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title: Heilmittel (§ 32 SGB V) – Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie: Anspruch, Heilmittel-Richtlinie, Zuzahlung 2026
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# Heilmittel (§ 32 SGB V) – Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie: Anspruch, Heilmittel-Richtlinie, Zuzahlung 2026

## Kurzantwort

Gesetzlich Krankenversicherte haben nach **§ 32 Abs. 1 SGB V** Anspruch auf Versorgung mit **Heilmitteln**, soweit diese nicht nach § 34 SGB V ausgeschlossen sind. Heilmittel sind **persönlich zu erbringende medizinische Dienstleistungen** – vor allem **Physiotherapie/Krankengymnastik, Podologie, Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie (Logopädie), Ergotherapie und Ernährungstherapie**. Seit der Fassung ab 2021 besteht der Anspruch **auch auf telemedizinisch erbrachte Heilmittel** (§ 32 Abs. 1 Satz 2). Das Nähere – welche Heilmittel bei welcher Diagnose in welcher Menge verordnet werden dürfen – regelt der **Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA)** in der **Heilmittel-Richtlinie** samt **Heilmittel-Katalog** (§ 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 SGB V). Für Versicherte mit **langfristigem Heilmittelbedarf** trifft der G-BA nach **§ 32 Abs. 1a SGB V** besondere Regelungen; ist dafür ein Genehmigungsverfahren vorgesehen, muss die Krankenkasse **innerhalb von vier Wochen** entscheiden – sonst gilt die Genehmigung als erteilt (**Genehmigungsfiktion**). Verordnungen, die über die in der Richtlinie geregelte **orientierende Behandlungsmenge** hinausgehen, bedürfen nach **§ 32 Abs. 1b SGB V keiner Genehmigung** der Kasse. Versicherte **ab 18 Jahren** leisten eine **Zuzahlung nach § 61 Satz 3 SGB V**: **10 Prozent der Kosten zuzüglich 10 Euro je Verordnung** (§ 32 Abs. 2). Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind zuzahlungsfrei; die Gesamtbelastung ist durch die **Belastungsgrenze nach § 62 SGB V** gedeckelt (2 Prozent bzw. 1 Prozent bei chronisch Kranken). Die maßgebliche Fassung des § 32 SGB V gilt seit dem **20. Juli 2021**, die Zuzahlungsregel des § 61 in der ab **1. Januar 2025** geltenden Fassung.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 32 SGB V (Heilmittel) [gesetze-im-internet.de, dejure.org] |
| Fassung § 32 | Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) vom 11.07.2021 (BGBl. I S. 2754), in Kraft seit 20.07.2021 |
| Anspruch (Abs. 1 Satz 1) | Versorgung mit Heilmitteln, soweit nicht nach § 34 SGB V ausgeschlossen |
| Telemedizin (Abs. 1 Satz 2) | Anspruch besteht auch auf telemedizinisch erbrachte Heilmittel |
| Vorbehalt (Abs. 1 Satz 3) | § 92 SGB V (Richtlinien des G-BA) bleibt unberührt |
| Heilmittelarten | Physiotherapie/Krankengymnastik, Podologie, Stimm-/Sprech-/Sprachtherapie (Logopädie), Ergotherapie, Ernährungstherapie |
| Nähere Regelung | Heilmittel-Richtlinie (HeilM-RL) + Heilmittel-Katalog des G-BA (§ 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6) |
| Langfristiger Heilmittelbedarf (Abs. 1a) | G-BA bestimmt Voraussetzungen; Genehmigungsverfahren möglich |
| Genehmigungsfrist (Abs. 1a Satz 3) | Entscheidung binnen 4 Wochen; sonst gilt Genehmigung als erteilt (Genehmigungsfiktion) |
| Fristunterbrechung (Abs. 1a Satz 4) | bei erforderlichen ergänzenden Informationen bis zu deren Eingang |
| Menge über Orientierungswert (Abs. 1b) | Verordnungen über die orientierende Behandlungsmenge hinaus bedürfen keiner Genehmigung |
| Zuzahlung ab 18 (Abs. 2 i. V. m. § 61 Satz 3) | 10 % der Kosten **zuzüglich 10 Euro je Verordnung** |
| Fassung § 61 | Medizinforschungsgesetz vom 23.10.2024 (BGBl. I Nr. 324), in Kraft seit 01.01.2025 |
| Befreiung unter 18 Jahren | zuzahlungsfrei |
| Belastungsgrenze (§ 62) | 2 % der jährlichen Bruttoeinnahmen, 1 % bei chronisch Kranken in Dauerbehandlung |
| Blankoverordnung | in der Physiotherapie seit 01.11.2024 möglich (Therapeut bestimmt Auswahl/Menge/Frequenz) |
| Verträge Leistungserbringer | § 125 SGB V (Verträge zur Heilmittelversorgung); Preisfestsetzung § 125b Abs. 2 |
| Ausschluss | § 34 SGB V (ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel) |

## Was sind Heilmittel – und wer hat Anspruch?

Heilmittel sind **persönlich zu erbringende, ärztlich verordnete medizinische Dienstleistungen**. Sie unterscheiden sich damit grundlegend von **Hilfsmitteln** (§ 33 SGB V), die sächliche Gegenstände wie Rollstühle oder Prothesen sind, und von **Arzneimitteln** (§ 31 SGB V). Zu den Heilmitteln der gesetzlichen Krankenversicherung zählen insbesondere die **Physiotherapie und physikalische Therapie** (Krankengymnastik, manuelle Therapie, Massagen, Lymphdrainage, Wärme- und Kältetherapie), die **Podologie** (medizinische Fußpflege), die **Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie** (Logopädie), die **Ergotherapie** sowie die **Ernährungstherapie**.

Nach **§ 32 Abs. 1 Satz 1 SGB V** hat jeder gesetzlich Versicherte Anspruch auf Versorgung mit Heilmitteln, soweit sie **nicht nach § 34 SGB V ausgeschlossen** sind und im Rahmen der Krankenbehandlung (§ 27 SGB V) notwendig sind. Seit der Fassung des Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetzes besteht der Anspruch ausdrücklich **auch auf Heilmittel, die telemedizinisch erbracht werden** (§ 32 Abs. 1 Satz 2) – etwa Video-Behandlungseinheiten in der Physio-, Ergo- oder Sprachtherapie, soweit der G-BA dies zulässt. Der Vorbehalt in Satz 3 stellt klar, dass die **Richtlinien des G-BA nach § 92 SGB V** unberührt bleiben und den Leistungsumfang näher ausgestalten.

## Heilmittel-Richtlinie, Heilmittel-Katalog und orientierende Behandlungsmenge

Welche Heilmittel bei welcher Erkrankung, in welcher Menge und mit welcher Behandlungsfrequenz verordnet werden dürfen, regelt der **Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA)** in der **Heilmittel-Richtlinie (HeilM-RL)** und dem zugehörigen **Heilmittel-Katalog** (Rechtsgrundlage: § 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 SGB V). Der Katalog ordnet jeder **Diagnosegruppe** die verordnungsfähigen Heilmittel zu und nennt eine **Höchstmenge je Verordnung** sowie eine **orientierende Behandlungsmenge** – die Anzahl an Einheiten, mit der das Therapieziel im Regelfall erreicht werden soll.

Wichtig für Versicherte: Nach **§ 32 Abs. 1b SGB V** bedürfen **Verordnungen, die über die orientierende Behandlungsmenge hinausgehen, keiner Genehmigung** durch die Krankenkasse. Der Orientierungswert ist also **keine starre Obergrenze**, sondern ein Richtwert; überschreitet die medizinisch notwendige Behandlung diesen Wert, kann die verordnende Praxis weiter verordnen, ohne dass die Kasse zustimmen muss. Seit dem **1. November 2024** ist in der Physiotherapie zudem die **Blankoverordnung** möglich: Die Ärztin oder der Arzt bescheinigt nur noch, dass eine Heilmittelbehandlung erforderlich ist, während die **Auswahl des konkreten Heilmittels sowie Menge und Frequenz die Therapiepraxis** bestimmt.

## Langfristiger Heilmittelbedarf und Genehmigungsfiktion

Für Menschen mit **schweren, dauerhaften Erkrankungen** – etwa nach Schlaganfall, bei Multipler Sklerose, Mukoviszidose oder bestimmten neurologischen Diagnosen – regelt **§ 32 Abs. 1a SGB V** den **langfristigen Heilmittelbedarf**. Der G-BA bestimmt in der Heilmittel-Richtlinie, wann ein solcher Bedarf vorliegt (u. a. über eine **Diagnoseliste**) und ob und in welchem Umfang ein **Genehmigungsverfahren** durchzuführen ist. Liegt eine Diagnose der Liste vor, gilt der langfristige Heilmittelbedarf grundsätzlich als anerkannt; die Betroffenen erhalten dann fortlaufend Heilmittel außerhalb der orientierenden Behandlungsmengen.

Sieht die Richtlinie ein **Genehmigungsverfahren** vor, muss die Krankenkasse über den Antrag **innerhalb von vier Wochen** entscheiden. Entscheidet sie nicht fristgerecht, **gilt die Genehmigung nach Ablauf der Frist als erteilt** (§ 32 Abs. 1a Satz 3) – eine gesetzliche **Genehmigungsfiktion** zugunsten der Versicherten. Fordert die Kasse zur Entscheidung **ergänzende Informationen** an, ist der Lauf der Vier-Wochen-Frist bis zu deren Eingang **unterbrochen** (§ 32 Abs. 1a Satz 4).

## Zuzahlung, Belastungsgrenze und Abgrenzung

**Zuzahlung:** Versicherte, die das **18. Lebensjahr vollendet** haben, leisten zu Heilmitteln die Zuzahlung nach **§ 61 Satz 3 SGB V**: **10 Prozent der Kosten zuzüglich 10 Euro je Verordnung** (§ 32 Abs. 2 Satz 1). Die 10 Euro fallen **einmal pro Verordnung** an, nicht pro Behandlungseinheit – eine Verordnung über zum Beispiel sechs Einheiten Krankengymnastik kostet also 10 Euro plus 10 Prozent der Behandlungskosten, nicht sechsmal 10 Euro. Werden **Massagen, Bäder und Krankengymnastik als Bestandteil der ärztlichen Behandlung** oder bei ambulanter Behandlung in Krankenhäusern, Reha- oder anderen Einrichtungen abgegeben, gilt dieselbe Zuzahlung; sie errechnet sich nach den nach **§ 125 SGB V** vereinbarten bzw. nach § 125b Abs. 2 festgesetzten Preisen (§ 32 Abs. 2 Sätze 2 und 3).

**Befreiung und Belastungsgrenze:** Kinder und Jugendliche **unter 18 Jahren** sind von der Zuzahlung befreit. Für alle Versicherten begrenzt die **Belastungsgrenze nach § 62 SGB V** die jährliche Gesamtzuzahlung auf **2 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt**, bei **chronisch Kranken in Dauerbehandlung** auf **1 Prozent**. Ist die Grenze erreicht, stellt die Kasse für den Rest des Kalenderjahres eine Befreiung aus.

**Abgrenzung:** Heilmittel (§ 32 SGB V) sind von **Hilfsmitteln** (§ 33 SGB V – sächliche Mittel wie Bandagen, Rollstühle, Prothesen), von **Arznei- und Verbandmitteln** (§ 31 SGB V) und von der **häuslichen Krankenpflege** (§ 37 SGB V) zu unterscheiden. Präventions- und Wellnessleistungen ohne medizinische Indikation sind **keine** verordnungsfähigen Heilmittel.

## Häufige Fehler

- **„Heilmittel und Hilfsmittel sind dasselbe."** Falsch – **Heilmittel** (§ 32) sind persönlich erbrachte Dienstleistungen wie Physio-, Ergo- oder Sprachtherapie; **Hilfsmittel** (§ 33) sind Gegenstände wie Rollstuhl oder Prothese. Die Zuzahlungsregeln unterscheiden sich.
- **„Die 10 Euro Zuzahlung fallen pro Behandlungstermin an."** Falsch – es sind **10 % der Kosten plus 10 Euro je Verordnung** (§ 61 Satz 3 SGB V), also nur **einmal pro Rezept**, unabhängig von der Zahl der Einheiten.
- **„Mehr als die orientierende Behandlungsmenge geht nur mit Genehmigung der Kasse."** Falsch – Verordnungen über den Orientierungswert hinaus **bedürfen keiner Genehmigung** (§ 32 Abs. 1b SGB V); der Wert ist ein Richtwert, keine Obergrenze.
- **„Bei langfristigem Heilmittelbedarf kann sich die Kasse ewig Zeit lassen."** Falsch – ist ein Genehmigungsverfahren vorgesehen, muss die Kasse **binnen vier Wochen** entscheiden, sonst gilt die **Genehmigung als erteilt** (§ 32 Abs. 1a Satz 3).
- **„Telemedizinische Physiotherapie zahlt die Kasse nicht."** Nicht pauschal – der Anspruch besteht **ausdrücklich auch auf telemedizinisch erbrachte Heilmittel** (§ 32 Abs. 1 Satz 2), soweit der G-BA dies in der Richtlinie zulässt.
- **„Kinder zahlen die 10 Euro je Verordnung auch."** Falsch – Versicherte **unter 18 Jahren** sind zuzahlungsfrei.
- **„Jede Wellness-Massage ist ein Heilmittel."** Falsch – verordnungsfähig sind nur **medizinisch indizierte** Heilmittel nach Heilmittel-Katalog; Präventions- oder Wellnessleistungen ohne Indikation gehören nicht dazu.




## Quellen

- § 32 SGB V – Heilmittel (gesetze-im-internet.de): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__32.html
- § 32 SGB V – Heilmittel (dejure.org, Fassung ab 20.07.2021): https://dejure.org/gesetze/SGB_V/32.html
- § 61 SGB V – Zuzahlungen (Satz 3: 10 % + 10 € je Verordnung; Fassung ab 01.01.2025): https://dejure.org/gesetze/SGB_V/61.html
- § 61 SGB V – Zuzahlungen (gesetze-im-internet.de): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__61.html
- § 62 SGB V – Belastungsgrenze (2 % / 1 %): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__62.html
- § 34 SGB V – Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__34.html
- § 125 SGB V – Verträge zur Heilmittelversorgung: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__125.html
- G-BA – Heilmittel-Richtlinie (Richtlinie Nr. 12, Heilmittel-Katalog, Diagnoseliste langfristiger Heilmittelbedarf): https://www.g-ba.de/richtlinien/12/
- G-BA – Verordnung von Heilmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung (Blankoverordnung, orientierende Behandlungsmenge): https://www.g-ba.de/themen/veranlasste-leistungen/heilmittel/verordnung-heilmittel-vertragsaerzte/

## Änderungsverlauf

- 2026-07-20: Erstveröffentlichung. Normtext § 32 SGB V verbatim gegen gesetze-im-internet.de und dejure.org geprüft (Abs. 1, 1a, 1b, 2; Fassung GVWG vom 11.07.2021, BGBl. I S. 2754, in Kraft 20.07.2021). Zuzahlung nach § 61 Satz 3 (10 % der Kosten + 10 € je Verordnung; Fassung Medizinforschungsgesetz vom 23.10.2024, BGBl. I Nr. 324, in Kraft 01.01.2025) belegt. Genehmigungsfiktion (4 Wochen, § 32 Abs. 1a Satz 3), Fristunterbrechung (Satz 4) und genehmigungsfreie Überschreitung der orientierenden Behandlungsmenge (Abs. 1b) gegen Normtext geprüft. Heilmittel-Richtlinie/Heilmittel-Katalog, Diagnoseliste langfristiger Heilmittelbedarf und Blankoverordnung (Physiotherapie seit 01.11.2024) gegen G-BA verifiziert. Belastungsgrenze (§ 62) und Abgrenzung zu §§ 31, 33, 37 SGB V vermerkt. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

Rechtsstand: 20. Juli 2026. § 32 SGB V gilt in der Fassung des Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetzes vom 11.07.2021 (BGBl. I S. 2754), in Kraft seit 20. Juli 2021. Die Zuzahlung folgt § 61 Satz 3 SGB V in der ab 1. Januar 2025 geltenden Fassung (Medizinforschungsgesetz vom 23.10.2024, BGBl. I Nr. 324). Das Nähere zur Heilmittelversorgung regelt die Heilmittel-Richtlinie des G-BA; die Belastungsgrenze nach § 62 SGB V und die Hilfsmittelversorgung nach § 33 SGB V werden auf eigenen Themenseiten behandelt.
