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title: Freiheitsentziehende Unterbringung und freiheitsentziehende Maßnahmen (§ 1831 BGB) – Voraussetzungen, betreuungsgerichtliche Genehmigung und Fixierung 2026
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# Freiheitsentziehende Unterbringung und freiheitsentziehende Maßnahmen (§ 1831 BGB) – Voraussetzungen, betreuungsgerichtliche Genehmigung und Fixierung 2026

## Kurzantwort

Bringt ein Betreuer den Betreuten in einer geschlossenen Einrichtung unter und ist dies **mit Freiheitsentziehung verbunden**, ist das nach **§ 1831 Abs. 1 BGB** nur zulässig, solange es erforderlich ist, um eine **Selbsttötung oder erhebliche Selbstschädigung** abzuwenden (Nr. 1) oder eine notwendige **Heilbehandlung** durchzuführen, die ohne Unterbringung nicht möglich ist und deren Notwendigkeit der Betreute krankheits- oder behinderungsbedingt nicht erkennen kann (Nr. 2). Erfasst ist ausschließlich die **Eigengefährdung** – eine Unterbringung wegen Fremdgefährdung richtet sich nach den öffentlich-rechtlichen Landesgesetzen (PsychKG/Unterbringungsgesetze). Die Unterbringung **bedarf der Genehmigung des Betreuungsgerichts** (§ 1831 Abs. 2 Satz 1 BGB); ohne Genehmigung ist sie nur bei Gefahr im Verzug zulässig, die Genehmigung ist dann **unverzüglich nachzuholen**. Nach **§ 1831 Abs. 4 BGB** gelten dieselben Regeln für **freiheitsentziehende Maßnahmen** – etwa Bettgitter, Bauchgurte, Fixierungen oder sedierende Medikamente –, wenn dem Betreuten in einem Krankenhaus, Heim oder einer sonstigen Einrichtung **über einen längeren Zeitraum oder regelmäßig** die Freiheit entzogen werden soll. Ein **Bevollmächtigter** darf nur handeln, wenn die **Vorsorgevollmacht** diese Befugnisse ausdrücklich und schriftlich umfasst (§ 1831 Abs. 5 i. V. m. § 1820 Abs. 2 Nr. 2 BGB).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 1831 BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Regelungsgegenstand | freiheitsentziehende Unterbringung (Abs. 1–3) und freiheitsentziehende Maßnahmen (Abs. 4) im Rahmen der rechtlichen Betreuung |
| Unterbringungsgrund Nr. 1 | Gefahr der Selbsttötung oder erheblichen gesundheitlichen Selbstschädigung aufgrund psychischer Krankheit/geistiger oder seelischer Behinderung [§ 1831 Abs. 1 Nr. 1 BGB] |
| Unterbringungsgrund Nr. 2 | notwendige Untersuchung/Heilbehandlung/ärztlicher Eingriff, der ohne Unterbringung nicht durchführbar ist, bei krankheits-/behinderungsbedingter Einsichtsunfähigkeit [§ 1831 Abs. 1 Nr. 2 BGB] |
| Nur Eigengefährdung | ja – Fremdgefährdung ist nicht erfasst (dafür Landes-PsychKG/Unterbringungsgesetze) |
| Erforderlichkeit | Unterbringung nur zulässig, „solange sie erforderlich ist" (ultima ratio) [§ 1831 Abs. 1 BGB] |
| Betreuungsgerichtliche Genehmigung | zwingend erforderlich [§ 1831 Abs. 2 Satz 1 BGB] |
| Eilfall | ohne Genehmigung nur bei Gefahr im Verzug; Genehmigung unverzüglich nachzuholen [§ 1831 Abs. 2 Satz 2 BGB] |
| Beendigungspflicht | Betreuer muss Unterbringung bei Wegfall der Voraussetzungen beenden und dem Gericht unverzüglich anzeigen [§ 1831 Abs. 3 BGB] |
| Freiheitsentziehende Maßnahmen | mechanische Vorrichtungen (Bettgitter, Gurte, Fixierung), Medikamente oder andere Weise – über längeren Zeitraum oder regelmäßig [§ 1831 Abs. 4 BGB] |
| Ort der Maßnahme | Krankenhaus, Heim oder sonstige Einrichtung [§ 1831 Abs. 4 BGB] |
| Bevollmächtigter | nur wenn Vorsorgevollmacht Unterbringung/freiheitsentziehende Maßnahmen ausdrücklich, schriftlich umfasst [§ 1831 Abs. 5 i. V. m. § 1820 Abs. 2 Nr. 2 BGB] |
| Verfahren | Unterbringungssachen nach §§ 312 ff. FamFG: Sachverständigengutachten, persönliche Anhörung, Verfahrenspfleger |
| Aktuelle Fassung | Betreuungsrechtsreform vom 04.05.2021 (BGBl. I S. 882), in Kraft 01.01.2023; ersetzt § 1906 BGB a. F. |
| Fixierung / Richtervorbehalt | 5- oder 7-Punkt-Fixierung von mehr als kurzfristiger Dauer ist eigenständige Freiheitsentziehung mit Richtervorbehalt [BVerfG, 24.07.2018 – 2 BvR 309/15] |

## Geltungsbereich

§ 1831 BGB steht im Recht der **rechtlichen Betreuung** (§§ 1814 ff. BGB) und regelt zwei der einschneidendsten Eingriffe in das Freiheitsgrundrecht des Betreuten (Art. 2 Abs. 2 Satz 2, Art. 104 GG): die **geschlossene Unterbringung** (Abs. 1–3) und die **freiheitsentziehenden Maßnahmen** innerhalb einer Einrichtung (Abs. 4). Voraussetzung ist stets, dass ein **Betreuer mit passendem Aufgabenkreis** (Aufenthaltsbestimmung bzw. Gesundheitssorge) bestellt ist oder ein entsprechend bevollmächtigter Vertreter handelt.

Die betreuungsrechtliche Unterbringung dient **ausschließlich dem Wohl des Betreuten**. Erfasst ist deshalb nur die **Selbstgefährdung** – die Gefahr, dass der Betreute sich selbst tötet oder sich erheblichen gesundheitlichen Schaden zufügt, oder dass eine notwendige Heilbehandlung ohne Unterbringung unterbleibt. Eine Unterbringung wegen **Fremdgefährdung** kann nicht auf § 1831 BGB gestützt werden; sie richtet sich nach den **öffentlich-rechtlichen Unterbringungsgesetzen der Länder** (PsychKG bzw. Unterbringungsgesetze), die neben dem Betreuungsrecht stehen.

Abzugrenzen ist § 1831 BGB von der **ärztlichen Zwangsmaßnahme** nach § 1832 BGB: § 1831 betrifft die **Freiheitsentziehung als solche** (Ort und Bewegungsfreiheit), § 1832 die **medizinische Behandlung gegen den natürlichen Willen**. Beide Vorschriften greifen häufig ineinander – so verweist § 1832 Abs. 4 BGB für die Verbringung ins Krankenhaus ausdrücklich auf § 1831 BGB.

## Die beiden Unterbringungsgründe des § 1831 Abs. 1 BGB

Eine mit Freiheitsentziehung verbundene Unterbringung ist nur zulässig, **solange sie erforderlich ist**, weil einer der beiden folgenden Gründe vorliegt (§ 1831 Abs. 1 Nr. 1 oder Nr. 2 BGB):

1. **Selbstgefährdung (Nr. 1):** Aufgrund einer **psychischen Krankheit oder geistigen oder seelischen Behinderung** des Betreuten besteht die Gefahr, dass er sich **selbst tötet** oder sich **erheblichen gesundheitlichen Schaden** zufügt.
2. **Behandlungsnotwendigkeit (Nr. 2):** Zur Abwendung eines drohenden erheblichen gesundheitlichen Schadens ist eine **Untersuchung des Gesundheitszustands, eine Heilbehandlung oder ein ärztlicher Eingriff** notwendig, die **ohne die Unterbringung nicht durchgeführt** werden kann, und der Betreute kann aufgrund seiner psychischen Krankheit oder Behinderung die **Notwendigkeit der Unterbringung nicht erkennen** oder nicht nach dieser Einsicht handeln.

Das Wort **„solange"** macht deutlich, dass die Unterbringung dem Grundsatz der **Erforderlichkeit** (ultima ratio) unterliegt: Sie ist nur so lange zulässig, wie die Voraussetzungen tatsächlich vorliegen, und muss auf das mildeste geeignete Mittel beschränkt bleiben.

## Betreuungsgerichtliche Genehmigung, Eilfall und Beendigung

Die Unterbringung ist **nur mit Genehmigung des Betreuungsgerichts** zulässig (§ 1831 Abs. 2 Satz 1 BGB). Die Genehmigung ist konstitutiv – ohne sie ist die Unterbringung rechtswidrig. **Ausnahme:** Ist mit dem Aufschub **Gefahr verbunden** (Gefahr im Verzug), darf der Betreuer die Unterbringung auch ohne vorherige Genehmigung veranlassen; die Genehmigung ist dann **unverzüglich nachzuholen** (§ 1831 Abs. 2 Satz 2 BGB).

Entfallen die Voraussetzungen, hat der Betreuer die Unterbringung zu **beenden** und die Beendigung dem Betreuungsgericht **unverzüglich anzuzeigen** (§ 1831 Abs. 3 BGB).

Das gerichtliche Verfahren richtet sich nach den **§§ 312 ff. FamFG** (Unterbringungssachen). Regelmäßig sind ein **Sachverständigengutachten** über den Zustand des Betroffenen, seine **persönliche Anhörung** durch das Gericht und die Bestellung eines **Verfahrenspflegers** vorgesehen. Die Genehmigung wird zeitlich befristet erteilt und muss für eine Fortdauer neu geprüft werden.

## Freiheitsentziehende Maßnahmen (§ 1831 Abs. 4 BGB)

Die Absätze 1 bis 3 gelten **entsprechend**, wenn dem Betreuten, der sich in einem **Krankenhaus, einem Heim oder einer sonstigen Einrichtung** aufhält, durch **mechanische Vorrichtungen, Medikamente oder auf andere Weise** über einen **längeren Zeitraum oder regelmäßig** die Freiheit entzogen werden soll (§ 1831 Abs. 4 BGB). Typische Beispiele sind **Bettgitter, Bauch- oder Handgelenksgurte, Fixierungen, das Wegnehmen von Kleidung oder Gehhilfen** sowie **sedierende Medikamente**, die gezielt zur Bewegungseinschränkung eingesetzt werden.

Entscheidend sind zwei Schwellen: Die Maßnahme muss über einen **längeren Zeitraum** (nicht nur kurzfristig) **oder regelmäßig** (wiederkehrend, etwa jede Nacht ein Bettgitter) erfolgen. Erst dann ist sie genehmigungsbedürftig. Eine einmalige, ganz kurzfristige Maßnahme in einer akuten Notsituation fällt in der Regel nicht darunter.

Das **Bundesverfassungsgericht** hat mit Urteil vom **24.07.2018 (2 BvR 309/15, 2 BvR 502/16)** – ergangen zur öffentlich-rechtlichen Unterbringung – klargestellt, dass eine **5- oder 7-Punkt-Fixierung von mehr als kurzfristiger Dauer** eine **eigenständige Freiheitsentziehung** im Sinne des Art. 104 Abs. 2 GG darstellt, die einen **Richtervorbehalt** auslöst; von kurzer Dauer ist regelmäßig auszugehen, wenn die Maßnahme absehbar weniger als etwa eine halbe Stunde dauert. Diese verfassungsrechtlichen Maßstäbe prägen auch die Handhabung freiheitsentziehender Maßnahmen im Betreuungsrecht.

## Bevollmächtigter statt Betreuer

Die Absätze 1 bis 4 gelten nach Maßgabe des **§ 1820 Abs. 2 Nr. 2 BGB** für einen **Bevollmächtigten** entsprechend (§ 1831 Abs. 5 BGB). Das bedeutet: Wer aufgrund einer **Vorsorgevollmacht** über eine Unterbringung oder freiheitsentziehende Maßnahmen entscheiden will, ist dazu nur befugt, wenn die Vollmacht **diese Maßnahmen ausdrücklich benennt** und **schriftlich** erteilt ist. Fehlt eine solche ausdrückliche, schriftliche Regelung, ist der Bevollmächtigte nicht handlungsbefugt; dann muss das Betreuungsgericht einen **Betreuer** bestellen. Auch der handelnde Bevollmächtigte benötigt für die Unterbringung bzw. Maßnahme die **Genehmigung des Betreuungsgerichts**.

## Häufige Fehler

- **„Ein Betreuer darf den Betreuten eigenmächtig in eine geschlossene Einrichtung bringen."** Falsch – jede mit Freiheitsentziehung verbundene Unterbringung bedarf der **Genehmigung des Betreuungsgerichts** (§ 1831 Abs. 2 Satz 1 BGB); ohne Genehmigung ist sie nur bei Gefahr im Verzug zulässig.
- **„§ 1831 BGB erlaubt auch die Unterbringung bei Gefahr für andere."** Falsch – die betreuungsrechtliche Unterbringung erfasst nur die **Eigengefährdung**; bei Fremdgefährdung gelten die **öffentlich-rechtlichen Landesgesetze** (PsychKG/Unterbringungsgesetze).
- **„Ein Bettgitter oder ein Gurt ist keine genehmigungspflichtige Maßnahme."** Falsch – wird die Freiheit über einen längeren Zeitraum oder regelmäßig entzogen, sind auch **Bettgitter, Gurte, Fixierungen oder sedierende Medikamente** genehmigungsbedürftig (§ 1831 Abs. 4 BGB).
- **„Wer eine Vorsorgevollmacht hat, darf immer über eine Unterbringung entscheiden."** Falsch – der Bevollmächtigte ist nur befugt, wenn die Vollmacht Unterbringung und freiheitsentziehende Maßnahmen **ausdrücklich und schriftlich** umfasst (§ 1831 Abs. 5 i. V. m. § 1820 Abs. 2 Nr. 2 BGB).
- **„Die Genehmigung gilt unbefristet."** Falsch – die Unterbringung ist nur zulässig, **solange** ihre Voraussetzungen vorliegen; der Betreuer muss sie bei Wegfall **beenden** und dies dem Gericht unverzüglich anzeigen (§ 1831 Abs. 3 BGB), und das Gericht befristet die Genehmigung.
- **„§ 1831 BGB heißt noch § 1906 BGB."** Falsch – die Vorschrift wurde durch die Betreuungsrechtsreform (in Kraft seit 01.01.2023) neu gefasst; § 1906 BGB a. F. ist entfallen, maßgeblich ist heute § 1831 BGB.



## Quellen

- § 1831 BGB – Freiheitsentziehende Unterbringung und freiheitsentziehende Maßnahmen (gesetze-im-internet.de): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1831.html
- § 1831 BGB – Freiheitsentziehende Unterbringung und freiheitsentziehende Maßnahmen (dejure.org, Volltext, Fassung ab 01.01.2023): https://dejure.org/gesetze/BGB/1831.html
- § 1832 BGB – Ärztliche Zwangsmaßnahmen (Abgrenzung, Verweis in Abs. 4 auf § 1831 BGB): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1832.html
- § 1820 BGB – Vorsorgevollmacht und Kontrollbetreuung (Abs. 2 Nr. 2): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1820.html
- § 312 FamFG – Unterbringungssachen (Verfahren): https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__312.html
- BVerfG, Urteil vom 24.07.2018 – 2 BvR 309/15, 2 BvR 502/16 (Fixierung als eigenständige Freiheitsentziehung, Richtervorbehalt): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerfG&Datum=24.07.2018&Aktenzeichen=2%20BvR%20309/15
- Gesetz zur Reform des Vormundschafts- und Betreuungsrechts vom 04.05.2021 (BGBl. I S. 882): https://dejure.org/BGBl/2021/BGBl._I_S._882

## Änderungsverlauf

- 2026-08-03: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"