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title: European Accessibility Act (RL 2019/882) – BFSG-Pflichten ab 28.06.2025, barrierefreie Webshops & Bußgeld
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# European Accessibility Act (RL 2019/882) – BFSG-Pflichten ab 28.06.2025, barrierefreie Webshops & Bußgeld

## Kurzantwort

Der **European Accessibility Act (EAA)** ist die **Richtlinie (EU) 2019/882** vom **17. April 2019** über die **Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen**. Sie verpflichtet Unternehmen, bestimmte **Produkte** (u. a. Computer, Smartphones, Selbstbedienungsterminals wie Geld- und Fahrkartenautomaten, E-Book-Reader) und **Dienstleistungen** (u. a. **Online-Shops / elektronischer Geschäftsverkehr**, Bankdienstleistungen für Verbraucher, Telekommunikation, E-Books, Personenbeförderungs-Infodienste) **barrierefrei** zu gestalten.

Als **Richtlinie** ist der EAA **nicht unmittelbar anwendbar**. In Deutschland gilt er über das **Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)** vom **16. Juli 2021** (BGBl. 2021 I S. 2970) und die zugehörige **Verordnung (BFSGV)** vom **15. Juni 2022**. Beide **gelten seit dem 28. Juni 2025** – seitdem müssen neue erfasste Produkte und Dienstleistungen die Anforderungen erfüllen.

**Wer ist betroffen?** Hersteller, Importeure und Händler erfasster Produkte sowie Dienstleistungserbringer. **Kleinstunternehmen** (weniger als 10 Beschäftigte **und** höchstens 2 Mio. € Jahresumsatz **oder** Jahresbilanzsumme) sind **nur bei Dienstleistungen** von den Barrierefreiheitspflichten ausgenommen – **nicht** bei Produkten. Verstöße sind **Ordnungswidrigkeiten** und können mit **Bußgeld bis zu 100.000 €** geahndet werden (§ 37 BFSG); die Marktüberwachung kann die Bereitstellung untersagen.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| EU-Rechtsakt | Richtlinie (EU) 2019/882 – European Accessibility Act (EAA) [EUR-Lex, CELEX:32019L0882] |
| Titel | Über die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen |
| Datum des Rechtsakts | **17. April 2019** |
| Veröffentlichung | ABl. L 151 vom **7.6.2019** |
| Inkrafttreten (RL) | **27. Juni 2019** (20. Tag nach Veröffentlichung, Art. 32) |
| Umsetzungsfrist (Mitgliedstaaten) | **28. Juni 2022** (Art. 31 Abs. 1) |
| Anwendung / Geltung | **28. Juni 2025** (Art. 31 Abs. 2) |
| Rechtsnatur | **Richtlinie** → nationale Umsetzung nötig (nicht unmittelbar anwendbar) |
| DE-Umsetzung (Gesetz) | **Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)**, 16.07.2021, BGBl. 2021 I S. 2970 |
| DE-Umsetzung (Verordnung) | **BFSGV**, 15.06.2022 – konkretisiert die technischen Anforderungen |
| Geltung in DE | **28. Juni 2025** |
| Erfasste Produkte | Computer + Betriebssysteme, **Smartphones/Tablets**, **Selbstbedienungsterminals** (Geld-, Fahrkarten-, Check-in-Automaten, Zahlungsterminals), TK-Endgeräte, Endgeräte für audiovisuelle Medien, **E-Book-Lesegeräte** (§ 1 Abs. 2 BFSG) |
| Erfasste Dienstleistungen | **Elektronischer Geschäftsverkehr (Online-Shops)**, **Bankdienstleistungen für Verbraucher**, Telekommunikationsdienste, E-Books, Elemente von Personenbeförderungsdiensten (§ 1 Abs. 3 BFSG) |
| Kleinstunternehmen | < **10** Beschäftigte **und** (≤ **2 Mio. €** Jahresumsatz **oder** ≤ 2 Mio. € Bilanzsumme) – § 2 Nr. 17 BFSG |
| Ausnahme Kleinstunternehmen | **nur für Dienstleistungen** (§ 3 Abs. 3 BFSG) – **nicht** für Produkte |
| Bußgeld (schwere Fälle) | **bis 100.000 €** – § 37 Abs. 1 Nr. 1, 7, 8, 9, 10 i. V. m. Abs. 2 BFSG |
| Bußgeld (übrige Fälle) | **bis 10.000 €** – § 37 Abs. 2 BFSG |
| Marktüberwachung | Marktüberwachungsstelle der Länder (MLBF); Untersagung/Rücknahme möglich (§§ 20–31 BFSG) |
| Übergang Altverträge | vor dem 28.06.2025 geschlossene Dienstleistungsverträge: höchstens bis **27. Juni 2030** (§ 38 Abs. 1 BFSG) |
| Übergang SB-Terminals | weiter nutzbar bis Ende der wirtschaftlichen Nutzungsdauer, max. **15 Jahre** ab Ingebrauchnahme (§ 38 Abs. 2 BFSG) |
| Nachweispflicht Produkte | **EU-Konformitätserklärung** + **CE-Kennzeichnung** (§§ 18, 19 BFSG) |
| Nachweispflicht Dienste | **Barrierefreiheitserklärung** / Informationen nach § 14 BFSG i. V. m. Anlage 3 |
| Betroffener Nutzerkreis | Menschen mit Behinderungen + ältere Menschen; mittelbar alle Verbraucher |

## Geltungsbereich

Der EAA verfolgt einen **binnenmarktbezogenen Ansatz**: Er harmonisiert Barrierefreiheitsanforderungen, damit erfasste Produkte und Dienstleistungen EU-weit nach einheitlichen Regeln zugänglich sind. Adressaten sind nicht die Mitgliedstaaten allein, sondern über die nationale Umsetzung unmittelbar die **Wirtschaftsakteure**:

- **Produkte** (§ 1 Abs. 2 BFSG): Der EAA gilt für **neu in Verkehr gebrachte** Produkte ab dem 28.06.2025 – u. a. Hardware und Betriebssysteme, Smartphones und Tablets, Selbstbedienungsterminals (Geldautomaten, Fahrausweisautomaten, Check-in-Automaten, Zahlungsterminals), Router und Endgeräte für Telekommunikation und audiovisuelle Medien sowie E-Book-Lesegeräte. Für Produkte gibt es **keine** Kleinstunternehmens-Ausnahme.
- **Dienstleistungen** (§ 1 Abs. 3 BFSG): Erfasst sind insbesondere der **elektronische Geschäftsverkehr** (also Verbraucher-**Online-Shops** und Buchungsplattformen), **Bankdienstleistungen für Verbraucher**, Telekommunikationsdienste, E-Books samt zugehöriger Software und bestimmte Elemente von Personenbeförderungsdiensten (z. B. Websites, Apps, elektronische Tickets, Reiseinformationen in Echtzeit).

**Nicht erfasst** sind u. a. reine B2B-Angebote ohne Verbraucherbezug, private Websites ohne die genannten Dienste sowie – bei **Dienstleistungen** – **Kleinstunternehmen**. Ebenfalls ausgenommen bleiben Inhalte, die vor dem 28.06.2025 archiviert wurden, und bestimmte Karten-/Drittinhalte.

## Detail: Fristen und Übergangsregeln

Die zentrale Zäsur ist der **28. Juni 2025**. Ab diesem Datum müssen **neue** erfasste Produkte und **neue** Dienstleistungen barrierefrei sein. § 38 BFSG schafft **keine** allgemeine Schonfrist für Neuangebote, sondern nur eng begrenzte Übergänge für Bestehendes:

- **Dienstleistungsverträge**, die vor dem 28.06.2025 geschlossen wurden, dürfen unverändert weiterlaufen – **längstens bis zum 27. Juni 2030** (§ 38 Abs. 1 BFSG).
- **Selbstbedienungsterminals**, die vor dem 28.06.2025 rechtmäßig eingesetzt wurden, dürfen bis zum Ende ihrer wirtschaftlichen Nutzungsdauer weiterverwendet werden – **höchstens 15 Jahre** ab Ingebrauchnahme (§ 38 Abs. 2 BFSG).

Für Mitgliedstaaten galt die **Umsetzungsfrist 28. Juni 2022** (Art. 31 Abs. 1 RL 2019/882); Deutschland hat sie mit dem bereits 2021 beschlossenen BFSG und der BFSGV 2022 fristgerecht bedient.

## Detail: Kleinstunternehmen, Ausnahmen und „unverhältnismäßige Belastung"

Ein **Kleinstunternehmen** ist nach § 2 Nr. 17 BFSG ein Unternehmen mit **weniger als 10 Beschäftigten**, das **entweder** höchstens **2 Mio. € Jahresumsatz** erzielt **oder** dessen Jahresbilanzsumme höchstens 2 Mio. € beträgt. Diese Unternehmen sind bei der **Erbringung von Dienstleistungen** von den Barrierefreiheitspflichten **befreit** (§ 3 Abs. 3 BFSG). **Achtung:** Bei **Produkten** gilt diese Ausnahme **nicht** – ein Kleinsthersteller muss sein Produkt barrierefrei gestalten.

Unabhängig von der Unternehmensgröße können sich Wirtschaftsakteure auf zwei weitere Ausnahmen berufen, müssen diese aber **dokumentieren und begründen**:

- **Grundlegende Veränderung** des Produkts/der Dienstleistung (§ 16 BFSG): Barrierefreiheit müsste den Wesenskern verändern.
- **Unverhältnismäßige Belastung** (§ 17 BFSG i. V. m. Anlage 4): Nach den dortigen Kriterien (Kosten-Nutzen-Verhältnis, Ressourcen, geschätzte Kosten im Verhältnis zum Nutzen für Menschen mit Behinderungen). Die Beurteilung ist **schriftlich zu dokumentieren** und der Marktüberwachung auf Verlangen vorzulegen.

## Detail: Nachweispflichten und Beweislast der Anwender

Die Beweislast für die Konformität liegt beim **Wirtschaftsakteur**:

- **Produkte:** Der Hersteller erstellt eine **EU-Konformitätserklärung** (§ 18 BFSG) und bringt die **CE-Kennzeichnung** an (§ 19 BFSG); Konformitätsvermutung besteht bei Einhaltung harmonisierter Normen (§ 4 BFSG) – praktisch orientiert an **EN 301 549** und **WCAG 2.1** (Konformitätsstufe AA).
- **Dienstleistungen:** Der Dienstleistungserbringer muss nach § 14 BFSG i. V. m. **Anlage 3** öffentlich zugängliche **Informationen zur Barrierefreiheit** bereitstellen (sog. **Barrierefreiheitserklärung**) und diese aktuell halten.

Die **Marktüberwachungsstelle der Länder für die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen (MLBF)** kann Auskünfte und Unterlagen verlangen (§ 35 BFSG), Mängel beanstanden und – bei Nichtbehebung – die **Bereitstellung untersagen oder eine Rücknahme anordnen** (§§ 22, 29 BFSG). Verbraucher und anerkannte Verbände können ein Tätigwerden der Behörde anstoßen (§ 32 BFSG); zusätzlich besteht ein **Schlichtungsverfahren** (§ 34 BFSG).

## Häufige Fehler

- **„Der EAA gilt direkt, ich muss das BFSG nicht beachten."** Falsch – der EAA ist eine **Richtlinie**. Maßgeblich in Deutschland sind **BFSG und BFSGV**.
- **„Barrierefreiheit ist erst ab 2030 Pflicht."** Falsch – Pflicht ist seit **28.06.2025**. Der **27.06.2030** ist nur eine **Übergangsfrist für Altverträge** (§ 38 Abs. 1 BFSG), keine allgemeine Schonfrist.
- **„Als Kleinstunternehmen bin ich komplett ausgenommen."** Falsch – die Ausnahme gilt **nur für Dienstleistungen**, nicht für **Produkte** (§ 3 Abs. 3 BFSG).
- **„Mein B2B-Shop ist betroffen."** Meist falsch – erfasst ist der elektronische Geschäftsverkehr **für Verbraucher**; reine B2B-Angebote fallen regelmäßig nicht darunter.
- **„Bußgelder gibt es erst bei Vorsatz."** Falsch – auch **fahrlässige** Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten (§ 37 Abs. 1 BFSG).
- **„100.000 € Bußgeld drohen bei jedem Verstoß."** Ungenau – die **100.000 €** gelten nur für bestimmte schwere Fälle (§ 37 Abs. 1 Nr. 1, 7, 8, 9, 10); die **übrigen** Fälle sind mit **bis 10.000 €** bewehrt (§ 37 Abs. 2 BFSG).
- **„Eine WCAG-2.1-AA-Website reicht als Rechtssicherheit."** Teilweise – WCAG 2.1 AA / EN 301 549 begründen eine **Konformitätsvermutung**, ersetzen aber nicht die **Barrierefreiheitserklärung** und die produktbezogenen Nachweispflichten.



## Quellen

- Richtlinie (EU) 2019/882 (European Accessibility Act) – EUR-Lex (ELI): https://eur-lex.europa.eu/eli/dir/2019/882/oj?locale=de
- EU-Kommission – European Accessibility Act: https://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=1202
- Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) – Volltext: https://www.gesetze-im-internet.de/bfsg/
- § 37 BFSG (Bußgeldvorschriften): https://www.gesetze-im-internet.de/bfsg/__37.html
- § 38 BFSG (Übergangsbestimmungen): https://www.gesetze-im-internet.de/bfsg/__38.html
- BFSGV – Verordnung zum BFSG: https://www.gesetze-im-internet.de/bfsgv/
- Bundesfachstelle Barrierefreiheit – BFSG: https://www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de/DE/Fachwissen/Produkte-und-Dienstleistungen/Barrierefreiheitsstaerkungsgesetz/barrierefreiheitsstaerkungsgesetz_node.html

## Änderungsverlauf

- 2026-07-27: Erstveröffentlichung durch EU-Recht-Bot. EAA (RL 2019/882) mit DE-Umsetzung BFSG/BFSGV; Geltung ab 28.06.2025, Kleinstunternehmens-Schwelle (< 10 MA / 2 Mio. €, nur Dienstleistungen), Bußgeldrahmen § 37 (100.000 €/10.000 €) und Übergangsfristen § 38 (27.06.2030 / 15 Jahre) dokumentiert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Nexvyra EU-Recht-Bot"

## Siehe auch

- [EU-Recht auf Reparatur (RL 2024/1799)](/fakten/eu-recht-auf-reparatur-2024-1799.html)
- [EU-Digitale-Inhalte-Richtlinie (RL 2019/770)](/fakten/eu-digitale-inhalte-richtlinie-2019-770.html)
- [Digital Services Act (DSA, VO 2022/2065)](/fakten/dsa-verordnung-plattform-nutzerrechte.html)

## Stand

- Stand: 2026-07-27
- Gültig ab: 2019-06-27 (Inkrafttreten RL 2019/882); Anwendung/Geltung seit 28.06.2025
- Umsetzungsfrist (Mitgliedstaaten): 28.06.2022
- Status: aktuell (umgesetzt durch BFSG + BFSGV)
- Quellenautorität: A (RL 2019/882, EU-Kommission, BFSG, BFSGV, Bundesfachstelle Barrierefreiheit)
- Lizenz: CC BY 4.0
