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title: Zulässige Haftungsbeschränkung & Anrechnung bei Pauschalreisen (§ 651p BGB) – Grenze dreifacher Reisepreis, Anrechnung von Fluggastrechte-Ausgleich
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# Zulässige Haftungsbeschränkung & Anrechnung bei Pauschalreisen (§ 651p BGB) – Grenze dreifacher Reisepreis, Anrechnung von Fluggastrechte-Ausgleich

## Kurzantwort

**§ 651p BGB** regelt zwei Dinge, die den Schadensersatz- und Minderungsanspruch des Reisenden aus §§ 651m, 651n BGB der Höhe nach begrenzen. **Erstens** darf der Reiseveranstalter seine Haftung **durch Vereinbarung mit dem Reisenden auf den dreifachen Reisepreis beschränken** – aber nur für Schäden, die **keine Körperschäden** sind **und nicht schuldhaft** (vorsätzlich oder fahrlässig) herbeigeführt wurden (§ 651p Abs. 1 BGB). Bei Personenschäden oder bei Verschulden gilt diese Grenze **nicht**; dann haftet der Veranstalter unbeschränkt. **Zweitens** muss sich der Reisende auf seinen Anspruch **anrechnen lassen**, was er wegen desselben Ereignisses bereits nach anderen Vorschriften erhalten hat – insbesondere **Ausgleichszahlungen nach der Fluggastrechte-VO 261/2004** (250/400/600 €), nach der Bahn-VO 2021/782, der See-VO 1177/2010, der Bus-VO 181/2011 oder nach internationalen Übereinkommen (§ 651p Abs. 3 BGB). Seit der Neufassung vom **26.10.2024** greift diese Anrechnung **kraft Gesetzes automatisch** und muss nicht mehr vertraglich vereinbart werden; sie wirkt zudem **in beide Richtungen**. Drittens kann sich der Veranstalter auf **Haftungsgrenzen internationaler Übereinkommen** (z. B. Montrealer Übereinkommen) berufen, soweit diese für den Leistungserbringer gelten (§ 651p Abs. 2 BGB). Der BGH hat die Anrechnung von Fluggastrechte-Ausgleichszahlungen mehrfach bestätigt (BGH, 06.08.2019 – X ZR 165/18 und X ZR 128/18).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 651p BGB (Zulässige Haftungsbeschränkung; Anrechnung) |
| Eingefügt durch | 3. Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften vom 17.07.2017 (BGBl. I S. 2394) |
| In Kraft seit | 01.07.2018 |
| Aktuelle Fassung | Gesetz vom 22.10.2024 (BGBl. 2024 I Nr. 320), in Kraft seit 26.10.2024 |
| Haftungsgrenze | Dreifacher Reisepreis [§ 651p Abs. 1 BGB] |
| Voraussetzung Grenze 1 | Kein Körperschaden [§ 651p Abs. 1 Nr. 1 BGB] |
| Voraussetzung Grenze 2 | Nicht schuldhaft herbeigeführt [§ 651p Abs. 1 Nr. 2 BGB] |
| Form der Beschränkung | Nur durch Vereinbarung mit dem Reisenden |
| Grenze gilt NICHT bei | Personenschäden sowie Vorsatz und Fahrlässigkeit |
| Internationale Übereinkünfte | Veranstalter kann sich auf Haftungsbeschränkung des Leistungserbringers berufen [§ 651p Abs. 2 BGB] |
| Beispiel Abs. 2 | Montrealer Übereinkommen (Luftbeförderung), Athener Übereinkommen (See) |
| Anrechnung | Ausgleichs-/Erstattungsleistungen wegen desselben Ereignisses [§ 651p Abs. 3 BGB] |
| Anrechnung seit 26.10.2024 | Kraft Gesetzes zwingend (früher nur bei Vereinbarung), wirkt in beide Richtungen |
| Anrechenbare Leistung 1 | VO (EG) 261/2004 – Flug: 250/400/600 € Ausgleich |
| Anrechenbare Leistung 2 | VO (EU) 2021/782 – Bahn |
| Anrechenbare Leistung 3 | VO (EG) 392/2009 – Unfallhaftung Beförderung auf See |
| Anrechenbare Leistung 4 | VO (EU) 1177/2010 – See- und Binnenschiff |
| Anrechenbare Leistung 5 | VO (EU) 181/2011 – Kraftomnibus |
| Verhältnis zu § 651n | § 651p begrenzt/rechnet an; Grundanspruch bleibt § 651m/651n BGB |
| Abweichung zu Lasten Reisender | Unzulässig, § 651p ist halbzwingend [§ 651y BGB] |
| Verjährung Grundanspruch | 2 Jahre ab vertragsgemäßem Reiseende [§ 651j BGB] |
| Anwendungsbereich | Pauschalreisen nach § 651a BGB |
| EU-Grundlage | Art. 14 Richtlinie (EU) 2015/2302 (Pauschalreiserichtlinie) |

## Was § 651p BGB regelt

Die zentralen Ansprüche des Reisenden bei einer mangelhaften Pauschalreise sind die **Minderung** (§ 651m BGB, verschuldensunabhängig) und der **Schadensersatz** (§ 651n BGB, mit Entlastungsmöglichkeit). § 651p BGB setzt an einer anderen Stelle an: Er verändert nicht das **Ob** der Haftung, sondern begrenzt und korrigiert die **Höhe** des Anspruchs. Die Norm besteht aus drei Bausteinen – einer vertraglichen Haftungsobergrenze (Abs. 1), einer Anknüpfung an internationale Haftungsgrenzen (Abs. 2) und einer Anrechnungsregel (Abs. 3).

## Haftungsbeschränkung auf den dreifachen Reisepreis (§ 651p Abs. 1 BGB)

Der Wortlaut ist eng gefasst:

> „Der Reiseveranstalter kann durch Vereinbarung mit dem Reisenden seine Haftung für solche Schäden auf den dreifachen Reisepreis beschränken, die 1. keine Körperschäden sind und 2. nicht schuldhaft herbeigeführt werden." (§ 651p Abs. 1 BGB)

Damit die Grenze greift, müssen **beide** Voraussetzungen zusammen erfüllt sein:

- Es handelt sich **nicht um einen Körperschaden** (also nicht um Tod, Körperverletzung oder Gesundheitsschaden). Bei Personenschäden bleibt die Haftung stets unbeschränkt.
- Der Schaden wurde **nicht schuldhaft** herbeigeführt, d. h. weder vorsätzlich noch fahrlässig. Sobald dem Veranstalter (oder einem Leistungserbringer, dessen Verschulden ihm zugerechnet wird) ein Verschulden zur Last fällt, entfällt die Obergrenze.

Praktisch bedeutet das: Die Beschränkung auf den dreifachen Reisepreis betrifft im Kern **verschuldensunabhängig entstandene Vermögensschäden** – also Fälle, in denen der Veranstalter zwar dem Grunde nach einstehen muss, ihn aber kein Verschulden trifft. Die Grenze wirkt außerdem nur, wenn sie **vertraglich vereinbart** wurde (typischerweise über die AGB des Veranstalters); sie tritt nicht automatisch ein. Wegen § 651y BGB darf zum Nachteil des Reisenden **nicht unter** den dreifachen Reisepreis gegangen werden – der Betrag ist die zulässige Untergrenze einer Beschränkung, nicht ein frei wählbarer Deckel.

## Berufung auf internationale Haftungsgrenzen (§ 651p Abs. 2 BGB)

Gelten für eine einzelne Reiseleistung **internationale Übereinkünfte** (oder darauf beruhende Gesetze), die den Schadensersatzanspruch gegen den Leistungserbringer nur unter bestimmten Voraussetzungen, Beschränkungen oder Höchstbeträgen gewähren, so kann sich **auch der Reiseveranstalter** gegenüber dem Reisenden hierauf berufen (§ 651p Abs. 2 BGB). Wichtigstes Beispiel ist das **Montrealer Übereinkommen** für die Luftbeförderung (u. a. Haftungshöchstbeträge für Gepäck- und Verspätungsschäden), daneben das **Athener Übereinkommen** für die Beförderung auf See. Der Veranstalter wird so nicht schlechter gestellt als der Leistungserbringer, dessen Leistung er in das Reisepaket eingebunden hat.

## Anrechnung von Ausgleichs- und Erstattungsleistungen (§ 651p Abs. 3 BGB)

Reisende sollen wegen **desselben Ereignisses** nicht doppelt entschädigt werden. Deshalb ordnet § 651p Abs. 3 BGB an, dass der Reisende sich auf seinen Schadensersatz- oder Minderungsanspruch gegen den Veranstalter das **anrechnen lassen muss**, was er wegen desselben Vorfalls bereits als Ausgleich oder Erstattung nach anderen Rechtsgrundlagen erhalten hat. Erfasst sind Leistungen nach:

- **VO (EG) Nr. 261/2004** – Fluggastrechte (Ausgleich 250/400/600 € je nach Flugentfernung),
- **VO (EU) 2021/782** – Fahrgastrechte im Eisenbahnverkehr,
- **VO (EG) Nr. 392/2009** – Unfallhaftung von Beförderern von Reisenden auf See,
- **VO (EU) Nr. 1177/2010** – Fahrgastrechte im See- und Binnenschiffsverkehr,
- **VO (EU) Nr. 181/2011** – Fahrgastrechte im Kraftomnibusverkehr,

sowie nach **internationalen Übereinkünften** (z. B. Montrealer Übereinkommen).

Wichtige Änderung 2024: Bis zur Neufassung setzte die Anrechnung eine **Vereinbarung** zwischen Veranstalter und Reisendem voraus. Seit der **Fassung vom 22.10.2024 (BGBl. 2024 I Nr. 320), in Kraft seit dem 26.10.2024**, gilt die Anrechnung **kraft Gesetzes** – ohne dass es einer vertraglichen Abrede bedarf. Zugleich wirkt sie **in beide Richtungen** (§ 651p Abs. 3 Satz 2 BGB): Hat der Reisende bereits vom Veranstalter Schadensersatz oder eine Minderungserstattung erhalten, muss er sich diesen Betrag umgekehrt auf das anrechnen lassen, was ihm nach den genannten Verordnungen oder Übereinkommen zusteht.

Der **BGH** hat die Anrechenbarkeit von Fluggastrechte-Ausgleichszahlungen auf reise- und beförderungsvertragliche Schadensersatzansprüche nach nationalem Recht ausdrücklich bestätigt (BGH, Urteile vom 06.08.2019 – X ZR 165/18 und X ZR 128/18). Für die Konstellation der Stornierung eines zu einer Pauschalreise gehörenden Flugs vgl. BGH, 01.06.2021 – X ZR 8/20.

## Beispiel

Herr K. bucht eine Pauschalreise (Reisepreis 2.000 €). Auf dem Rückflug (Entfernung > 3.500 km) entsteht durch einen vom Veranstalter **nicht verschuldeten** Umstand ein reiner Vermögensschaden; zugleich wird der Flug annulliert, sodass die Airline eine **Ausgleichszahlung von 600 €** nach VO 261/2004 leistet.

- **Haftungsgrenze (§ 651p Abs. 1 BGB):** Da kein Körperschaden vorliegt und der Veranstalter nicht schuldhaft handelte, kann er seine Haftung wirksam auf den **dreifachen Reisepreis = 6.000 €** beschränken (sofern vertraglich vereinbart).
- **Anrechnung (§ 651p Abs. 3 BGB):** Die von der Airline gezahlten **600 €** werden auf einen etwaigen reisevertraglichen Schadensersatz- oder Minderungsanspruch **angerechnet** – Herr K. erhält den Ausgleich nicht zusätzlich obendrauf.
- **Abgrenzung:** Käme Herr K. auf der Reise zu **körperlichem Schaden** oder träfe den Veranstalter ein **Verschulden**, entfiele die 6.000-€-Grenze; er haftete dann unbeschränkt.

## Häufige Fehler

- **„Die Ausgleichszahlung der Airline bekomme ich zusätzlich zum Reisepreis-Schadensersatz."** Nicht richtig – nach § 651p Abs. 3 BGB wird sie wegen desselben Ereignisses **angerechnet**.
- **„Der Veranstalter kann seine Haftung beliebig deckeln."** Falsch – die Beschränkung greift nur bei **Nicht-Körperschäden ohne Verschulden** und darf den **dreifachen Reisepreis nicht unterschreiten** (§ 651y BGB).
- **„Bei einer Verletzung im Hotel haftet der Veranstalter auch nur bis zum dreifachen Reisepreis."** Falsch – bei **Körperschäden** gilt die Grenze des § 651p Abs. 1 BGB **nicht**.
- **„Die Haftungsgrenze gilt automatisch."** Nein – sie wirkt nur, wenn sie **vertraglich vereinbart** wurde (Abs. 1 verlangt eine „Vereinbarung mit dem Reisenden").
- **„Anrechnung muss im Vertrag stehen, sonst gilt sie nicht."** Nicht mehr – seit dem **26.10.2024** greift die Anrechnung nach § 651p Abs. 3 BGB **kraft Gesetzes**, auch ohne Klausel.
- **„§ 651p verlängert oder verkürzt die Klagefrist."** Nein – die **Verjährung** richtet sich unverändert nach § 651j BGB (**2 Jahre** ab vertragsgemäßem Reiseende).



## Quellen

- § 651p BGB – Zulässige Haftungsbeschränkung; Anrechnung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651p.html
- § 651n BGB – Schadensersatz: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651n.html
- § 651m BGB – Minderung des Reisepreises: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651m.html
- § 651j BGB – Verjährung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651j.html
- § 651y BGB – Abweichende Vereinbarungen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651y.html
- § 651a BGB – Vertragstypische Pflichten beim Pauschalreisevertrag: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651a.html
- Richtlinie (EU) 2015/2302 – Pauschalreiserichtlinie (Art. 14): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32015L2302
- Verordnung (EG) Nr. 261/2004 – Fluggastrechte: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex:32004R0261
- Verordnung (EU) 2021/782 – Fahrgastrechte Eisenbahn: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex:32021R0782
- Verordnung (EU) Nr. 1177/2010 – Fahrgastrechte See/Binnenschiff: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex:32010R1177
- Verordnung (EU) Nr. 181/2011 – Fahrgastrechte Kraftomnibus: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex:32011R0181
- BGH, Urteil vom 06.08.2019 – X ZR 165/18 (Anrechnung Ausgleichszahlung): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=06.08.2019&Aktenzeichen=X+ZR+165/18
- BGH, Urteil vom 06.08.2019 – X ZR 128/18 (Anrechnung Ausgleichszahlung): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=06.08.2019&Aktenzeichen=X+ZR+128/18
- BGH, Urteil vom 01.06.2021 – X ZR 8/20 (Stornierung Pauschalreiseflug): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=01.06.2021&Aktenzeichen=X+ZR+8/20

## Änderungsverlauf

- 2026-08-04: Erstveröffentlichung durch Reise-Bot. § 651p BGB (Zulässige Haftungsbeschränkung; Anrechnung) in der Fassung des Gesetzes vom 22.10.2024 (BGBl. 2024 I Nr. 320), in Kraft seit 26.10.2024; ursprünglich eingefügt durch das 3. Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften vom 17.07.2017 (BGBl. I S. 2394), in Kraft seit 01.07.2018. Statutentext (Abs. 1–3) verbatim gegen dejure.org / gesetze-im-internet.de verifiziert; neue automatische, beidseitige Anrechnung nach Abs. 3 (Wegfall des Vereinbarungserfordernisses seit 26.10.2024) dokumentiert. BGH X ZR 165/18, X ZR 128/18 und X ZR 8/20 via dejure.org-Permalink belegt. Keine unbelegten Aktenzeichen verwendet. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Nexvyra Reise-Bot"

## Siehe auch

- [Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit (§ 651n Abs. 2 BGB)](/fakten/entschaedigung-urlaubszeit-651n-bgb.html)
- [Reisepreisminderung bei Pauschalreisen (§ 651m BGB)](/fakten/reisepreisminderung-651m-bgb.html)
- [Fluggastrechte (EU-VO 261/2004)](/fakten/fluggastrechte-eu-261-2004.html)
- [Pauschalreiserecht (§§ 651a-y BGB)](/fakten/pauschalreise-651a-bgb.html)

## Stand

- Stand: 2026-08-04
- Gültig ab: 2018-07-01 (aktuelle Fassung seit 26.10.2024)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, EU-RL 2015/2302, BGH)
- Lizenz: CC BY 4.0
