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# EuGH C-307/22 (FT, VO 2016/679) – Patientenakte: erste Kopie kostenlos (Art. 15 Abs. 3 DSGVO, § 630g BGB)

## Kurzantwort

Mit Urteil vom **26. Oktober 2023** in der Rechtssache **C-307/22 (FT, Kopie der Patientenakte)** hat der **EuGH** auf Vorlage des **Bundesgerichtshofs** (Beschluss vom 29.03.2022 – [VI ZR 1352/20](https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=29.03.2022&Aktenzeichen=VI%20ZR%201352%2F20)) entschieden ([Pressemitteilung Nr. 161/23](https://curia.europa.eu/jcms/upload/docs/application/pdf/2023-10/cp230161de.pdf); [Urteil auf curia.europa.eu](https://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?docid=279125)):

1. **Die erste Kopie der Patientenakte ist kostenlos.** Ärztinnen, Ärzte, Zahnärzte und Kliniken sind Verantwortliche im Sinne der DSGVO und müssen die erste Kopie nach **Art. 15 Abs. 3 DSGVO** unentgeltlich herausgeben. Ein Entgelt ist nur für **weitere** Kopien zulässig.
2. **Keine Begründung nötig.** Der Patient muss seinen Antrag nicht begründen – auch nicht, wenn er die Kopie für **Arzthaftungsansprüche** statt für datenschutzrechtliche Zwecke nutzen will.
3. **Wirtschaftliche Interessen der Praxis rechtfertigen keine Kosten.** Nationale Regeln dürfen dem Patienten die Kosten der ersten Kopie nicht auferlegen.
4. **Vollständige Dokumente, wenn zum Verständnis erforderlich** – etwa Diagnosen, Untersuchungsergebnisse, Befunde und Angaben zu Behandlungen oder Eingriffen.

Deutschland hat reagiert: Seit dem **6. Februar 2026** steht in [**§ 630g Abs. 1 Satz 4 BGB**](https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__630g.html) ausdrücklich: „Die erste Abschrift wird unentgeltlich zur Verfügung gestellt." Die frühere Kostenerstattungspflicht des Patienten ist entfallen.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Gericht | Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) |
| Aktenzeichen | C-307/22 (FT ./. DW), CELEX 62022CJ0307 |
| Urteilsdatum | 26. Oktober 2023 |
| Vorlagegericht | Bundesgerichtshof, VI. Zivilsenat, Beschluss v. 29.03.2022 – VI ZR 1352/20 |
| Ausgangsfall | Patient verlangt von Zahnärztin Kopie der Akte für Haftungsansprüche; Zahnärztin fordert Kostenerstattung nach § 630g Abs. 2 S. 2 BGB a. F. |
| Ausgelegte Normen | Art. 12 Abs. 5, Art. 15 Abs. 1 und 3, Art. 23 Abs. 1 DSGVO (VO 2016/679) |
| Erste Kopie | unentgeltlich (Art. 15 Abs. 3 S. 1 i. V. m. Art. 12 Abs. 5 DSGVO) |
| Weitere Kopien | angemessenes Entgelt auf Basis der Verwaltungskosten zulässig (Art. 15 Abs. 3 S. 2 DSGVO) |
| Frist | 1 Monat ab Antrag, Verlängerung um bis zu 2 weitere Monate bei Komplexität (Art. 12 Abs. 3 DSGVO) |
| Nationale Umsetzung | § 630g BGB n. F., neugefasst durch Gesetz vom 03.02.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 28), in Kraft seit 06.02.2026 |
| Ausnahme Erben | Erben und nächste Angehörige (§ 630g Abs. 3 BGB) müssen die entstandenen Kosten weiterhin erstatten |
| Bußgeldrahmen | Verstoß gegen Betroffenenrechte: bis 20 Mio. € oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes (Art. 83 Abs. 5 lit. b DSGVO) |
| Betroffener Nutzerkreis | Patientinnen und Patienten, Arzt- und Zahnarztpraxen, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, MVZ, Pflegeeinrichtungen, Anwaltschaft im Arzthaftungsrecht |

## Geltungsbereich / Wer ist betroffen?

Die **DSGVO** ist eine EU-Verordnung und gilt in Deutschland **unmittelbar**, ein Umsetzungsgesetz ist nicht nötig ([EUR-Lex, CELEX:32016R0679](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32016R0679)). Das Urteil bindet alle nationalen Gerichte, die über vergleichbare Fragen entscheiden.

Betroffen ist **jeder Behandelnde**, der Gesundheitsdaten verarbeitet (Gesundheitsdaten sind besondere Kategorien nach Art. 9 DSGVO). Das gilt für Privat- und Kassenpatienten gleichermaßen, für Papier- wie für elektronische Akten.

**Nicht erfasst** sind Verstorbene: Die DSGVO schützt nur lebende Personen (Erwägungsgrund 27). Für Erben und Angehörige gilt daher allein **§ 630g Abs. 3 BGB** – mit Kostenerstattungspflicht.

## Detail 1: Kostenfreiheit unabhängig vom Zweck

Der BGH wollte wissen, ob die Kostenfreiheit auch gilt, wenn der Patient keine datenschutzrechtlichen Ziele (Prüfung der Rechtmäßigkeit der Verarbeitung, Erwägungsgrund 63) verfolgt, sondern **Beweise für einen Arzthaftungsprozess** sammelt. Der EuGH verneint eine solche Zweckbindung: Der Antrag muss **nicht begründet** werden, und der Zweck darf die Kostenfreiheit nicht einschränken ([Pressemitteilung Nr. 161/23](https://curia.europa.eu/jcms/upload/docs/application/pdf/2023-10/cp230161de.pdf)).

## Detail 2: Verhältnis zu § 630g BGB – alte und neue Fassung

- **Bis 05.02.2026** (§ 630g Abs. 2 S. 2 BGB a. F.): Der Patient hatte „dem Behandelnden die entstandenen Kosten zu erstatten". Wegen des Anwendungsvorrangs der DSGVO war diese Regel für die **erste Kopie** schon seit dem EuGH-Urteil **nicht mehr anwendbar** (so z. B. [OLG Dresden, 01.10.2024 – 4 U 425/24](https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Dresden&Datum=01.10.2024&Aktenzeichen=4%20U%20425%2F24)).
- **Seit 06.02.2026** ([§ 630g BGB n. F.](https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__630g.html)):
  - Abs. 1: Einsicht **unverzüglich**, Abschriften auch **elektronisch**, **erste Abschrift unentgeltlich**.
  - Abs. 2: Ausschluss bei **erheblichen therapeutischen Gründen** oder **erheblichen Rechten Dritter**; Ablehnung ist zu begründen.
  - Abs. 4: Datenschutzrechte bleiben unberührt; soweit DSGVO-Auskünfte unentgeltlich sind, sind auch **Entgelte für die Einsichtnahme** ausgeschlossen. Der Ausschluss nach Abs. 2 gilt im Arzt-Patienten-Verhältnis **auch gegenüber DSGVO-Ansprüchen** (Beschränkung im Sinne von Art. 23 DSGVO).

## Detail 3: Umfang der Kopie

Die Kopie muss eine **originalgetreue und verständliche Reproduktion** der Daten sein. Der Patient hat Anspruch auf **vollständige Kopien der Dokumente** aus der Akte, wenn dies zum Verständnis der darin enthaltenen Daten erforderlich ist. Ausdrücklich genannt sind **Diagnosen, Untersuchungsergebnisse, Befunde** und **Angaben zu Behandlungen oder Eingriffen** ([Pressemitteilung Nr. 161/23](https://curia.europa.eu/jcms/upload/docs/application/pdf/2023-10/cp230161de.pdf)). Die Linie entspricht [EuGH C-487/21](https://nexvyra.de/fakten/eugh-c-487-21-ff-crif-recht-auf-kopie-art-15-abs-3.md) vom 04.05.2023.

## Detail 4: Nachweis- und Compliance-Pflichten für Praxen

- **Rechenschaftspflicht** (Art. 5 Abs. 2 DSGVO): Die Praxis muss nachweisen können, wann der Antrag einging, wann die (erste) Kopie übergeben wurde und ob ein späterer Antrag eine **weitere** Kopie betrifft.
- **Entgelt nur für Folgekopien:** Angemessen und an den Verwaltungskosten orientiert (Art. 15 Abs. 3 S. 2 DSGVO). Pauschalen „pro Seite" für die erste Kopie sind unzulässig.
- **Verweigerung** nur bei offenkundig unbegründeten oder exzessiven Anträgen (Art. 12 Abs. 5 S. 2 DSGVO; Beweislast beim Verantwortlichen) oder aus Gründen des § 630g Abs. 2 BGB – jeweils **schriftlich begründet**.
- **Sanktionen:** Bußgeld nach Art. 83 Abs. 5 lit. b DSGVO, Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde (Art. 77 DSGVO), Schadensersatz nach Art. 82 DSGVO.

## Häufige Fehler

- **„50 Cent pro Seite" für die erste Kopie verlangen.** Seit EuGH C-307/22 unzulässig, seit 06.02.2026 auch nach § 630g Abs. 1 S. 4 BGB ausdrücklich ausgeschlossen.
- **Begründung oder Haftungsverzicht verlangen**, bevor kopiert wird. Der Patient muss nicht sagen, wofür er die Akte braucht.
- **Nur einen Arztbrief statt der Akte herausgeben**, obwohl Befunde und Untersuchungsergebnisse zum Verständnis nötig sind.
- **Erben die Kopie kostenlos zusagen (oder Patienten Kosten berechnen).** Nur lebende Patienten haben den DSGVO-Anspruch; Erben müssen nach § 630g Abs. 3 BGB Kosten erstatten.
- **Frist ignorieren:** Die Monatsfrist des Art. 12 Abs. 3 DSGVO gilt neben dem „unverzüglich" in § 630g Abs. 1 BGB.

## Änderungsverlauf

- **2026-10-20:** Erstveröffentlichung. Kernaussagen gegen die amtliche EuGH-Pressemitteilung Nr. 161/23 (curia.europa.eu) geprüft; § 630g BGB n. F. im Wortlaut gegen gesetze-im-internet.de geprüft, Inkrafttreten 06.02.2026 und Fundstelle BGBl. 2026 I Nr. 28 über dejure.org. `factcheck_status: review_needed`: Der Urteilsvolltext (Randnummern, exakter Tenor, insbesondere zur Vorlagefrage nach Art. 23 Abs. 1 lit. i DSGVO) ist nicht gegen EUR-Lex/curia im Volltext gelesen; die Vereinbarkeit von § 630g Abs. 4 S. 3 BGB n. F. mit Art. 23 DSGVO ist noch nicht durch Rechtsprechung geklärt; der Ausgang des BGH-Hauptsacheverfahrens nach der Vorabentscheidung wurde nicht ermittelt. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published"

## Stand

Stand: 20.10.2026. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung. Verbindlich sind die amtlichen Fassungen bei EUR-Lex, curia.europa.eu und gesetze-im-internet.de.

## Quellen

- EuGH, Urteil vom 26.10.2023 – C-307/22 (FT), curia.europa.eu:
  https://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?docid=279125
- EuGH, Pressemitteilung Nr. 161/23 vom 26.10.2023:
  https://curia.europa.eu/jcms/upload/docs/application/pdf/2023-10/cp230161de.pdf
- EuGH C-307/22 (dejure.org-Permalink):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=EuGH&Datum=26.10.2023&Aktenzeichen=C-307%2F22
- BGH, Beschluss vom 29.03.2022 – VI ZR 1352/20 (Vorlage, dejure.org):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=29.03.2022&Aktenzeichen=VI%20ZR%201352%2F20
- DSGVO (VO 2016/679), Art. 12, 15, 23, 83 (EUR-Lex, CELEX:32016R0679):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32016R0679
- § 630g BGB (Fassung seit 06.02.2026, gesetze-im-internet.de):
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__630g.html
- BGBl. 2026 I Nr. 28 – Gesetz zur Änderung des Verbrauchervertrags- und des Versicherungsvertragsrechts sowie zur Änderung des Behandlungsvertragsrechts vom 03.02.2026 (dejure.org):
  https://dejure.org/BGBl/2026/BGBl._I_Nr._28
- OLG Dresden, Urteil vom 01.10.2024 – 4 U 425/24 (dejure.org):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Dresden&Datum=01.10.2024&Aktenzeichen=4%20U%20425%2F24

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-20
- Letzte Prüfung: 2026-10-20
- In Kraft seit: 2023-10-26
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
