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title: Herabstufung der Beförderungsklasse – Downgrading (Art. 10 VO 261/2004) – Erstattung 30/50/75 % des Flugpreises
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# Herabstufung der Beförderungsklasse – Downgrading (Art. 10 VO 261/2004) – Erstattung 30/50/75 % des Flugpreises

## Kurzantwort

Wird ein Fluggast in eine **niedrigere Beförderungsklasse** verlegt als die, für die er den Flugschein gekauft hat — etwa von der Business Class in die Economy Class —, spricht man von **Herabstufung** oder **Downgrading**. **Artikel 10 Absatz 2 der EU-Fluggastrechte-Verordnung 261/2004** verpflichtet das ausführende Luftfahrtunternehmen dann, dem Fluggast **binnen sieben Tagen** einen festen **Prozentsatz des Flugpreises zu erstatten**: **30 %** bei Flügen bis 1.500 km, **50 %** bei innergemeinschaftlichen Flügen über 1.500 km sowie allen sonstigen Flügen zwischen 1.500 und 3.500 km, und **75 %** bei allen übrigen (längeren) Flügen. Erstattet wird ein **prozentualer Anteil des Ticketpreises** — **nicht** nur die Preisdifferenz zwischen gebuchter und tatsächlicher Klasse und **nicht** die Ausgleichspauschale nach Art. 7 (250/400/600 €), die für Downgrading gerade **nicht** gilt. Der Europäische Gerichtshof hat im Urteil **Mennens ./. Emirates (C-255/15, 22.06.2016)** klargestellt: Maßgeblich ist der Preis **des Fluges**, auf dem herabgestuft wurde (bei Mehrflug-Tickets anteilig nach Entfernung), und zwar **nur der reine Flugpreis ohne** Steuern und Gebühren, soweit diese nicht von der Klasse abhängen. Umgekehrt darf die Airline für eine **Höherstufung** (Upgrade) nach Art. 10 Abs. 1 **keinen Aufschlag** verlangen.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Art. 10 Verordnung (EG) Nr. 261/2004 [eur-lex.europa.eu] |
| In Kraft seit | 17.02.2005 |
| Höherstufung (Upgrade) | Airline darf keinen Aufschlag oder keine Zuzahlung verlangen [Art. 10 Abs. 1] |
| Herabstufung (Downgrade) | Anteilige Erstattung des Flugpreises [Art. 10 Abs. 2] |
| Erstattung bis 1.500 km | 30 % des Flugpreises [Art. 10 Abs. 2a] |
| Erstattung innergemeinschaftlich über 1.500 km / sonstige 1.500–3.500 km | 50 % des Flugpreises [Art. 10 Abs. 2b] |
| Erstattung über 3.500 km / übrige Flüge | 75 % des Flugpreises [Art. 10 Abs. 2c] |
| Erstattungsfrist | 7 Tage [Art. 10 Abs. 2 i.V.m. Art. 7 Abs. 3] |
| Erstattungswege | Bar, Überweisung, Scheck oder mit Zustimmung Gutschein [Art. 7 Abs. 3] |
| Berechnungsbasis | Preis des herabgestuften Fluges, nicht Preisdifferenz [EuGH C-255/15 Mennens] |
| Mehrflug-Ticket | Nur Preis des betroffenen Flugs; ohne Einzelpreis anteilig nach Entfernung [EuGH C-255/15] |
| Abzug von Steuern/Gebühren | Nur reiner Flugpreis; klassenunabhängige Steuern/Gebühren bleiben außen vor [EuGH C-255/15 Leitsatz 2] |
| Kein Ausgleich nach Art. 7 | Downgrading löst nicht die Pauschale 250/400/600 € aus |
| Begriff „Klasse" | Beförderungsklasse (First/Business/Economy), nicht Buchungs-/Tarifklasse |
| Geltungsbereich | EU-Abflug (alle Airlines) + EU-Ankunft mit EU-Airline [Art. 3] |
| Weiter gehender Schadensersatz | Anrechnung möglich [Art. 12] |
| Nationale Durchsetzungsstelle | Luftfahrt-Bundesamt (LBA) [lba.de] |
| Verjährung zivilrechtlicher Ansprüche | 3 Jahre [§ 195 BGB] |

## Was bedeutet Herabstufung?

Eine **Herabstufung** liegt vor, wenn das ausführende Luftfahrtunternehmen einen Fluggast in eine **niedrigere Beförderungsklasse** verlegt als jene, für die der Flugschein erworben wurde. Typische Fälle sind die **Überbuchung** der gebuchten Klasse oder eine **anderweitige Beförderung** nach Art. 8 Abs. 1, bei der auf dem Ersatzflug kein Sitzplatz in der gebuchten Klasse mehr frei ist.

Mit „Klasse" ist die **Beförderungsklasse** gemeint — First Class, Business Class, Premium/Comfort Class oder Economy Class —, **nicht** die (meist mit einem Buchstaben gekennzeichnete) **Buchungs- oder Tarifklasse** innerhalb einer Beförderungsklasse. Wer innerhalb der Economy von einem teuren Flextarif auf einen Spartarif „verlegt" wird, ist damit **nicht** herabgestuft im Sinne des Art. 10.

Keine Herabstufung im Sinne der Verordnung liegt außerdem vor, wenn der Fluggast die Voraussetzungen des Art. 3 Abs. 2 lit. a **nicht** erfüllt — etwa weil er sich **nicht rechtzeitig** zur Abfertigung eingefunden hat — und nur deshalb, weil in der gebuchten Klasse kein Platz mehr frei ist, in einer niedrigeren Klasse mitgenommen wird.

## Höhe der Erstattung (Art. 10 Abs. 2)

Der Erstattungsanspruch ist **entfernungsabhängig gestaffelt** und orientiert sich an denselben Distanzstufen wie die Ausgleichsleistung des Art. 7:

- **30 %** des Flugpreises bei allen Flügen über eine Entfernung von **1.500 km oder weniger**,
- **50 %** des Flugpreises bei allen **innergemeinschaftlichen** Flügen über 1.500 km (mit Ausnahme von Flügen zwischen dem europäischen Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten und den französischen überseeischen Departements) sowie bei allen sonstigen Flügen zwischen **1.500 und 3.500 km**,
- **75 %** des Flugpreises bei allen **übrigen** Flügen, die nicht unter die ersten beiden Stufen fallen (einschließlich Flügen zu den französischen überseeischen Departements).

Wichtig: Erstattet wird ein **Prozentsatz des Ticketpreises** — **nicht** die bloße **Preisdifferenz** zwischen der gebuchten und der tatsächlich genutzten, günstigeren Klasse. Die Herabstufung nach Art. 10 ist damit für den Fluggast häufig deutlich vorteilhafter als eine reine Differenzerstattung.

## Downgrading ≠ Ausgleichsanspruch nach Art. 7

Anders als bei **Nichtbeförderung**, **Annullierung** oder großer **Verspätung** löst eine bloße Herabstufung **keinen** pauschalen **Ausgleichsanspruch** nach Art. 7 (250 €, 400 € oder 600 €) aus. Der Fluggast wird ja befördert — nur in einer schlechteren Klasse. Der Ausgleich des Art. 10 besteht ausschließlich in der **anteiligen Erstattung des Flugpreises**. Wird dem Fluggast dagegen die Beförderung ganz verweigert (Überbuchung, Nichtbeförderung), greift **Art. 4/Art. 7** mit der Pauschale — dazu siehe die Themenseite „Nichtbeförderung & Überbuchung".

## Berechnung des erstattungsfähigen Flugpreises (EuGH C-255/15 Mennens)

Der EuGH hat im Urteil **Steef Mennens ./. Emirates (C-255/15, 22.06.2016)** zwei zentrale Fragen zur Berechnungsgrundlage geklärt:

**1. Nur der betroffene Flug zählt (Leitsatz 1).** Umfasst ein Flugschein **mehrere Flüge**, ist für die 30/50/75 %-Erstattung allein der **Preis des Fluges** maßgeblich, auf dem der Fluggast herabgestuft wurde — die übrigen Flüge des Tickets bleiben unberücksichtigt. Ist für den betroffenen Flug **kein gesonderter Preis** ausgewiesen, wird auf den Teil des Ticketpreises abgestellt, der dem **Verhältnis der Entfernung** dieses Flugs zur **Gesamtentfernung** der Beförderung entspricht.

**2. Nur der reine Flugpreis, ohne klassenunabhängige Steuern und Gebühren (Leitsatz 2).** Für die Berechnung ist **allein der Preis des Fluges selbst** heranzuziehen, **ohne** die auf dem Flugschein ausgewiesenen **Steuern und Gebühren** — jedenfalls soweit weder deren Anfall noch deren Höhe von der gebuchten Klasse abhängt. Fluggäste sollten die abgezogenen Posten prüfen: Sind vermeintliche „Steuern" oder „Gebühren" tatsächlich klassenabhängig oder gar keine echten Abgaben, dürfen sie nicht abgezogen werden.

## Höherstufung (Upgrade) – Art. 10 Abs. 1

Wird ein Fluggast in eine **höhere** Klasse verlegt als gebucht, darf das Luftfahrtunternehmen dafür **keinen Aufschlag und keine Zuzahlung** verlangen (Art. 10 Abs. 1) — auch dann nicht, wenn in der Höherstufung rechtlich eine Vertragsänderung liegt, sobald der Fluggast der besseren Beförderung zustimmt.

## Durchsetzung

Der Erstattungsanspruch ist **zuerst gegenüber dem ausführenden Luftfahrtunternehmen** geltend zu machen; die Airline muss **binnen sieben Tagen** über die in Art. 7 Abs. 3 genannten Zahlungswege (Bar, Überweisung, Scheck oder — mit Zustimmung — Gutschein) erstatten. Reagiert die Airline nicht angemessen, bestehen mehrere Wege:

- **Schlichtung** über die **söp – Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr** (für Fluggäste kostenfrei); für nicht angeschlossene Airlines die behördliche Schlichtungsstelle beim **Bundesamt für Justiz**.
- **Klage- oder Mahnverfahren** vor den Zivilgerichten.

Das **Luftfahrt-Bundesamt (LBA)** ist die **nationale Durchsetzungs- und Beschwerdestelle**; es überwacht die Einhaltung der Verordnung, setzt aber **keine** individuellen zivilrechtlichen Ansprüche durch. Die **Verjährung** richtet sich nach deutschem Recht — regelmäßig **3 Jahre** (§ 195 BGB). Ein **weiter gehender Schadensersatz** bleibt möglich, wobei die Erstattung nach Art. 10 angerechnet werden kann (Art. 12).

## Abgrenzung

Diese Seite behandelt speziell die **Herabstufung/Downgrading** nach Art. 10. Für die vollständige **Verweigerung** der Beförderung siehe „Nichtbeförderung & Überbuchung (Art. 4 VO 261/2004)"; für **Verspätung und Annullierung** siehe „Fluggastrechte (EU-VO 261/2004)"; für den Wegfall von Ansprüchen bei **außergewöhnlichen Umständen** die entsprechende Themenseite. Bei **Pauschalreisen** kann zusätzlich eine **Reisepreisminderung** nach §§ 651i, 651m BGB in Betracht kommen; die Ermittlung des reinen Flugpreises ist hier oft schwierig, weil der Flugpreisanteil am Reisepreis meist nicht offengelegt wird.





## Quellen

- Verordnung (EG) Nr. 261/2004, Art. 10 (Höherstufung und Herabstufung), Art. 7 Abs. 3, Art. 3, Art. 12 – https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32004R0261 (Autorität A)
- EuGH, Urteil vom 22.06.2016, C-255/15 (Steef Mennens ./. Emirates Direktion für Deutschland), ECLI:EU:C:2016:472 – https://curia.europa.eu/juris/liste.jsf?num=C-255/15 (Autorität A)
- Luftfahrt-Bundesamt (LBA), Fluggastrechte – https://www.lba.de/DE/Fluggastrechte/Fluggastrechte_node.html (nationale Durchsetzungsstelle)
- § 195 BGB (Regelmäßige Verjährungsfrist) – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__195.html (Autorität A)

## Änderungsverlauf

- 2026-07-28: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"