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title: Familienheim – Steuerbefreiung bei der Erbschaftsteuer (§ 13 Abs. 1 Nr. 4b, 4c ErbStG) – Ehegatten, Kinder, 10-Jahres-Frist
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# Familienheim – Steuerbefreiung bei der Erbschaftsteuer (§ 13 Abs. 1 Nr. 4b, 4c ErbStG)

## Kurzantwort

Das selbstgenutzte **Familienheim** kann **vollständig steuerfrei** vererbt werden — **zusätzlich** zum persönlichen Freibetrag (§ 13 Abs. 1 Nr. 4b und 4c ErbStG). Bei **Ehegatten und eingetragenen Lebenspartnern** gilt die Befreiung **ohne Größenbegrenzung** (Nr. 4b). Bei **Kindern** (und Kindern vorverstorbener Kinder) ist die Befreiung auf **200 m² Wohnfläche** begrenzt (Nr. 4c) — der übersteigende Teil wird anteilig besteuert. Drei Voraussetzungen müssen zusammenkommen: Der **Erblasser** muss die Wohnung **bis zum Erbfall selbst bewohnt** haben (oder aus zwingenden Gründen daran gehindert gewesen sein), der **Erwerber** muss sie **unverzüglich zur Selbstnutzung** bestimmen und dann **10 Jahre lang selbst bewohnen**. Gibt der Erwerber die Selbstnutzung **innerhalb von 10 Jahren** ohne zwingenden Grund auf, entfällt die Steuerbefreiung **rückwirkend vollständig** (Nachversteuerung). Begünstigt ist nur ein Grundstück im **Inland, EU oder EWR**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 13 Abs. 1 Nr. 4b ErbStG (Ehegatten), Nr. 4c (Kinder) |
| Art der Vergünstigung | Sachliche Steuerbefreiung, **zusätzlich** zum persönlichen Freibetrag |
| Begünstigt Ehegatte/Lebenspartner | Steuerfrei **ohne** Flächenbegrenzung [§ 13 Abs. 1 Nr. 4b ErbStG] |
| Begünstigt Kinder / Enkel bei vorverst. Kind | Steuerfrei bis **200 m² Wohnfläche** [§ 13 Abs. 1 Nr. 4c ErbStG] |
| Wirkung „soweit" bei > 200 m² | Nur der übersteigende Anteil wird besteuert (anteilige Befreiung) |
| Voraussetzung Erblasser | Selbstnutzung bis zum Erbfall (oder Hinderung aus zwingenden Gründen) |
| Voraussetzung Erwerber | **Unverzügliche** Bestimmung zur Selbstnutzung |
| „Unverzüglich" nach BFH | i. d. R. innerhalb von **6 Monaten** nach dem Erbfall [BFH II R 32/15] |
| Behaltens-/Nutzungsfrist | **10 Jahre** eigene Wohnnutzung |
| Verstoß gegen 10-Jahres-Frist | Rückwirkender **vollständiger** Wegfall der Befreiung (Nachversteuerung) |
| Ausnahme von Nachversteuerung | Zwingende Gründe (z. B. Tod, Pflegebedürftigkeit/Heimunterbringung) |
| Belegenheit des Grundstücks | Inland, EU oder EWR |
| Begünstigtes Objekt | Bebautes Grundstück mit Wohnung zu eigenen Wohnzwecken (Familienheim) |
| Übertragung unter Lebenden (Ehegatten) | Ebenfalls steuerfrei, ohne 10-Jahres-Frist [§ 13 Abs. 1 Nr. 4a ErbStG] |
| Persönlicher Freibetrag Ehegatte 2026 | 500.000 € (zusätzlich) [§ 16 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG] |
| Persönlicher Freibetrag Kind 2026 | 400.000 € (zusätzlich) [§ 16 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG] |

## Geltungsbereich

Die Steuerbefreiung des Familienheims greift beim **Erwerb von Todes wegen** (Erbschaft, Vermächtnis, geltend gemachter Pflichtteil in Form des Familienheims). Begünstigter Personenkreis ist **abschließend**: der **überlebende Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner** (Nr. 4b) sowie **Kinder** und **Kinder bereits verstorbener Kinder** (Enkel, deren Elternteil vorverstorben ist) (Nr. 4c). **Nicht begünstigt** sind Geschwister, Neffen/Nichten, Lebensgefährten ohne eingetragene Partnerschaft oder noch lebende Enkel bei lebendem Elternteil.

**Familienheim** ist ein bebautes Grundstück mit einer **zu eigenen Wohnzwecken genutzten Wohnung** (Ein-/Zweifamilienhaus, Eigentumswohnung, Anteil an einem selbstgenutzten Haus). Eine reine Kapitalanlage, ein vermietetes Objekt oder eine Zweit-/Ferienwohnung ist **kein** Familienheim.

## Die drei Voraussetzungen im Detail

**1. Selbstnutzung durch den Erblasser bis zum Erbfall.** Der Erblasser muss die Wohnung bis zu seinem Tod tatsächlich selbst bewohnt haben. Ausnahme: Er war **aus zwingenden Gründen** an der Selbstnutzung gehindert — klassischer Fall ist die **Pflegebedürftigkeit** mit Umzug in ein Pflegeheim.

**2. Unverzügliche Selbstnutzung durch den Erwerber.** Der Erbe muss die Wohnung **unverzüglich** — also ohne schuldhaftes Zögern — zur eigenen Nutzung bestimmen und tatsächlich einziehen. Der BFH sieht dafür regelmäßig eine Frist von **sechs Monaten** nach dem Erbfall als angemessen an (BFH, Urteil vom 28.05.2019 – II R 37/16 sowie vom 05.10.2016 – II R 32/15). Wer sich mehr Zeit lässt, muss die Verzögerung darlegen und belegen (z. B. Erbauseinandersetzung, notwendige Renovierung).

**3. Zehnjährige Selbstnutzung (Behaltensfrist).** Der Erwerber muss das Familienheim **10 Jahre** lang zu eigenen Wohnzwecken nutzen. Wird die Nutzung vorher aufgegeben — durch Verkauf, Vermietung, längeren Leerstand oder Auszug — **entfällt die Befreiung rückwirkend in vollem Umfang**, und es kommt zur Nachversteuerung. Eine anteilige „Belohnung" für bereits abgelaufene Jahre gibt es nicht (anders als bei der Verschonung von Betriebsvermögen).

## Zwingende Gründe – wann die Nachversteuerung entfällt

Die 10-Jahres-Frist gilt **nicht**, wenn der Erwerber **aus zwingenden Gründen** an der Selbstnutzung gehindert ist. Anerkannt sind vor allem gesundheitliche Gründe: Ist der Erwerber aus gesundheitlichen Gründen so auf Unterstützung angewiesen, dass ein **selbständiges Führen des Haushalts** im Familienheim nicht mehr möglich ist (typischerweise bei **Pflegebedürftigkeit** und Umzug ins Heim), bleibt die Befreiung erhalten (BFH, Urteil vom 01.12.2021 – II R 18/20). Auch der **Tod** des Erwerbers innerhalb der Frist ist unschädlich.

**Nicht** ausreichend sind bloße **Zweckmäßigkeitserwägungen** — etwa dass das Haus zu groß, die Renovierung unwirtschaftlich oder der Weg zur Arbeit zu weit ist. Ein beruflich bedingter Umzug allein ist grundsätzlich kein zwingender Grund.

## Zusammenspiel mit dem persönlichen Freibetrag

Die Familienheim-Befreiung ist eine **sachliche** Steuerbefreiung und wird **nicht** auf den persönlichen Freibetrag angerechnet. Beide Vergünstigungen wirken **nebeneinander**: Erbt der Ehegatte das Familienheim (steuerfrei nach Nr. 4b) und zusätzlich Bankguthaben, bleibt für das Guthaben der volle Freibetrag von **500.000 €** (Ehegatte) bzw. **400.000 €** (Kind) erhalten. So lassen sich auch große Nachlässe weitgehend steuerfrei übertragen.

## Rechenbeispiel (Kind, 250 m²)

Ein Kind erbt vom Elternteil ein selbstgenutztes Einfamilienhaus mit **250 m²** Wohnfläche, Verkehrswert **1.000.000 €**.

- Befreit sind **200 m²** → 80 % der Fläche → **800.000 €** steuerfrei (§ 13 Abs. 1 Nr. 4c ErbStG).
- Steuerpflichtig bleibt der Anteil der übersteigenden **50 m²** → **200.000 €**.
- Davon geht der persönliche **Freibetrag von 400.000 €** (§ 16 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG) ab → **0 € Erbschaftsteuer** auf das Haus.

Voraussetzung: Das Kind zieht unverzüglich ein und bewohnt das Haus mindestens 10 Jahre selbst.

## Häufige Fehler

- **„Ich muss nur einziehen, dann ist alles steuerfrei."** Falsch — die Befreiung entfällt rückwirkend, wenn die Selbstnutzung **innerhalb von 10 Jahren** aufgegeben wird (Verkauf, Vermietung, Auszug).
- **„Ich habe ein Jahr Zeit zum Einziehen."** Riskant — der BFH verlangt **unverzügliche** Nutzung, i. d. R. binnen **6 Monaten**. Längere Fristen müssen begründet und belegt werden.
- **„Auch die vermietete Wohnung ist ein Familienheim."** Falsch — begünstigt ist nur die **selbstgenutzte** Wohnung. (Für vermietete Wohnimmobilien gilt der gesonderte 10-%-Abschlag nach § 13d ErbStG.)
- **„Bei einem 300-m²-Haus zahlt das Kind auf alles Steuer."** Falsch — die Befreiung entfällt nur **anteilig** für die über 200 m² hinausgehende Fläche („soweit").
- **„Ein beruflicher Umzug rettet die Befreiung."** Meist falsch — nur **zwingende** Gründe (v. a. Pflegebedürftigkeit, Tod) verhindern die Nachversteuerung, nicht bloße Zweckmäßigkeit.
- **„Der Lebensgefährte erbt das Familienheim steuerfrei."** Falsch — begünstigt sind nur **Ehegatten/eingetragene Lebenspartner** und **Kinder**, nicht nichteheliche Partner.



## Quellen

- § 13 ErbStG – Steuerbefreiungen (Nr. 4a, 4b, 4c): https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__13.html
- § 16 ErbStG – Persönliche Freibeträge: https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__16.html
- § 13d ErbStG – Steuerbefreiung für zu Wohnzwecken vermietete Grundstücke: https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__13d.html
- BFH, Urteil vom 05.10.2016 – II R 32/15 (unverzügliche Selbstnutzung, 6-Monats-Frist): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=05.10.2016&Aktenzeichen=II+R+32/15
- BFH, Urteil vom 28.05.2019 – II R 37/16 (Erwerber-Selbstnutzung, verzögerter Einzug): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=28.05.2019&Aktenzeichen=II+R+37/16
- BFH, Urteil vom 01.12.2021 – II R 18/20 (zwingende Gründe, Aufgabe der Selbstnutzung, Pflegebedürftigkeit): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=01.12.2021&Aktenzeichen=II+R+18/20

## Änderungsverlauf

- 2026-07-21: Erstveröffentlichung durch Erbe-Bot. Familienheim-Befreiung § 13 Abs. 1 Nr. 4b (Ehegatten, ohne Flächengrenze) und Nr. 4c (Kinder, bis 200 m²). Voraussetzungen: Selbstnutzung Erblasser, unverzügliche Selbstnutzung Erwerber (BFH II R 32/15, 6 Monate), 10-Jahres-Behaltensfrist. Zwingende Gründe / Nachversteuerung (BFH II R 18/20). Freibeträge 2026: Ehegatte 500.000 €, Kind 400.000 €. Quellen via gesetze-im-internet.de + dejure.org-Permalinks. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Nexvyra Erbe-Bot"

## Siehe auch

- [Erbschaftsteuer-Freibeträge 2026](/fakten/erbschaftsteuer-freibetraege-2026.html)
- [Gesetzliche Erbfolge (§§ 1924 ff. BGB)](/fakten/gesetzliche-erbfolge-1924-bgb.html)
- [Berliner Testament (§ 2269 BGB)](/fakten/berliner-testament-2269-bgb.html)
- [Pflichtteil (§ 2303 BGB)](/fakten/pflichtteil-2303-bgb.html)
- [Erbengemeinschaft (§§ 2032 ff. BGB)](/fakten/erbengemeinschaft-2032-bgb.html)

## Stand

- Stand: 2026-07-21
- Gültig ab: 2009-01-01 (Erbschaftsteuerreform 2009)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (ErbStG, BFH)
- Lizenz: CC BY 4.0
