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title: "Grenzüberschreitende Zustellung in der EU – EU-Zustellungsverordnung (EU) 2020/1784 und §§ 1067–1069 ZPO"
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# Grenzüberschreitende Zustellung in der EU – EU-Zustellungsverordnung (EU) 2020/1784 und §§ 1067–1069 ZPO

## Kurzantwort

Soll eine Klage, ein Urteil oder ein anderes Schriftstück in **Zivil- oder Handelssachen** an eine Person in einem **anderen EU-Mitgliedstaat** zugestellt werden, gilt die **Verordnung (EU) 2020/1784** (EU-Zustellungsverordnung, EuZVO). Sie gilt seit dem **1. Juli 2022** und hat die Verordnung (EG) Nr. 1393/2007 abgelöst. Seit dem **1. Mai 2025** kommunizieren die beteiligten Stellen verpflichtend über ein **dezentrales IT-System** (Art. 37 VO (EU) 2020/1784).

Der Regelweg: Die **Übermittlungsstelle** (in Deutschland das Gericht, das die Zustellung betreibt) schickt das Schriftstück an die **Empfangsstelle** im anderen Staat. Diese bestätigt den Eingang binnen **sieben Tagen** und stellt **möglichst bald, spätestens binnen eines Monats** zu (Art. 10, 11). Daneben erlaubt die Verordnung die **Zustellung per Post** (Einschreiben mit Rückschein, Art. 18) und unter engen Voraussetzungen die **elektronische Zustellung** (Art. 19). Der Empfänger kann die Annahme **binnen zwei Wochen verweigern**, wenn das Schriftstück nicht in einer Sprache abgefasst oder übersetzt ist, die er versteht oder die Amtssprache am Zustellungsort ist (Art. 12). Die deutschen Durchführungsvorschriften stehen in **§§ 1067–1069 ZPO**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage (EU) | Verordnung (EU) 2020/1784 über die Zustellung gerichtlicher und außergerichtlicher Schriftstücke in Zivil- oder Handelssachen in den Mitgliedstaaten (Neufassung) |
| Rechtsgrundlage (national) | §§ 1067–1069 ZPO (Buch 11, Abschnitt 1); allgemein § 183 ZPO (Zustellung im Ausland) |
| Gilt seit | 01.07.2022 (Art. 37 Abs. 1); Vorgänger: VO (EG) Nr. 1393/2007 |
| Dezentrales IT-System | verpflichtend seit 01.05.2025 (Art. 5, 8, 10 i. V. m. Art. 37 Abs. 2) |
| Deutsche Übermittlungsstelle | für gerichtliche Schriftstücke das die Zustellung betreibende Gericht (§ 1069 ZPO) |
| Deutsche Empfangsstelle | Geschäftsstelle des Amtsgerichts, in dessen Bezirk zugestellt werden soll (§ 1069 ZPO) |
| Zentralstelle des Bundes | Bundesamt für Justiz (§ 1069 ZPO, Art. 4 VO) |
| Eingangsbestätigung | binnen 7 Tagen (Art. 10, Formblatt D) |
| Zustellungsfrist der Empfangsstelle | möglichst bald, spätestens binnen eines Monats nach Eingang (Art. 11) |
| Annahmeverweigerung | bei Zustellung oder binnen 2 Wochen schriftlich, Formblatt L (Art. 12) |
| Postzustellung | Einschreiben mit Rückschein oder gleichwertigem Beleg (Art. 18) |
| Elektronische Zustellung an Adressaten in Deutschland | nur nach Art. 19 Abs. 1 Buchst. a (qualifizierter elektronischer Einschreib-Zustelldienst + ausdrückliche vorherige Zustimmung) – § 1068 ZPO |
| Schutz des säumigen Beklagten | Art. 22: kein Urteil, solange rechtzeitige Zustellung nicht feststeht; Ausnahme nach mindestens sechs Monaten ohne Zustellungsnachweis |

## Anwendungsbereich

Die Verordnung gilt für die Zustellung **gerichtlicher und außergerichtlicher Schriftstücke in Zivil- oder Handelssachen**, wenn das Schriftstück von einem Mitgliedstaat in einen anderen zu übermitteln ist. Nicht erfasst sind insbesondere **Steuer-, Zoll- und verwaltungsrechtliche Angelegenheiten** sowie die Haftung eines Staates für hoheitliches Handeln. Typische Anwendungsfälle sind die Zustellung einer **Klageschrift**, eines **Mahnbescheids**, eines **Urteils** oder eines **Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses** an eine Partei mit Wohnsitz oder Sitz in einem anderen Mitgliedstaat.

Für Zustellungen in **Drittstaaten** (außerhalb der EU) gilt die Verordnung nicht; dort richtet sich die Zustellung nach **§ 183 ZPO** und den einschlägigen völkerrechtlichen Vereinbarungen (z. B. dem Haager Zustellungsübereinkommen).

## Die Zustellungswege im Überblick

**1. Übermittlungs- und Empfangsstellen (Art. 8–15).** Der Regelweg läuft von Behörde zu Behörde: Die **Übermittlungsstelle** des Ausgangsstaats übersendet das Schriftstück mit dem Antragsformblatt A an die **Empfangsstelle** des Zielstaats. Die Empfangsstelle bestätigt den Eingang binnen **sieben Tagen** (Art. 10) und unternimmt alle erforderlichen Schritte, um das Schriftstück **möglichst bald, spätestens innerhalb eines Monats** nach Eingang zuzustellen (Art. 11). Gelingt das nicht in dieser Frist, unterrichtet sie die Übermittlungsstelle – und bemüht sich grundsätzlich weiter. Zugestellt wird nach dem **Recht des Empfangsmitgliedstaats** oder in einer von der Übermittlungsstelle gewünschten besonderen Form, soweit diese mit dem dortigen Recht vereinbar ist.

**2. Diplomatische oder konsularische Vertretungen (Art. 17).** Möglich, aber nach **§ 1067 ZPO** soll eine Zustellung durch deutsche Auslandsvertretungen nur im **begründeten Ausnahmefall** erfolgen. In Deutschland ist eine solche Zustellung durch ausländische Vertretungen **nur zulässig, wenn der Adressat Staatsangehöriger des Übermittlungsstaats** ist (§ 1067 ZPO).

**3. Zustellung per Post (Art. 18).** Gerichtliche Schriftstücke können Personen in einem anderen Mitgliedstaat **unmittelbar durch Postdienste** zugestellt werden – per **Einschreiben mit Rückschein** oder gleichwertigem Beleg. In der Praxis ist das der schnellste und häufigste Weg für deutsche Gerichte.

**4. Elektronische Zustellung (Art. 19).** Unmittelbar elektronisch an eine Person mit bekannter Zustelladresse in einem anderen Mitgliedstaat darf zugestellt werden, wenn entweder **(a)** ein **qualifizierter Dienst für die Zustellung elektronischer Einschreiben** (eIDAS) genutzt wird **und** der Adressat der elektronischen Zustellung im Verfahren **vorher ausdrücklich zugestimmt** hat, oder **(b)** der Adressat der Zustellung per **E-Mail** an eine bestimmte Adresse **vorher ausdrücklich zugestimmt** hat und den Empfang mit Datum **bestätigt**. **Deutschland** lässt für Adressaten im Inland **nur Variante (a)** zu (**§ 1068 ZPO**).

**5. Unmittelbare Zustellung (Art. 20).** Wer an einem Verfahren beteiligt ist, kann Schriftstücke unmittelbar durch Amtspersonen oder andere zuständige Personen des Empfangsmitgliedstaats zustellen lassen, **soweit dessen Recht das erlaubt**.

## Sprache und Annahmeverweigerung (Art. 12)

Eine Übersetzung ist nicht in jedem Fall Pflicht. Der Empfänger **darf die Annahme aber verweigern**, wenn das Schriftstück nicht in einer der folgenden Sprachen abgefasst oder übersetzt ist:

- einer Sprache, die der Empfänger **versteht**, oder
- der **Amtssprache des Empfangsmitgliedstaats** (bzw. einer Amtssprache des Zustellungsorts).

Die Verweigerung erfolgt **bei der Zustellung** oder durch schriftliche Erklärung **innerhalb von zwei Wochen ab Zustellung**, etwa mit dem **Formblatt L**, das dem Schriftstück beizufügen ist. Wird die Annahme berechtigt verweigert, kann der Mangel durch Zustellung **mit Übersetzung** geheilt werden. Für Fristwahrungen gilt dann grundsätzlich der Zeitpunkt der **ersten Zustellung** zugunsten des Antragstellers (Art. 12, 13).

## Zustellungsdatum (Art. 13)

Das Datum der Zustellung richtet sich nach dem **Recht des Empfangsmitgliedstaats**. Muss ein Schriftstück nach dem Recht des Ausgangsstaats **innerhalb einer bestimmten Frist** zugestellt werden (z. B. zur Verjährungshemmung), ist für den Antragsteller das Datum maßgeblich, das sich aus **dessen eigenem Recht** ergibt (Grundsatz des „doppelten Zustellungsdatums"). In Deutschland ist hierfür insbesondere **§ 167 ZPO** (Rückwirkung bei Zustellung „demnächst") zu beachten.

## Schutz des Beklagten bei Nichteinlassung (Art. 22)

Ist ein **verfahrenseinleitendes Schriftstück** in einen anderen Mitgliedstaat übermittelt worden und lässt sich der Beklagte nicht auf das Verfahren ein, darf das Gericht **kein Urteil erlassen**, bevor feststeht, dass die Zustellung **so rechtzeitig** erfolgt ist, dass sich der Beklagte **verteidigen** konnte. Ein Urteil ist ausnahmsweise trotzdem möglich, wenn das Schriftstück auf einem Weg der Verordnung übermittelt wurde, seit der Übermittlung eine vom Gericht festgesetzte Frist von **mindestens sechs Monaten** verstrichen ist und trotz aller zumutbaren Schritte keine Bescheinigung über die Zustellung zu erlangen war. Für ein **Versäumnisurteil** gegen einen Beklagten im EU-Ausland hat das praktische Bedeutung.

## Geltungsbereich

Die Verordnung gilt unmittelbar in den **EU-Mitgliedstaaten**. **Dänemark** ist an die Verordnung nicht gebunden; für Dänemark gilt ein gesondertes Abkommen mit der EU. In Deutschland ergänzen **§§ 1067–1069 ZPO** die Verordnung (Zuständigkeiten, Auslandsvertretungen, elektronische Zustellung). Für Zustellungen **innerhalb Deutschlands** gelten die §§ 166 ff. ZPO, für Drittstaaten § 183 ZPO.

## Ausnahmen

- **Unbekannte Anschrift:** Die Verordnung gilt grundsätzlich nicht, wenn die Anschrift des Empfängers unbekannt ist; dann kommt im deutschen Verfahren unter Umständen die **öffentliche Zustellung** (§ 185 ZPO) in Betracht.
- **Keine Zivil- oder Handelssache:** Steuer-, Zoll- und verwaltungsrechtliche Angelegenheiten sowie hoheitliches Staatshandeln sind ausgenommen.
- **E-Mail-Zustellung nach Deutschland:** nicht zulässig – nur der qualifizierte elektronische Einschreib-Zustelldienst mit vorheriger ausdrücklicher Zustimmung (§ 1068 ZPO).

## Häufige Fehler

- **„Eine Klage ins EU-Ausland muss immer übersetzt werden."** Nicht zwingend. Ohne passende Übersetzung riskiert der Kläger aber die **Annahmeverweigerung** binnen zwei Wochen (Art. 12) – und damit Zeitverlust.
- **„Wenn der Beklagte im Ausland nicht reagiert, gibt es sofort ein Versäumnisurteil."** Nein. Art. 22 verlangt den Nachweis rechtzeitiger Zustellung oder den Ablauf von **mindestens sechs Monaten** unter weiteren Voraussetzungen.
- **„Eine E-Mail an den Schuldner in Deutschland reicht als Zustellung aus einem anderen EU-Staat."** Nein. Für Adressaten in Deutschland ist nur Art. 19 Abs. 1 Buchst. a zulässig (§ 1068 ZPO).
- **„Für die Zustellung brauche ich die deutsche Botschaft."** In der Regel nicht. Die Zustellung durch Auslandsvertretungen soll nur im begründeten Ausnahmefall erfolgen (§ 1067 ZPO); üblich sind Post oder Empfangsstelle.

## Beispiel

Die A-GmbH aus Köln verklagt einen Kunden mit Wohnsitz in Wien vor dem Landgericht Köln auf Zahlung von 25.000 €. Das Landgericht ist als betreibendes Gericht **Übermittlungsstelle** (§ 1069 ZPO) und stellt die Klage per **Einschreiben mit Rückschein** nach Art. 18 zu. Eine Übersetzung ist hier nicht nötig: Die Klage ist auf Deutsch abgefasst, und Deutsch ist Amtssprache in Österreich – ein Verweigerungsrecht nach Art. 12 besteht deshalb nicht. Ginge die Klage an einen Kunden in Lissabon, sollte die A-GmbH eine **portugiesische Übersetzung** beifügen, sonst kann der Empfänger die Annahme binnen zwei Wochen verweigern. Für die Verjährungshemmung kommt es zugunsten der A-GmbH auf das Datum nach deutschem Recht an (Art. 13, § 167 ZPO).

## Siehe auch

- [Zustellung im Zivilprozess (§§ 166 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/zustellung-zivilprozess-166-zpo.html)
- [Europäisches Mahnverfahren (VO (EG) Nr. 1896/2006)](https://nexvyra.de/fakten/europaeisches-mahnverfahren-1896-2006.html)
- [Europäisches Verfahren für geringfügige Forderungen (VO (EG) Nr. 861/2007)](https://nexvyra.de/fakten/europaeisches-bagatellverfahren-861-2007.html)
- [Brüssel-Ia-Verordnung (VO (EU) Nr. 1215/2012)](https://nexvyra.de/fakten/bruessel-ia-verordnung-1215-2012.html)
- [Versäumnisurteil (§§ 330 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/versaeumnisurteil-330-zpo.html)
- [Klageerhebung im Zivilprozess (§§ 253 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/klageerhebung-zivilprozess-253-zpo.html)
- [Hemmung und Neubeginn der Verjährung (§§ 203, 204, 212 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/verjaehrung-hemmung-neubeginn-204-212-bgb.html)

## Änderungsverlauf

- 2026-10-21: Erstveröffentlichung der Faktenseite. Wortlaut der §§ 1067–1069 ZPO über WebSearch (allowed_domains gesetze-im-internet.de) gegen die amtlichen Einzelnormseiten belegt; Art. 10, 11, 12, 13, 18, 19, 22, 37 VO (EU) 2020/1784 über WebSearch auf eur-lex.europa.eu (amtliche Fassung + konsolidierte Fassung 01.05.2025) belegt; direkter web_fetch von EUR-Lex lieferte leere Antwort. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-10-21
- Status: aktuell (geltendes Recht)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- Verordnung (EU) 2020/1784 (EUR-Lex, amtliche Fassung):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex:32020R1784
- Verordnung (EU) 2020/1784, konsolidierte Fassung vom 01.05.2025 (EUR-Lex):
  https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2020/1784/2025-05-01/eng
- § 1067 ZPO – Zustellung durch diplomatische oder konsularische Vertretungen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__1067.html
- § 1068 ZPO – Elektronische Zustellung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__1068.html
- § 1069 ZPO – Zuständigkeiten; Verordnungsermächtigungen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__1069.html
- § 183 ZPO – Zustellung im Ausland:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__183.html
- § 167 ZPO – Rückwirkung der Zustellung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__167.html
- Europäisches Justizportal – Zustellung von Schriftstücken (Neufassung), sekundär:
  https://e-justice.europa.eu/topics/taking-legal-action/european-judicial-atlas-civil-matters/serving-documents-recast_en

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-21
- Letzte Prüfung: 2026-10-21
- In Kraft seit: 2022-07-01
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
