---
title: Forderungsabtretung an ein Inkassounternehmen (§§ 398 ff. BGB)
slug: forderungsabtretung-398-bgb
topic: prozess-vollstreckungsrecht
legal_status: in_force
authority_level: A
valid_from: null
valid_to: null
last_reviewed: 2026-08-09
status: aktuell
license: CC-BY-4.0
url: https://nexvyra.de/fakten/forderungsabtretung-398-bgb.md
wikidata_subjects: [Q334528, Q10535274, Q1899048]
factcheck_status: ok
---

# Forderungsabtretung an ein Inkassounternehmen (§§ 398 ff. BGB)

## Kurzantwort

Bei der **Abtretung (Zession)** überträgt der bisherige Gläubiger eine Forderung durch **Vertrag** auf einen neuen Gläubiger; mit Vertragsschluss tritt der **neue Gläubiger an die Stelle** des alten (§ 398 BGB). Inkassounternehmen werden auf zwei Wegen tätig: Entweder ziehen sie die Forderung **im Namen des Gläubigers** ein (Einziehungsauftrag/Inkassovollmacht) oder sie **kaufen** die Forderung auf und lassen sie sich abtreten (Forderungskauf). Für Schuldnerinnen und Schuldner ist entscheidend: Die Abtretung ändert **nichts am Inhalt** der Forderung. Alle **Einwendungen und Einreden**, die zur Zeit der Abtretung gegen den alten Gläubiger bestanden – etwa **Erfüllung**, **Mängel**, ein **Widerruf** oder die **Verjährung** –, bleiben auch gegenüber dem neuen Gläubiger erhalten (§ 404 BGB). Solange der Schuldner die Abtretung **nicht kennt**, wirkt eine Zahlung an den **bisherigen** Gläubiger weiterhin schuldbefreiend (§ 407 BGB). Wer nur eine **Abtretungsanzeige** ohne Nachweis erhält, kann bei Abtretung durch privatschriftliche Urkunde die Leistung verweigern, bis ihm die **Abtretungsurkunde** vorgelegt wird (§ 410 BGB). Die Abtretung selbst braucht **keine besondere Form** und ist auch **ohne Zustimmung** des Schuldners wirksam.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Abtretung (§ 398 BGB) | Übertragung einer Forderung vom bisherigen auf einen neuen Gläubiger durch **Vertrag**; der neue Gläubiger tritt an die Stelle des alten |
| Zustimmung des Schuldners | **Nicht erforderlich**; die Abtretung wirkt auch ohne Mitwirkung des Schuldners |
| Form | **Grundsätzlich formfrei** (keine Schrift-/Textform vorgeschrieben, soweit nicht ausnahmsweise gesetzlich/vertraglich angeordnet) |
| Abtretungsverbot (§ 399 BGB) | Ausgeschlossen bei Inhaltsänderung oder bei **vereinbartem** Abtretungsverbot – im Handelsverkehr aber § 354a HGB beachten |
| Nebenrechte (§ 401 BGB) | **Bürgschaft, Pfandrecht, Hypothek** und Vorzugsrechte gehen mit der Forderung auf den neuen Gläubiger über |
| Einwendungen bleiben (§ 404 BGB) | Der Schuldner kann dem neuen Gläubiger **alle Einwendungen** entgegensetzen, die zur Zeit der Abtretung gegen den bisherigen bestanden |
| Aufrechnung (§ 406 BGB) | Eine Gegenforderung gegen den **alten** Gläubiger kann unter den Voraussetzungen des § 406 auch gegenüber dem **neuen** aufgerechnet werden |
| Zahlung an Altgläubiger (§ 407 BGB) | Solange der Schuldner die Abtretung **nicht kennt**, wirken Leistung und Rechtsgeschäfte gegenüber dem bisherigen Gläubiger **gegen den neuen** |
| Abtretungsanzeige (§ 409 BGB) | Zeigt der alte Gläubiger die Abtretung an, muss er sie gegen sich gelten lassen – **auch wenn** sie nicht erfolgt oder unwirksam ist |
| Urkundenvorlage (§ 410 BGB) | Bei Abtretung ohne öffentlich beglaubigte Anzeige kann der Schuldner die Leistung verweigern, bis ihm die **Abtretungsurkunde** vorgelegt wird |
| Verjährung | Die Abtretung setzt die Verjährung **nicht** neu in Gang; die Regelverjährung (**3 Jahre**, §§ 195, 199 BGB) läuft unverändert weiter |

## Zwei Rollen des Inkassos: Bevollmächtigter oder neuer Gläubiger

Ein Inkassounternehmen kann in zwei rechtlich sehr unterschiedlichen Rollen auftreten. Im **Einziehungsauftrag** bleibt der ursprüngliche Gläubiger Inhaber der Forderung; das Inkasso zieht das Geld nur **in dessen Namen** ein und handelt aufgrund einer **Inkassovollmacht**. Beim **Forderungskauf** hingegen wird die Forderung nach § 398 BGB an das Inkassounternehmen (oder einen Forderungskäufer) **abgetreten** – es wird damit selbst **neuer Gläubiger** und macht die Forderung im **eigenen Namen** geltend.

Für die Verteidigung gegen eine Inkassoforderung ist diese Unterscheidung wichtig: Wer im eigenen Namen fordert, muss auf Verlangen die **Aktivlegitimation** – also die wirksame Abtretung – darlegen. Bei bloßem Einzug im fremden Namen richtet sich die Forderung weiter nach dem Verhältnis zum ursprünglichen Gläubiger. In beiden Fällen gilt: Die **Berechtigung dem Grunde und der Höhe nach** (Hauptforderung, Zinsen, Kosten) sollte geprüft werden, bevor gezahlt oder etwas unterschrieben wird.

## Die Abtretung ändert den Inhalt der Forderung nicht (§ 404 BGB)

Der zentrale Schutz des Schuldners steht in § 404 BGB: Er kann dem **neuen** Gläubiger die **Einwendungen** entgegensetzen, die zur Zeit der Abtretung gegen den **bisherigen** Gläubiger begründet waren. Die Forderung wandert also „mit allen Fehlern" zum neuen Gläubiger. Dazu zählen insbesondere der Einwand, die Forderung sei bereits **erfüllt** (bezahlt), sie bestehe wegen **Mängeln** oder eines **Widerrufs** gar nicht, es sei ein **Vergleich** geschlossen worden – und vor allem die **Einrede der Verjährung**. Ein Forderungskäufer kann sich also nicht auf einen „gutgläubigen Erwerb" einer nicht bestehenden Forderung berufen; einen solchen kennt das deutsche Zessionsrecht grundsätzlich **nicht**.

Auch die **Aufrechnung** bleibt geschützt: Nach § 406 BGB kann der Schuldner eine ihm gegen den **alten** Gläubiger zustehende Gegenforderung unter bestimmten Voraussetzungen auch gegenüber dem **neuen** Gläubiger aufrechnen. Ausgeschlossen ist das nur, wenn er die Gegenforderung erst nach Kenntnis der Abtretung erworben hat oder sie später fällig wurde als die abgetretene Forderung.

## Zahlung an den alten Gläubiger und Schutz des Nichtwissenden (§§ 407, 409, 410 BGB)

Erfährt der Schuldner nichts von der Abtretung, darf er weiter an den **bisherigen** Gläubiger leisten. Nach § 407 BGB muss der neue Gläubiger eine solche Zahlung – und ebenso Rechtsgeschäfte wie Stundung oder Erlass zwischen Schuldner und Altgläubiger – **gegen sich gelten** lassen, sofern der Schuldner die Abtretung bei Leistung nicht kannte. Der gutgläubige Schuldner wird dadurch vor **doppelter Inanspruchnahme** geschützt.

Umgekehrt bindet eine **Abtretungsanzeige** den anzeigenden Gläubiger: Teilt der bisherige Gläubiger dem Schuldner mit, er habe die Forderung abgetreten, muss er die angezeigte Abtretung **gegen sich gelten** lassen, selbst wenn sie in Wirklichkeit nicht oder nicht wirksam erfolgt ist (§ 409 BGB). Und bei einer Abtretung, die nur durch **privatschriftliche Urkunde** nachgewiesen wird, kann der Schuldner die Leistung an den neuen Gläubiger **verweigern**, bis ihm dieser die vom bisherigen Gläubiger ausgestellte **Abtretungsurkunde** vorlegt (§ 410 BGB). Ein bloßes Anschreiben „Wir haben die Forderung erworben" ohne Nachweis reicht dafür nicht aus.

## Was mitübergeht – und was die Verjährung macht

Mit der Forderung gehen nach § 401 BGB auch die **abhängigen Sicherungs- und Vorzugsrechte** über: eine **Bürgschaft**, ein **Pfandrecht** oder eine **Hypothek**. Der neue Gläubiger erwirbt die Forderung also einschließlich ihrer Sicherheiten. Der bisherige Gläubiger ist nach § 402 BGB verpflichtet, die nötige **Auskunft** zu erteilen und die zum Beweis dienenden **Urkunden** auszuliefern.

Auf die **Verjährung** hat der bloße Gläubigerwechsel **keinen** Einfluss: Die Abtretung ist **kein** Anerkenntnis des Schuldners und setzt die Frist daher **nicht** neu in Gang. Es läuft weiterhin die für Alltagsforderungen übliche **dreijährige** Regelverjährung (§§ 195, 199 Abs. 1 BGB), gerechnet ab dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger von den Umständen Kenntnis erlangt hat. Eine bereits **verjährte** Forderung wird durch die Abtretung nicht „wieder frisch". Vorsicht ist aber bei der eigenen Reaktion geboten: Eine **Teilzahlung** oder eine unterschriebene **Ratenzahlung** an das Inkasso kann als Anerkenntnis nach § 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB die Verjährung neu beginnen lassen.

## Häufige Fehler

- **„Wenn die Forderung verkauft wurde, kann ich nichts mehr einwenden."** Falsch. Nach § 404 BGB bleiben alle Einwendungen – auch Erfüllung, Mängel und Verjährung – gegenüber dem neuen Gläubiger erhalten.
- **„Ich muss der Abtretung zustimmen, sonst ist sie unwirksam."** Nein. Die Abtretung nach § 398 BGB wirkt **ohne** Zustimmung des Schuldners; nur ein vereinbartes Abtretungsverbot (§ 399 BGB) kann sie hindern.
- **„Jedes Schreiben ‚Wir haben Ihre Forderung gekauft' verpflichtet mich sofort zur Zahlung an das Inkasso."** Nicht ohne Weiteres. Bei privatschriftlichem Nachweis darf man die Leistung verweigern, bis die Abtretungsurkunde vorgelegt wird (§ 410 BGB).
- **„Ich habe schon an den alten Gläubiger gezahlt, muss aber trotzdem an das Inkasso zahlen."** Nicht, wenn man die Abtretung bei der Zahlung nicht kannte – dann wirkt die Leistung an den Altgläubiger nach § 407 BGB auch gegen den neuen Gläubiger.
- **„Durch den Verkauf beginnt die Verjährung neu."** Nein. Die Abtretung ist kein Anerkenntnis; die dreijährige Regelverjährung (§§ 195, 199 BGB) läuft unverändert weiter. Nur eigene Teilzahlungen können sie neu auslösen (§ 212 BGB).

## Siehe auch

- [Schuldanerkenntnis gegenüber Inkasso (§§ 780, 781 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/schuldanerkenntnis-781-bgb.html)
- [Verjährung von Forderungen (§§ 195, 199 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/verjaehrung-forderungen-195-199-bgb.html)
- [Inkassokosten – zulässige Höhe (§ 13e RDG, § 13 RVG)](https://nexvyra.de/fakten/inkassokosten-hoehe-rdgeg.html)
- [Inkasso-Registrierung nach dem RDG](https://nexvyra.de/fakten/rdg-inkasso-registrierung.html)
- [Gerichtliches Mahnverfahren (§§ 688 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/gerichtliches-mahnverfahren-688-zpo.html)

## Quellen

- § 398 BGB – Abtretung (Übertragung der Forderung durch Vertrag; neuer Gläubiger tritt an die Stelle des bisherigen): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__398.html
- § 399 BGB – Ausschluss der Abtretung bei Inhaltsänderung oder Vereinbarung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__399.html
- § 401 BGB – Übergang der Neben- und Vorzugsrechte (Bürgschaft, Pfand, Hypothek): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__401.html
- § 402 BGB – Auskunftspflicht und Auslieferung der Urkunden: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__402.html
- § 404 BGB – Einwendungen des Schuldners gegenüber dem neuen Gläubiger: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__404.html
- § 406 BGB – Aufrechnung gegenüber dem neuen Gläubiger: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__406.html
- § 407 BGB – Rechtshandlungen gegenüber dem bisherigen Gläubiger (Schutz des gutgläubigen Schuldners): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__407.html
- § 409 BGB – Abtretungsanzeige (Bindung an die angezeigte Abtretung): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__409.html
- § 410 BGB – Aushändigung der Abtretungsurkunde (Leistungsverweigerungsrecht): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__410.html
- §§ 195, 199 BGB – Regelmäßige Verjährungsfrist (3 Jahre) und Fristbeginn: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__195.html
- § 354a HGB – Wirksamkeit der Abtretung von Geldforderungen trotz Abtretungsverbot (Handelsgeschäfte): https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__354a.html
- § 398 BGB (dejure.org, Wortlaut + Rechtsprechung): https://dejure.org/gesetze/BGB/398.html
- § 407 BGB (dejure.org, Wortlaut + Rechtsprechung): https://dejure.org/gesetze/BGB/407.html

## Änderungsverlauf

- 2026-08-09: Erstveröffentlichung der Faktenseite (Forderungsabtretung/Zession §§ 398 ff. BGB im Inkasso-Kontext: Einziehungsauftrag vs. Forderungskauf, Erhalt der Einwendungen § 404, Aufrechnung § 406, Schutz des gutgläubigen Schuldners §§ 407, 409, 410, Übergang der Nebenrechte § 401, Verjährungsneutralität §§ 195, 199, 212 BGB), alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen (gesetze-im-internet.de) gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-08-09
- Status: aktuell (geltendes Recht; §§ 398–410, 195, 199, 212 BGB, § 354a HGB)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
