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title: Gastschulaufenthalt & Schüleraustausch (§ 651u BGB) – Rücktritt, jederzeitige Kündigung, Informationspflichten
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# Gastschulaufenthalt & Schüleraustausch (§ 651u BGB) – Rücktritt, jederzeitige Kündigung, Informationspflichten

## Kurzantwort

Ein **Gastschulaufenthalt** – der klassische **Schüleraustausch** mit Unterbringung in einer Gastfamilie und geregeltem Schulbesuch im Ausland – ist ein **Sonderfall des Pauschalreiserechts** (§ 651u BGB). Dauert der Aufenthalt **mindestens drei Monate** und ist er mit dem **geregelten Besuch einer Schule** verbunden, gelten die Pauschalreisevorschriften (§ 651a Abs. 1, 2 und 5, §§ 651b, 651d Abs. 1–4, §§ 651e–651t BGB) **entsprechend**, ergänzt um die Sonderregeln des § 651u BGB selbst. Der Anbieter ist als **Reiseveranstalter** verpflichtet, für **angemessene Unterkunft, Beaufsichtigung und Betreuung** in einer Gastfamilie zu sorgen und die Voraussetzungen für einen **geregelten Schulbesuch** zu schaffen (§ 651u Abs. 2 BGB). Zwei Besonderheiten heben den Gastschulaufenthalt vom normalen Pauschalreisevertrag ab: Der Reisende kann den Vertrag **bis zur Beendigung der Reise jederzeit kündigen** (§ 651u Abs. 4 BGB – gegen Reisepreis abzüglich ersparter Aufwendungen), und die pauschalierten Rücktrittsregeln des § 651h BGB greifen **nur**, wenn der Veranstalter **spätestens zwei Wochen vor Reiseantritt** über Gastfamilie und Ansprechpartner informiert hat (§ 651u Abs. 3 BGB). Der volle **Insolvenzschutz** mit Sicherungsschein gilt über den Verweis auf § 651r BGB.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 651u BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Eingefügt durch | Drittes Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften v. 17.07.2017 (BGBl. I S. 2394) |
| In Kraft seit | 01.07.2018 |
| Anwendungsbereich | Aufenthalt **≥ 3 Monate** + geregelter Schulbesuch bei Gastfamilie im Ausland [§ 651u Abs. 1 S. 1 BGB] |
| Kürzerer Aufenthalt / Praktikum | Vorschriften gelten **nur bei Vereinbarung** [§ 651u Abs. 1 S. 2 BGB] |
| Anwendbare Pauschalreiseregeln | § 651a Abs. 1, 2, 5; §§ 651b, 651d Abs. 1–4; §§ 651e–651t entsprechend |
| Pflichten des Anbieters | Angemessene Unterkunft, Beaufsichtigung, Betreuung + Voraussetzungen Schulbesuch [§ 651u Abs. 2 BGB] |
| Sonderkündigungsrecht Reisender | **Jederzeit bis Beendigung der Reise** [§ 651u Abs. 4 S. 1 BGB] |
| Folge der Kündigung | Reisepreis **abzüglich ersparter Aufwendungen** [§ 651u Abs. 4 S. 2 BGB] |
| Rückbeförderung nach Kündigung | Veranstalter muss notwendige Maßnahmen treffen; Mehrkosten trägt Reisender [§ 651u Abs. 4 S. 3–4 BGB] |
| Kostenfreie Kündigung bei Reisemangel | Wenn Kündigung nach § 651l BGB möglich [§ 651u Abs. 4 S. 5 BGB] |
| Informationspflicht vor Rücktritt | Spätestens **2 Wochen vor Antritt**: Gastfamilie + Ansprechpartner [§ 651u Abs. 3 BGB] |
| Insolvenzschutz | Pflicht — Sicherungsschein (§ 651r BGB über Verweis) |
| Verjährung Ansprüche | 2 Jahre (§ 651j BGB über Verweis) |

## Geltungsbereich

§ 651u BGB erfasst Verträge über einen **mindestens drei Monate** andauernden, mit dem **geregelten Besuch einer Schule** verbundenen Aufenthalt eines Gastschülers bei einer **Gastfamilie in einem anderen Staat** (Aufnahmeland). Das ist der typische **Auslandsschuljahr-/High-School-Aufenthalt** über eine Austauschorganisation.

Für **kürzere** Gastschulaufenthalte (unter drei Monate) oder für einen mit einem **Praktikum** verbundenen Aufenthalt bei einer Gastfamilie gelten die Vorschriften **nur, wenn dies vereinbart ist** (§ 651u Abs. 1 S. 2 BGB). Ohne solche Vereinbarung richtet sich ein kürzerer Aufenthalt nach allgemeinem Vertragsrecht bzw. – bei Bündelung mehrerer Leistungen – nach dem regulären Pauschalreiserecht der §§ 651a ff. BGB.

Anbieter ist typischerweise eine **Austauschorganisation**, die rechtlich als **Reiseveranstalter** eingeordnet wird. Reine **Vermittlung** eines im Ausland ansässigen Programms kann eine abweichende Haftungslage begründen (vgl. LG Hamburg, 16.06.2022 – 332 O 133/21 zur Haftung einer vermittelnden Agentur).

## Die Pflichten des Anbieters (§ 651u Abs. 2 BGB)

Der Anbieter des Gastschulaufenthalts ist als Reiseveranstalter – bei Mitwirkung des Gastschülers – verpflichtet:

1. für eine **nach den Verhältnissen des Aufnahmelands angemessene Unterkunft, Beaufsichtigung und Betreuung** des Gastschülers in einer Gastfamilie zu sorgen, und
2. die **Voraussetzungen für einen geregelten Schulbesuch** des Gastschülers im Aufnahmeland zu schaffen.

Der Zusatz „bei Mitwirkung des Gastschülers" bedeutet: Der Schüler muss selbst zumutbar mitwirken (Regeln der Gastfamilie und Schule einhalten). Grobe Pflichtverletzungen des Schülers können die Verantwortlichkeit des Veranstalters begrenzen.

## Das jederzeitige Kündigungsrecht (§ 651u Abs. 4 BGB)

Anders als beim normalen Pauschalreisevertrag – wo nach Reisebeginn nur bei erheblichem Mangel gekündigt werden kann – darf der Reisende beim Gastschulaufenthalt **den Vertrag bis zur Beendigung der Reise jederzeit kündigen** (§ 651u Abs. 4 S. 1 BGB). Das trägt der besonderen persönlichen Situation eines minderjährigen Schülers im Ausland Rechnung (z. B. Heimweh, Konflikte in der Gastfamilie).

Die Rechtsfolgen:

**Vergütung des Veranstalters (S. 2).** Kündigt der Reisende, darf der Veranstalter den **vereinbarten Reisepreis abzüglich der ersparten Aufwendungen** verlangen. Erspart sind etwa nicht mehr anfallende Verpflegungs-, Schul- oder Betreuungskosten für die Restzeit. Wie viel erspart ist, hängt vom Zeitpunkt der Kündigung ab – je früher, desto höher der Abzug.

**Rückbeförderung (S. 3).** Der Veranstalter muss die infolge der Kündigung notwendigen Maßnahmen treffen, insbesondere – wenn der Vertrag die Beförderung umfasste – für die **Rückbeförderung** des Gastschülers sorgen.

**Mehrkosten (S. 4).** Die durch die vorzeitige Rückbeförderung entstehenden **Mehrkosten trägt der Reisende**.

**Ausnahme bei Reisemangel (S. 5).** Diese Regeln gelten **nicht**, wenn der Reisende nach **§ 651l BGB** kündigen kann – also bei einer erheblichen Beeinträchtigung durch einen Reisemangel. Dann ist die Kündigung für den Reisenden **kostenfrei** und der Veranstalter verliert den Anspruch auf den nicht verbrauchten Reisepreis.

## Informationspflicht und Rücktritt vor Reisebeginn (§ 651u Abs. 3 BGB)

Für den **Rücktritt vor Reisebeginn** gilt eine Besonderheit: Die für den Veranstalter günstigen Regeln des § 651h Abs. 1 S. 3 und Abs. 2 BGB (Anspruch auf **angemessene Entschädigung/Stornopauschale**) greifen **nur dann**, wenn der Veranstalter den Reisenden **angemessen auf den Aufenthalt vorbereitet** und **spätestens zwei Wochen vor Reiseantritt** über Folgendes informiert hat:

1. **Name und Anschrift der Gastfamilie**, die für den Gastschüler nach Ankunft bestimmt ist, und
2. **Name und Erreichbarkeit eines Ansprechpartners** im Aufnahmeland, bei dem auch Abhilfe verlangt werden kann.

Fehlt diese rechtzeitige Information, kann der Veranstalter bei einem Rücktritt vor Reisebeginn **keine Entschädigung nach § 651h BGB** verlangen. Das ist ein starkes Druckmittel für Familien: Ohne konkrete Gastfamilie und Ansprechpartner zwei Wochen vor Abflug ist ein Rücktritt für den Reisenden regelmäßig **ohne Stornokosten** möglich.

Unabhängig davon bleibt der **kostenfreie Rücktritt bei unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umständen** am Bestimmungsort (§ 651h Abs. 3 BGB, über den Verweis in § 651u Abs. 1 anwendbar) erhalten. Genau diese Konstellation prägte die Corona-Rechtsprechung zu abgesagten Auslandsschuljahren (vgl. AG Siegburg, 02.09.2021 – 108 C 121/20; LG Bonn, 13.10.2021 – 8 S 60/21).

## Was tun als Familie – praktische Schritte

**Vor Buchung.** Prüfen, ob ein **Sicherungsschein** ausgestellt wird (Insolvenzschutz nach § 651r BGB ist Pflicht) und keine Anzahlung über **20 %** vor Reisebeginn verlangt wird (§ 651t BGB). Vertragsbedingungen zu Stornostaffeln und Betreuung genau lesen.

**Zwei Wochen vor Abflug.** Auf schriftliche Mitteilung von **Gastfamilie (Name + Anschrift)** und **Ansprechpartner im Aufnahmeland** bestehen. Fehlt sie, notieren – das begrenzt spätere Stornoforderungen (§ 651u Abs. 3 BGB).

**Bei Rücktritt vor Antritt.** Prüfen, ob außergewöhnliche Umstände am Zielort vorliegen (Reisewarnung, Sicherheitslage, Pandemie) – dann kostenfreier Rücktritt nach § 651h Abs. 3 BGB. Sonst fällt eine angemessene Entschädigung an (nur bei rechtzeitiger Information).

**Bei Abbruch während des Aufenthalts.** Liegt ein **erheblicher Mangel** vor (z. B. ungeeignete/gefährliche Gastfamilie, kein geregelter Schulbesuch), zunächst **Abhilfe** beim Ansprechpartner verlangen (§ 651k BGB), Frist setzen und dokumentieren – dann Kündigung nach § 651l BGB **kostenfrei** (§ 651u Abs. 4 S. 5 BGB). Ohne Mangel bleibt die jederzeitige Kündigung nach § 651u Abs. 4 S. 1 BGB möglich, dann aber gegen Reisepreis abzüglich ersparter Aufwendungen.

## Häufige Fehler

- **„Ein Schüleraustausch ist keine Reise, also gilt kein Reiserecht."** Falsch — der mindestens dreimonatige Gastschulaufenthalt ist ausdrücklich als Sonderfall des Pauschalreiserechts geregelt (§ 651u BGB) inklusive Insolvenzschutz.
- **„Nach Reisebeginn kann man nur bei Mangel kündigen."** Beim Gastschulaufenthalt falsch — § 651u Abs. 4 S. 1 BGB erlaubt die Kündigung jederzeit, allerdings kostenpflichtig (Reisepreis abzüglich ersparter Aufwendungen), sofern kein Mangel nach § 651l BGB vorliegt.
- **„Storno kostet immer die volle Pauschale."** Nicht zwingend — ohne rechtzeitige Information über Gastfamilie und Ansprechpartner (2 Wochen vor Antritt) entfällt der Entschädigungsanspruch des Veranstalters nach § 651h BGB (§ 651u Abs. 3 BGB).
- **„Kurze Austauschprogramme fallen automatisch unter § 651u BGB."** Falsch — für Aufenthalte unter drei Monaten oder Praktika gelten die Vorschriften nur, wenn vereinbart (§ 651u Abs. 1 S. 2 BGB).
- **„Die Mehrkosten der vorzeitigen Rückreise trägt der Veranstalter."** Falsch — bei Kündigung ohne Mangel trägt der Reisende die Mehrkosten der Rückbeförderung (§ 651u Abs. 4 S. 4 BGB).



## Quellen

- § 651u BGB – Gastschulaufenthalte: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651u.html
- § 651a BGB – Vertragstypische Pflichten beim Pauschalreisevertrag: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651a.html
- § 651h BGB – Rücktritt vor Reisebeginn: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651h.html
- § 651l BGB – Kündigung (bei Reisemangel): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651l.html
- § 651r BGB – Insolvenzsicherung; Sicherungsschein: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651r.html
- § 651t BGB – Rückbeförderung; Vorauszahlungen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651t.html
- Drittes Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften v. 17.07.2017 (BGBl. I S. 2394): https://www.bgbl.de/
- BGB § 651u – Rechtsprechungsübersicht: https://dejure.org/gesetze/BGB/651u.html

## Änderungsverlauf

- 2026-08-03: Seite neu erstellt. Volltext des § 651u BGB gegen gesetze-im-internet.de / dejure.org verifiziert; Anwendungsbereich, Anbieterpflichten (Abs. 2), jederzeitiges Kündigungsrecht (Abs. 4) und Informationspflicht vor Rücktritt (Abs. 3) belegt. factcheck_status=ok. | change_type=create reviewed_by="Reise-Agent"
