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title: Inkassokosten – zulässige Höhe (§ 13e RDG, § 13 RVG, Nr. 2300 VV RVG)
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topic: prozess-vollstreckungsrecht
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# Inkassokosten – zulässige Höhe (§ 13e RDG, § 13 RVG, Nr. 2300 VV RVG)

## Kurzantwort

Ein Gläubiger kann die Kosten, die ihm ein **Inkassodienstleister** berechnet hat, vom Schuldner **nur bis zur Höhe der Vergütung** als Schaden ersetzt verlangen, **die einem Rechtsanwalt** für dieselbe Tätigkeit nach dem **Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG)** zustünde (**§ 13e Abs. 1 RDG**). Die Inkassovergütung ist also an das anwaltliche Gebührenrecht **gedeckelt** – ein Inkassobüro darf nicht mehr fordern als ein Anwalt. Kern ist die **Geschäftsgebühr Nr. 2300 VV RVG**: Sie hat einen Rahmen von **0,5 bis 2,5**, ist aber bei einer **unbestrittenen Forderung** auf die **Schwellengebühr 0,9** begrenzt; ein höherer Satz (bis 1,3) ist nur bei **besonders umfangreicher oder schwieriger** Tätigkeit zulässig (Anmerkung Abs. 2 zu Nr. 2300 VV RVG). Der Gebührenbetrag richtet sich nach dem **Gegenstandswert**: bei einem Wert **bis 500 €** beträgt die volle Wertgebühr seit dem 1.6.2025 **51,50 €** (**§ 13 Abs. 1 RVG**), bei einer **unbestrittenen Inkassoforderung bis 50 €** nur **31,50 €** (**§ 13 Abs. 2 RVG**); die **Mindestgebühr** liegt bei **15 €** (§ 13 Abs. 3 RVG). Diese Grenzen gehen auf die **Inkassorechtsreform** zurück, die zum **1.10.2021** in Kraft trat und die erstattungsfähigen Inkassokosten deutlich abgesenkt hat.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Grundregel (Deckelung) | Erstattung nur **bis zur Höhe der anwaltlichen RVG-Vergütung** (§ 13e Abs. 1 RDG) |
| Rechtsnatur des Anspruchs | **Schadensersatz** des Gläubigers gegen den Schuldner (Verzugsschaden), nicht ein eigener Kostentitel |
| Maßgebliche Gebühr | **Geschäftsgebühr Nr. 2300 VV RVG**, Rahmen **0,5–2,5** |
| Kappung bei unbestrittener Forderung | höchstens **0,9** (Schwellengebühr); mehr (bis 1,3) nur bei **besonders umfangreicher/schwieriger** Tätigkeit (Anm. Abs. 2 zu Nr. 2300 VV RVG) |
| Wertgebühr bis 500 € | **51,50 €** (§ 13 Abs. 1 S. 1 RVG, Fassung ab 1.6.2025) |
| Kleinforderung bis 50 € (unbestritten) | Geschäftsgebühr abweichend **31,50 €** (§ 13 Abs. 2 RVG) |
| Mindestgebühr | **15 €** (§ 13 Abs. 3 RVG) |
| Auslagenpauschale | **20 %** der Gebühren, höchstens **20 €** (Nr. 7002 VV RVG) |
| Umsatzsteuer | 19 % auf Gebühr + Auslagen, wenn der Inkassodienstleister umsatzsteuerpflichtig ist (Nr. 7008 VV RVG) |
| Vollstreckung | Erstattung der Inkassovergütung im **Zwangsvollstreckungsverfahren** nach **§ 788 ZPO** (§ 13e Abs. 2 RDG) |
| Informationspflichten | Inkassodienstleister muss Grund, Höhe und Zusammensetzung der Kosten **darlegen** (§§ 13a, 13b RDG) |
| Inkrafttreten der Absenkung | **1.10.2021** (Inkassorechtsreform, BGBl. I 2020 S. 3320 / BGBl. I 2021 S. 3415) |

## Wie die zulässige Höhe berechnet wird

Ausgangspunkt ist **§ 13e RDG**: Der Gläubiger kann die ihm vom Inkassodienstleister berechneten Kosten vom Schuldner **nur insoweit als Schaden ersetzt verlangen, wie einem Rechtsanwalt** für dieselbe Tätigkeit nach dem RVG eine Vergütung zustünde. Damit gilt für Inkassobüros faktisch dasselbe Gebührenrecht wie für Anwälte – die frühere Praxis, deutlich höhere „Inkassogebühren" zu verlangen, ist seit der Reform nicht mehr erstattungsfähig.

Die anwaltliche Vergütung für das **außergerichtliche** Einfordern einer Forderung ist die **Geschäftsgebühr Nr. 2300 VV RVG**. Sie ist eine Rahmengebühr von **0,5 bis 2,5** eines vollen Gebührensatzes. Regelhaft wird die **Schwellengebühr von 1,3** nur überschritten, wenn die Tätigkeit umfangreich oder schwierig war. Für **unbestrittene Forderungen** – der typische Inkassofall – senkt die **Anmerkung Abs. 2 zu Nr. 2300 VV RVG** die Kappungsgrenze auf **0,9**: Mehr als eine 0,9-Gebühr darf nur abgerechnet werden, wenn die Sache **besonders umfangreich oder besonders schwierig** war.

Der Eurobetrag eines vollen Gebührensatzes ergibt sich aus dem **Gegenstandswert** (der Höhe der Forderung) nach der Tabelle des **§ 13 Abs. 1 RVG**. Seit dem 1.6.2025 beträgt die volle 1,0-Gebühr bei einem Wert **bis 500 €** genau **51,50 €**. Eine **0,9-Geschäftsgebühr** aus 500 € sind also **46,35 €**. Hinzu kommen die **Auslagenpauschale** (20 %, höchstens 20 € – Nr. 7002 VV RVG) und gegebenenfalls **19 % Umsatzsteuer** (Nr. 7008 VV RVG).

Für **Kleinstforderungen** enthält **§ 13 Abs. 2 RVG** eine Sonderregel: Bei einer außergerichtlichen Inkassodienstleistung über eine **unbestrittene Forderung bis 50 €** beträgt die Gebühr abweichend nur **31,50 €**. Die **Mindestgebühr** einer Wertgebühr liegt bei **15 €** (§ 13 Abs. 3 RVG).

## Rechenbeispiel (unbestrittene Forderung, 500 €)

Bei einer unbestrittenen Forderung von 500 € (Gegenstandswert bis 500 €):

- 0,9-Geschäftsgebühr Nr. 2300 VV RVG aus 51,50 € = **46,35 €**
- Auslagenpauschale Nr. 7002 VV RVG (20 %, max. 20 €) = **9,27 €**
- Zwischensumme netto = **55,62 €**
- zzgl. 19 % USt (Nr. 7008 VV RVG, falls steuerpflichtig) = **10,57 €**
- **erstattungsfähig insgesamt ≈ 66,19 €**

Ein höherer Betrag ist bei einer unbestrittenen, einfach gelagerten Forderung **nicht** erstattungsfähig, weil die 0,9-Kappung greift. Verlangt das Inkassobüro mehr, muss der Schuldner den Mehrbetrag nicht zahlen; der überschießende Teil ist kein ersatzfähiger Verzugsschaden.

## Voraussetzung: Verzug des Schuldners

Erstattungsfähig sind Inkassokosten nur als **Verzugsschaden** (§§ 280 Abs. 1, 2, 286 BGB). Der Schuldner muss sich also bei Beauftragung des Inkassodienstleisters bereits **in Verzug** befunden haben – etwa nach Mahnung oder nach Ablauf der 30-Tage-Frist des § 286 Abs. 3 BGB bei Verbrauchern (Hinweis auf die Folge in der Rechnung/Mahnung erforderlich). Beauftragt der Gläubiger das Inkasso **vor** Verzugseintritt, sind die Kosten grundsätzlich **nicht** erstattungsfähig. Ebenso ist die parallele bzw. nacheinander erfolgende Beauftragung von Inkassodienstleister **und** Anwalt für dieselbe Tätigkeit nur eingeschränkt erstattungsfähig (§ 13f RDG; vgl. auch die Rechtsprechung des BGH).

## Häufige Fehler

- **„Inkassobüros dürfen mehr verlangen als Anwälte."** Nein – seit dem 1.10.2021 deckelt **§ 13e RDG** die erstattungsfähigen Kosten auf die **anwaltliche RVG-Vergütung**.
- **„Bei jeder Forderung fällt eine 1,3-Gebühr an."** Bei **unbestrittenen** Forderungen ist die Geschäftsgebühr auf **0,9** gekappt (Anm. Abs. 2 zu Nr. 2300 VV RVG); 1,3 nur bei besonderem Umfang/Schwierigkeit.
- **„Inkassokosten kann man immer vom Schuldner verlangen."** Nur, wenn sich der Schuldner **schon in Verzug** befand (§ 286 BGB); Kosten für die verzugsbegründende **Erstmahnung** selbst sind nicht ersatzfähig.
- **„Der Betrag bis 500 € ist noch 49 €."** Seit dem **1.6.2025** beträgt die Wertgebühr bis 500 € **51,50 €** (§ 13 Abs. 1 RVG).
- **„Kleinforderungen kosten genauso viel."** Bei einer **unbestrittenen Forderung bis 50 €** gilt die abgesenkte Gebühr von **31,50 €** (§ 13 Abs. 2 RVG).

## Siehe auch

- [Verzug & Verzugszinsen (§§ 286, 288 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/verzug-verzugszinsen-288-bgb.html) *(Themen-Queue, in Vorbereitung)*
- [Verjährung von Forderungen (§§ 195, 199 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/verjaehrung-forderungen-195-199-bgb.html) *(Themen-Queue, in Vorbereitung)*
- [Rechtsdienstleistungsgesetz – Inkasso-Registrierung (RDG)](https://nexvyra.de/fakten/rdg-inkasso-registrierung.html) *(Themen-Queue, in Vorbereitung)*

## Quellen

- § 13e RDG – Erstattungsfähigkeit der Kosten von Inkassodienstleistern (Deckelung auf RVG-Vergütung): https://www.gesetze-im-internet.de/rdg/__13e.html
- § 13a RDG – Darlegungs- und Informationspflichten bei Inkassodienstleistungen gegenüber Privatpersonen: https://www.gesetze-im-internet.de/rdg/__13a.html
- § 13 RVG – Wertgebühren (bis 500 € = 51,50 €; unbestrittene Inkassoforderung bis 50 € = 31,50 €; Mindestgebühr 15 €): https://www.gesetze-im-internet.de/rvg/__13.html
- Anlage 1 VV RVG, Nr. 2300 – Geschäftsgebühr (Rahmen 0,5–2,5; Kappung 0,9 bei unbestrittener Forderung): https://www.gesetze-im-internet.de/rvg/anlage_1.html
- § 4 RDGEG – Vergütung registrierter Personen (Verweis auf RDG): https://www.gesetze-im-internet.de/rdgeg/__4.html
- § 13e RDG (dejure.org, Wortlaut + Rechtsprechung): https://dejure.org/gesetze/RDG/13e.html
- § 13 RVG (dejure.org, Wortlaut + Fassung ab 1.6.2025): https://dejure.org/gesetze/RVG/13.html
- BGH, 19.02.2025 – VIII ZR 138/23 (Musterfeststellungsklage zur Erstattungsfähigkeit von Inkassokosten): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=19.02.2025&Aktenzeichen=VIII%20ZR%20138%2F23
- BGH, 07.12.2022 – VIII ZR 81/21 (Anspruch auf Erstattung vorgerichtlicher Inkassokosten): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=07.12.2022&Aktenzeichen=VIII%20ZR%2081%2F21

## Stand

- Stand: 2026-07-15
- Gültig ab: 2021-10-01
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
