ist, entscheidet sich davon getrennt nach dem Einzelfall – Maßstab ist, ob der Zuschnitt der Reise aus Sicht eines verständigen Reisenden spürbar verändert wird. Das Gesetz nennt keine festen Schwellenwerte (etwa eine bestimmte Stundenzahl bei Flugzeitverschiebungen); solche Werte stammen aus der Instanzrechtsprechung und sind einzelfallabhängig.

## Das Verfahren bei erheblicher Änderung

**Schritt 1 – Angebot statt Anordnung.** Der Veranstalter unterbreitet dem Reisenden die Änderung als **Angebot** und verlangt, dass dieser innerhalb einer **vom Veranstalter bestimmten, angemessenen Frist** entweder das Angebot **annimmt** oder den **Rücktritt** erklärt (§ 651g Abs. 1 S. 2 BGB). Wahlweise kann der Veranstalter zusätzlich die **Teilnahme an einer anderen Pauschalreise (Ersatzreise)** anbieten (§ 651g Abs. 2 S. 1 BGB).

**Schritt 2 – Zeitliche Grenzen (§ 651g Abs. 1 S. 4 BGB).** Hier unterscheidet das Gesetz:

- Das Angebot zu einer **Preiserhöhung** kann **nicht später als 20 Tage vor Reisebeginn** unterbreitet werden.
- Das Angebot zu **sonstigen Vertragsänderungen** kann **nicht nach Reisebeginn** unterbreitet werden.

Für Leistungsänderungen gilt die 20-Tage-Frist also **nicht** – sie sind bis unmittelbar vor Reisebeginn möglich. Tritt die Störung erst **während** der Reise ein, ist § 651g BGB nicht mehr anwendbar; dann gelten die Mängelrechte der §§ 651i ff. BGB.

**Schritt 3 – Information nach Art. 250 § 10 EGBGB.** Der Veranstalter muss den Reisenden **unverzüglich nach Kenntnis vom Änderungsgrund** auf einem **dauerhaften Datenträger klar, verständlich und in hervorgehobener Weise** informieren über:

1. die **angebotene Vertragsänderung und deren Gründe**, bei einer Preiserhöhung zusätzlich deren **Berechnung**, bei sonstigen Änderungen die **Auswirkungen auf den Reisepreis** nach § 651g Abs. 3 S. 2 BGB,
2. die **Frist**, innerhalb derer der Reisende **ohne Zahlung einer Entschädigung** zurücktreten oder annehmen kann,
3. den Umstand, dass das Angebot **als angenommen gilt**, wenn der Reisende sich nicht innerhalb der Frist erklärt, und
4. die ggf. als Ersatz angebotene **Pauschalreise und deren Reisepreis**.

**Schritt 4 – Schweigen wirkt als Annahme.** Nach Ablauf der vom Veranstalter bestimmten Frist gilt das Angebot zur Preiserhöhung oder sonstigen Vertragsänderung als **angenommen** (§ 651g Abs. 2 S. 3 BGB). Diese Annahmefiktion ist der praktisch gefährlichste Punkt der Vorschrift: Wer ein Änderungsschreiben unbeantwortet lässt, ist an die geänderte Reise gebunden.

## Rechtsfolgen der Entscheidung des Reisenden

**Variante A – Der Reisende tritt zurück (§ 651g Abs. 3 S. 1 BGB).** Es gelten **§ 651h Abs. 1 S. 2 und Abs. 5 BGB entsprechend**:

- Der Veranstalter **verliert den Anspruch auf den vereinbarten Reisepreis**.
- Bereits gezahlte Beträge sind **unverzüglich, auf jeden Fall aber innerhalb von 14 Tagen nach dem Rücktritt** zu erstatten.

Entscheidend ist, was **nicht** in Bezug genommen wird: § 651h Abs. 1 **S. 3** BGB (Anspruch des Veranstalters auf angemessene Entschädigung). Der Rücktritt nach § 651g BGB ist daher **entschädigungsfrei** – es fallen **keine Stornogebühren** an, weil die Änderung aus der Sphäre des Veranstalters kommt. Zusätzlich bleiben **Ansprüche des Reisenden nach § 651i Abs. 3 Nr. 7 BGB** – also Schadensersatz nach § 651n BGB oder Ersatz vergeblicher Aufwendungen nach § 284 BGB – ausdrücklich **unberührt** (§ 651g Abs. 3 S. 1 Hs. 2 BGB).

**Variante B – Der Reisende nimmt an (§ 651g Abs. 3 S. 2 BGB).** Hier hängt alles von der Qualität der geänderten Reise ab:

- Ist die Pauschalreise im Vergleich zur ursprünglich geschuldeten **nicht von mindestens gleichwertiger Beschaffenheit**, gilt **§ 651m BGB entsprechend**: Der Reisepreis **mindert sich** in dem Verhältnis, in dem zur Zeit des Vertragsschlusses der Wert der mangelfreien Reise zum wirklichen Wert gestanden hätte; zu viel Gezahltes ist zu erstatten.
- Ist sie **gleichwertig**, aber für den Veranstalter **mit geringeren Kosten verbunden**, ist im Hinblick auf den **Unterschiedsbetrag § 651m Abs. 2 BGB** entsprechend anzuwenden – der Reisende bekommt die Ersparnis also ausgekehrt.

Wer ein Änderungsangebot annimmt, verzichtet damit **nicht** automatisch auf finanzielle Kompensation.

## Rechtsprechung

Zu § 651g BGB sind in der Rechtsprechungsdatenbank von dejure.org rund 589 Entscheidungen nachgewiesen. Typische Konstellationen, die dort geführt werden:

- **BGH, 30.08.2022 – X ZR 84/21** – Rücktritt von vorgesehenen Pauschalreisen wegen Covid-19.
- **OLG Celle, 18.12.2024 – 11 U 113/24** – Flugzeitverschiebung, Abflugzeit, Downgrade der Beförderungsklasse (Business Class/Economy Class), erhebliche Änderung, erhebliche Beeinträchtigung.
- **LG Frankfurt/Main, 09.03.2023 – 24 O 96/22** – Economy- statt Business-Class für eine Kanada-Rundreise.

Die Erheblichkeitsschwelle wird von den Gerichten **einzelfallbezogen** bestimmt; feste Schwellenwerte lassen sich der Rechtsprechung nicht entnehmen. Die genannten Entscheidungen sind über die Vernetzungsdienste von dejure.org abrufbar (siehe Quellen).

## Häufige Fehler

- **„Der Veranstalter darf mein Hotel einfach tauschen."** Falsch – einseitig sind nur **unerhebliche** Änderungen möglich, und nur bei vertraglichem Vorbehalt und hervorgehobener Information (§ 651f Abs. 2 BGB). Ein erheblicher Hotelwechsel kann nur **angeboten** werden (§ 651g Abs. 1 S. 3 BGB).
- **„Ich muss auf das Änderungsschreiben nicht reagieren."** Riskant – schweigt der Reisende bis zum Fristablauf, gilt das Angebot als **angenommen** (§ 651g Abs. 2 S. 3 BGB).
- **„Wenn ich wegen der Änderung zurücktrete, zahle ich Stornogebühren."** Falsch – § 651g Abs. 3 S. 1 BGB verweist nur auf § 651h Abs. 1 **S. 2** und Abs. 5 BGB, **nicht** auf die Entschädigungsregel des Satzes 3. Der Rücktritt ist entschädigungsfrei.
- **„Auch Leistungsänderungen müssen 20 Tage vorher angeboten werden."** Falsch – die 20-Tage-Frist gilt nur für **Preiserhöhungen**; Angebote zu sonstigen Vertragsänderungen sind bis **vor Reisebeginn** möglich (§ 651g Abs. 1 S. 4 BGB).
- **„Wenn ich die geänderte Reise antrete, bekomme ich nichts mehr."** Falsch – bei geringerwertiger Reise gilt § 651m BGB entsprechend, bei gleichwertiger, aber für den Veranstalter billigerer Reise § 651m Abs. 2 BGB auf den Unterschiedsbetrag (§ 651g Abs. 3 S. 2 BGB).
- **„Die Erstattung kann Monate dauern."** Falsch – nach § 651h Abs. 5 BGB ist unverzüglich, spätestens **binnen 14 Tagen** nach dem Rücktritt zu leisten.
- **„Das gilt auch für meinen einzeln gebuchten Flug."** Falsch – § 651g BGB gilt nur für **Pauschalreisen**; bei Einzelbuchungen greifen der jeweilige Vertrag und ggf. die VO (EG) Nr. 261/2004.

## Abgrenzung

- **Preiserhöhung bis 8 %:** Einseitig möglich unter den Voraussetzungen des **§ 651f Abs. 1 BGB** (Vertragsvorbehalt, abschließende Gründe, Unterrichtung spätestens 20 Tage vor Reisebeginn).
- **Rücktritt des Reisenden ohne Veranstalteränderung:** richtet sich nach **§ 651h BGB** (Entschädigung/Stornopauschale; entschädigungsfrei bei unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umständen).
- **Störungen ab Reisebeginn:** Ab Reisebeginn ist § 651g BGB nicht mehr anwendbar; es gelten die Mängelrechte der **§§ 651i ff. BGB** (Abhilfe, Minderung, Kündigung, Schadensersatz).
- **Vertragsübertragung auf einen Ersatzreisenden:** **§ 651e BGB**.
- **AGB-Kontrolle:** § 308 Nr. 4 und § 309 Nr. 1 BGB sind auf Änderungsvorbehalte nach § 651f Abs. 1 und 2 BGB **nicht** anwendbar (§ 651f Abs. 3 BGB); die übrigen §§ 305 ff. BGB bleiben anwendbar.

## Änderungsverlauf

- 2026-09-09: Erstveröffentlichung. Wortlaut § 651g BGB (Abs. 1 S. 1 8-%-Grenze; S. 2 Wahlrecht Annahme/Rücktritt; S. 3 erhebliche Änderung wesentlicher Eigenschaften bzw. Abweichung von besonderen Vorgaben; S. 4 20 Tage bei Preiserhöhung / nicht nach Reisebeginn bei sonstigen Änderungen; Abs. 2 Ersatzreise, Information nach Art. 250 § 10 EGBGB, Annahmefiktion; Abs. 3 Rechtsfolgen Rücktritt und Annahme) sowie § 651f Abs. 2, § 651h Abs. 1 S. 2 und Abs. 5, § 651i Abs. 3 Nr. 7, § 651m, Art. 250 §§ 3, 10 EGBGB gegen gesetze-im-internet.de und dejure.org verifiziert (Fassung vom 01.07.2018, BGBl. I S. 2394). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-09-09
- Gültig ab: 2018-07-01 (Umsetzung Pauschalreiserichtlinie 2015/2302)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, EGBGB, EU-Richtlinie)
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 651g BGB – Erhebliche Vertragsänderungen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651g.html
- § 651f BGB – Änderungsvorbehalte; Preissenkung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651f.html
- § 651h BGB – Rücktritt vor Reisebeginn:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651h.html
- § 651i BGB – Rechte des Reisenden bei Reisemängeln:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651i.html
- § 651m BGB – Minderung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651m.html
- § 651a BGB – Vertragstypische Pflichten beim Pauschalreisevertrag:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651a.html
- § 651y BGB – Abweichende Vereinbarungen (halbzwingend):
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651y.html
- Art. 250 § 3 EGBGB – Weitere Angaben bei der vorvertraglichen Unterrichtung (wesentliche Eigenschaften der Reiseleistungen):
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgbeg/art_250__3.html
- Art. 250 § 10 EGBGB – Unterrichtung bei erheblichen Vertragsänderungen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgbeg/art_250__10.html
- Richtlinie (EU) 2015/2302 – Pauschalreiserichtlinie:
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32015L2302
- dejure.org – § 651g BGB mit Fassungsnachweis und Rechtsprechungsübersicht:
  https://dejure.org/gesetze/BGB/651g.html
- BGH, Urteil vom 30.08.2022 – X ZR 84/21 (Rücktritt von Pauschalreisen wegen Covid-19):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=30.08.2022&Aktenzeichen=X%20ZR%2084%2F21
- OLG Celle, Urteil vom 18.12.2024 – 11 U 113/24 (Flugzeitverschiebung, Downgrade der Beförderungsklasse, erhebliche Änderung):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Celle&Datum=18.12.2024&Aktenzeichen=11%20U%20113%2F24
- LG Frankfurt/Main, Urteil vom 09.03.2023 – 24 O 96/22 (Economy- statt Business-Class für die Kanada-Rundreise):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=LG%20Frankfurt%2FMain&Datum=09.03.2023&Aktenzeichen=24%20O%2096%2F22

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-09-09
- Letzte Prüfung: 2026-09-09
- In Kraft seit: 2018-07-01
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
