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title: Sperrvermerk im Anschreiben – Bewerbung aus ungekündigter Stellung vertraulich behandeln 2026
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# Sperrvermerk im Anschreiben – Bewerbung aus ungekündigter Stellung vertraulich behandeln 2026

## Kurzantwort

Der **Sperrvermerk** ist eine kurze Bitte im Bewerbungsanschreiben, die Bewerbung **vertraulich zu behandeln** und **keinen Kontakt zum aktuellen Arbeitgeber** aufzunehmen. Er wird verwendet, wenn man sich **aus ungekündigter Stellung** bewirbt. Eine **Legaldefinition oder eigene Rechtsnorm gibt es nicht** — der Sperrvermerk ist kein Rechtsinstitut, sondern eine Erklärung mit zwei rechtlichen Wirkungen. **Erstens** konkretisiert er die ohnehin bestehende **vorvertragliche Rücksichtnahmepflicht** des möglichen Arbeitgebers: Mit dem Eingang der Bewerbung entsteht nach **§ 311 Abs. 2 BGB** ein Schuldverhältnis mit Pflichten nach **§ 241 Abs. 2 BGB**; wer diese Pflicht verletzt und den jetzigen Arbeitgeber informiert, haftet nach **§ 280 Abs. 1 BGB** (Verschulden bei Vertragsverhandlungen). **Zweitens** ist er datenschutzrechtlich eine **klare Verweigerung der Einwilligung**: Eine Rückfrage beim aktuellen Arbeitgeber ist eine Datenverarbeitung, die nur mit **ausdrücklicher Einwilligung nach Art. 6 Abs. 1 Buchst. a DSGVO** zulässig wäre — ohne sie drohen **Schadensersatz nach Art. 82 DSGVO** und eine Beschwerde nach **Art. 77 DSGVO**. Eine Bewerbung aus ungekündigter Stellung ist **erlaubt und nicht anzeigepflichtig**. Der Sperrvermerk gehört in den **Schlussabsatz des Anschreibens** oder als Zusatz in den Betreff; er darf **nicht zu einer Benachteiligung im Auswahlverfahren** führen (**§§ 1, 7 AGG**).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Legaldefinition „Sperrvermerk" | Nein — kein eigener gesetzlicher Tatbestand |
| Rechtsnatur | Bitte um Vertraulichkeit + Verweigerung der Einwilligung |
| Vorvertragliches Schuldverhältnis | Entsteht mit Bewerbung, § 311 Abs. 2 BGB |
| Inhaltliche Pflicht des Arbeitgebers | Rücksicht auf Rechte und Interessen, § 241 Abs. 2 BGB |
| Haftung bei Indiskretion | Schadensersatz, § 280 Abs. 1 BGB (c.i.c.) |
| Bewerber = Beschäftigte i. S. d. BDSG | Ja, § 26 Abs. 8 Satz 2 BDSG |
| Rechtsgrundlage Bewerbungsverarbeitung | Art. 6 Abs. 1 Buchst. b DSGVO (vorvertragliche Maßnahme) |
| Kontakt zum aktuellen Arbeitgeber | Nur mit Einwilligung, Art. 6 Abs. 1 Buchst. a DSGVO |
| Sanktion bei unbefugter Kontaktaufnahme | Art. 82 DSGVO (Schadensersatz), Art. 77 DSGVO (Beschwerde) |
| Anzeigepflicht gegenüber jetzigem Arbeitgeber | Nein — Bewerbung ist Privatsache |
| Grenze für den Bewerber | Keine Bewerbung mit Arbeitsmitteln/in der Arbeitszeit, § 241 Abs. 2 BGB |
| Freistellung für Vorstellungsgespräch | § 629 BGB **erst nach** ausgesprochener Kündigung |
| Passendes Zeugnis bei laufendem Job | Zwischenzeugnis; Endzeugnis erst bei Beendigung, § 109 GewO |
| Position im Anschreiben | Schlussabsatz (empfohlen) oder Zusatz im Betreff |
| Benachteiligungsverbot im Verfahren | §§ 1, 7 AGG |
| Formvorschrift | Keine — Textbaustein genügt, Schriftform nicht erforderlich |
| Verwechslungsgefahr | Sperrvermerk in Abschlussarbeiten = anderer Begriff |

## Geltungsbereich

Der Sperrvermerk greift in der **Anbahnungsphase** eines Arbeitsverhältnisses und betrifft **zwei Rechtsverhältnisse gleichzeitig**.

**Gegenüber dem möglichen neuen Arbeitgeber** entsteht mit dem Zugang der Bewerbung ein **vorvertragliches Schuldverhältnis**. **§ 311 Abs. 2 BGB** ordnet an, dass ein Schuldverhältnis mit Pflichten nach § 241 Abs. 2 BGB auch durch die **Aufnahme von Vertragsverhandlungen**, die **Anbahnung eines Vertrags** oder **ähnliche geschäftliche Kontakte** entsteht. **§ 241 Abs. 2 BGB** verpflichtet jede Seite zur **Rücksicht auf die Rechte, Rechtsgüter und Interessen der anderen**. Daraus folgt bereits ohne ausdrückliche Bitte eine **Verschwiegenheitspflicht** über die Tatsache der Bewerbung. Der Sperrvermerk hebt diese Pflicht ausdrücklich hervor und erleichtert im Streitfall den **Nachweis**, dass der Arbeitgeber die Vertraulichkeit kannte. Verletzt er sie — etwa durch einen kollegialen Anruf beim jetzigen Arbeitgeber — kommt eine Haftung nach **§ 280 Abs. 1 BGB** in Betracht (Verschulden bei Vertragsverhandlungen, „culpa in contrahendo"); ersatzfähig ist der daraus entstehende Schaden, praktisch aber schwer zu beziffern und nachzuweisen.

**Datenschutzrechtlich** sind Bewerberinnen und Bewerber nach **§ 26 Abs. 8 Satz 2 BDSG** ausdrücklich **Beschäftigte**. Die Verarbeitung der Bewerbungsunterlagen stützt sich auf **Art. 6 Abs. 1 Buchst. b DSGVO** (Durchführung vorvertraglicher Maßnahmen auf Anfrage der betroffenen Person) — seit dem **EuGH-Urteil vom 30.03.2023 (C-34/21)** trägt § 26 Abs. 1 Satz 1 BDSG allein diese Verarbeitung nicht mehr. Eine **Rückfrage beim aktuellen Arbeitgeber** geht über die Auswahlentscheidung hinaus und ist eine eigenständige Verarbeitung, die eine **ausdrückliche Einwilligung nach Art. 6 Abs. 1 Buchst. a DSGVO** voraussetzt. Der Sperrvermerk macht unmissverständlich deutlich, dass diese Einwilligung **nicht erteilt** ist. Kontaktiert der Arbeitgeber dennoch, kommen **Schadensersatz nach Art. 82 DSGVO** und eine **Beschwerde bei der zuständigen Landesdatenschutzbehörde nach Art. 77 DSGVO** in Betracht.

**Gegenüber dem aktuellen Arbeitgeber** besteht **keine Pflicht, die Bewerbung anzuzeigen**. Die Stellensuche ist durch die Berufsfreiheit gedeckt und Privatsache. Die Rücksichtnahmepflicht aus **§ 241 Abs. 2 BGB** wirkt hier allerdings in die Gegenrichtung: Bewerbungen dürfen **nicht während der Arbeitszeit** und **nicht mit Arbeitsmitteln des Arbeitgebers** (Dienst-E-Mail-Adresse, Firmendrucker, Diensttelefon) erstellt oder versendet werden. Ein **Anspruch auf bezahlte Freistellung für Vorstellungsgespräche nach § 629 BGB** besteht **erst nach Ausspruch der Kündigung** — vorher ist Urlaub oder Gleitzeit zu nehmen. Wer noch im laufenden Arbeitsverhältnis steht, legt der Bewerbung ein **Zwischenzeugnis** bei; der Anspruch auf das **Endzeugnis nach § 109 GewO** entsteht erst mit Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

## Abgrenzung: drei verschiedene „Vermerke"

```
1) SPERRVERMERK IN DER BEWERBUNG  (dieses Thema)
   Zweck:   Bewerbung aus ungekündigter Stellung geheim halten
   Adressat: möglicher neuer Arbeitgeber
   Grundlage: §§ 311 Abs. 2, 241 Abs. 2 BGB; Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO
   Wirkung: Verschwiegenheit + Verbot der Kontaktaufnahme

2) ZUSATZ „PERSÖNLICH / VERTRAULICH" IM ANSCHRIFTFELD
   Zweck:   Nur die benannte Person darf den Brief öffnen
   Adressat: Poststelle des Unternehmens
   Grundlage: Gestaltungsregel des Geschäftsbriefs (DIN 5008)
   Wirkung: betrifft nur den Postweg, NICHT die Weitergabe im Haus

3) SPERRVERMERK IN ABSCHLUSSARBEITEN
   Zweck:   Betriebsgeheimnisse in Bachelor-/Masterarbeit schützen
   Adressat: Hochschule, Prüfer, Bibliothek
   Grundlage: Vereinbarung mit dem Unternehmen, Prüfungsordnung
   Wirkung: Sperrung der Veröffentlichung, meist 3–5 Jahre
   >>> Hat mit dem Bewerbungs-Sperrvermerk nichts zu tun.
```

## Formulierung und Platzierung

```
PLATZIERUNG A – Schlussabsatz des Anschreibens (Standard):

„Da ich mich derzeit in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis
 befinde, bitte ich Sie um vertrauliche Behandlung meiner
 Bewerbung und darum, von einer Kontaktaufnahme mit meinem
 jetzigen Arbeitgeber abzusehen."

PLATZIERUNG B – Zusatz im Betreff (knapp, gut sichtbar):

Betreff: Bewerbung als Projektleiterin – vertraulich
         (Bewerbung aus ungekündigter Stellung)

PLATZIERUNG C – Bei genannten Referenzen (klare Ausnahme):

„Meine Bewerbung erfolgt aus ungekündigter Stellung. Für eine
 Rücksprache mit meinem derzeitigen Arbeitgeber liegt keine
 Einwilligung vor. Die unter ‚Referenzen' genannten früheren
 Vorgesetzten dürfen Sie gern kontaktieren."

PLATZIERUNG D – Online-Bewerbungsportal ohne Freitextfeld:

Sperrvermerk in das Feld „Anschreiben"/„Nachricht" setzen oder
in die erste Zeile des hochgeladenen Anschreiben-PDF. Nicht auf
den Dateinamen verlassen — der wird nicht mitgelesen.
```

**Länge:** ein bis zwei Sätze genügen. Der Sperrvermerk ist eine **sachliche Bitte**, keine Rechtsbelehrung — Formulierungen mit Paragraphenzitaten oder Haftungsandrohungen wirken misstrauisch und sind nicht erforderlich, weil die Pflicht ohnehin besteht.

## Häufige Fehler

- **„Ohne Sperrvermerk darf der neue Arbeitgeber meinen Chef anrufen."** Falsch — die Verschwiegenheitspflicht folgt bereits aus §§ 311 Abs. 2, 241 Abs. 2 BGB, und die Kontaktaufnahme wäre auch ohne Sperrvermerk mangels Einwilligung datenschutzwidrig. Der Sperrvermerk verbessert nur die **Beweislage**.
- **„Der Sperrvermerk verpflichtet den Arbeitgeber rechtlich zur Geheimhaltung, weil er eine eigene Rechtsnorm hat."** Falsch — es gibt **keine Norm zum Sperrvermerk**. Die Bindung ergibt sich aus dem allgemeinen vorvertraglichen Schuldverhältnis und dem Datenschutzrecht.
- **„Ein Sperrvermerk verschlechtert meine Chancen."** Rechtlich nicht — eine Benachteiligung wegen eines geschützten Merkmals verbietet §§ 1, 7 AGG; die Bewerbung aus ungekündigter Stellung ist selbst kein solches Merkmal, aber personalseitig völlig üblich und unauffällig.
- **„,Persönlich/Vertraulich' auf dem Umschlag reicht als Sperrvermerk."** Nein — dieser Zusatz steuert nur, wer den Brief **öffnen** darf. Er sagt nichts darüber aus, ob intern über die Bewerbung gesprochen oder der jetzige Arbeitgeber kontaktiert werden darf.
- **„Ich muss meinem aktuellen Arbeitgeber sagen, dass ich mich bewerbe."** Falsch — es besteht **keine Anzeigepflicht**. Umgekehrt gilt aber die Rücksichtnahmepflicht: keine Bewerbung über die Dienst-E-Mail-Adresse oder in der Arbeitszeit.
- **„Für das Vorstellungsgespräch muss mich mein Arbeitgeber freistellen."** Falsch in dieser Phase — **§ 629 BGB** greift erst **nach** ausgesprochener Kündigung. Vorher: Urlaub, Gleitzeit oder Termin außerhalb der Arbeitszeit.
- **„Ich lege mein Arbeitszeugnis bei."** Nicht möglich bei laufendem Arbeitsverhältnis — der Anspruch nach § 109 GewO entsteht erst bei Beendigung. Beizulegen ist ein **Zwischenzeugnis**; dessen Anforderung kann allerdings selbst Fragen auslösen.
- **„Der Sperrvermerk gilt auch für alle Referenzen."** Zu pauschal — sinnvoll ist, ausdrücklich zu trennen: Sperre für den **aktuellen** Arbeitgeber, Freigabe für **frühere** Vorgesetzte, deren Einwilligung vorliegt.
- **„Sperrvermerk ist gleich Sperrvermerk."** Nein — der **Sperrvermerk in Abschlussarbeiten** schützt Betriebsgeheimnisse gegenüber der Hochschule und hat mit der Bewerbung nichts zu tun.









## Quellen

- § 241 BGB – Pflichten aus dem Schuldverhältnis (Abs. 2: Rücksichtnahmepflicht): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__241.html
- § 311 BGB – Rechtsgeschäftliche und rechtsgeschäftsähnliche Schuldverhältnisse (Abs. 2: Vertragsanbahnung): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__311.html
- § 280 BGB – Schadensersatz wegen Pflichtverletzung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__280.html
- § 629 BGB – Freizeit zur Stellensuche (erst nach Kündigung): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__629.html
- § 109 GewO – Zeugnis (Endzeugnis erst bei Beendigung, Zwischenzeugnis): https://www.gesetze-im-internet.de/gewo/__109.html
- § 26 BDSG – Datenverarbeitung für Zwecke des Beschäftigungsverhältnisses (Abs. 8 Satz 2: Bewerber = Beschäftigte): https://www.gesetze-im-internet.de/bdsg_2018/__26.html
- Art. 6 DSGVO – Rechtmäßigkeit der Verarbeitung (lit. a Einwilligung, lit. b vorvertragliche Maßnahmen): https://dsgvo-gesetz.de/art-6-dsgvo/
- Art. 77 DSGVO – Beschwerderecht bei einer Aufsichtsbehörde: https://dsgvo-gesetz.de/art-77-dsgvo/
- Art. 82 DSGVO – Haftung und Recht auf Schadenersatz: https://dsgvo-gesetz.de/art-82-dsgvo/
- EuGH, Urteil vom 30.03.2023, C-34/21 – zu § 26 BDSG / Art. 88 DSGVO (Erläuterung Landesbeauftragter BW): https://www.baden-wuerttemberg.datenschutz.de/faq-rechtsgrundlagen-bei-beschaeftigtendaten/
- §§ 1, 7 AGG – Benachteiligungsverbot im Bewerbungsverfahren: https://www.gesetze-im-internet.de/agg/
- DIN Media – DIN 5008 Schreib- und Gestaltungsregeln (Anschriftfeld, Zusatz- und Vermerkzone): https://www.dinmedia.de/de/themenseiten/din-5008
- Bundesagentur für Arbeit – Bewerbung: https://www.arbeitsagentur.de/bildung/bewerbung

## Änderungsverlauf

- 2026-08-25: Seite neu erstellt (Sub-Aspekt „Sperrvermerk / Bitte um vertrauliche Behandlung" des Anschreiben-Clusters, Dienstags-Rotation). Rechtsgrundlagen §§ 241 Abs. 2, 280 Abs. 1, 311 Abs. 2, 629 BGB, § 109 GewO, § 26 Abs. 8 BDSG sowie Art. 6, 77, 82 DSGVO gegen gesetze-im-internet.de bzw. den DSGVO-Volltext geprüft; Einordnung von § 26 Abs. 1 BDSG im Licht von EuGH C-34/21 (30.03.2023) aus dem bestehenden Bewerberdatenschutz-Topic übernommen. `factcheck_status=review_needed` gesetzt, weil der Sperrvermerk **keine eigene Rechtsnorm** hat und die Bindungswirkung dogmatisch aus dem vorvertraglichen Schuldverhältnis (c.i.c.) abgeleitet wird — dieser Ableitungsschritt sowie die DIN-5008-Aussage zur Zusatz- und Vermerkzone sollten durch einen Fachreview bestätigt werden. DIN-Quelle bewusst auf dinmedia.de (nicht beuth.de) gesetzt. | change_type=create reviewed_by="karriere-agent"

## Stand

- Stand: 2026-08-25
- Gültig ab: 2002-01-01 (§ 311 Abs. 2 BGB i. d. F. der Schuldrechtsmodernisierung); datenschutzrechtlicher Teil seit 25.05.2018 (DSGVO)
- Status: aktuell — für den Sperrvermerk existiert unverändert keine eigene gesetzliche Regelung
- Quellenautorität: B (Auslegung allgemeiner Normen, kein spezieller Normtext)
- Offene Prüfpunkte: dogmatische Herleitung der Haftung über c.i.c. sowie DIN-5008-Zuordnung des Vermerks „Vertraulich" (factcheck_status = review_needed)
- Lizenz: CC BY 4.0
