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title: Fluggepäck – Verspätung, Beschädigung, Verlust (Montrealer Übereinkommen) – Haftung, Fristen, 1.519 SZR
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# Fluggepäck – Verspätung, Beschädigung, Verlust (Montrealer Übereinkommen) – Haftung, Fristen, 1.519 SZR

## Kurzantwort

Bei **verspätetem, beschädigtem oder verlorenem aufgegebenem Reisegepäck** haftet das Luftfahrtunternehmen nach dem **Montrealer Übereinkommen von 1999 (MÜ)**. Für **aufgegebenes Gepäck** gilt eine **verschuldensunabhängige (Gefährdungs-)Haftung** (Art. 17 Abs. 2 MÜ) – der Fluggast muss kein Verschulden nachweisen. Die Haftung ist der Höhe nach begrenzt: seit dem **28.12.2024** auf **1.519 Sonderziehungsrechte (SZR)** je Fluggast (davor 1.288 SZR), das sind rund **1.850 €**. Entscheidend sind die **Anzeigefristen** nach Art. 31 MÜ: bei **Beschädigung binnen 7 Tagen**, bei **Verspätung binnen 21 Tagen** nach Aushändigung – jeweils **schriftlich**. Klagen verjähren (Ausschlussfrist) nach **2 Jahren** (Art. 35 MÜ). In der EU wird das MÜ durch **VO (EG) 2027/97** (geändert durch **VO (EG) 889/2002**) auf alle EU-Luftfahrtunternehmen angewandt.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Montrealer Übereinkommen 1999 (MÜ), Art. 17–22, 31, 35 [eur-lex.europa.eu] |
| EU-Umsetzung | VO (EG) 2027/97, geändert durch VO (EG) 889/2002 [eur-lex.europa.eu] |
| In Kraft (EU / Deutschland) | 28.06.2004 (int. Anwendung seit 04.11.2003) |
| Haftung aufgegebenes Gepäck | Verschuldensunabhängig (Gefährdungshaftung) [Art. 17 Abs. 2 S. 1 MÜ] |
| Ausnahme aufgegebenes Gepäck | Keine Haftung bei innewohnendem Mangel/Eigenart des Gepäcks [Art. 17 Abs. 2 S. 1 MÜ] |
| Haftung Handgepäck | Nur bei Verschulden des Luftfrachtführers [Art. 17 Abs. 2 S. 2 MÜ] |
| Haftungshöchstgrenze (seit 28.12.2024) | 1.519 SZR je Fluggast [Art. 22 Abs. 2 MÜ] |
| Vorherige Grenze (bis 27.12.2024) | 1.288 SZR |
| Umrechnung 1.519 SZR | rund 1.850 € (1 SZR ≈ 1,23 €, Stand 07/2026) |
| Höhere Haftung möglich | Bei Wertdeklaration + Zuschlag vor dem Flug [Art. 22 Abs. 2 S. 2 MÜ] |
| Anzeigefrist Beschädigung | 7 Tage nach Annahme, schriftlich [Art. 31 Abs. 2 MÜ] |
| Anzeigefrist Verspätung | 21 Tage nach Zurverfügungstellung, schriftlich [Art. 31 Abs. 2 MÜ] |
| Folge Fristversäumnis | Klage ausgeschlossen (außer Arglist) [Art. 31 Abs. 4 MÜ] |
| Verlust (keine Frist) | Gilt nach 21 Tagen Nichtankunft als verloren [Art. 17 Abs. 3 MÜ] |
| Ausschluss-/Verjährungsfrist Klage | 2 Jahre ab Ankunft/geplanter Ankunft [Art. 35 MÜ] |
| Haftung Passagierverspätung (zum Vergleich) | 6.303 SZR [Art. 19, 22 Abs. 1 MÜ] |
| Verhältnis zu VO 261/2004 | Eigenständig – Gepäck fällt nicht unter die Ausgleichspauschalen der VO 261/2004 |

## Geltungsbereich

Das MÜ gilt für **internationale Beförderungen** durch Luftfahrtunternehmen zwischen zwei Vertragsstaaten oder mit Zwischenlandung. Über die **VO (EG) 2027/97 in der Fassung der VO (EG) 889/2002** wenden **EU-Luftfahrtunternehmen** die Haftungsregeln des MÜ auf **alle** Flüge an – auch auf reine Inlandsflüge. Für Deutschland ist das MÜ seit dem **28.06.2004** in Kraft.

Erfasst sind drei Schadensfälle am aufgegebenen Gepäck: **Zerstörung/Verlust**, **Beschädigung** und **Verspätung** (verspätete Auslieferung). Für **Handgepäck** (nicht aufgegebenes Gepäck) haftet der Luftfrachtführer nur, wenn ihn ein **Verschulden** trifft (Art. 17 Abs. 2 S. 2 MÜ).

## Haftung und Höchstgrenze

**Aufgegebenes Gepäck – Gefährdungshaftung.** Nach Art. 17 Abs. 2 S. 1 MÜ haftet der Luftfrachtführer für Schäden an aufgegebenem Gepäck **ohne Verschuldensnachweis**. Er wird nur frei, soweit der Schaden auf einer **Eigenart oder einem inneren Mangel** des Gepäcks beruht.

**Höchstgrenze 1.519 SZR.** Die Haftung ist nach Art. 22 Abs. 2 MÜ auf **1.519 Sonderziehungsrechte je Fluggast** begrenzt (seit dem **28.12.2024**; zuvor 1.288 SZR). Das SZR ist eine Währungseinheit des Internationalen Währungsfonds; 1.519 SZR entsprechen rund **1.850 €** (Kurs schwankt täglich). Die ICAO passt die Grenzen alle fünf Jahre an die Inflation an – die letzte Anpassung (+17,9 %) trat am 28.12.2024 in Kraft.

**Höhere Entschädigung durch Wertdeklaration.** Wer wertvolles Gepäck aufgibt, kann nach Art. 22 Abs. 2 S. 2 MÜ vor dem Flug eine **besondere Wertangabe** machen und einen **Zuschlag** zahlen; dann haftet die Airline bis zum deklarierten Betrag.

**Ersatzfähige Kosten bei Verspätung.** Bei verspätetem Gepäck sind angemessene **Ersatzkäufe** (z. B. Kleidung, Hygieneartikel am Urlaubsort) innerhalb der Höchstgrenze erstattungsfähig. Belege aufbewahren.

## Fristen – das Wichtigste

**Beschädigung: 7 Tage.** Die schriftliche Schadensanzeige muss nach Art. 31 Abs. 2 MÜ **binnen 7 Tagen** nach Annahme des Gepäcks beim Luftfrachtführer eingehen.

**Verspätung: 21 Tage.** Bei verspäteter Auslieferung beträgt die Frist **21 Tage** ab dem Tag, an dem das Gepäck zur Verfügung gestellt wurde.

**Form.** Jede Beanstandung ist **schriftlich** zu erklären und fristgerecht zu übergeben oder abzusenden (Art. 31 Abs. 3 MÜ). Praxis am Flughafen: sofort einen **PIR (Property Irregularity Report)** am Schalter aufnehmen lassen – er ersetzt nicht die schriftliche Anzeige, sichert aber die Beweislage.

**Fristversäumnis.** Wird die Frist versäumt, ist jede **Klage ausgeschlossen** – es sei denn, der Luftfrachtführer hat arglistig gehandelt (Art. 31 Abs. 4 MÜ).

**Verlust.** Für den Totalverlust nennt Art. 31 keine gesonderte Anzeigefrist. Gepäck, das **21 Tage** nach dem geplanten Ankunftstag nicht eingetroffen ist, gilt nach Art. 17 Abs. 3 MÜ als **verloren**; ab dann kann der volle Schaden geltend gemacht werden.

**2-Jahres-Frist für die Klage.** Unabhängig von der Anzeige verjährt der Anspruch nach Art. 35 MÜ **zwei Jahre** nach Ankunft am Zielort (bzw. dem Tag der geplanten Ankunft). Es handelt sich um eine **Ausschlussfrist**, die nicht wie § 195 BGB gehemmt oder verlängert werden kann.

## Abgrenzung zur Fluggastrechte-VO 261/2004

Gepäckschäden fallen **nicht** unter die pauschalen Ausgleichszahlungen (250/400/600 €) der [Fluggastrechte-VO 261/2004](https://nexvyra.de/fakten/fluggastrechte-eu-261-2004.html) – diese betreffen nur **Verspätung, Annullierung und Nichtbeförderung** des Fluges. Für Gepäck gilt ausschließlich das **Montrealer Übereinkommen**. Beide Regime können **nebeneinander** greifen: Wer verspätet ankommt **und** verspätetes Gepäck erhält, kann Ansprüche aus beiden Grundlagen haben.

## Häufige Fehler

- **„Ich habe Anspruch auf die pauschalen 250 bis 600 €."** Falsch – diese Pauschalen gelten für Flugverspätung/Annullierung (VO 261/2004), nicht für Gepäck. Beim Gepäck wird der **konkrete Schaden** bis 1.519 SZR ersetzt.
- **„Ich habe 3 Jahre Zeit wie sonst im Zivilrecht."** Falsch – die Klage muss binnen **2 Jahren** erhoben werden (Art. 35 MÜ, Ausschlussfrist), und die Schadensanzeige bereits binnen **7 bzw. 21 Tagen**.
- **„Der PIR am Schalter reicht als Reklamation."** Riskant – der PIR dokumentiert, ersetzt aber nicht zwingend die **schriftliche** Anzeige innerhalb der Frist. Sicherheitshalber fristgerecht schriftlich reklamieren.
- **„Für mein Handgepäck haftet die Airline genauso."** Falsch – für **Handgepäck** haftet sie nur bei **Verschulden** (Art. 17 Abs. 2 S. 2 MÜ).
- **„Auch für zerbrechliche oder verderbliche Sachen gibt es vollen Ersatz."** Nicht sicher – beruht der Schaden auf der **Eigenart/dem inneren Mangel** des Gepäcks, ist die Haftung ausgeschlossen (Art. 17 Abs. 2 S. 1 MÜ).

## Quellen

- Montrealer Übereinkommen 1999 (konsolidiert, DE): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:22001A0718(01)
- VO (EG) 889/2002 (Änderung VO 2027/97 – Haftung für Fluggäste und Reisegepäck): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex:32002R0889
- VO (EG) 2027/97 – Haftung von Luftfahrtunternehmen: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex:31997R2027
- EUR-Lex Zusammenfassung – Haftung von Luftfahrtunternehmen für Fluggäste und Reisegepäck: https://eur-lex.europa.eu/DE/legal-content/summary/air-carrier-passenger-and-baggage-liability.html
- ICAO – 2024 Revised Limits of Liability under the Montreal Convention 1999 (28.12.2024): https://www.icao.int/sites/default/files/secretariat/legal/LEB%20Treaty%20Collection%20Documents/2024_Revised_Limits_of_Liability_Under_the_Montreal_Convention_of_1999_en.pdf

## Änderungsverlauf

- 2026-07-13: Erstveröffentlichung. Haftungsgrenze 1.519 SZR (ICAO-Revision zum 28.12.2024) verifiziert; Fristen Art. 31 MÜ (7/21 Tage), Ausschlussfrist Art. 35 MÜ (2 Jahre) und EU-Umsetzung VO 2027/97 i.d.F. VO 889/2002 gegen eur-lex/ICAO geprüft. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-07-13
- Gültig ab: 2004-06-28 (Inkrafttreten MÜ für die EU/Deutschland); Haftungsgrenze 1.519 SZR seit 28.12.2024
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (Montrealer Übereinkommen, EU-VO 2027/97 & 889/2002, ICAO)
- Lizenz: CC BY 4.0
