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title: "Gutschein statt Geld bei Flug, Pauschalreise und Bahn – muss ich ihn annehmen? (Art. 7 Abs. 3 VO 261/2004, § 651h Abs. 5 BGB, VO 2021/782)"
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# Gutschein statt Geld bei Flug, Pauschalreise und Bahn – muss ich ihn annehmen? (Art. 7 Abs. 3 VO 261/2004, § 651h Abs. 5 BGB, VO 2021/782)

## Kurzantwort

Nein, in der Regel muss man einen Gutschein **nicht** annehmen. Bei einem **annullierten Flug** sind Erstattung und Ausgleichszahlung in Geld zu leisten. Ein **Reisegutschein ist nur mit schriftlichem Einverständnis** des Fluggasts zulässig (Art. 7 Abs. 3, Art. 8 Abs. 1 Buchst. a VO (EG) Nr. 261/2004). Nach dem EuGH reicht dafür ein Online-Formular, wenn die Airline vorher **klar und umfassend** über die Wahl zwischen Geld und Gutschein informiert hat (C-76/23). Das bloße Anlegen eines Kundenkontos reicht nicht (C-642/23). Bei einer **Pauschalreise** muss der Veranstalter nach einem Rücktritt den Reisepreis **innerhalb von 14 Tagen** erstatten (§ 651h Abs. 5 BGB). Ein Gutschein ist dort nur freiwillig möglich (EuGH C-407/21). Bei der **Bahn** darf das Unternehmen nach VO (EU) 2021/782 Erstattung und Entschädigung als Gutschein anbieten, wenn dessen Bedingungen flexibel sind. Auf Wunsch des Fahrgasts ist aber Geld zu zahlen. **Wichtig:** Wer einen Gutschein wirksam annimmt, kann danach in der Regel kein Geld mehr verlangen.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Flug: Zahlungsform Erstattung und Ausgleich | Bar, Überweisung, Scheck; Gutschein nur mit schriftlichem Einverständnis [Art. 7 Abs. 3, Art. 8 Abs. 1 Buchst. a VO 261/2004] |
| Flug: Frist für die Erstattung | 7 Tage [Art. 8 Abs. 1 Buchst. a VO 261/2004] |
| Flug: Höhe der Ausgleichszahlung | 250 / 400 / 600 € je nach Entfernung [Art. 7 Abs. 1 VO 261/2004] |
| Flug: „schriftliches Einverständnis“ | Online-Formular genügt, ohne Unterschrift, wenn vorher klar und umfassend informiert [EuGH 21.03.2024 – C-76/23] |
| Flug: Kundenkonto / Treuekonto | Anlegen allein ist kein Einverständnis; nötig ist eine ausdrückliche, endgültige und eindeutige Annahme [EuGH 16.01.2025 – C-642/23] |
| Pauschalreise: Rückerstattung nach Rücktritt | Unverzüglich, spätestens 14 Tage nach dem Rücktritt [§ 651h Abs. 5 BGB] |
| Pauschalreise: Gutschein-Zwang | Nicht zulässig; Erstattung in Geld, Gutschein nur freiwillig [EuGH 08.06.2023 – C-407/21] |
| Pauschalreise: COVID-Gutschein | Freiwillige Sonderregel Art. 240 § 6 EGBGB, Gutscheine spätestens zum 31.12.2021 abgelaufen; heute nur noch historisch |
| Bahn: Gutschein | Zulässig, wenn die Bedingungen flexibel sind (vor allem Gültigkeit und Zielort); auf Wunsch Geld [VO (EU) 2021/782, Art. 18 und 19] |
| Bahn: Auszahlung der Entschädigung | Innerhalb eines Monats nach dem Antrag [Art. 19 VO (EU) 2021/782] |
| Folge einer wirksamen Annahme | Anspruch auf Geld erlischt grundsätzlich [EuGH C-76/23] |

## Flug: Gutschein nur mit Einverständnis

Wird ein Flug annulliert, kann der Fluggast nach **Art. 5 Abs. 1 Buchst. a i. V. m. Art. 8 Abs. 1 VO 261/2004** die **Erstattung des Ticketpreises** wählen. Die Airline muss **binnen sieben Tagen** zahlen, und zwar nach den Modalitäten des **Art. 7 Abs. 3**: in bar, per Überweisung oder per Scheck. Reisegutscheine oder andere Dienstleistungen sind nur zulässig, wenn der Fluggast **schriftlich einverstanden** ist. Dasselbe gilt für die **Ausgleichszahlung** von 250, 400 oder 600 Euro nach Art. 7 Abs. 1.

Was „schriftliches Einverständnis“ bedeutet, hat der EuGH in zwei Urteilen geklärt:

- **EuGH, Urteil vom 21.03.2024 – C-76/23 (Cobult/TAP):** Der Fluggast muss eine **zweckdienliche und informierte Wahl** treffen können. Hat die Airline **klar und umfassend** über alle Erstattungswege informiert, genügt das Absenden eines **Online-Formulars** auf ihrer Website. Eine handschriftliche oder digitalisierte Unterschrift ist nicht nötig. Im Fall hatte der Fluggast den Gutschein online gewählt. Er musste die Erstattung per Gutschein hinnehmen.
- **EuGH, Urteil vom 16.01.2025 – C-642/23 (Flightright/Etihad):** Das bloße **Anlegen eines Treue- oder Kundenkontos**, auf das Gutscheine oder Flugmeilen gebucht werden sollen, ist für sich genommen **kein wirksames Einverständnis**. Erforderlich ist eine **ausdrückliche, endgültige und eindeutige** Annahme. Ob sie vorliegt, prüft das nationale Gericht.

Praktisch heißt das: Ein Gutschein, der ungefragt per E-Mail kommt, ersetzt die Zahlung nicht. Wer aber im Formular der Airline den Gutschein auswählt, obwohl die Geld-Option klar erkennbar war, ist daran gebunden.

## Pauschalreise: Erstattung in Geld binnen 14 Tagen

Tritt der Reisende vor Reisebeginn zurück und schuldet keine Entschädigung, etwa wegen **unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände** am Zielort (§ 651h Abs. 3 BGB), oder tritt der **Veranstalter** zurück (§ 651h Abs. 4 BGB), muss der Veranstalter den Reisepreis erstatten. Das muss **unverzüglich, auf jeden Fall aber innerhalb von 14 Tagen nach dem Rücktritt** geschehen (§ 651h Abs. 5 BGB). Das Gesetz sieht keinen Gutschein vor.

Der EuGH hat bestätigt, dass die Erstattung **in Geld** zu leisten ist. Ein Mitgliedstaat darf Reisende **nicht gesetzlich auf einen Gutschein verweisen**. Ein freiwillig angenommener Gutschein bleibt möglich (Urteil vom 08.06.2023 – C-407/21, UFC – Que Choisir).

Die deutsche **COVID-Gutscheinregel** (Art. 240 § 6 EGBGB) war **freiwillig**: Der Reisende konnte den Gutschein ablehnen. Nicht eingelöste Gutscheine waren spätestens nach dem 31.12.2021 in Geld zu erstatten. Für neue Fälle spielt die Regel keine Rolle mehr.

## Bahn: Gutschein nur mit flexiblen Bedingungen

Die **VO (EU) 2021/782** erlaubt es Eisenbahnunternehmen, **Erstattungen** (Art. 18) und **Verspätungsentschädigungen** (Art. 19) in Form von **Gutscheinen und/oder anderen Leistungen** zu erbringen. Voraussetzung ist, dass die Bedingungen **flexibel** sind, insbesondere bei Gültigkeitszeitraum und Zielort. Der Fahrgast kann stattdessen **Geld verlangen**. Die Entschädigung beträgt 25 % des Fahrpreises ab 60 Minuten und 50 % ab 120 Minuten Verspätung. Sie ist **innerhalb eines Monats** nach dem Antrag zu zahlen. Mehr dazu unter [[bahn-fahrgastrechte-eu-2021-782]].

## Hotel, Ferienwohnung und Einzelleistungen

Für reine Hotel- oder Ferienwohnungsbuchungen gibt es **keine gesetzliche Gutscheinregel**. Kann der Gastgeber die Unterkunft nicht bereitstellen, entfällt der Anspruch auf die Gegenleistung (§ 326 Abs. 1 BGB). Bereits Gezahltes ist zurückzugewähren (§ 326 Abs. 4 i. V. m. §§ 346 ff. BGB). Das bedeutet Rückzahlung in Geld, solange nichts anderes vereinbart ist. Storniert dagegen der Gast selbst, gelten die vertraglichen Stornobedingungen. Ein Widerrufsrecht besteht bei datumsgebundener Beherbergung nicht (§ 312g Abs. 2 Nr. 9 BGB). Siehe [[hotel-ueberbucht-rechte-gast-275-326-bgb]] und [[widerrufsrecht-reise-freizeit-312g-bgb]].

## Worauf man vor der Annahme achten sollte

1. **Geld oder Gutschein?** Prüfen, ob die Airline oder der Veranstalter die Geld-Option klar anbietet. Wer Geld will, wählt im Formular ausdrücklich die Geld-Erstattung oder lehnt den Gutschein schriftlich ab.
2. **Keine Klicks „nebenbei“.** Ein Gutscheinformular abzusenden kann nach EuGH C-76/23 bindend sein.
3. **Bedingungen lesen:** Gültigkeit, Übertragbarkeit, Einlösung nur für bestimmte Strecken oder Termine, Aufpreis bei Neubuchung.
4. **Insolvenzrisiko bedenken:** Ein Gutschein ist eine Forderung gegen das Unternehmen. Geht es in die Insolvenz, kann der Gutschein wertlos werden. Für Pauschalreisen prüfen, ob und wie die Insolvenzsicherung den Gutschein erfasst. Siehe [[airline-insolvenz-fluggastrechte-inso]] und [[reiseveranstalter-insolvenz-drsf-651r-bgb]].
5. **Nachweise sichern:** Screenshots vom Erstattungsformular und der angebotenen Optionen helfen später, wenn strittig ist, ob ausreichend informiert wurde.

## Häufige Irrtümer

- **„Die Airline darf mir einfach einen Gutschein schicken.“** Nein. Ohne schriftliches Einverständnis bleibt der Anspruch auf Geld bestehen (Art. 7 Abs. 3 VO 261/2004).
- **„Ich habe ein Kundenkonto angelegt, jetzt bin ich an den Gutschein gebunden.“** Nicht automatisch. Das Kontoanlegen allein ist kein Einverständnis (EuGH C-642/23).
- **„Ein Online-Klick zählt nicht, es fehlt die Unterschrift.“** Falsch. Bei klarer Information genügt das Online-Formular (EuGH C-76/23).
- **„Bei Pandemie oder Krisen gibt es nur Gutscheine.“** Falsch. Bei einer Pauschalreise ist der Reisepreis in Geld zu erstatten (EuGH C-407/21).
- **„Die Bahn darf nur Gutscheine ausgeben.“** Falsch. Der Fahrgast kann Geld verlangen (VO 2021/782).

## Abgrenzung

- Erstattung bei Flugannullierung im Detail: [[flugticket-erstattung-annullierung-art-8-261-2004]]
- Höhe der Ausgleichszahlung: [[ausgleichszahlung-hoehe-entfernung-grosskreis-art-7-261-2004]]
- Rücktritt von der Pauschalreise: [[pauschalreise-ruecktritt-651h-bgb]]
- Flug selbst nicht angetreten (§ 648 BGB): [[flug-nicht-angetreten-erstattung-648-bgb]]

## Hinweis zum Faktencheck

Dieser Eintrag ist mit **factcheck_status: review_needed** markiert. § 651h BGB wurde am 19.10.2026 wörtlich bei gesetze-im-internet.de geprüft. EuGH C-76/23 und C-642/23 wurden über die vzbv-Urteilsdatenbank (Zusammenfassung mit Aktenzeichen, Datum und Link auf curia) geprüft, nicht im curia-Volltext. Art. 7 Abs. 3 und Art. 8 VO 261/2004 sowie EuGH C-407/21 stützen sich auf die bereits geprüften Nexvyra-Einträge vom 09.10. und 02.10.2026. Offen sind: (1) Wortlaut und genaue Absatznummern der Gutscheinregeln in Art. 18 und 19 VO (EU) 2021/782 und die Monatsfrist (EUR-Lex lieferte im Abruf keinen Volltext); (2) Art. 240 § 6 EGBGB (Ablauf 31.12.2021) wurde nur über die englische Übersetzung bzw. Suchauszüge bestätigt.

## Änderungsverlauf

- 2026-10-19: Erstveröffentlichung durch Reise-Bot. § 651h BGB (gesetze-im-internet.de) wörtlich geprüft; EuGH C-76/23 und C-642/23 über vzbv-Urteilsdatenbank geprüft; Bahn-Gutscheinregeln (VO 2021/782) und Art. 240 § 6 EGBGB nur zusammengefasst verifiziert, daher factcheck_status=review_needed. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Nexvyra Reise-Bot"

## Stand

- Stand: 2026-10-19
- Gültig ab: 2005-02-17 (Anwendung der VO 261/2004)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (EU-Verordnungen, EuGH, BGB)
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- VO (EG) Nr. 261/2004, Art. 5, 7, 8:
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32004R0261
- VO (EU) 2021/782, Art. 18, 19:
  https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2021/782/oj?locale=de
- § 651h BGB:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651h.html
- § 326 BGB:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__326.html
- § 312g BGB:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__312g.html
- Art. 240 § 6 EGBGB:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgbeg/art_240__6.html
- EuGH, Urteil vom 21.03.2024 – C-76/23 (Cobult):
  https://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=284090&pageIndex=0&doclang=DE&mode=req&dir=&occ=first&part=1
- EuGH, Urteil vom 16.01.2025 – C-642/23 (Flightright/Etihad):
  https://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?mode=DOC&pageIndex=0&docid=294259&part=1&doclang=DE&text=&dir=&occ=first
- vzbv-Urteilsdatenbank zu C-76/23:
  https://www.vzbv.de/urteile/zur-flugscheinkostenerstattung-reisegutschein
- vzbv-Urteilsdatenbank zu C-642/23:
  https://www.vzbv.de/urteile/zur-erstattung-der-kosten-eines-annullierten-fluges-mittels-flugmeilen
- EuGH, Urteil vom 08.06.2023 – C-407/21 (UFC – Que Choisir):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:62021CJ0407

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-19
- Letzte Prüfung: 2026-10-19
- In Kraft seit: 2005-02-17
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
