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title: EuGH C-446/21 (Schrems ./. Meta, VO 2016/679) – Datenminimierung bei personalisierter Werbung & öffentlich gemachte sensible Daten
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# EuGH C-446/21 (Schrems ./. Meta, VO 2016/679) – Datenminimierung bei personalisierter Werbung & öffentlich gemachte sensible Daten

## Kurzantwort

Mit Urteil vom **4. Oktober 2024** in der Rechtssache **C-446/21 (Schrems ./. Meta Platforms Ireland)** hat der **Europäische Gerichtshof (EuGH)** zwei Grenzen für das Geschäftsmodell der personalisierten Online-Werbung gezogen ([EuGH-Pressemitteilung Nr. 166/24](https://curia.europa.eu/site/upload/docs/application/pdf/2024-10/cp240166de.pdf)):

1. **Datenminimierung (Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO):** Ein soziales Netzwerk darf **nicht sämtliche** personenbezogenen Daten, die es von der betroffenen Person oder von Dritten – **auf und außerhalb der Plattform** – erhalten hat, **zeitlich unbegrenzt und ohne Unterscheidung nach ihrer Art** für Zwecke der zielgerichteten Werbung aggregieren, analysieren und verarbeiten. Der Grundsatz gilt **unabhängig von der Rechtsgrundlage** – also **auch dann, wenn der Nutzer in personalisierte Werbung eingewilligt hat**.
2. **„Offensichtlich öffentlich gemachte" sensible Daten (Art. 9 Abs. 2 lit. e DSGVO):** Wer bei einer **öffentlichen Podiumsdiskussion** seine sexuelle Orientierung mitteilt, erlaubt dem Plattformbetreiber damit **nicht**, **andere** Daten zur sexuellen Orientierung – etwa aus Apps und Websites dritter Partner – zu verarbeiten, zu aggregieren und für personalisierte Werbung auszuwerten. Die Ausnahme des Art. 9 Abs. 2 lit. e erfasst **nur die konkret öffentlich gemachte Angabe**, nicht die gesamte Datenkategorie.

Praktische Folge für Werbetreibende, Publisher und Plattformen: Es braucht **Löschfristen und eine Differenzierung nach Datenart** für alle Daten, die in Werbeprofile einfließen. Ein „ewiger Datenpool" ist DSGVO-widrig – auch mit Einwilligung. Sensible Daten (Art. 9) müssen von der übrigen Verarbeitung **getrennt** werden.

Vorlegendes Gericht war der **österreichische Oberste Gerichtshof (OGH)**. Dieser hat das Verfahren am **18. Dezember 2025** endgültig entschieden: Meta muss dem Kläger **binnen 14 Tagen** vollständige Auskunft nach **Art. 15 DSGVO** erteilen; zugesprochen wurden **500 € immaterieller Schadensersatz** ([OGH-Pressemitteilung](https://www.ogh.gv.at/entscheidungen/entscheidungen-ogh/datenschutz-und-soziales-online-netzwerk/)).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Gericht | Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH), **Vierte Kammer** |
| Aktenzeichen | **C-446/21** – Schrems ./. Meta Platforms Ireland Ltd (vormals Facebook Ireland) |
| Urteilsdatum | **4. Oktober 2024** ([curia.europa.eu, Volltext docid=290674](https://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?docid=290674)) |
| Vorlegendes Gericht | **Oberster Gerichtshof (OGH), Österreich** – Vorlage 2021 |
| Ausgelegte Normen | **Art. 5 Abs. 1 lit. c** (Datenminimierung), **Art. 5 Abs. 1 lit. b** (Zweckbindung), **Art. 9 Abs. 2 lit. e** DSGVO (VO 2016/679) |
| Kernaussage 1 | **Keine** zeitlich unbegrenzte und undifferenzierte Verarbeitung aller Daten für zielgerichtete Werbung |
| Reichweite Kernaussage 1 | gilt **unabhängig von der Rechtsgrundlage** – auch bei **wirksamer Einwilligung** |
| Erfasste Datenquellen | Daten **auf** der Plattform **und außerhalb** (Cookies, Social Plugins, Pixel, Drittanbieter-Apps) |
| Kernaussage 2 | Öffentliche Äußerung zur sexuellen Orientierung ≠ Freigabe **anderer** Daten derselben Kategorie |
| Grenze des Art. 9 Abs. 2 lit. e | Ausnahme erfasst **nur die konkret öffentlich gemachten Daten**; Zweckbindung gilt parallel weiter |
| Zurückgezogene Vorlagefragen | Fragen 1 und 3 – bereits geklärt durch **C-252/21 (Meta Platforms u. a./Bundeskartellamt, 04.07.2023)** |
| Mündliche Verhandlung | **8. Februar 2024** |
| Betroffener Nutzerkreis | Soziale Netzwerke, **AdTech-/Werbenetzwerke**, App- und Website-Betreiber mit Tracking-Pixeln, Data Broker, Retail Media |
| Bußgeldrahmen bei Verstoß gegen Art. 5 / Art. 9 | **Art. 83 Abs. 5 DSGVO**: bis zu **20 Mio. €** oder **4 % des weltweiten Jahresumsatzes** (der höhere Wert) |
| Zivilrechtliches Risiko | **Schadensersatz nach Art. 82 DSGVO**; im Ausgangsverfahren **500 €** zugesprochen |
| Nationale Endentscheidung | **OGH, veröffentlicht 18.12.2025** – Auskunft nach Art. 15 DSGVO binnen **14 Tagen** (Frist bis 31.12.2025) |
| Bindungswirkung | EuGH-Auslegung bindet **alle mitgliedstaatlichen Gerichte** bei vergleichbaren Fragen |

## Geltungsbereich / Wer ist betroffen?

Das Urteil legt die **DSGVO (VO 2016/679)** aus. Als **EU-Verordnung** gilt sie **unmittelbar** in Deutschland – ein nationales Umsetzungsgesetz ist nicht erforderlich; das **BDSG** enthält lediglich Öffnungsklausel-Regelungen.

Betroffen sind insbesondere:

- **Betreiber sozialer Netzwerke und Plattformen**, die Nutzerprofile für Werbung bilden,
- **AdTech-Anbieter, Werbenetzwerke und Data Broker**, die Daten aus mehreren Quellen zusammenführen,
- **Website- und App-Betreiber**, die **Tracking-Pixel, Social Plugins oder SDKs** einbinden und damit Daten an Plattformen übermitteln (im Ausgangsfall: Facebook-Pixel und „Gefällt mir"-Button),
- **Händler und Retail-Media-Anbieter**, die Kauf- und Interessendaten dauerhaft für Zielgruppenbildung speichern,
- mittelbar **jede Verantwortliche Stelle**, die Werbeprofile ohne definierte Löschkonzepte führt.

Zwei Pflichtenkreise ergeben sich unmittelbar:

- **Speicherkonzept:** Für Werbedaten müssen **Aufbewahrungs- und Löschfristen** sowie eine **Differenzierung nach Datenart** festgelegt und dokumentiert werden (Nachweispflicht nach **Art. 5 Abs. 2 DSGVO**).
- **Trennung sensibler Daten:** Daten, die Rückschlüsse auf **Gesundheit, politische Meinung, Religion, Sexualleben oder sexuelle Orientierung** zulassen, dürfen nur auf Grundlage einer Ausnahme nach **Art. 9 Abs. 2 DSGVO** – im Werbekontext praktisch nur **ausdrückliche Einwilligung** (lit. a) – in Profile einfließen.

## Detail 1: Datenminimierung begrenzt Werbeprofile – auch mit Einwilligung

Die Vorlagefrage 2 des OGH zielte darauf, ob **alle** bei einer Plattform vorhandenen Daten „ohne Beschränkung nach Zeit oder Art der Daten" für zielgerichtete Werbung genutzt werden dürfen. Der EuGH verneint dies: **Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO** verlangt, dass personenbezogene Daten **dem Zweck angemessen und erheblich sowie auf das notwendige Maß beschränkt** sind.

Zentral ist die Feststellung, dass die Datenminimierung **rechtsgrundlagenunabhängig** wirkt. Auch eine **wirksame Einwilligung** nach Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO legitimiert keine **zeitlich unbegrenzte** Nutzung: Ein Nutzerprofil, das Daten aus zwei Jahrzehnten unverändert weiterverwendet, verstößt gegen die Verhältnismäßigkeit. Der EuGH wertet die Erstellung derart detaillierter Profile als **schweren Eingriff** in die Grundrechte aus **Art. 7 und 8 GRCh**.

Die konkrete Ausgestaltung – welche Löschfrist für welche Datenart angemessen ist – überlässt der EuGH den **nationalen Gerichten**. Für die Praxis folgt daraus eine Dokumentationsaufgabe: Verantwortliche müssen **je Datenkategorie** begründen, warum eine bestimmte Speicher- und Nutzungsdauer für den Werbezweck erforderlich ist.

## Detail 2: Art. 9 Abs. 2 lit. e DSGVO wird eng ausgelegt

Der Kläger hatte am **12. Februar 2019** bei einer öffentlich zugänglichen Podiumsdiskussion in Wien – auf Einladung der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich – seine sexuelle Orientierung erwähnt, und zwar im Rahmen von **Kritik an der Datenverarbeitung durch Facebook**. In seinem Facebook-Profil hatte er diese Angabe nie gemacht. Die Veranstaltung wurde gestreamt und später als Podcast sowie auf dem YouTube-Kanal der Kommission veröffentlicht.

Der EuGH schließt nicht aus, dass die Angabe damit **offensichtlich öffentlich gemacht** wurde – die Beurteilung obliegt dem OGH. Entscheidend ist aber die Reichweite der Folge: Die Offenlegung erlaubt die Verarbeitung **dieser** Daten unter Einhaltung der übrigen DSGVO-Vorgaben, **berechtigt aber nicht** zur Verarbeitung **anderer** personenbezogener Daten, die sich auf die sexuelle Orientierung derselben Person beziehen. Insbesondere darf ein Plattformbetreiber Daten, die er über **Drittanbieter-Apps und -Websites** erhalten hat, deshalb nicht aggregieren und für personalisierte Werbung auswerten.

Parallel wirkt die **Zweckbindung (Art. 5 Abs. 1 lit. b DSGVO)**: Eine Äußerung, die der **Kritik an unrechtmäßiger Verarbeitung** dient, kann nicht rückwirkend zur Legitimation einer völlig anderen Verarbeitung – nämlich Werbung – umgedeutet werden.

## Detail 3: Nationale Fortsetzung beim OGH (Dezember 2025)

Der OGH hat das seit 2014 laufende Verfahren am **18. Dezember 2025** abgeschlossen. Kernpunkte der Entscheidung nach den öffentlich zugänglichen Darstellungen:

- **Art. 15 DSGVO:** Meta muss **alle** personenbezogenen Daten sowie Angaben zu **Quellen, Empfängern und Verarbeitungszwecken** herausgeben – nicht nur den Inhalt eines Self-Service-Downloadtools. Einwände wegen Geschäftsgeheimnissen wurden zurückgewiesen. Frist: **14 Tage** (Ablauf 31.12.2025).
- **Werbung nur mit Opt-in:** Personalisierte Werbung setzt eine **spezifische, informierte, unmissverständliche und freiwillige** Einwilligung voraus (Linie aus **C-252/21**).
- **Sensible Daten:** Der Verantwortliche kann sich der Anwendung des Art. 9 DSGVO **nicht** mit dem Argument entziehen, er erhebe solche Daten nicht absichtlich oder könne sie technisch nicht trennen.
- **Schadensersatz:** **500 €** immaterieller Schadensersatz nach Art. 82 DSGVO.

Die genaue Geschäftszahl der OGH-Entscheidung ist auf Basis der ausgewerteten Quellen nicht zweifelsfrei belegt und daher hier nicht angegeben (`factcheck_status: review_needed`).

## Häufige Fehler

- **„Mit Einwilligung darf ich alles unbegrenzt nutzen."** Falsch – die Datenminimierung nach Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO gilt **zusätzlich** und **unabhängig** von der Rechtsgrundlage.
- **Kein Löschkonzept für Werbedaten.** Fehlende Fristen und fehlende Differenzierung nach Datenart sind genau der vom EuGH beanstandete Zustand.
- **Öffentliche Äußerung als Freibrief verstanden.** Art. 9 Abs. 2 lit. e DSGVO deckt **nur die konkret öffentlich gemachte Angabe**, nicht die ganze Datenkategorie und keine rückwirkenden Verarbeitungen.
- **Sensible Daten „unabsichtlich" im Profil.** Wer Interessen-Signale aus Drittquellen einsammelt, verarbeitet faktisch Art.-9-Daten – technische Unfähigkeit zur Trennung entlastet nicht.
- **Verwechslung mit C-252/21 (Bundeskartellamt).** Jenes Urteil vom 04.07.2023 betrifft die **Rechtsgrundlage** für Werbeverarbeitung; C-446/21 betrifft **Speicherdauer/Datenart** und die **Reichweite von Art. 9 Abs. 2 lit. e**.
- **Pixel-Einbindung als reines Plattformproblem gesehen.** Website- und App-Betreiber sind bei Social Plugins und Pixeln regelmäßig **gemeinsam Verantwortliche** und tragen eigene Nachweispflichten.
















## Quellen

- **EuGH, Urteil vom 04.10.2024 – C-446/21 (Schrems ./. Meta Platforms Ireland)**, Volltext (amtlich, curia): https://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?docid=290674
- **EuGH-Pressemitteilung Nr. 166/24 vom 04.10.2024** (amtlich, curia, deutsch): https://curia.europa.eu/site/upload/docs/application/pdf/2024-10/cp240166de.pdf
- **EuGH, Rechtssache C-446/21**, Verfahrensdaten und Volltext bei EUR-Lex, CELEX:62021CJ0446: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:62021CJ0446
- **DSGVO (VO 2016/679)**, Art. 5, Art. 9 und Art. 83 (amtlich, EUR-Lex, CELEX:32016R0679): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32016R0679
- **EuGH, Urteil vom 04.07.2023 – C-252/21 (Meta Platforms u. a. / Bundeskartellamt)**, EUR-Lex, CELEX:62021CJ0252: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:62021CJ0252
- **Oberster Gerichtshof (Österreich), Pressemitteilung „Datenschutz und soziales Online-Netzwerk"** (Endentscheidung, veröffentlicht 18.12.2025): https://www.ogh.gv.at/entscheidungen/entscheidungen-ogh/datenschutz-und-soziales-online-netzwerk/
- **Bundesdatenschutzgesetz (BDSG)** – nationale Ergänzungsregelungen zur unmittelbar geltenden DSGVO: https://www.gesetze-im-internet.de/bdsg_2018/
- **§ 25 TDDDG** – Einwilligung für Endgerätezugriff (Cookies, Pixel), nationale Umsetzung der ePrivacy-Richtlinie: https://www.gesetze-im-internet.de/ttdsg/__25.html

## Änderungsverlauf

- **2026-08-13:** Erstveröffentlichung der Themenseite zum EuGH-Urteil C-446/21 vom 04.10.2024. Kernaussagen (Datenminimierung nach Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO; enge Auslegung von Art. 9 Abs. 2 lit. e DSGVO) belegt über die amtliche EuGH-Pressemitteilung Nr. 166/24 und den curia-Volltext. `factcheck_status: review_needed`, weil die ECLI-Kennung des Urteils und die Geschäftszahl der abschließenden OGH-Entscheidung vom 18.12.2025 nicht gegen eine amtliche Primärquelle verifiziert werden konnten; diese Angaben sind daher bewusst nicht aufgeführt.

## Stand

Stand: 13.08.2026. Diese Seite gibt die Rechtslage nach dem EuGH-Urteil C-446/21 vom 04.10.2024 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Verbindlich sind die amtlichen Fassungen bei EUR-Lex und curia.europa.eu.
