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title: Erhöhtes Beförderungsentgelt (§ 6 EVO, § 9 BefBedV) – 60 Euro, 7-Euro-Ermäßigung und § 265a StGB
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# Erhöhtes Beförderungsentgelt (§ 6 EVO, § 9 BefBedV) – 60 Euro, 7-Euro-Ermäßigung und § 265a StGB

## Kurzantwort

Wer ohne gültigen Fahrausweis angetroffen wird, schuldet ein **erhöhtes Beförderungsentgelt (EBE)**. Die Rechtsgrundlage hängt vom Verkehrsmittel ab: Im **Eisenbahnverkehr** gilt **§ 6 der Eisenbahnverkehrs-Verordnung (EVO)** – das EBE beträgt dort das **Doppelte des gewöhnlichen Beförderungsentgelts** für die zurückgelegte Strecke, **mindestens jedoch 60 Euro**. Im **Straßenbahn-, Obus- und Linienbusverkehr** gilt **§ 9 der Verordnung über die Allgemeinen Beförderungsbedingungen (BefBedV)** – dort kann der Unternehmer ein EBE **bis zu 60 Euro** erheben, bei längeren Strecken stattdessen das **Doppelte des einfachen Fahrpreises**, sofern das mehr ergibt. Wer den Fahrausweis **hatte, aber nicht vorzeigen konnte**, zahlt nach beiden Verordnungen nur **7 Euro**, wenn er den Besitz **innerhalb einer Woche ab dem Feststellungstag** nachweist. Das EBE ist ein **zivilrechtlicher** Anspruch des Verkehrsunternehmens; die **strafrechtliche** Verfolgung nach **§ 265a StGB** („Erschleichen von Leistungen") bleibt davon unberührt. Der Bundestag hat eine Streichung des § 265a StGB am **16.04.2026 abgelehnt** – die Strafbarkeit besteht 2026 unverändert fort.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage Eisenbahn | § 6 Eisenbahnverkehrs-Verordnung (EVO) vom 04.08.2023 [gesetze-im-internet.de] |
| EVO in Kraft seit | 08.08.2023 (BGBl. 2023 I Nr. 208 vom 07.08.2023) |
| Rechtsgrundlage Bus/Straßenbahn/Obus | § 9 BefBedV vom 27.02.1970, zuletzt geändert am 16.04.2021 [gesetze-im-internet.de] |
| EBE Eisenbahn | doppeltes gewöhnliches Beförderungsentgelt, **mindestens 60 €** [§ 6 Abs. 2 S. 1 EVO] |
| EBE Bus/Straßenbahn | **bis zu 60 €**; höher nur, wenn doppelter einfacher Fahrpreis mehr ergibt [§ 9 Abs. 2 BefBedV] |
| Ermäßigung bei nachgewiesenem Ticketbesitz | **7 €** [§ 6 Abs. 3 EVO; § 9 Abs. 3 BefBedV] |
| Nachweisfrist für die 7-€-Ermäßigung | **eine Woche ab dem Feststellungstag** [§ 6 Abs. 3 EVO; § 9 Abs. 3 BefBedV] |
| Ermäßigung gilt nur für | den Fall „Ticket vorhanden, aber nicht vorgezeigt/ausgehändigt" [§ 6 Abs. 1 Nr. 2 EVO; § 9 Abs. 1 Nr. 2 BefBedV] |
| Streckenberechnung Eisenbahn | ganze vom Zug zurückgelegte Strecke, wenn kürzere Fahrt nicht **glaubhaft gemacht** wird [§ 6 Abs. 2 S. 2 EVO] |
| Streckenberechnung Bus/Straßenbahn | ab **Ausgangspunkt der Linie**, wenn die Strecke nicht **nachgewiesen** wird [§ 9 Abs. 2 S. 2 BefBedV] |
| EBE entfällt (Eisenbahn) | kein Schalter vorhanden/geöffnet **und** kein Automat vorhanden/betriebsbereit [§ 6 Abs. 4 EVO] |
| EBE entfällt (Bus/Straßenbahn) | wenn der Fahrgast das Unterbleiben **nicht zu vertreten** hat (nur Nr. 1 und Nr. 3) [§ 9 Abs. 1 a.E. BefBedV] |
| Barrierefreiheit | Fahrkartenkauf im Zug **ohne Aufpreis** für Menschen mit Behinderungen [Art. 11 Abs. 4 VO (EU) 2021/782; § 6 Abs. 5 EVO] |
| Strafnorm | § 265a StGB – Freiheitsstrafe **bis zu einem Jahr** oder Geldstrafe [dejure.org] |
| Versuch strafbar | ja [§ 265a Abs. 2 StGB] |
| Antragserfordernis | §§ 247, 248a StGB gelten entsprechend [§ 265a Abs. 3 StGB] |
| Reformstand 2026 | Bundestag lehnte Streichung des § 265a StGB am **16.04.2026** ab (BT-Drs. 21/2722, 21/1757) |
| Verjährung des EBE-Anspruchs | 3 Jahre, Regelverjährung [§§ 195, 199 BGB] |

## Zwei Verordnungen, ein Begriff

„Erhöhtes Beförderungsentgelt" klingt nach einem einheitlichen Bundestarif, ist aber in **zwei getrennten Rechtsverordnungen** geregelt, die sich in den Beträgen ähneln und in den Details deutlich unterscheiden:

- **Eisenbahnverkehr** (Fern- und Nahverkehr auf der Schiene, also auch S-Bahn und Regionalzug): **§ 6 EVO**. Die EVO vom 04.08.2023 ergänzt die europäische Fahrgastrechte-Verordnung **VO (EU) 2021/782**; sie hat die alte Eisenbahn-Verkehrsordnung von 1999 abgelöst.
- **Straßenbahn, Obus und Linienverkehr mit Kraftfahrzeugen** (Bus, U-Bahn und Stadtbahn, soweit sie als Straßenbahn im Sinne des PBefG betrieben werden): **§ 9 BefBedV**.

Welche Norm gilt, richtet sich also **nicht** nach dem Verkehrsverbund und nicht nach dem Tarif, sondern nach dem **Verkehrsmittel**. Bei einer Verbundfahrkarte, die für Bus und S-Bahn gilt, entscheidet das Fahrzeug, in dem kontrolliert wurde.

## § 6 EVO – erhöhtes Beförderungsentgelt im Zug

**Tatbestand (Abs. 1).** Zahlungspflichtig ist, wer

1. **bei Antritt der Reise nicht mit einem gültigen Fahrausweis versehen** ist oder
2. sich einen gültigen Fahrausweis **beschafft hat**, ihn bei einer Kontrolle aber **nicht vorzeigen kann oder nicht aushändigt**.

**Höhe (Abs. 2).** Das EBE beträgt das **Doppelte des gewöhnlichen Beförderungsentgelts** für die vom Reisenden zurückgelegte Strecke, **mindestens jedoch 60 Euro**. Die 60 Euro sind hier also eine **Untergrenze**, kein Deckel: Auf einer teuren Fernverkehrsrelation kann das EBE weit darüber liegen.

**Beweislast zur Strecke (Abs. 2 S. 2).** Das EBE **kann für die ganze vom Zug zurückgelegte Strecke** berechnet werden, wenn der Reisende nicht **glaubhaft macht**, dass er eine kürzere Strecke gefahren ist. Verlangt wird nur **Glaubhaftmachung**, nicht Beweis – die plausible, in sich stimmige Schilderung des Zustiegsbahnhofs genügt im Ausgangspunkt.

**Ermäßigung (Abs. 3).** Nur im Fall des **Abs. 1 Nr. 2** ermäßigt sich das EBE auf **7 Euro**, wenn der Reisende **innerhalb einer Woche ab dem Feststellungstag** beim befördernden Eisenbahnverkehrsunternehmen nachweist, dass er **im Zeitpunkt der Feststellung** Inhaber eines gültigen Fahrausweises war. Anders als im Busverkehr verlangt die EVO **keine persönliche Zeitkarte** – jeder gültige Fahrausweis genügt.

**Wegfall (Abs. 4).** Die Zahlungspflicht **entfällt**, wenn der Reisende vor Fahrtbeginn keinen Fahrausweis erwerben konnte, weil am Abfahrtsbahnhof oder -haltepunkt **kumulativ**

1. ein **Fahrkartenschalter nicht vorhanden oder nicht geöffnet** war **und**
2. ein **Fahrkartenautomat nicht vorhanden oder nicht betriebsbereit** war.

Beides muss zusammentreffen. Ein defekter Automat neben einem geöffneten Schalter genügt nicht.

**Barrierefreiheit (Abs. 5).** § 6 Abs. 5 EVO stellt ausdrücklich klar: „**Artikel 11 Absatz 4 der Verordnung (EU) 2021/782 bleibt unberührt.**" Nach dieser Vorschrift dürfen **Personen mit Behinderungen** Fahrkarten **ohne Aufpreis im Zug** kaufen, wenn es am Abfahrtsbahnhof weder einen Fahrkartenschalter noch einen barrierefreien Automaten noch eine andere barrierefreie Möglichkeit zum Vorabkauf gibt.

## § 9 BefBedV – erhöhtes Beförderungsentgelt in Bus und Straßenbahn

**Tatbestand (Abs. 1).** Vier Fallgruppen, eine mehr als in der EVO:

1. kein gültiger Fahrausweis beschafft,
2. Fahrausweis beschafft, bei der Überprüfung **nicht vorzeigbar**,
3. Fahrausweis **nicht oder nicht unverzüglich entwertet** (§ 6 Abs. 3 BefBedV),
4. Fahrausweis auf Verlangen **nicht zur Prüfung vorgezeigt oder ausgehändigt**.

Die Nummer 3 – der **nicht entwertete Fahrschein** – hat im Bahnverkehr kein Gegenstück und ist der praktisch häufigste Streitpunkt bei Streifenkarten und Mehrfahrtenkarten.

**Höhe (Abs. 2).** Der Unternehmer **kann** ein EBE **bis zu 60 Euro** erheben. Ergibt das **Doppelte des einfachen Fahrpreises** auf der zurückgelegten Strecke einen **höheren** Betrag, kann er stattdessen diesen verlangen. Die 60 Euro sind hier also der **Regelbetrag mit Öffnung nach oben**, während § 6 EVO sie als Mindestbetrag setzt.

**Beweislast zur Strecke (Abs. 2 S. 2 Hs. 2).** Kann der Fahrgast die zurückgelegte Strecke **nicht nachweisen**, darf ab dem **Ausgangspunkt der Linie** gerechnet werden. Das ist strenger als § 6 Abs. 2 S. 2 EVO, der bloße Glaubhaftmachung genügen lässt.

**Ermäßigung (Abs. 3).** Auch hier **7 Euro** und **eine Woche** ab Feststellungstag – aber nur im Fall des **Abs. 1 Nr. 2** und nur, wenn der Fahrgast nachweist, dass er im Zeitpunkt der Feststellung Inhaber einer gültigen **persönlichen Zeitkarte** war. Wer eine übertragbare Zeitkarte oder eine Einzelfahrkarte zu Hause vergessen hat, fällt nach dem Wortlaut **nicht** unter die Ermäßigung.

**Kein Vertretenmüssen (Abs. 1 a.E.).** Die Nummern **1 und 3** werden nicht angewendet, wenn Beschaffung oder Entwertung aus Gründen unterblieben ist, die der Fahrgast **nicht zu vertreten** hat – etwa bei einem defekten Entwerter im Fahrzeug. Für die Nummern 2 und 4 gilt diese Ausnahme **nicht**.

**Strafverfolgung bleibt unberührt (Abs. 1 S. 2).** § 9 Abs. 1 S. 2 BefBedV sagt es ausdrücklich: „Eine Verfolgung im Straf- oder Bußgeldverfahren bleibt unberührt."

**Ungültige Zeitkarten (Abs. 4).** Bei Verwendung ungültiger Zeitkarten – etwa gefälschter oder von einem Dritten übernommener personalisierter Karten – bleiben **weitergehende Ansprüche** des Unternehmers unberührt.

## Der Unterschied auf einen Blick

| Merkmal | § 6 EVO (Eisenbahn) | § 9 BefBedV (Bus, Straßenbahn, Obus) |
|---|---|---|
| Rolle der 60 € | **Mindestbetrag** | **Höchstbetrag**, überschreitbar bei doppeltem Fahrpreis |
| Fallgruppe „nicht entwertet" | nein | **ja** (Abs. 1 Nr. 3) |
| 7-€-Ermäßigung setzt voraus | **gültiger Fahrausweis** | gültige **persönliche Zeitkarte** |
| Nachweisfrist | 1 Woche ab Feststellungstag | 1 Woche ab Feststellungstag |
| Streckenberechnung ohne Angaben | ganze Zugstrecke, außer **Glaubhaftmachung** | ab **Linienausgangspunkt**, außer **Nachweis** |
| Wegfall bei fehlender Verkaufsmöglichkeit | ausdrücklich geregelt (Abs. 4, kumulativ) | über „nicht zu vertreten" (nur Nr. 1 und 3) |

## Zivilrecht und Strafrecht laufen nebeneinander

Das EBE ist ein **vertraglicher bzw. verordnungsrechtlicher Zahlungsanspruch** des Verkehrsunternehmens. Die Zahlung des EBE ist **kein Bußgeld**, keine Strafe und **kein Freikauf** von der Strafverfolgung.

**§ 265a StGB** stellt daneben unter Strafe, wer „die Beförderung durch ein Verkehrsmittel … **in der Absicht erschleicht, das Entgelt nicht zu entrichten**". Strafrahmen: **Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe**; der **Versuch** ist strafbar (Abs. 2). § 265a Abs. 3 erklärt die **§§ 247 und 248a StGB für entsprechend anwendbar** – bei geringwertigem Schaden ist die Tat damit grundsätzlich **Antragsdelikt**, es sei denn, die Staatsanwaltschaft bejaht ein besonderes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung. Wo die **Geringwertigkeitsgrenze** des § 248a StGB genau verläuft, ist in Rechtsprechung und Literatur **nicht einheitlich** geklärt; vertreten werden Werte im mittleren bis oberen zweistelligen Eurobereich. Diese Seite nennt bewusst **keinen festen Grenzwert**, weil er sich nicht am Gesetzeswortlaut belegen lässt.

**Reformstand 2026.** Der Bundestag hat am **Donnerstag, 16. April 2026**, auf Empfehlung des Rechtsausschusses (BT-Drs. 21/5378) **zwei Gesetzentwürfe zur Streichung des § 265a StGB abgelehnt** – den Entwurf der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/2722) und den der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (BT-Drs. 21/1757). Beide Entwürfe hätten den gesamten Tatbestand entfallen lassen, also auch das Erschleichen von Automatenleistungen und den Zutritt zu Veranstaltungen. **§ 265a StGB gilt damit unverändert fort.**

## Rechtsprechung

Alle nachfolgenden Entscheidungen sind über **dejure.org** mit Aktenzeichen belegt:

- **BVerfG, 04.11.2024 – 2 BvR 1100/24**: Verfassungsrechtliche Unbedenklichkeit einer Verurteilung wegen Erschleichens von Leistungen.
- **BayObLG, 27.05.2020 – 205 StRR 2332/19**: Voraussetzungen des Erschleichens von Leistungen bei **übertragbarem Fahrschein**.
- **OLG Hamm, 24.07.2018 – 5 RVs 103/18**: Tatbestandsmerkmal des „Erschleichens" im Sinne des § 265a StGB; kurze Freiheitsstrafe.
- **OLG Köln, 02.09.2015 – 1 RVs 118/15**: Fahren ohne Fahrschein bleibt auch beim Tragen einer Mütze mit der Aufschrift „Ich fahre schwarz" strafbar – die demonstrative Offenlegung beseitigt die Strafbarkeit nicht.
- **KG, 15.01.2013 – 121 Ss 113/12**: Erschleichen von Beförderungsleistungen beim **Fahren ohne Mitführen einer Monatskarte**.

Die Entscheidungen betreffen ausschließlich die **strafrechtliche** Seite. Sie sagen nichts über die Höhe des zivilrechtlichen EBE aus.

## Zahlung, Mahnung, Verjährung

**Sofortzahlung im Fahrzeug ist nicht Pflicht.** Weder § 6 EVO noch § 9 BefBedV verlangen Barzahlung an Ort und Stelle. Wird nicht sofort gezahlt, nimmt das Prüfpersonal die Personalien auf und das Unternehmen stellt das EBE in Rechnung. Zur **Angabe der Personalien** ist der Fahrgast gegenüber dem Unternehmen im Rahmen des Beförderungsverhältnisses verpflichtet.

**Mahn- und Inkassokosten** sind kein Bestandteil des EBE. Sie richten sich nach dem allgemeinen **Verzugsrecht** (§§ 280 Abs. 1, 2, 286, 288 BGB) und setzen daher Verzug voraus – die erste Zahlungsaufforderung selbst begründet noch keinen Ersatzanspruch für ihre eigenen Kosten.

**Verjährung.** Der EBE-Anspruch unterliegt der **Regelverjährung von drei Jahren** (§ 195 BGB), gerechnet ab dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und das Unternehmen von den anspruchsbegründenden Umständen Kenntnis erlangt hat (§ 199 Abs. 1 BGB).

**Schlichtung.** Für Streitigkeiten im öffentlichen Personenverkehr steht die **söp – Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr** offen; sie ist für Verbraucherinnen und Verbraucher kostenlos.

## Häufige Fehler

- **„Das EBE beträgt immer 60 Euro."** Falsch. Im **Eisenbahnverkehr** sind 60 Euro der **Mindestbetrag**; auf teuren Strecken ist das doppelte gewöhnliche Beförderungsentgelt maßgeblich und damit höher (§ 6 Abs. 2 S. 1 EVO). Im **Bus- und Straßenbahnverkehr** sind 60 Euro der Regelbetrag, der nur bei höherem doppeltem Fahrpreis überschritten werden darf (§ 9 Abs. 2 BefBedV).
- **„Ich hatte ja eine Monatskarte, also zahle ich nichts."** Falsch. Der Anspruch entsteht auch dann; er **ermäßigt sich** lediglich auf **7 Euro** – und nur, wenn der Nachweis **innerhalb einer Woche ab dem Feststellungstag** beim Unternehmen eingeht (§ 6 Abs. 3 EVO, § 9 Abs. 3 BefBedV). Nach Fristablauf bleibt es beim vollen Betrag.
- **„Im Bus reicht jede vergessene Fahrkarte für die 7 Euro."** Falsch. § 9 Abs. 3 BefBedV verlangt eine gültige **persönliche Zeitkarte**. Eine vergessene Einzelfahrkarte oder eine übertragbare Karte erfüllt den Wortlaut nicht. Im **Zug** ist das anders: § 6 Abs. 3 EVO genügt jeder gültige Fahrausweis.
- **„Der Automat war kaputt, also entfällt das EBE."** Im Zug nur, wenn **zusätzlich** kein Schalter vorhanden oder geöffnet war – § 6 Abs. 4 EVO verlangt beide Voraussetzungen **kumulativ**. Im Bus- und Straßenbahnverkehr hilft nur das Merkmal „nicht zu vertreten", und das gilt ausschließlich für die Fallgruppen Nr. 1 und Nr. 3.
- **„Wenn ich das EBE zahle, ist die Sache erledigt."** Nicht zwingend. § 9 Abs. 1 S. 2 BefBedV stellt ausdrücklich klar, dass eine **Verfolgung im Straf- oder Bußgeldverfahren unberührt** bleibt. Die Zahlung kann faktisch Anlass sein, von einer Anzeige abzusehen, hindert sie aber rechtlich nicht.
- **„Schwarzfahren ist seit 2026 nicht mehr strafbar."** Falsch. Der Bundestag hat die Streichung des § 265a StGB am **16.04.2026 abgelehnt**. Die Strafnorm gilt unverändert.
- **„Ohne Ticket im Zug erwischt – ich muss sofort bar zahlen."** Die Verordnungen sehen keine Barzahlungspflicht vor. Das Unternehmen darf jedoch die Personalien aufnehmen und das EBE in Rechnung stellen.
- **„Ich muss beweisen, wo ich zugestiegen bin."** Im Zug reicht **Glaubhaftmachung** (§ 6 Abs. 2 S. 2 EVO). Im Bus und in der Straßenbahn verlangt § 9 Abs. 2 S. 2 BefBedV demgegenüber einen **Nachweis**, sonst wird ab dem Linienausgangspunkt gerechnet.
- **„Menschen mit Behinderung zahlen im Zug einen Aufschlag beim Nachlösen."** Nein. Fehlt am Abfahrtsbahnhof jede barrierefreie Kaufmöglichkeit, ist der Kauf im Zug **ohne Aufpreis** zulässig (Art. 11 Abs. 4 VO (EU) 2021/782, ausdrücklich vorbehalten in § 6 Abs. 5 EVO).
















## Quellen

- § 6 EVO – Erhöhtes Beförderungsentgelt (Eisenbahnverkehrs-Verordnung vom 04.08.2023): https://www.gesetze-im-internet.de/evo_2023/__6.html
- Eisenbahnverkehrs-Verordnung (EVO) – Volltext: https://www.gesetze-im-internet.de/evo_2023/
- BGBl. 2023 I Nr. 208 vom 07.08.2023 – Eisenbahnverkehrs-Verordnung: https://www.recht.bund.de/bgbl/1/2023/208/VO.html
- § 9 BefBedV – Erhöhtes Beförderungsentgelt: https://www.gesetze-im-internet.de/befbedv/__9.html
- Verordnung über die Allgemeinen Beförderungsbedingungen für den Straßenbahn- und Obusverkehr sowie den Linienverkehr mit Kraftfahrzeugen (BefBedV) – Volltext: https://www.gesetze-im-internet.de/befbedv/
- § 265a StGB – Erschleichen von Leistungen: https://dejure.org/gesetze/StGB/265a.html
- § 248a StGB – Diebstahl und Unterschlagung geringwertiger Sachen: https://dejure.org/gesetze/StGB/248a.html
- VO (EU) 2021/782 über die Rechte und Pflichten der Fahrgäste im Eisenbahnverkehr (Art. 11): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32021R0782
- Deutscher Bundestag – „Bundestag lehnt Entkriminalisierung des Fahrens ohne Fahrschein ab" (16.04.2026): https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw16-de-schwarzfahren-1165328
- BT-Drs. 21/2722 – Gesetzentwurf der Fraktion Die Linke: https://dserver.bundestag.de/btd/21/027/2102722.pdf
- BT-Drs. 21/1757 – Gesetzentwurf der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen: https://dserver.bundestag.de/btd/21/017/2101757.pdf
- BT-Drs. 21/5378 – Beschlussempfehlung des Rechtsausschusses: https://dserver.bundestag.de/btd/21/053/2105378.pdf
- söp – Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr: https://soep-online.de/

## Änderungsverlauf

- 2026-08-22: Erstveröffentlichung. § 6 Abs. 1–5 EVO und § 9 Abs. 1–4 BefBedV wortlautgenau geprüft (Beträge 60 € und 7 €, Wochenfrist, Streckenberechnung, kumulative Wegfallvoraussetzungen); § 265a Abs. 1–3 StGB gegen dejure.org verifiziert; Ablehnung der Entkriminalisierung am 16.04.2026 nebst Drucksachennummern gegen bundestag.de belegt; Art. 11 Abs. 4 VO (EU) 2021/782 (aufpreisfreier Kauf im Zug für Personen mit Behinderungen) als der in § 6 Abs. 5 EVO ausdrücklich vorbehaltene Regelungsgehalt geprüft; fünf Entscheidungen mit über dejure.org belegten Aktenzeichen aufgenommen. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-08-22
- Gültig ab: 2023-08-08 (Inkrafttreten der EVO vom 04.08.2023); § 9 BefBedV in der Fassung vom 16.04.2021
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (EVO, BefBedV, StGB, VO (EU) 2021/782, BGBl., BT-Drucksachen)
- Lizenz: CC BY 4.0
