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title: Jahressteuergesetz 2026 (JStG 2026) – Regierungsentwurf: Zinssatz 0,3 % je Monat ab 2027, Steuerbescheid elektronisch, ungekürzte Kinderfreibeträge in EU/EWR
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# Jahressteuergesetz 2026 (JStG 2026) – Regierungsentwurf: Zinssatz 0,3 % je Monat ab 2027, Steuerbescheid elektronisch, ungekürzte Kinderfreibeträge in EU/EWR

## Kurzantwort

Das Bundeskabinett hat am **12. August 2026** den Regierungsentwurf eines **Jahressteuergesetzes 2026 (JStG 2026)** beschlossen. Der Entwurf umfasst **32 Artikel** und ändert unter anderem EStG, UStG, Abgabenordnung, Forschungszulagengesetz, Mindeststeuergesetz und Plattformen-Steuertransparenzgesetz. Für Privatpersonen sind drei Punkte zentral: Der **Zinssatz für Nachzahlungs- und Erstattungszinsen** soll ab dem 1. Januar 2027 von 0,15 % auf **0,3 % je vollem Monat (3,6 % pro Jahr)** steigen (§ 238 Abs. 1a AO-E). Steuerbescheide sollen ab 1. Januar 2027 **regelmäßig elektronisch zum Datenabruf** bereitgestellt werden, sobald ein **aktives Nutzerkonto bei der Finanzverwaltung (ELSTER)** besteht (§ 122a Abs. 1 AO-E). Und die **Freibeträge für Kinder** sowie der **Ausbildungsfreibetrag** sollen für Kinder mit Wohnsitz in der EU oder im EWR **nicht mehr nach Ländergruppen gekürzt** werden (§ 32 Abs. 6 S. 4, § 33a Abs. 2 S. 2 EStG-E). **Wichtig:** Es handelt sich um einen **Regierungsentwurf** – Bundestag und Bundesrat haben noch nicht entschieden. Bis zur Verkündung im Bundesgesetzblatt gilt durchgehend das bisherige Recht.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Vorhaben | Entwurf eines Jahressteuergesetzes 2026 (JStG 2026) [BMF, Gesetzesvorhaben JStG 2026] |
| Referentenentwurf | 19.05.2026 [BMF, Gesetzesvorhaben JStG 2026] |
| Kabinettbeschluss / Regierungsentwurf | 12.08.2026 [BMF-PM Nr. 14/2026 v. 12.08.2026] |
| Rechtsstand | Regierungsentwurf – Bundestag und Bundesrat haben noch nicht entschieden |
| Zustimmungsbedürftigkeit | Zustimmung des Bundesrates erforderlich [Regierungsentwurf, Eingangsformel] |
| Umfang | 32 Artikel [Regierungsentwurf, Inhaltsübersicht] |
| Inkrafttreten (Grundregel) | Tag nach der Verkündung, vorbehaltlich abweichender Termine [Art. 32 Abs. 1 JStG-E] |
| Zinssatz § 233a AO bis 31.12.2026 | 0,15 % je vollem Monat = 1,8 % pro Jahr [§ 238 Abs. 1a AO, geltendes Recht] |
| Zinssatz § 233a AO ab 01.01.2027 (geplant) | 0,3 % je vollem Monat = 3,6 % pro Jahr [Art. 18 Nr. 14 JStG-E, § 238 Abs. 1a Nr. 3 AO-E; BMF-PM 14/2026] |
| Karenzzeit vor Zinsbeginn (unverändert) | 15 Monate nach Ablauf des Steuerjahres (23 Monate bei überwiegend Land- und Forstwirtschaft) [§ 233a Abs. 2 AO] |
| Elektronische Bekanntgabe ab | 01.01.2027 [Art. 32 Abs. 5 JStG-E i. V. m. Art. 19] |
| Auslöser elektronische Bekanntgabe (geplant) | aktives Nutzerkonto bei der Finanzverwaltung, keine abweichende Empfangsvollmacht [Art. 19 Nr. 3 Buchst. a JStG-E, § 122a Abs. 1 S. 2 Nr. 1 AO-E] |
| Weg zurück zur Papierpost (geplant) | elektronischer Antrag auf postalische Bekanntgabe nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz [Art. 19 Nr. 3 Buchst. b JStG-E, § 122a Abs. 2 S. 1 AO-E] |
| Bekanntgabefiktion (unverändert) | vierter Tag nach Bereitstellung zum Abruf [§ 122a Abs. 4 S. 1 AO] |
| Kinderfreibeträge EU/EWR | keine Kürzung nach Ländergruppen mehr, Anwendung in allen offenen Fällen [Art. 3 Nr. 6 JStG-E, § 32 Abs. 6 S. 4 EStG-E; § 52 Abs. 32 EStG-E] |
| Ausbildungsfreibetrag EU/EWR | ebenfalls ungekürzt, alle offenen Fälle [Art. 3 Nr. 7 JStG-E, § 33a Abs. 2 S. 2 EStG-E; § 52 Abs. 33d EStG-E] |
| Anlass Kinderfreibeträge | EuGH, Urteil v. 16.06.2022, C-328/20 (Indexierung von Familienleistungen unionsrechtswidrig) [Regierungsentwurf, Begründung zu Art. 3 Nr. 6] |
| Freigrenze Quellensteuerabzug Lizenzen | Anhebung von 10.000 € auf **100.000 €** [Art. 3 Nr. 17 Buchst. a JStG-E, § 50c Abs. 2 S. 1 Nr. 2 EStG-E] |
| Anwendung dieser Freigrenze | Einkünfte, die nach dem 31.12.2026 zufließen [§ 52 Abs. 47a EStG-E] |
| Forschungszulage – Höchstbetrag | Anhebung von 15.000.000 € auf **25.000.000 €** [Art. 10 JStG-E, § 4 Abs. 3 FZulG-E] |
| Forschungszulage – Rückwirkung | Art. 10 tritt mit Wirkung vom 01.01.2026 in Kraft [Art. 32 Abs. 4 JStG-E] |
| Umsatzsteuerliche Organschaft | neuer § 2c UStG mit Erklärungserfordernis des Organträgers [Art. 14 Nr. 4 JStG-E] |
| Organschaft – Zeitplan | § 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG a. F. bis 31.12.2029; § 2c UStG erstmals ab 01.01.2030 [§ 27 Abs. 42 UStG-E] |
| Plattform-Meldungen | Informationsaustausch auch mit Drittstaaten (Mehrseitige Vereinbarung v. 26.11.2024, Asunción), ab 01.01.2027 [Art. 27 Nr. 1 JStG-E, § 1 Abs. 1 PStTG-E; Art. 32 Abs. 5 JStG-E] |
| Steuermehr-/-mindereinnahmen (volle Jahreswirkung) | 2027: −375 Mio. €; 2028: −30 Mio. €; 2029: +60 Mio. €; 2030: +155 Mio. €; 2031: +220 Mio. € [Regierungsentwurf, Abschn. D] |
| Erfüllungsaufwand Bürgerinnen und Bürger | Reduzierung um 117.133 Stunden pro Jahr [Regierungsentwurf, Abschn. E.1] |

## Rechtsstand

Der Entwurf ist ein **Kabinettsentwurf (Regierungsentwurf)** vom 12.08.2026. Er wurde noch nicht im Bundestag beraten und nicht im Bundesgesetzblatt verkündet. Sämtliche unten genannten Neuregelungen stehen unter dem Vorbehalt des parlamentarischen Verfahrens und können sich noch ändern. Für Veranlagungen und Bescheide gilt bis zur Verkündung ausschließlich das geltende Recht.

## Geltungsbereich

Betroffen sind:

- **Alle Steuerpflichtigen mit Nachzahlungen oder Erstattungen** aus Einkommen-, Körperschaft-, Umsatz- oder Gewerbesteuer, wenn der Zinslauf nach § 233a AO läuft.
- **Alle Personen mit einem aktiven ELSTER-Nutzerkonto** – für sie soll die elektronische Bekanntgabe von Steuerbescheiden ab 2027 der Regelfall werden.
- **Eltern mit Kindern, die in einem anderen EU-/EWR-Staat wohnen** – für sie entfällt die Kürzung der Kinder- und Ausbildungsfreibeträge.
- **Unternehmen mit Zahlungen an ausländische Rechteinhaber** (§ 50a Abs. 1 Nr. 3 EStG), etwa Verlage oder Rundfunkanbieter.
- **Forschende Unternehmen**, die Forschungszulage beantragen.
- **Organträger und Organgesellschaften** im Umsatzsteuerrecht – allerdings erst ab 2030.
- **Plattformbetreiber und Anbieter auf digitalen Plattformen** mit Drittstaatenbezug.

## Ausnahmen

- **Der höhere Zinssatz betrifft nur die Vollverzinsung.** Er gilt ausschließlich in den Fällen des § 233a AO. Für die übrigen Zinstatbestände der Abgabenordnung – etwa Stundungs-, Hinterziehungs- oder Aussetzungszinsen – bleibt es beim allgemeinen Satz von **0,5 % je Monat** nach § 238 Abs. 1 S. 1 AO.
- **Zinsen, die bis zum 31.12.2026 entstehen**, bleiben bei 0,15 % je Monat (Art. 97 § 15 Abs. 20 EGAO-E).
- **Keine elektronische Bekanntgabe ohne aktives Nutzerkonto.** Wer kein aktives Nutzerkonto bei der Finanzverwaltung hat, erhält den Bescheid weiterhin per Post (§ 122a Abs. 1 S. 2 Nr. 1 AO-E).
- **Widerspruchsmöglichkeit gegen die elektronische Zustellung:** Wurde die postalische Bekanntgabe nach § 122 Abs. 2 AO elektronisch beantragt, ist § 122a Abs. 1 AO nicht anzuwenden (§ 122a Abs. 2 S. 1 AO-E).
- **Einzelbekanntgabe an Ehegatten und Lebenspartner** bleibt erforderlich, wenn keine gemeinsame Anschrift besteht, wenn sie beantragt wurde oder wenn der Finanzbehörde ernstliche Meinungsverschiedenheiten bekannt sind (§ 122 Abs. 7 AO-E).
- **Verfahrensspezifische Ausnahmen:** Für das besondere Besteuerungsverfahren nach § 19a UStG und für das Vergütungsverfahren nach § 61a UStDV schließt der Entwurf die Anwendung von § 122a Abs. 1 S. 2 Nr. 2 AO (und teils Abs. 2) ausdrücklich aus.
- **Kinderfreibeträge:** Die Kürzung nach den Verhältnissen des Wohnsitzstaates bleibt für Kinder mit Wohnsitz **außerhalb** von EU und EWR bestehen.
- **Umsatzsteuerliche Organschaft:** Das Erklärungserfordernis nach § 2c UStG-E greift erst ab dem 1. Januar 2030; bis dahin gilt § 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG unverändert.
- **Elektronische Kontenpfändung:** § 309a AO-E wird erst wirksam, wenn das BMF im Bundesgesetzblatt Teil I das Vorliegen der technischen Voraussetzungen bekannt macht (Art. 97 § 17f EGAO-E).

## Zinssatz nach § 238 AO: von 1,8 % auf 3,6 % pro Jahr

Heute beträgt der Zinssatz für **Nachzahlungs- und Erstattungszinsen** in den Fällen des § 233a AO nach § 238 Abs. 1a AO seit dem 1. Januar 2019 **0,15 % für jeden Monat, das heißt 1,8 % für jedes Jahr**. § 238 Abs. 1c AO verpflichtet den Gesetzgeber, die Angemessenheit dieses Zinssatzes **unter Berücksichtigung der Entwicklung des Basiszinssatzes nach § 247 BGB wenigstens alle zwei Jahre zu evaluieren**.

Der Entwurf ersetzt § 238 Abs. 1a AO durch eine gestufte Regelung:

| Zeitraum | Zinssatz je vollem Monat | entspricht pro Jahr |
|---|---|---|
| bis 31.12.2018 | 0,5 % | 6,0 % |
| 01.01.2019 bis 31.12.2026 | 0,15 % | 1,8 % |
| ab 01.01.2027 | 0,3 % | 3,6 % |

Der neue Satz soll nach dem vorgesehenen Art. 97 § 15 Abs. 20 EGAO **in allen Fällen gelten, in denen Zinsen nach dem 31. Dezember 2026 entstehen**. Zinsbescheide, die für solche Zeiträume bereits auf der alten Grundlage ergangen oder unterblieben sind, sollen erlassen, aufgehoben oder geändert werden.

Unberührt bleiben: die **Karenzzeit von 15 Monaten** nach Ablauf des Steuerjahres, bevor der Zinslauf überhaupt beginnt (§ 233a Abs. 2 S. 1 AO; 23 Monate bei überwiegenden Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft), der **allgemeine Zinssatz von 0,5 % je Monat** für die übrigen Zinstatbestände der AO (§ 238 Abs. 1 S. 1 AO) und die **Abrundung** des zu verzinsenden Betrags auf den nächsten durch 50 Euro teilbaren Betrag (§ 238 Abs. 2 AO).

## Steuerbescheid elektronisch: § 122a AO ab 2027

Nach **geltendem Recht** *können* Verwaltungsakte zum Datenabruf bereitgestellt werden; eine *Soll*-Bekanntgabe auf diesem Weg besteht nur, wenn der Bescheid auf einer elektronisch übermittelten Steuer- oder Feststellungserklärung beruht, die der Beteiligte selbst über ein Nutzerkonto der Finanzverwaltung oder eine Person i. S. d. § 80 Abs. 2 AO übermittelt hat (§ 122a Abs. 1 AO).

Der Entwurf knüpft die Soll-Regelung stattdessen an das **Nutzerkonto selbst**. § 122a Abs. 1 S. 2 AO-E soll lauten: Verwaltungsakte *sollen* insbesondere zum Datenabruf bekannt gegeben werden

1. **an den Beteiligten, wenn dieser über ein aktives Nutzerkonto bei der Finanzverwaltung verfügt** und keine abweichende Empfangsvollmacht vorliegt, oder
2. an die bevollmächtigte Person i. S. d. § 80 Abs. 1 oder 2 AO, wenn eine elektronisch angezeigte Empfangsbevollmächtigung besteht.

Wer weiterhin Post auf Papier will, muss nach § 122a Abs. 2 S. 1 AO-E die **postalische Bekanntgabe elektronisch nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz beantragen**. Laut BMF-Pressemitteilung betrifft die Umstellung zum 1. Januar 2027 unter anderem **Einkommensteuerbescheide und Einspruchsentscheidungen**; wer kein aktives ELSTER-Nutzerkonto hat, erhält den Bescheid wie bisher per Post.

Unverändert bleiben die zentralen Schutzmechanismen: Die abrufberechtigte Person ist **am Tag der Bereitstellung elektronisch zu benachrichtigen** (§ 122a Abs. 1 S. 3 AO), der Bescheid gilt **am vierten Tag nach der Bereitstellung als bekannt gegeben** (§ 122a Abs. 4 S. 1 AO), und im Zweifel muss die **Behörde den Zeitpunkt der Bereitstellung nachweisen** (§ 122a Abs. 4 S. 2 AO).

Flankierend sieht der Entwurf vor:

- **§ 124 Abs. 1 AO-E:** Ein Verwaltungsakt wird auch dann wirksam bekannt gegeben, wenn er abweichend vom vorgesehenen Weg postalisch statt elektronisch (oder umgekehrt) übermittelt wird.
- **§ 125 Abs. 3 Nr. 5 und 6 AO-E:** Weder die falsche Form noch ein Verstoß gegen die Bekanntgabevorschriften des § 122a Abs. 1 und 2 AO machen den Verwaltungsakt nichtig.
- **§ 122 Abs. 7 AO-E:** Bei **Ehegatten und Lebenspartnern mit gemeinsamer Anschrift** genügt für die Bekanntgabe an alle Beteiligten, dass einem von ihnen eine Ausfertigung zum Datenabruf bereitgestellt wird – es sei denn, einer hat die postalische Bekanntgabe beantragt. Einzeln bekannt zu geben ist weiterhin, wenn keine gemeinsame Anschrift besteht, wenn es beantragt wurde oder wenn der Finanzbehörde ernstliche Meinungsverschiedenheiten bekannt sind.

Die Änderungen an § 122a AO treten nach Art. 32 Abs. 5 JStG-E am **1. Januar 2027** in Kraft.

## Kinderfreibeträge und Ausbildungsfreibetrag: keine Kürzung mehr in EU/EWR

Bislang werden die Freibeträge für Kinder nach § 32 Abs. 6 EStG und der sogenannte Ausbildungsfreibetrag nach § 33a Abs. 2 EStG für Kinder mit Wohnsitz im Ausland nach den Verhältnissen des Wohnsitzstaates gekürzt (Ländergruppeneinteilung). Der Entwurf beschränkt diese Kürzung auf Kinder **ohne Wohnsitz in der EU oder im EWR**. Für Kinder, die in einem anderen EU-/EWR-Staat wohnen, sollen die Freibeträge damit **ungekürzt** gewährt werden.

Anlass ist das Urteil des **EuGH vom 16. Juni 2022 in der Rechtssache C-328/20**: Die Kürzung („Indexierung") von Familienleistungen und Steuervergünstigungen nach der Kaufkraft im Wohnsitzstaat des Kindes verstößt gegen die Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 und (EU) Nr. 492/2011 und stellt eine mittelbare Diskriminierung aufgrund der Staatsangehörigkeit dar. Nach der Entwurfsbegründung sind diese Wertungen auf § 32 Abs. 6 S. 4 EStG übertragbar, weil die Freibeträge für Kinder pauschal und ohne Bedürftigkeitsprüfung gewährt werden.

Beide Änderungen sollen **in allen offenen Fällen** anzuwenden sein.

## Weitere Kernmaßnahmen für Unternehmen

**Quellensteuerentlastung bei Lizenzzahlungen (§ 50c Abs. 2 EStG-E).** Die Freigrenze, bis zu der ein Vergütungsschuldner ohne vorherige Freistellungsbescheinigung vom Steuerabzug nach § 50a Abs. 1 Nr. 3 EStG absehen kann, steigt von **10.000 € auf 100.000 €** je Gläubiger und Kalenderjahr. Die Pflicht zur Steueranmeldung bleibt bestehen (§ 50c Abs. 2 S. 2 EStG). Die Freigrenze lag ursprünglich bei 5.000 € (Abzugsteuerentlastungsmodernisierungsgesetz v. 02.06.2021) und wurde durch das Wachstumschancengesetz v. 27.03.2024 auf 10.000 € angehoben.

**Ausschluss des Freistellungsverfahrens für Großaktionäre (§ 50c Abs. 2 S. 6 EStG-E).** Für Kapitalerträge i. S. d. § 43 Abs. 1 S. 1 Nr. 1a EStG soll das Freistellungsverfahren ausgeschlossen werden. Beschränkt steuerpflichtige Großaktionäre mit Beteiligungen ab 10 % erhalten damit keine Freistellungsbescheinigung mehr im Voraus, sondern müssen die Entlastung nach der Transaktion im **Erstattungsverfahren** beantragen. Ziel ist laut Begründung der Gleichlauf mit unbeschränkt Steuerpflichtigen und die Verhinderung missbräuchlicher Gestaltungen rund um den Dividendenstichtag. Bereits erteilte Freistellungsbescheinigungen für diese Kapitalerträge sollen spätestens zum 31.12.2026 enden.

**Forschungszulage (§ 4 Abs. 3 FZulG-E, § 12 FZulG-E).** Der Höchstbetrag je Anspruchsberechtigtem steigt von **15 Mio. € auf 25 Mio. €**; die Änderung soll rückwirkend zum 1. Januar 2026 in Kraft treten. Zusätzlich sieht der Entwurf eine eigene **Ablaufhemmung** vor: Wird der Antrag auf die Bescheinigung nach § 6 Abs. 1 FZulG spätestens vier Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres gestellt, in dem das maßgebliche Wirtschaftsjahr endet, läuft die Festsetzungsfrist für die Forschungszulage nicht vor Ablauf von zwei Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres ab, in dem unanfechtbar über den Antrag entschieden wurde.

**Umsatzsteuerliche Organschaft (§ 2c UStG-E).** Die Organschaft wird aus § 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG herausgelöst und in einen eigenen § 2c UStG überführt. Kernänderung: Die Rechtsfolgen der Organschaft treten künftig **nur durch Erklärung des Organträgers** gegenüber der zuständigen Finanzbehörde ein – mit Wirkung für die Zukunft, ebenso für die Aufnahme weiterer Organgesellschaften. Die Erklärung ist widerruflich; der Wegfall der Voraussetzungen ist unverzüglich anzuzeigen. Für eine fehlerhaft angenommene Organschaft regelt § 2c Abs. 2 UStG-E die **Rückabwicklung**, auf die nach Abs. 3 auf gemeinsamen und unwiderruflichen Antrag aller Beteiligten verzichtet werden kann, wenn keine Steuerausfälle drohen. Zeitplan: § 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG in der am 30.06.2029 geltenden Fassung bleibt **bis 31.12.2029** anwendbar, § 2c UStG gilt **erstmals ab 1. Januar 2030**; die Erklärung kann bereits ab 1. Juli 2029 mit Wirkung ab 1. Januar 2030 abgegeben werden.

**Plattformen-Steuertransparenzgesetz (§ 1 Abs. 1 PStTG-E).** Der Informationsaustausch über Einkünfte auf digitalen Plattformen wird über die EU hinaus auf **Drittstaaten** erstreckt, die Vertragsparteien der am **26. November 2024 in Asunción** unterzeichneten Mehrseitigen Vereinbarung der zuständigen Behörden sind und die erforderlichen Notifikationen abgegeben haben. Inkrafttreten: 1. Januar 2027.

**Elektronische Kontenpfändung (§ 309a AO-E).** Der Entwurf führt eine elektronische Pfändungsverfügung gegenüber Kreditinstituten ein. Sie ist nach dem vorgesehenen Art. 97 § 17f EGAO erst ab dem Tag anzuwenden, an dem das BMF im Bundesgesetzblatt Teil I gesondert bekannt macht, dass die technischen Voraussetzungen vorliegen.

## Zeitplan des Inkrafttretens (Art. 32 JStG-E)

| Regelung | geplantes Inkrafttreten |
|---|---|
| Grundregel (u. a. Art. 3, 18 – § 50c EStG, § 238 AO, § 122 AO) | Tag nach der Verkündung [Art. 32 Abs. 1] |
| Artikel 1 (EStG-Folgeänderung) | rückwirkend zum 01.01.2020 [Art. 32 Abs. 2] |
| Artikel 28 (Finanzkonten-Informationsaustauschgesetz) | rückwirkend zum 06.12.2024 [Art. 32 Abs. 3] |
| Artikel 2 und 10 (EStG, Forschungszulagengesetz) | rückwirkend zum 01.01.2026 [Art. 32 Abs. 4] |
| Artikel 4, 13, 15, 19, 21, 27 (u. a. § 122a AO, PStTG) | 01.01.2027 [Art. 32 Abs. 5] |
| Artikel 5, 9, 17 | 01.01.2029 [Art. 32 Abs. 6] |
| Artikel 14 und 16 (u. a. § 2c UStG) | 01.07.2029 [Art. 32 Abs. 7] |

## Häufige Fehler

- **„Der höhere Zinssatz gilt rückwirkend für alte Steuerjahre."** Nein. Nach dem Entwurf gilt der Satz von 0,3 % je Monat für Zinsen, die **nach dem 31. Dezember 2026 entstehen**. Für Zinszeiträume bis einschließlich 2026 bleibt es bei 0,15 % je Monat.
- **„Ab 2027 muss ich einen ELSTER-Account anlegen."** Nein. Der Entwurf knüpft an ein **bereits vorhandenes aktives** Nutzerkonto an. Wer keines hat, erhält seinen Bescheid weiterhin per Post.
- **„Die vierwöchige Einspruchsfrist beginnt, wenn ich den Bescheid abrufe."** Nein. Die Bekanntgabe gilt nach § 122a Abs. 4 S. 1 AO am **vierten Tag nach der Bereitstellung** – unabhängig davon, wann tatsächlich abgerufen wird. Die Einspruchsfrist läuft ab diesem Zeitpunkt.
- **„Nachzahlungszinsen fallen sofort nach dem Steuerjahr an."** Nein. Der Zinslauf beginnt erst **15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres**, in dem die Steuer entstanden ist (§ 233a Abs. 2 S. 1 AO).
- **„Die neue Organschaftsregelung gilt schon 2027."** Nein. § 2c UStG soll erst **ab dem 1. Januar 2030** anzuwenden sein; bis 31.12.2029 gilt § 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG in der alten Fassung.
- **„Das Gesetz ist beschlossen."** Nein. Es liegt ein **Regierungsentwurf** vor. Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen; Änderungen im Verfahren sind üblich.

## Beispiel

Eine Einkommensteuernachzahlung für das Jahr 2025 wird mit Bescheid vom 20. Mai 2027 festgesetzt. Der Zinslauf beginnt nach § 233a Abs. 2 S. 1 AO **15 Monate nach Ablauf von 2025**, also am 1. April 2027. Die Zinsen entstehen damit vollständig nach dem 31. Dezember 2026 und würden nach dem Entwurf mit **0,3 % je vollem Monat** berechnet – nach geltendem Recht wären es 0,15 %. Der zu verzinsende Betrag wird zuvor auf den nächsten durch 50 Euro teilbaren Betrag abgerundet (§ 238 Abs. 2 AO). Der Rechenweg folgt unmittelbar aus dem Gesetzeswortlaut; konkrete Euro-Beträge hängen vom Einzelfall ab.

## Quellen

- BMF, Pressemitteilung Nr. 14/2026 „Bundeskabinett beschließt Jahressteuergesetz 2026", 12.08.2026: https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2026/08/2026-08-12-jahressteuergesetz-2026.html
- BMF, Gesetzesvorhaben „Entwurf eines Jahressteuergesetzes 2026 (JStG 2026)": https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Gesetzestexte/Gesetze_Gesetzesvorhaben/Abteilungen/Abteilung_IV/21_Legislaturperiode/2026-05-19-JStG2026/0-Gesetz.html
- BMF, Regierungsentwurf eines Jahressteuergesetzes 2026 (PDF, Volltext mit Begründung): https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Gesetzestexte/Gesetze_Gesetzesvorhaben/Abteilungen/Abteilung_IV/21_Legislaturperiode/2026-05-19-JStG2026/2-Regierungsentwurf.pdf?__blob=publicationFile&v=2
- § 238 AO (Höhe und Berechnung der Zinsen), geltende Fassung: https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__238.html
- § 233a AO (Verzinsung von Steuernachforderungen und Steuererstattungen): https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__233a.html
- § 122a AO (Bekanntgabe durch Bereitstellung zum Datenabruf): https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__122a.html
- § 122 AO (Bekanntgabe des Verwaltungsakts): https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__122.html
- § 124 AO (Wirksamkeit des Verwaltungsakts): https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__124.html
- § 125 AO (Nichtigkeit des Verwaltungsakts): https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__125.html
- § 50c EStG (Entlastung vom Steuerabzug in bestimmten Fällen): https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__50c.html
- § 32 EStG (Kinder, Freibeträge für Kinder): https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__32.html
- § 33a EStG (Außergewöhnliche Belastung in besonderen Fällen): https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__33a.html
- § 2 UStG (Unternehmer, Unternehmen – bisherige Organschaftsregelung): https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__2.html
- § 4 FZulG (Höhe der Forschungszulage): https://www.gesetze-im-internet.de/fzulg/__4.html
- § 12 FZulG (Anwendung der Abgabenordnung): https://www.gesetze-im-internet.de/fzulg/__12.html
- § 1 PStTG (Anwendungsbereich des Plattformen-Steuertransparenzgesetzes): https://www.gesetze-im-internet.de/psttg/__1.html

## Änderungsverlauf

- 2026-08-16: Erstveröffentlichung. Regierungsentwurf des JStG 2026 (BMF-PDF, Stand 14.08.2026) im Volltext ausgewertet; Art. 3 Nr. 6, 7, 17, Art. 10, Art. 11, Art. 14 Nr. 4, Art. 18 Nr. 10, 14, 15, Art. 19 Nr. 3–5, Art. 20, Art. 27 Nr. 1 und Art. 32 wörtlich geprüft. Geltendes Recht (§§ 122a, 124, 125, 233a, 238 AO, § 50c EStG) im amtlichen Wortlaut auf gesetze-im-internet.de gegengeprüft. Alle Quellen-URLs auf HTTP 200 getestet. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-08-16
- Gültig ab: noch nicht in Kraft (Regierungsentwurf vom 12.08.2026)
- Status: Entwurf (cabinet_draft)
- Quellenautorität: A (gesetze-im-internet.de für das geltende Recht; BMF als Urheber des Regierungsentwurfs)
- Lizenz: CC BY 4.0
