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title: Flugannullierung (Art. 5 VO 261/2004) – Ausgleich 250/400/600 €, 14-Tage-Regel, Betreuung
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# Flugannullierung (Art. 5 VO 261/2004) – Ausgleich 250/400/600 €, 14-Tage-Regel, Betreuung

## Kurzantwort

Wird ein gebuchter Flug **annulliert**, hat der Fluggast nach Art. 5 der EU-Fluggastrechteverordnung (VO (EG) Nr. 261/2004) drei Ansprüche: Er kann zwischen **Erstattung des Ticketpreises** oder **anderweitiger Beförderung** wählen (Art. 8), er hat Anspruch auf **Betreuungsleistungen** wie Mahlzeiten, gegebenenfalls Hotel und Transport (Art. 9), und er kann eine pauschale **Ausgleichszahlung von 250, 400 oder 600 €** je nach Flugentfernung verlangen (Art. 7). Die Ausgleichszahlung entfällt allerdings, wenn das Luftfahrtunternehmen den Fluggast **mindestens zwei Wochen vor Abflug** über die Annullierung unterrichtet hat — oder bei kürzerer Vorwarnzeit eine **zeitnahe Ersatzbeförderung** anbietet, die enge Zeitgrenzen einhält (Art. 5 Abs. 1 Buchst. c). Sie entfällt außerdem, wenn die Annullierung auf **außergewöhnliche Umstände** zurückgeht, die sich auch mit allen zumutbaren Maßnahmen nicht hätten vermeiden lassen (Art. 5 Abs. 3). Die **Beweislast** für die rechtzeitige Unterrichtung und für außergewöhnliche Umstände trägt die Fluggesellschaft.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Art. 5 VO (EG) Nr. 261/2004 (Annullierung) [eur-lex.europa.eu] |
| Ausgleichshöhe Rechtsgrundlage | Art. 7 VO (EG) Nr. 261/2004 |
| Geltung seit | 17.02.2005 |
| Definition Annullierung | Nichtdurchführung eines geplanten, gebuchten Fluges [Art. 2 Buchst. l] |
| Wahlrecht Erstattung/Beförderung | Art. 8 (Erstattung binnen 7 Tagen oder anderweitige Beförderung) |
| Betreuungsleistungen | Mahlzeiten, ggf. Hotel + Transfer, 2 Kommunikationsmittel [Art. 9] |
| Ausgleich bei ≤ 1500 km | 250 € [Art. 7 Abs. 1 Buchst. a] |
| Ausgleich innergemeinschaftlich > 1500 km / sonst 1500–3500 km | 400 € [Art. 7 Abs. 1 Buchst. b] |
| Ausgleich > 3500 km (Drittstaat) | 600 € [Art. 7 Abs. 1 Buchst. c] |
| Kein Ausgleich, wenn Unterrichtung | ≥ 2 Wochen (14 Tage) vor Abflug [Art. 5 Abs. 1 Buchst. c Ziff. i] |
| Kein Ausgleich bei 7–14 Tagen, wenn Ersatzflug | Abflug ≤ 2 h früher, Ankunft < 4 h später [Ziff. ii] |
| Kein Ausgleich bei < 7 Tagen, wenn Ersatzflug | Abflug ≤ 1 h früher, Ankunft < 2 h später [Ziff. iii] |
| Kürzung um 50 % möglich | bei Ersatzflug mit Ankunftsverspätung unter 2/3/4 h [Art. 7 Abs. 2] |
| Entlastung außergewöhnliche Umstände | Kein Ausgleich, Beweislast Airline [Art. 5 Abs. 3] |
| Beweislast Unterrichtung | beim Luftfahrtunternehmen [Art. 5 Abs. 4] |
| Entfernungsmessung | Großkreisentfernung zum letzten Zielort [Art. 7 Abs. 4] |
| Betreuung bleibt auch bei außergew. Umständen | ja (nur Ausgleich entfällt, nicht Art. 8/9) |
| Durchsetzungsstelle Deutschland | Luftfahrt-Bundesamt (LBA) |

## Geltungsbereich

Die Verordnung (EG) Nr. 261/2004 gilt für Fluggäste, die auf **Flughäfen in der EU** (sowie Island, Norwegen, Schweiz) **abfliegen**, unabhängig von der Fluggesellschaft, sowie für Fluggäste, die aus einem **Drittland** auf einen EU-Flughafen fliegen, wenn das **ausführende Luftfahrtunternehmen** ein EU-Unternehmen ist (Art. 3 Abs. 1). Voraussetzung ist grundsätzlich eine **bestätigte Buchung** und rechtzeitiges Erscheinen zur Abfertigung (Art. 3 Abs. 2). Die Verordnung gilt seit dem **17. Februar 2005**.

Eine **Annullierung** ist nach Art. 2 Buchst. l die Nichtdurchführung eines geplanten Fluges, für den zumindest ein Platz reserviert war. Davon abzugrenzen ist die bloße **Verspätung** (Art. 6): Fällt ein Flug nicht aus, sondern startet nur deutlich später, greifen die Regeln zur großen Verspätung. Nach der Rechtsprechung des EuGH steht Fluggästen bei einer Ankunftsverspätung von **mindestens drei Stunden** am Endziel jedoch **derselbe Ausgleichsanspruch** wie bei einer Annullierung zu (EuGH, Urteil vom 19.11.2009, verb. Rs. C-402/07 und C-432/07 – *Sturgeon*).

## Die drei Ansprüche bei Annullierung

**1. Wahlrecht: Erstattung oder anderweitige Beförderung (Art. 8).** Der Fluggast kann wählen zwischen der **vollständigen Erstattung** des Flugpreises binnen sieben Tagen (bei nutzlos gewordenen Teilstrecken auch für diese) — gegebenenfalls mit Rückflug zum ersten Abflugort — und einer **anderweitigen Beförderung** zum Endziel zum frühestmöglichen Zeitpunkt oder zu einem späteren Wunschtermin unter vergleichbaren Bedingungen.

**2. Betreuungsleistungen (Art. 9).** Unabhängig vom Ausgleichsanspruch muss die Airline während der Wartezeit **Mahlzeiten und Erfrischungen** in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit anbieten, **zwei kostenlose Kommunikationsmittel** (z. B. Telefonate, E-Mails) sowie — wenn eine oder mehrere Übernachtungen nötig werden — eine **Hotelunterbringung** und den **Transfer** zwischen Flughafen und Unterkunft. Diese Betreuung ist auch dann geschuldet, wenn die Annullierung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht.

**3. Ausgleichszahlung (Art. 7).** Die pauschale Entschädigung beträgt **250 €** bei Flügen bis 1500 km, **400 €** bei innergemeinschaftlichen Flügen über 1500 km sowie allen sonstigen Flügen zwischen 1500 und 3500 km, und **600 €** bei allen übrigen Flügen (über 3500 km, in der Regel Drittstaatenflüge). Maßgeblich ist die **Großkreisentfernung** zum letzten Zielort (Art. 7 Abs. 4). Der Anspruch besteht unabhängig vom tatsächlichen Ticketpreis.

## Wann die Ausgleichszahlung entfällt (Art. 5 Abs. 1 Buchst. c)

Die Fluggesellschaft muss **keinen** Ausgleich zahlen, wenn eine der drei folgenden Voraussetzungen erfüllt ist:

- **Zwei-Wochen-Regel (Ziff. i):** Der Fluggast wurde **mindestens zwei Wochen vor der planmäßigen Abflugzeit** über die Annullierung unterrichtet.
- **7 bis 14 Tage vorher (Ziff. ii):** Die Unterrichtung erfolgte zwischen zwei Wochen und sieben Tagen vor Abflug, **und** es wurde eine anderweitige Beförderung angeboten, die den **Abflug höchstens zwei Stunden früher** und die **Ankunft weniger als vier Stunden später** als geplant ermöglicht.
- **Weniger als 7 Tage vorher (Ziff. iii):** Die Unterrichtung erfolgte weniger als sieben Tage vor Abflug, **und** die angebotene Ersatzbeförderung ermöglicht den **Abflug höchstens eine Stunde früher** und die **Ankunft weniger als zwei Stunden später** als geplant.

Werden die Zeitfenster der Ersatzbeförderung **nicht** eingehalten, bleibt der Ausgleichsanspruch bestehen. Nach Art. 5 Abs. 4 trägt das **Luftfahrtunternehmen die Beweislast** dafür, dass und wann es den Fluggast unterrichtet hat.

## Außergewöhnliche Umstände (Art. 5 Abs. 3)

Der Ausgleichsanspruch entfällt außerdem, wenn das Luftfahrtunternehmen nachweist, dass die Annullierung auf **außergewöhnliche Umstände** zurückgeht, die sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle **zumutbaren Maßnahmen** ergriffen worden wären. Als außergewöhnlich gelten etwa extreme Wetterlagen, politische Instabilität, Sicherheitsrisiken oder Streiks Dritter (z. B. der Flugsicherung).

**Technische Defekte** an dem Flugzeug zählen nach der Rechtsprechung des EuGH grundsätzlich **nicht** zu den außergewöhnlichen Umständen, weil sie Teil der normalen Tätigkeit eines Luftfahrtunternehmens sind (EuGH, Urteil vom 22.12.2008, Rs. C-549/07 – *Wallentin-Hermann*). Auch die Betreuungs- und Erstattungsansprüche aus Art. 8 und 9 bleiben bei außergewöhnlichen Umständen bestehen; nur die **Ausgleichszahlung** entfällt.

## Kürzung um 50 % (Art. 7 Abs. 2)

Bietet die Airline eine anderweitige Beförderung an, mit der der Fluggast das Endziel erreicht, darf sie die Ausgleichszahlung **um die Hälfte kürzen**, wenn die Ankunftsverspätung gegenüber der ursprünglichen Ankunftszeit **unter zwei Stunden** (bei Flügen bis 1500 km), **unter drei Stunden** (innergemeinschaftliche Flüge über 1500 km und sonstige Flüge zwischen 1500 und 3500 km) bzw. **unter vier Stunden** (übrige Flüge) bleibt. Der Ausgleich reduziert sich dann auf 125 €, 200 € bzw. 300 €.

## Durchsetzung

Ansprüche werden zunächst **schriftlich beim Luftfahrtunternehmen** geltend gemacht. Hilft die Airline nicht ab, ist in Deutschland die **Durchsetzungsstelle beim Luftfahrt-Bundesamt (LBA)** für die Überwachung der Verordnung zuständig; für die außergerichtliche Beilegung steht die **Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp)** offen. Die Verjährung der Ausgleichsansprüche richtet sich nach nationalem Recht (EuGH, Urteil vom 22.11.2012, Rs. C-139/11 – *Cuadrench Moré*); in Deutschland gilt die **regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren** (§ 195 BGB), beginnend mit dem Schluss des Jahres, in dem der Flug stattfinden sollte.

## Häufige Fehler

- **„Bei einer Annullierung gibt es immer 600 €."** Falsch — die Höhe richtet sich nach der Flugentfernung: 250, 400 oder 600 € (Art. 7 Abs. 1).
- **„Nach der Erstattung des Tickets steht mir kein Ausgleich mehr zu."** Falsch — Erstattung (Art. 8) und Ausgleichszahlung (Art. 7) sind **eigenständige** Ansprüche und bestehen nebeneinander.
- **„Wenn die Airline zwei Tage vorher absagt, muss sie zahlen."** Nicht zwingend — bietet sie eine Ersatzbeförderung innerhalb der engen Zeitfenster des Art. 5 Abs. 1 Buchst. c an, entfällt der Ausgleich.
- **„Bei außergewöhnlichen Umständen bekomme ich gar nichts."** Falsch — nur die Ausgleichszahlung entfällt; Betreuung (Art. 9) und Erstattung/Ersatzbeförderung (Art. 8) bleiben bestehen.
- **„Ein technischer Defekt ist ein außergewöhnlicher Umstand."** In der Regel nein — technische Defekte gehören grundsätzlich zur normalen Tätigkeit der Airline (EuGH C-549/07).
- **„Der Anspruch verjährt schon nach einem Jahr."** Falsch — in Deutschland gilt die dreijährige Regelverjährung (§ 195 BGB).

## Quellen

- Verordnung (EG) Nr. 261/2004 (Fluggastrechte) – Volltext: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32004R0261
- Art. 5 VO 261/2004 – Annullierung: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32004R0261
- Art. 7 VO 261/2004 – Ausgleichsleistungen: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32004R0261
- EuGH, Urteil vom 19.11.2009, verb. Rs. C-402/07 und C-432/07 – Sturgeon: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:62007CJ0402
- EuGH, Urteil vom 22.12.2008, Rs. C-549/07 – Wallentin-Hermann: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:62007CJ0549
- EuGH, Urteil vom 22.11.2012, Rs. C-139/11 – Cuadrench Moré: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:62011CJ0139
- § 195 BGB – Regelmäßige Verjährungsfrist: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__195.html
- Luftfahrt-Bundesamt – Fluggastrechte: https://www.lba.de/

## Änderungsverlauf

- 2026-08-08: Erstveröffentlichung. Wortlaut Art. 5 und Art. 7 VO (EG) Nr. 261/2004 (Ausgleichsbeträge 250/400/600 €, 14-Tage-/Umbuchungsfenster, außergewöhnliche Umstände) gegen EUR-Lex (CELEX 32004R0261) verifiziert; EuGH-Rechtsprechung Sturgeon (C-402/07, C-432/07), Wallentin-Hermann (C-549/07) und Cuadrench Moré (C-139/11) als amtliche Quellen zitiert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-08-08
- Gültig ab: 2005-02-17 (Geltung VO 261/2004)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (EU-Verordnung, EuGH)
- Lizenz: CC BY 4.0
