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title: Gespräch zur Feststellung des Patientenwillens (§ 1828 BGB) – Arzt-Betreuer-Dialog, Angehörige und Verfahren
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# Gespräch zur Feststellung des Patientenwillens (§ 1828 BGB) – Arzt-Betreuer-Dialog, Angehörige und Verfahren

## Kurzantwort

§ 1828 BGB regelt das **verpflichtende Gespräch**, mit dem der Wille eines einwilligungsunfähigen Menschen vor einer ärztlichen Maßnahme festgestellt wird. Zunächst **prüft der behandelnde Arzt**, welche ärztliche Maßnahme im Hinblick auf den **Gesamtzustand** und die **Prognose** des Patienten **indiziert** ist (§ 1828 Abs. 1 Satz 1 BGB). Anschließend **erörtern Arzt und Betreuer** diese Maßnahme **unter Berücksichtigung des Patientenwillens** – als Grundlage für die nach § 1827 BGB zu treffende Entscheidung (§ 1828 Abs. 1 Satz 2 BGB). Bei der Ermittlung des Willens nach § 1827 Abs. 1 BGB bzw. der Behandlungswünsche oder des mutmaßlichen Willens nach § 1827 Abs. 2 BGB **soll** **nahen Angehörigen und sonstigen Vertrauenspersonen** Gelegenheit zur Äußerung gegeben werden, sofern dies **ohne erhebliche Verzögerung** möglich ist (§ 1828 Abs. 2 BGB). Die Absätze 1 und 2 gelten für **Bevollmächtigte entsprechend** (§ 1828 Abs. 3 BGB). Die Vorschrift gilt seit dem **01.01.2023**; sie ist die Nachfolgeregelung des bis 31.12.2022 geltenden § 1901b BGB a.F.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage seit 01.01.2023 | § 1828 BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Vorgängerregelung bis 31.12.2022 | § 1901b BGB a.F. (Betreuungsrechtsreform, Gesetz v. 04.05.2021, BGBl. I S. 882) |
| Schritt 1 – ärztliche Prüfung | Arzt prüft die im Hinblick auf Gesamtzustand und Prognose **indizierte** Maßnahme [§ 1828 Abs. 1 Satz 1 BGB] |
| Schritt 2 – Erörterung | Arzt und Betreuer erörtern die Maßnahme unter Berücksichtigung des Patientenwillens [§ 1828 Abs. 1 Satz 2 BGB] |
| Zweck des Gesprächs | Grundlage für die Entscheidung nach § 1827 BGB (Patientenverfügung / Behandlungswünsche / mutmaßlicher Wille) |
| Angehörige und Vertrauenspersonen | „Soll"-Vorschrift: Gelegenheit zur Äußerung, sofern ohne erhebliche Verzögerung möglich [§ 1828 Abs. 2 BGB] |
| Kein Vetorecht der Angehörigen | Angehörige werden angehört, entscheiden aber nicht – maßgeblich bleibt der Patientenwille |
| Geltung für Bevollmächtigte | Abs. 1 und 2 gelten entsprechend [§ 1828 Abs. 3 BGB] |
| Anschlussnorm bei riskanter Maßnahme | Genehmigung des Betreuungsgerichts nach § 1829 BGB (bei Tod/schwerem Schaden) |
| Entbehrlichkeit der Genehmigung | Bei Einvernehmen von Betreuer/Bevollmächtigtem und Arzt über den § 1827-Willen [§ 1829 Abs. 4 BGB] |
| Willensermittlung | Nach § 1827 BGB; vorrangig Patientenverfügung, sonst Behandlungswünsche/mutmaßlicher Wille |
| Bestimmtheit der Patientenverfügung (BGH) | Pauschalformel „keine lebenserhaltenden Maßnahmen" allein reicht nicht [BGH XII ZB 61/16 v. 06.07.2016] |
| Verwandte Notvertretung | Ehegatten-Notvertretung § 1358 BGB verweist auf § 1828 BGB |
| Zuständigkeit (Konfliktfall) | Betreuungsgericht (Abteilung des Amtsgerichts), Verfahren nach § 298 FamFG |

## Geltungsbereich

§ 1828 BGB greift, wenn ein Mensch für eine konkrete ärztliche Maßnahme **nicht selbst einwilligungsfähig** ist und ein **Betreuer** mit dem Aufgabenkreis Gesundheitssorge oder ein **Bevollmächtigter** über die Maßnahme zu entscheiden hat. Ist der Patient einwilligungsfähig, entscheidet er allein; das Gespräch nach § 1828 BGB findet dann nicht statt. Die Vorschrift betrifft **jede** ärztliche Maßnahme, über die der Vertreter zu befinden hat – nicht nur die riskanten Eingriffe des § 1829 BGB. Sie regelt das **Verfahren der Willensermittlung** und ist damit der prozedurale Zwischenschritt zwischen der inhaltlichen Maßstabsnorm (§ 1827 BGB) und der etwaigen gerichtlichen Genehmigung (§ 1829 BGB).

## Der Kern: Prüfung, Erörterung und Willensermittlung

§ 1828 BGB ordnet einen **zweistufigen Ablauf** an. Zuerst trifft der **behandelnde Arzt** die rein medizinische Feststellung, welche Maßnahme mit Blick auf Gesamtzustand und Prognose **indiziert** ist (Abs. 1 Satz 1) – das ist die fachliche Grundlage. Erst danach kommt die **rechtliche** Dimension: Arzt und Betreuer **erörtern** diese indizierte Maßnahme **unter Berücksichtigung des Patientenwillens** (Abs. 1 Satz 2). Das Gespräch ist kein bloßer Formalakt, sondern das gesetzlich vorgesehene Instrument, um den nach § 1827 BGB maßgeblichen Willen zu **ermitteln und zu dokumentieren**. Maßstab ist nicht das, was Arzt oder Betreuer für „das Beste" halten, sondern ausschließlich der **Wille des Betreuten** – vorrangig aus einer **Patientenverfügung**, sonst aus **Behandlungswünschen** oder dem **mutmaßlichen Willen** (§ 1827 Abs. 1 und 2 BGB).

## Angehörige und Vertrauenspersonen (Abs. 2)

Bei der Feststellung des Willens **soll** nahen **Angehörigen** und sonstigen **Vertrauenspersonen** des Betreuten **Gelegenheit zur Äußerung** gegeben werden, „sofern dies ohne erhebliche Verzögerung möglich ist" (§ 1828 Abs. 2 BGB). Das ist eine **Soll-Vorschrift**: In der Regel sind die Bezugspersonen einzubeziehen, weil sie oft die besten Anhaltspunkte für frühere Äußerungen und Wertvorstellungen liefern. Ihre Einbindung darf jedoch **nicht zu einer erheblichen Verzögerung** der Behandlung führen – bei dringlichen oder eiligen Entscheidungen tritt sie zurück. Wichtig: Angehörige und Vertrauenspersonen haben **kein eigenes Entscheidungsrecht**. Sie werden angehört, um den Patientenwillen zu rekonstruieren; die Entscheidung trifft der Betreuer bzw. Bevollmächtigte, und maßgeblich bleibt allein der Wille des Betreuten.

## Zusammenspiel mit § 1827 und § 1829 BGB

§ 1828 BGB steht im Zentrum einer **Normkette**: § 1827 BGB liefert den **inhaltlichen Maßstab** (Patientenverfügung, Behandlungswünsche, mutmaßlicher Wille), § 1828 BGB regelt das **Verfahren** der Willensermittlung, und § 1829 BGB betrifft die **gerichtliche Kontrolle** bei besonders riskanten Maßnahmen. Führt das Gespräch nach § 1828 BGB zu **Einvernehmen** zwischen Betreuer bzw. Bevollmächtigtem und Arzt darüber, dass die Entscheidung dem nach § 1827 BGB festgestellten Willen entspricht, ist bei einer riskanten Maßnahme **keine** betreuungsgerichtliche Genehmigung erforderlich (§ 1829 Abs. 4 BGB). Der Bundesgerichtshof hat betont, dass eine **wirksame und hinreichend bestimmte** Patientenverfügung unmittelbar bindet und dann bereits die Entscheidung des Patienten selbst enthält, während eine **pauschale** Wendung wie „keine lebenserhaltenden Maßnahmen" ohne Bezug zu konkreten Behandlungs- und Krankheitssituationen **keine** bindende Behandlungsentscheidung darstellt (BGH, Beschluss vom 06.07.2016 – XII ZB 61/16). Bleibt zwischen Arzt und Vertreter **Uneinigkeit** über den Willen, ist das **Betreuungsgericht** anzurufen (§ 1829 BGB, Verfahren nach § 298 FamFG).

## Geltung für Bevollmächtigte (Abs. 3)

Die Absätze 1 und 2 gelten **entsprechend** für **Bevollmächtigte** (§ 1828 Abs. 3 BGB). Wer also aufgrund einer **Vorsorgevollmacht** über ärztliche Maßnahmen für einen Einwilligungsunfähigen entscheidet, muss dasselbe Gespräch mit dem behandelnden Arzt führen und – wo möglich – Angehörige und Vertrauenspersonen einbeziehen. Voraussetzung ist, dass die schriftliche Vollmacht die betreffenden Gesundheitsangelegenheiten überhaupt erfasst (§ 1820 Abs. 2 BGB). Auch die **Ehegatten-Notvertretung** nach § 1358 BGB verweist auf § 1828 BGB: Der vertretende Ehegatte hat den Willen im selben Verfahren zu ermitteln.

## Häufige Fehler

- **„Angehörige entscheiden, wenn der Patient es nicht kann."** Falsch – Angehörige und Vertrauenspersonen erhalten nach § 1828 Abs. 2 BGB nur **Gelegenheit zur Äußerung**; die Entscheidung trifft der Betreuer bzw. Bevollmächtigte, maßgeblich ist der Patientenwille.
- **„Das Gespräch ist nur eine Empfehlung."** Falsch – § 1828 Abs. 1 BGB schreibt die ärztliche Prüfung und die Erörterung mit dem Betreuer verbindlich vor; sie sind Grundlage jeder Entscheidung nach § 1827 BGB.
- **„Immer müssen erst alle Angehörigen gehört werden."** Falsch – die Anhörung steht unter dem Vorbehalt, dass sie **ohne erhebliche Verzögerung** möglich ist (§ 1828 Abs. 2 BGB); bei dringlichen Entscheidungen tritt sie zurück.
- **„Für Bevollmächtigte gilt das nicht."** Falsch – nach § 1828 Abs. 3 BGB gelten Abs. 1 und 2 für Bevollmächtigte **entsprechend**.
- **„Nach dem Gespräch braucht es immer eine Gerichtsgenehmigung."** Falsch – bei Einvernehmen von Vertreter und Arzt über den § 1827-Willen entfällt die Genehmigung selbst bei riskanten Maßnahmen (§ 1829 Abs. 4 BGB); ohne riskante Maßnahme ist § 1829 BGB von vornherein nicht einschlägig.
- **„§ 1901b BGB regelt das noch."** Falsch – § 1901b BGB ist zum 31.12.2022 entfallen; seit 01.01.2023 gilt § 1828 BGB.



## Quellen

- § 1828 BGB – Gespräch zur Feststellung des Patientenwillens: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1828.html
- § 1827 BGB – Patientenverfügung; Behandlungswünsche oder mutmaßlicher Wille: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1827.html
- § 1829 BGB – Genehmigung des Betreuungsgerichts bei ärztlichen Maßnahmen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1829.html
- § 1820 BGB – Vorsorgevollmacht und Kontrollbetreuung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1820.html
- § 1358 BGB – Gegenseitige Vertretung von Ehegatten in Angelegenheiten der Gesundheitssorge: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1358.html
- § 298 FamFG – Genehmigung einer ärztlichen Maßnahme: https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__298.html
- BGH, Beschluss vom 06.07.2016 – XII ZB 61/16 (Bestimmtheit der Patientenverfügung): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=06.07.2016&Aktenzeichen=XII+ZB+61/16
- Betreuungsrechtsreform (Gesetz zur Reform des Vormundschafts- und Betreuungsrechts v. 04.05.2021, BGBl. I S. 882, in Kraft 01.01.2023): https://dejure.org/BGBl/2021/BGBl._I_S._882

## Änderungsverlauf

- 2026-08-01: Erstveröffentlichung. Statuttext gegen § 1828 BGB (dejure.org / gesetze-im-internet.de) verifiziert; zweistufiger Ablauf (ärztliche Indikationsprüfung Abs. 1 Satz 1, Erörterung Abs. 1 Satz 2), Anhörung naher Angehöriger und Vertrauenspersonen als Soll-Vorschrift (Abs. 2) sowie entsprechende Geltung für Bevollmächtigte (Abs. 3) belegt. Einordnung in die Normkette §§ 1827/1829 BGB; BGH XII ZB 61/16 als dejure.org-Permalink. Abgrenzung zum weggefallenen § 1901b BGB a.F. dokumentiert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-08-01
- Gültig ab: 2023-01-01 (Betreuungsrechtsreform, § 1828 BGB heutiger Fassung)
- Status: aktuell
