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title: "EU-Entsenderichtlinie (RL 96/71/EG i.d.F. RL 2018/957) – Entsendung nach Deutschland, Entlohnung, Langzeitentsendung & AEntG-Pflichten"
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# EU-Entsenderichtlinie (RL 96/71/EG i.d.F. RL 2018/957) – Entsendung nach Deutschland, Entlohnung, Langzeitentsendung & AEntG-Pflichten

## Kurzantwort

Wer Arbeitnehmer aus einem anderen EU-Staat vorübergehend nach Deutschland entsendet, muss ihnen die **zwingenden deutschen Arbeitsbedingungen** gewähren – seit der Reform durch **Richtlinie (EU) 2018/957** (anzuwenden seit **30. Juli 2020**) ausdrücklich die gesamte **Entlohnung**, nicht mehr nur Mindestlohnsätze. Dauert die Entsendung länger als **12 Monate**, gelten zusätzlich fast alle weiteren deutschen Arbeitsbedingungen; mit begründeter Mitteilung an den Zoll verlängert sich diese Frist auf **18 Monate**.

Die Richtlinie wirkt in Deutschland über das **Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AEntG)**. Auftraggeber haften wie ein **Bürge** für Mindestlohn und Beiträge ihrer Subunternehmer; Verstöße kosten bis zu **500.000 €** Bußgeld.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsakt | Richtlinie (EU) 2018/957 vom 28.06.2018 zur Änderung der RL 96/71/EG [EUR-Lex, CELEX:32018L0957] |
| Veröffentlichung / Inkrafttreten | ABl. 09.07.2018 / 29.07.2018 |
| Umsetzungsfrist und Anwendung | 30.07.2020 (Art. 3 RL 2018/957) |
| Rechtsnatur | Richtlinie – braucht nationale Umsetzung (DE: AEntG) |
| Entlohnung | Alle zwingend verbindlichen Entlohnungsbestandteile des Aufnahmestaats (Art. 3 Abs. 1 RL 96/71/EG n.F.; § 2 Nr. 1 AEntG) |
| Langzeitentsendung | Nach 12 Monaten zusätzliche Arbeitsbedingungen (§ 13b AEntG); 18 Monate bei Mitteilung vor Ablauf der 12 Monate |
| Ausnahmen Langzeit | Abschluss/Beendigung des Arbeitsvertrags (inkl. nachvertragliche Wettbewerbsverbote), betriebliche Altersversorgung |
| Reise-/Unterkunftskosten | Erstattung nur für Fahrten zum/vom regelmäßigen Arbeitsplatz und bei Versetzung (§ 2 Nr. 8, Abs. 3 AEntG) |
| Auftraggeberhaftung | Bürgenhaftung (Verzicht auf Einrede der Vorausklage) für Nettomindestlohn und Sozialkassenbeiträge (§ 14 AEntG) |
| Anmeldung | Schriftlich, auf Deutsch, vor Beginn jeder Leistung beim Zoll (§ 18 AEntG); Kraftfahrer über IMI |
| Bußgeld | bis 500.000 € (Arbeitsbedingungen, Auftraggeberhaftung), bis 50.000 € (Aufzeichnung), bis 30.000 € (Übrige) (§ 23 Abs. 3 AEntG) |
| Vergabeausschluss | Ab Bußgeld von 2.500 € möglich (Zoll-Information zu AEntG/MiLoG) |

## Geltungsbereich

Erfasst sind Arbeitgeber mit Sitz im Ausland, die Beschäftigte **vorübergehend** in Deutschland einsetzen – im Rahmen eines Werk- oder Dienstleistungsvertrags, konzerninterner Entsendung oder als **Arbeitnehmerüberlassung** (§ 2 Abs. 2 AEntG). Betroffen sind Bau, Gebäudereinigung, Pflege, Fleischwirtschaft, Logistik, IT-Montage und andere Branchen. Für **Kraftfahrer** im Straßenverkehr gilt eine Sonderregelung (Art. 3 Abs. 3 RL 2018/957 verweist auf einen separaten Rechtsakt; siehe Prüfhinweis unten). Branchenmindestlöhne aus Tarifverträgen nach AEntG gelten für entsandte Beschäftigte ebenso wie für inländische.

## Detail: Entlohnung statt Mindestlohnsätze

Der Begriff „Entlohnung" folgt dem Recht des Aufnahmestaats. Maßgeblich sind alle dort zwingend verbindlichen Bestandteile, etwa Zuschläge für Überstunden, Nacht- oder Feiertagsarbeit, soweit sie für inländische Beschäftigte zwingend gelten. Entsendezulagen zählen zur Entlohnung, soweit sie nicht tatsächlich entstandene Reise-, Unterbringungs- und Verpflegungskosten ersetzen; ist unklar, was die Zulage abdeckt, gilt sie als Kostenerstattung (Art. 3 Abs. 7 RL 96/71/EG n.F.). Der Aufnahmestaat muss die geltenden Bedingungen auf einer einzigen offiziellen nationalen Website veröffentlichen (für Deutschland: Zollverwaltung).

## Detail: Langzeitentsendung (12 / 18 Monate)

Dauert die tatsächliche Entsendung mehr als 12 Monate, gelten **alle** durch Gesetz, Verordnung oder allgemeinverbindlichen Tarifvertrag vorgeschriebenen Arbeitsbedingungen des Einsatzorts (§ 13b AEntG). Die Frist verlängert sich auf **18 Monate**, wenn der Arbeitgeber dem Zoll **vor Ablauf der 12 Monate** in Textform und auf Deutsch mitteilt: Namen und Geburtsdaten, Einsatzort, Gründe für die Überschreitung und voraussichtliche Gesamtdauer. Der Zoll bestätigt den Eingang. Wird ein entsandter Arbeitnehmer durch einen anderen auf demselben Arbeitsplatz ersetzt, werden die Einsatzzeiten zusammengerechnet (Art. 3 Abs. 1a RL 96/71/EG n.F.).

## Detail: Pflichten und Haftung in Deutschland

- **Anmeldung (§ 18 AEntG):** vor Beginn jeder Leistung schriftlich auf Deutsch beim Zoll; Angaben zu Beschäftigten, Beginn, Dauer, Einsatzort (Baustelle), Aufbewahrungsort der Unterlagen, Zustellungsbevollmächtigtem, Auftraggeber; Änderungen unverzüglich. Verleiher und Entleiher haben eigene Meldepflichten.
- **Unterlagen (§ 19 AEntG):** Arbeitszeitaufzeichnungen und Nachweise in Deutschland und auf Deutsch bereithalten, mindestens zwei Jahre (Zoll-Information).
- **Auftraggeberhaftung (§ 14 AEntG):** Wer Werk- oder Dienstleistungen beauftragt, haftet für Subunternehmer und Verleiher wie ein selbstschuldnerischer Bürge; maßgeblich ist das **Nettoentgelt**.
- **Bußgeld (§ 23 AEntG):** Auch der Auftraggeber, der in erheblichem Umfang Leistungen durch Dritte erbringen lässt und Verstöße kennt oder fahrlässig nicht kennt, handelt ordnungswidrig (§ 23 Abs. 2).

## Häufige Fehler

- „Wir zahlen den Heimatlohn plus Entsendezulage." Zulagen für Reise und Unterkunft ersetzen nicht den deutschen Lohn; nur tatsächlich angefallene Kosten werden angerechnet.
- „Die 12-Monatsgrenze gilt je Arbeitnehmer." Bei Austausch auf demselben Arbeitsplatz werden die Zeiten zusammengerechnet.
- „Die 18-Monatsverlängerung gilt automatisch." Sie braucht eine begründete Mitteilung an den Zoll **vor** Ablauf von 12 Monaten.
- „Der Subunternehmer haftet allein." Der Auftraggeber haftet als Bürge und riskiert ein Bußgeld bis 500.000 €.
- „Die Anmeldung kann nachgeholt werden." Sie ist **vor** Beginn der Leistung einzureichen.

## Änderungsverlauf

- 2026-10-14: Faktencheck: tote Quellen-URL(s) ersetzt (https://employment-social-affairs.ec.europa.eu/policies-and-activities/labour-law-working-conditions-and-social-security-coordination/posting-workers_en → https://employment-social-affairs.ec.europa.eu/policies-and-activities/moving-working-europe/working-another-eu-country/posted-workers_en; https://www.gesetze-im-internet.de/aentg/ → https://www.gesetze-im-internet.de/aentg_2009/). Inhaltlich nicht neu geprüft; offene Punkte aus der Erstveröffentlichung bleiben, factcheck_status unverändert.
- 2026-10-13: Erstveröffentlichung. Richtliniendaten (Art. 3: 30.07.2020; Art. 3 Abs. 1a: 12/18 Monate) gegen EUR-Lex-Volltext geprüft; AEntG §§ 2, 13b, 14, 18, 23 gegen Gesetzestext; Bußgeldsätze gegen Zoll-Information. Offen: BGBl.-Fundstelle des Umsetzungsgesetzes, Straßentransport-Sonderregeln (RL 2020/1057), EuGH-Verfahren zur RL 2018/957 – daher review_needed.

## Stand

- Stand: 2026-10-13
- Gültig ab: 2020-07-30 (Anwendung der RL 2018/957)
- Status: in Kraft (Richtlinie, in Deutschland durch AEntG umgesetzt)
- Quellenautorität: A (EUR-Lex CELEX:32018L0957)
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- Richtlinie (EU) 2018/957 (Volltext, deutsch):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32018L0957
- Richtlinie 96/71/EG (Ursprungsfassung):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:31996L0071
- EU-Kommission – Entsendung von Arbeitnehmern:
  https://employment-social-affairs.ec.europa.eu/policies-and-activities/moving-working-europe/working-another-eu-country/posted-workers_en
- Arbeitnehmer-Entsendegesetz (DE-Umsetzung):
  https://www.gesetze-im-internet.de/aentg_2009/
- § 23 AEntG (Bußgeld):
  https://lxgesetze.de/aentg/23
- Zoll – Folgen bei Verstößen:
  https://www.zoll.de/EN/Businesses/Work/Foreign-domiciled-employers-posting/Minimum-conditions-of-employment/Consequences-of-non-compliance/consequences-of-non-compliance.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-13
- Letzte Prüfung: 2026-10-13
- In Kraft seit: 2020-07-30
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
