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title: EU-Vereinbarkeitsrichtlinie (RL 2019/1158) – Vaterschaftsurlaub, Elternurlaub & Pflegeurlaub: was davon in Deutschland gilt
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last_reviewed: 2026-08-21
status: in Kraft (umgesetzt durch BEEG, PflegeZG, FPfZG, AGG – VRUG vom 24.12.2022); Vaterschaftsurlaub in DE über Ausnahmeklauseln Art. 20 Abs. 6/7 nicht eingeführt
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# EU-Vereinbarkeitsrichtlinie (RL 2019/1158) – Vaterschaftsurlaub, Elternurlaub & Pflegeurlaub: was davon in Deutschland gilt

## Kurzantwort

Die **Richtlinie (EU) 2019/1158** vom **20. Juni 2019** „zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Eltern und pflegende Angehörige" (sog. **Vereinbarkeitsrichtlinie** oder **Work-Life-Balance-Richtlinie**) legt EU-weite **Mindestvorschriften** fest: **10 Arbeitstage Vaterschaftsurlaub** (Art. 4), **4 Monate Elternurlaub** je Elternteil, davon **2 Monate nicht übertragbar** (Art. 5), **5 Arbeitstage Urlaub für pflegende Angehörige pro Jahr** (Art. 6), **Arbeitsfreistellung bei höherer Gewalt** (Art. 7) sowie ein **Recht, flexible Arbeitsregelungen zu beantragen**, für Eltern von Kindern **bis mindestens 8 Jahre** und für pflegende Angehörige (Art. 9). Sie hat die alte Elternurlaubs-Richtlinie **2010/18/EU** zum **2. August 2022** aufgehoben (Art. 19).

Als **Richtlinie** ist RL 2019/1158 **nicht unmittelbar anwendbar** – Beschäftigte können sich gegenüber privaten Arbeitgebern **nicht direkt** auf sie berufen. Die **Umsetzungsfrist endete am 2. August 2022** (Art. 20 Abs. 1); für die Bezahlung der **letzten beiden Wochen des Elternurlaubs** nach Art. 8 Abs. 3 galt eine verlängerte Frist bis zum **2. August 2024** (Art. 20 Abs. 2).

**Der wichtigste Punkt für Deutschland:** Einen eigenständigen **„Vaterschaftsurlaub"** gibt es hier **nicht** – und Deutschland ist dazu nach Auffassung der Bundesregierung und der EU-Kommission auch **nicht verpflichtet**. Die **Ausnahmeklauseln in Art. 20 Abs. 6 und Abs. 7** erlauben es Mitgliedstaaten, großzügigere nationale Systeme anzurechnen; Deutschland stützt sich dabei auf **Elternzeit** (Freistellung) und **Elterngeld** (Vergütung). Die EU-Kommission hatte am **20. September 2022** ein **Vertragsverletzungsverfahren** eingeleitet und dieses nach dem Inkrafttreten des **Vereinbarkeitsrichtlinienumsetzungsgesetzes (VRUG)** am **24. Dezember 2022** bereits am **1. Juni 2023 im vorgerichtlichen Stadium abgeschlossen**.

Die im Koalitionsvertrag der 20. Wahlperiode angekündigte **„Familienstartzeit"** (zweiwöchige vergütete Freistellung für den zweiten Elternteil) wurde **nicht umgesetzt**; der Koalitionsvertrag der 21. Legislaturperiode setzt laut BMBFSFJ (Stand 08.12.2025) **andere Schwerpunkte**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsakt | Richtlinie (EU) 2019/1158 [EUR-Lex, CELEX:32019L1158] |
| Titel | Zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Eltern und pflegende Angehörige |
| Datum des Rechtsakts | **20. Juni 2019** |
| Veröffentlichung | **ABl. L 188 vom 12.7.2019, S. 79** |
| Inkrafttreten | **1. August 2019** (20. Tag nach Veröffentlichung, Art. 21) |
| Rechtsgrundlage | Art. 153 Abs. 2 lit. b i. V. m. Art. 153 Abs. 1 lit. i AEUV |
| Rechtsnatur | **Richtlinie** → nationale Umsetzung nötig, **keine** unmittelbare Anwendbarkeit |
| Umsetzungsfrist (allgemein) | **2. August 2022** [Art. 20 Abs. 1] |
| Umsetzungsfrist (Art. 8 Abs. 3, letzte 2 Wochen Elternurlaub) | **2. August 2024** [Art. 20 Abs. 2] |
| Aufhebung Vorgänger-RL 2010/18/EU | **2. August 2022** [Art. 19 Abs. 1] |
| Anwendungsbereich (Art. 2) | **alle Arbeitnehmer** mit Arbeitsvertrag/Beschäftigungsverhältnis – Selbständige **nicht** erfasst |
| Vaterschaftsurlaub (Art. 4 Abs. 1) | **10 Arbeitstage** anlässlich der Geburt |
| Wartezeit Vaterschaftsurlaub | **keine** (Art. 4 Abs. 2) – unabhängig von Familienstand (Art. 4 Abs. 3) |
| Bezahlung Vaterschaftsurlaub (Art. 8 Abs. 2) | mindestens auf **Krankengeld-Niveau**; Wartezeit max. **6 Monate** vor errechnetem Geburtstermin |
| Elternurlaub (Art. 5 Abs. 1) | **4 Monate** eigener Anspruch je Elternteil, bis Kind max. **8 Jahre** |
| Nicht übertragbar (Art. 5 Abs. 2) | **2 Monate** |
| Wartezeit Elternurlaub (Art. 5 Abs. 4) | max. **1 Jahr** Betriebszugehörigkeit |
| Aufschiebung durch Arbeitgeber (Art. 5 Abs. 5) | nur bei **gravierender Betriebsstörung**, **schriftlich** zu begründen |
| Urlaub für pflegende Angehörige (Art. 6 Abs. 1) | **5 Arbeitstage pro Jahr**, Nachweis zulässig |
| Höhere Gewalt (Art. 7) | Freistellung aus **dringenden familiären Gründen** (Krankheit/Unfall), begrenzbar |
| Flexible Arbeitsregelungen (Art. 9 Abs. 1) | Antragsrecht für Eltern (Kind **bis mind. 8 Jahre**) und pflegende Angehörige |
| Wartezeit flexible Arbeit (Art. 9 Abs. 4) | max. **6 Monate** |
| Ablehnung flexibler Arbeit (Art. 9 Abs. 2) | Arbeitgeber muss **jede Ablehnung/Aufschiebung begründen** |
| Rückkehrrecht (Art. 9 Abs. 3, Art. 10 Abs. 2) | zum **ursprünglichen Arbeitsmuster** bzw. auf früheren/gleichwertigen Arbeitsplatz |
| Diskriminierungsverbot (Art. 11) | Verbot der Schlechterstellung wegen Beantragung/Inanspruchnahme |
| Kündigungsschutz (Art. 12 Abs. 1) | Verbot der Kündigung **und aller Kündigungsvorbereitungen** |
| **Beweislastumkehr (Art. 12 Abs. 3)** | Arbeitnehmer trägt Indizien vor → **Arbeitgeber muss beweisen**, dass die Kündigung andere Gründe hat |
| Begründungspflicht bei Kündigung (Art. 12 Abs. 2) | auf Verlangen **hinreichend genau**; bei Urlaub nach Art. 4–6 **schriftlich** |
| Sanktionen (Art. 13) | Mitgliedstaaten: **wirksam, verhältnismäßig, abschreckend** – **keine** EU-weit fixierten Bußgeldhöhen |
| Günstigkeitsprinzip (Art. 16) | nationale Besserstellung erlaubt; **Absenkungsverbot** (Referenzstichtag 1.8.2019) |
| Berichtspflicht (Art. 18 Abs. 1) | Mitgliedstaaten liefern bis **2. August 2027** Umsetzungsdaten an die Kommission |
| DE-Umsetzungsgesetz | **VRUG**, in Kraft **24.12.2022** – ändert **BEEG, PflegeZG, FPfZG, AGG** |
| DE-Vertragsverletzungsverfahren | eingeleitet **20.09.2022**, abgeschlossen **01.06.2023** (vorgerichtlich) |
| DE-Vaterschaftsurlaub | **nicht eingeführt** – Ausnahme nach **Art. 20 Abs. 6/7** über Elternzeit + Elterngeld |
| DE-Familienstartzeit | **nicht umgesetzt** (Stand: BMBFSFJ, 08.12.2025) |

## Geltungsbereich

**Persönlich:** Die Richtlinie gilt nach **Art. 2** für **alle Arbeitnehmer**, Männer wie Frauen, die nach nationalem Recht, Tarifvertrag oder Gepflogenheit einen **Arbeitsvertrag** haben oder in einem **Beschäftigungsverhältnis** stehen. **Selbständige und Solo-Selbständige sind nicht erfasst** – Art. 18 Abs. 2 lit. b sieht insoweit lediglich eine **Studie** vor.

**Sachlich:** Erfasst sind die vier Freistellungstatbestände (Art. 4–7) und das Antragsrecht auf flexible Arbeitsregelungen (Art. 9). „Flexible Arbeitsregelungen" sind nach **Art. 3 Abs. 1 lit. f** ausdrücklich weit definiert: **Telearbeit, flexible Arbeitspläne oder Reduzierung der Arbeitszeit**.

**Adressat:** Adressaten sind die **Mitgliedstaaten** (Art. 22), nicht unmittelbar die Arbeitgeber. Wer Rechte durchsetzen will, muss sich in Deutschland auf **BEEG, PflegeZG, FPfZG, TzBfG, § 616 BGB** und das **AGG** stützen – nicht direkt auf die Richtlinie. Eine **unmittelbare Wirkung** kommt allenfalls im Verhältnis zu **staatlichen Arbeitgebern** und nur bei hinreichend bestimmten, nicht umgesetzten Vorschriften in Betracht; gegenüber **privaten** Arbeitgebern besteht sie nach ständiger EuGH-Rechtsprechung **nicht**.

**Zeitlich:** In Kraft seit **1. August 2019**, umzusetzen bis **2. August 2022**, für Art. 8 Abs. 3 bis **2. August 2024**.

## Detail: Die fünf Rechte im Einzelnen

### 1. Vaterschaftsurlaub (Art. 4)

**10 Arbeitstage** für Väter oder – soweit national anerkannt – **gleichgestellte zweite Elternteile**, zu nehmen **anlässlich der Geburt**. Die Mitgliedstaaten bestimmen, ob der Urlaub teilweise vor der Geburt oder ausschließlich danach und ob er **flexibel** genommen werden kann. **Keine Wartezeit** (Abs. 2), **unabhängig vom Familienstand** (Abs. 3). Vergütung nach **Art. 8 Abs. 2** mindestens auf dem Niveau, das der Beschäftigte bei **krankheitsbedingter Arbeitsunterbrechung** erhielte (nationale Obergrenzen zulässig).

### 2. Elternurlaub (Art. 5)

**4 Monate eigener Anspruch je Elternteil**, zu nehmen, bevor das Kind ein national festzulegendes Alter von **maximal 8 Jahren** erreicht. **2 Monate sind nicht übertragbar** (Abs. 2) – das ist der Kern des Gleichstellungsziels. Wartezeit **max. 1 Jahr** (Abs. 4), wobei bei aufeinanderfolgenden befristeten Verträgen beim selben Arbeitgeber die **Gesamtlaufzeit** zählt. Der Arbeitgeber darf den Urlaub nur **aufschieben**, wenn sonst eine **gravierende Störung der Abläufe** einträte – und muss das **schriftlich begründen** (Abs. 5). Beschäftigte können Elternurlaub auch **in flexibler Form** beantragen; eine Ablehnung ist **schriftlich innerhalb eines angemessenen Zeitraums** zu begründen (Abs. 6).

### 3. Urlaub für pflegende Angehörige (Art. 6)

**5 Arbeitstage pro Jahr**, um einen **Angehörigen** (Sohn, Tochter, Mutter, Vater, Ehepartner oder eingetragener Partner, Art. 3 Abs. 1 lit. e) oder eine **im selben Haushalt lebende Person** zu pflegen, die aus **schwerwiegenden medizinischen Gründen** auf erhebliche Pflege oder Unterstützung angewiesen ist. Ein **geeigneter Nachweis** darf verlangt werden. Die Mitgliedstaaten dürfen statt der Jahresbetrachtung auch **pro pflegebedürftiger Person oder pro Fall** gewähren (Abs. 2).

### 4. Arbeitsfreistellung bei höherer Gewalt (Art. 7)

Recht auf Freistellung aus **dringenden familiären Gründen**, wenn **Erkrankung oder Unfall** die unmittelbare Anwesenheit erfordern. Die Mitgliedstaaten dürfen das Recht **pro Jahr oder pro Fall zeitlich begrenzen**.

### 5. Flexible Arbeitsregelungen (Art. 9)

**Antragsrecht** (nicht: Anspruch auf Bewilligung) für Eltern von Kindern **bis mindestens 8 Jahre** und für pflegende Angehörige. Der Arbeitgeber muss **innerhalb eines angemessenen Zeitraums** antworten und **jede Ablehnung oder Aufschiebung begründen** (Abs. 2). Bei befristeten Regelungen besteht ein **Rückkehrrecht** zum ursprünglichen Arbeitsmuster, auf Antrag auch **vorzeitig**, wenn geänderte Umstände dies rechtfertigen (Abs. 3). Wartezeit **max. 6 Monate** (Abs. 4).

## Detail: Umsetzung in Deutschland (VRUG, 24.12.2022)

Deutschland hat die Richtlinie **nicht durch ein einziges neues Stammgesetz**, sondern durch **Anpassung bestehender Gesetze** umgesetzt. Das **Gesetz zur weiteren Umsetzung der europäischen Vereinbarkeitsrichtlinie in Deutschland (Vereinbarkeitsrichtlinienumsetzungsgesetz – VRUG)** trat am **24. Dezember 2022** in Kraft und brachte laut BMBFSFJ drei Kernänderungen:

| Vorgabe der Richtlinie | Deutsche Regelung |
|---|---|
| Art. 5 Elternurlaub | **§§ 15, 16 BEEG** (Elternzeit bis zur Vollendung des 8. Lebensjahres); Vergütung über **Elterngeld** (BEEG) |
| Art. 9 flexible Arbeitsregelungen | **§ 15 BEEG** (Teilzeit in Elternzeit) – **Ablehnung ist unabhängig von der Betriebsgröße schriftlich zu begründen**; ergänzend **§ 8 TzBfG** |
| Art. 6 Urlaub für pflegende Angehörige | **§ 2 PflegeZG** (kurzzeitige Arbeitsverhinderung, bis 10 Arbeitstage) mit **Pflegeunterstützungsgeld** nach **§ 44a Abs. 3 SGB XI** |
| Art. 7 höhere Gewalt | **§ 2 PflegeZG**, ergänzend **§ 616 BGB** (vorübergehende Verhinderung) |
| Kleinbetriebe Pflege-/Familienpflegezeit | **§ 3 Abs. 6a PflegeZG**: Beschäftigte bei Arbeitgebern mit **in der Regel 15 oder weniger** Beschäftigten können den **Abschluss einer Freistellungsvereinbarung verlangen**; der Arbeitgeber muss **innerhalb von vier Wochen** nach Zugang antworten und eine **Ablehnung begründen**. Wird eine Vereinbarung geschlossen, gelten die zugehörigen Rechtsfolgen einschließlich **Kündigungsschutz** für die Dauer der Freistellung. Eine **entsprechende Regelung** wurde im **FPfZG** ergänzt. |
| Art. 15 Gleichbehandlungsstellen | **Zuständigkeit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erweitert** (AGG) – Beschäftigte können sich dorthin wenden, wenn sie sich wegen Elternzeit, Pflegezeit, Familienpflegezeit oder Fernbleibens im akuten Pflegefall (§ 2 PflegeZG) benachteiligt sehen |

**Praxisrelevante Fristen im BEEG:** Lehnt der Arbeitgeber eine **Teilzeit in Elternzeit** nicht innerhalb von **vier Wochen** (Elternzeit zwischen Geburt und dem 3. Geburtstag) bzw. **acht Wochen** (zwischen dem 3. und dem 8. Geburtstag) nach Antragseingang **schriftlich und begründet** ab, gilt die Zustimmung als **erteilt** und die Verringerung tritt nach dem Wunsch des Beschäftigten ein (§ 15 Abs. 7 BEEG). Das ist die schärfste Sanktion der deutschen Umsetzung – **Fristversäumnis des Arbeitgebers führt zur fingierten Zustimmung**.

## Detail: Warum es in Deutschland keinen „Vaterschaftsurlaub" gibt

Das ist die mit Abstand häufigste Fehlvorstellung zu dieser Richtlinie. Der Mechanismus:

- **Art. 20 Abs. 6** erlaubt es Mitgliedstaaten, bei der Erfüllung der Art. 4, 5, 6 und 8 **jeden Zeitraum und jede Vergütung** für familienbedingte Freistellung zu berücksichtigen, die **national über den Mindeststandards** liegt – sofern die Mindestanforderungen erfüllt bleiben und das Schutzniveau nicht sinkt.
- **Art. 20 Abs. 7** erlaubt es ausdrücklich, auf die Vergütung nach **Art. 8 Abs. 2** (Vaterschaftsurlaub) zu **verzichten**, wenn während eines **Elternurlaubs von mindestens sechs Monaten je Elternteil** eine Bezahlung von **mindestens 65 % des Nettoeinkommens** – ggf. mit Obergrenze – gewährt wird.

Deutschland stützt sich auf diese Klauseln: **Elternzeit** (bis 3 Jahre je Elternteil, § 15 BEEG) und **Elterngeld** (Basiselterngeld i. d. R. **65 % des wegfallenden Nettoeinkommens** innerhalb der gesetzlichen Ober- und Untergrenzen) übertreffen aus Sicht der Bundesregierung und der EU-Kommission die Mindestvorgaben. Die **EU-Kommission hat das Vertragsverletzungsverfahren nach positiver Vollständigkeitsprüfung am 1. Juni 2023 im vorgerichtlichen Stadium eingestellt** – ohne Klage vor dem EuGH.

**Rechtliche Konsequenz für Beschäftigte:** Es besteht **kein einklagbarer Anspruch** auf 10 bezahlte Arbeitstage rund um die Geburt gegenüber dem Arbeitgeber. Wer als zweiter Elternteil unmittelbar nach der Geburt zu Hause bleiben will, nutzt in Deutschland **Elternzeit** (Anmeldung nach **§ 16 Abs. 1 BEEG** spätestens **sieben Wochen** vor Beginn, bei Beginn ab dem 3. Geburtstag **13 Wochen**), **Erholungsurlaub**, **unbezahlte Freistellung** oder – falls tariflich/arbeitsvertraglich vorgesehen – **Sonderurlaub** bzw. **§ 616 BGB**.

## Häufige Fehler

- **„Väter haben in Deutschland nach EU-Recht 10 Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub."** Nein. Art. 4 gilt EU-weit als Mindeststandard, **Deutschland ist über Art. 20 Abs. 6/7 davon befreit** und hat ihn **nicht eingeführt**. Das Vertragsverletzungsverfahren wurde am **01.06.2023 eingestellt**.
- **„Die Familienstartzeit ist beschlossen."** Nein. Sie war Vorhaben des Koalitionsvertrags der 20. Wahlperiode und wurde **nicht umgesetzt**; der aktuelle Koalitionsvertrag setzt laut BMBFSFJ **andere Schwerpunkte** (Stand: 08.12.2025).
- **„Ich kann mich direkt auf die Richtlinie berufen."** Bei einem **privaten Arbeitgeber** nicht. Richtlinien wirken zwischen Privaten **nicht unmittelbar**; Anspruchsgrundlage sind BEEG, PflegeZG, FPfZG, TzBfG, § 616 BGB, AGG.
- **„Art. 9 gibt mir einen Anspruch auf Homeoffice."** Nein – Art. 9 gibt ein **Recht, flexible Arbeitsregelungen zu beantragen**, und verpflichtet den Arbeitgeber nur, **zu antworten und eine Ablehnung zu begründen**. Ein Bewilligungsanspruch folgt daraus nicht.
- **„5 Tage Pflegeurlaub gelten in Deutschland als eigener Anspruch."** Der deutsche Umsetzungsweg ist die **kurzzeitige Arbeitsverhinderung nach § 2 PflegeZG** (bis **10 Arbeitstage**) mit **Pflegeunterstützungsgeld** – nicht ein separater 5-Tage-Urlaub.
- **„Die Richtlinie sieht EU-weite Bußgelder vor."** Nein. **Art. 13** verlangt nur **wirksame, verhältnismäßige und abschreckende** nationale Sanktionen – **keine** in Euro bezifferten EU-Bußgeldrahmen wie bei DSGVO, DSA oder AI Act.
- **„Selbständige sind mit erfasst."** Nein – **Art. 2** erfasst nur Arbeitnehmer. Für Selbständige sieht **Art. 18 Abs. 2 lit. b** lediglich eine **Studie** vor.
- **„Der Arbeitgeber muss eine Kündigung während der Elternzeit nicht begründen."** Doch: Nach **Art. 12 Abs. 2** sind die Gründe auf Verlangen hinreichend genau und bei Urlaub nach Art. 4–6 **schriftlich** darzulegen, und nach **Art. 12 Abs. 3** trägt der **Arbeitgeber die Beweislast**, dass andere Gründe vorlagen. In Deutschland kommt der besondere Kündigungsschutz nach **§ 18 BEEG** bzw. **§ 5 PflegeZG** hinzu.











## Quellen

- Richtlinie (EU) 2019/1158 – Volltext deutsch (EUR-Lex, CELEX:32019L1158):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32019L1158
- Richtlinie (EU) 2019/1158 – ELI-Permalink:
  https://eur-lex.europa.eu/eli/dir/2019/1158/oj
- Richtlinie (EU) 2019/1158 – amtliche PDF-Fassung (ABl. L 188 vom 12.7.2019, S. 79):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX%3A32019L1158
- EUR-Lex – nationale Umsetzungsmaßnahmen (NIM) zu 32019L1158:
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/NIM/?uri=CELEX:32019L1158
- EUR-Lex – Zusammenfassung „Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Eltern und pflegende Angehörige":
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=LEGISSUM%3A4413650
- BMBFSFJ – Vereinbarkeitsrichtlinienumsetzungsgesetz (VRUG), in Kraft 24.12.2022:
  https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/ministerium/gesetze/vereinbarkeitsrichtlinienumsetzungsgesetz-vrug-198236
- BMBFSFJ – Vertragsverletzungsverfahren zur Umsetzung der Vereinbarkeitsrichtlinie (Stand 08.12.2025):
  https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/familie/familienleistungen/elternzeit/vertragsverletzungsverfahren-zur-umsetzung-der-vereinbarkeitsrichtlinie-237698
- BEEG – Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (DE-Umsetzung Elternurlaub/flexible Arbeit):
  https://www.gesetze-im-internet.de/beeg/
- § 15 BEEG – Anspruch auf Elternzeit, Teilzeit während der Elternzeit:
  https://www.gesetze-im-internet.de/beeg/__15.html
- § 16 BEEG – Inanspruchnahme der Elternzeit (Anmeldefristen):
  https://www.gesetze-im-internet.de/beeg/__16.html
- PflegeZG – Pflegezeitgesetz:
  https://www.gesetze-im-internet.de/pflegezg/
- § 2 PflegeZG – Kurzzeitige Arbeitsverhinderung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/pflegezg/__2.html
- § 3 PflegeZG – Pflegezeit und sonstige Freistellungen (Abs. 6a: Kleinbetriebe, 4-Wochen-Frist):
  https://www.gesetze-im-internet.de/pflegezg/__3.html
- FPfZG – Familienpflegezeitgesetz:
  https://www.gesetze-im-internet.de/fpfzg/
- AGG – Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (Zuständigkeit Antidiskriminierungsstelle):
  https://www.gesetze-im-internet.de/agg/
- § 616 BGB – Vorübergehende Verhinderung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__616.html
- § 8 TzBfG – Zeitlich nicht begrenzte Verringerung der Arbeitszeit:
  https://www.gesetze-im-internet.de/tzbfg/__8.html

## Änderungsverlauf

- 2026-08-21: Erstveröffentlichung. Primärtext der RL (EU) 2019/1158 (Art. 1–22) Wort für Wort gegen die EUR-Lex-Fassung CELEX:32019L1158 (ABl. L 188 vom 12.7.2019, S. 79) abgeglichen: 10 Arbeitstage Vaterschaftsurlaub (Art. 4 Abs. 1), 4 Monate Elternurlaub / 2 Monate nicht übertragbar (Art. 5 Abs. 1, 2), 5 Arbeitstage Pflegeurlaub (Art. 6 Abs. 1), Antragsrecht flexible Arbeit bis mind. 8 Jahre (Art. 9 Abs. 1), Wartezeiten max. 1 Jahr / 6 Monate (Art. 5 Abs. 4, Art. 9 Abs. 4), Beweislastumkehr (Art. 12 Abs. 3), Umsetzungsfristen 2.8.2022 / 2.8.2024 (Art. 20 Abs. 1, 2), Ausnahmeklauseln Art. 20 Abs. 6/7 (65 % Nettoeinkommen bei mind. 6 Monaten Elternurlaub), Aufhebung RL 2010/18/EU zum 2.8.2022 (Art. 19), Berichtspflicht bis 2.8.2027 (Art. 18 Abs. 1). Deutsche Umsetzung (VRUG, 24.12.2022) und Vertragsverletzungsverfahren (eingeleitet 20.09.2022, abgeschlossen 01.06.2023) gegen die amtlichen BMBFSFJ-Seiten geprüft (Stand der Behördenseite: 08.12.2025). Offen: die Zuordnung einzelner deutscher Paragrafen (§ 3 Abs. 6a PflegeZG mit Schwelle „15 oder weniger Beschäftigte", entsprechende FPfZG-Regelung, § 15 Abs. 7 BEEG mit 4-/8-Wochen-Fristen, § 44a Abs. 3 SGB XI) wurde über gesetze-im-internet-Verweise und Sekundärquellen belegt, aber nicht am amtlichen Volltext Wort für Wort verifiziert → factcheck_status=review_needed. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-08-21
- Gültig ab: 2019-08-01 (Inkrafttreten der Richtlinie, Art. 21)
- Umsetzungsfrist: 2022-08-02 (Art. 20 Abs. 1); 2024-08-02 für Art. 8 Abs. 3 (Art. 20 Abs. 2)
- Deutschland: umgesetzt durch BEEG, PflegeZG, FPfZG, AGG (VRUG, in Kraft 24.12.2022); Vertragsverletzungsverfahren am 01.06.2023 vorgerichtlich abgeschlossen
- Vaterschaftsurlaub: in Deutschland nicht eingeführt (Ausnahme nach Art. 20 Abs. 6/7)
- Nächster EU-Meilenstein: Umsetzungsbericht der Mitgliedstaaten bis 2027-08-02 (Art. 18 Abs. 1)
- Status: in Kraft (Richtlinie – national umgesetzt)
- Quellenautorität: A (EUR-Lex CELEX:32019L1158, ABl. L 188/79; BMBFSFJ; gesetze-im-internet.de)
- Lizenz: CC BY 4.0
